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Tschechoslowakei, Ökumenischer Rat 1957


Der Ökumenische Rat in der Tschechoslowakei hatte vom 3. bis 5. Dezember 1957 zu einer „gesamtstaatlichen Konferenz der kirchlichen Arbeiter“ nach Prag eingeladen. Sie hatte unter dem Thema gestanden: „Der Kampf gegen die thermonuklearen Waffen als Aufgabe der Christen in der Kirche“. An ihrem Ende war eine Resolution verabschiedet worden, aus der wir wesentliche Passagen hier in Erinnerung rufen. Daran mag deutlich werden, welch lange Inkubationszeit das „Neue Denken“ hatte, das heute erste Früchte trägt. Das sollte uns auch mahnen, daß Resignation zu keiner Stunde der Geschichte angebracht ist. (Überschrift und redaktionelle Vorbemerkung durch: Neue Stimme, Nr. 1/88)

Im Bewußtsein der großen Verantwortung vor Gott und den Menschen betrachten wir die folgenden Aufgaben der Kirche als besonders dringlich:

  1. Ihre Sendung in einer Welt, die tiefe soziale, wirtschaftliche und technische Änderungen durchmacht, real zu sehen.

  2. Ihre Verantwortung für die Entwicklung in der Welt, für den Verfall von Glauben und Sittlichkeit der sogenannten christlichen Welt zu verstehen und die Ursachen dieser Entwicklung zu prüfen.

  3. Bußfertig zu bekennen, daß die Kirchen nicht immer genügend die sozialen Lebensschwierigkeiten des arbeitenden Menschen fühlten.

  4. In Demut zu bekennen, daß Spaltung, Mißtrauen und Mangel an Liebe unter den Kirchen eine Sünde ist, die der Herr selbst verurteilt. Verantwortungvoll darauf achten, daß sich in die Kirche nicht diejenigen flüchten, die das Christentum zu egoistischen Zielen mißbrauchen möchten.

  5. Zu begreifen, daß die Herstellung sozialer Ordnungen in der Welt und in den aktuellen historischen Bedingungen ohne Krieg verwirklicht werden können und müssen.

  6. Intensiv für die friedliche Lösung strittiger internationaler Fragen zu arbeiten, das Verständnis unter den Nationen zu fördern und dies in der ökumenischen Bewegung, wie auch in Mitarbeit in den Friedensbestrebungen in der Welt.

  7. Die Atomwaffen, ihren Gebrauch, ja selbst die Versuche mit ihnen, die die Zivilisation und die Existenz der Menschheit bedrohen, zu verurteilen und abzulehnen und die größten Bemühungen an den Tag zu legen, damit die Atomenergie für das Wohl der Menschheit ausgenützt werde.

  8. Im Bewußtsein der Verantwortung für Leben und Tod der Menschheit die Einberufung eines christlichen Weltkonzils zu erwägen, bei welchem verantwortliche Vertreter der Christenheit im Interesse der gegenwärtigen Generationen den Krieg, jedes Rüsten, alle Massenvernichtungswaffen ohne jeden Unterschied entschieden verurteilen und ihr eindringliches Wort über die Notwendigkeit des Friedens für die heutige unruhige Welt sagen würden.

Indem wir die volle Gültigkeit dieser Forderungen anerkennen, wollen wir in unsern Kirchen alles tun, daß sie nicht bloß leere Worte bleiben. Indem wir auch keine einzige der gestellten Aufgaben unterschätzen, betrachten wir erhöhte Bemühungen um das Verbot der Atomwaffen und der Versuche mit ihnen, sowie die Bestrebungen um die Verwirklichung der wahren Koexistenz als die allerdringlichste und im gegebenen Augenblick als die dringlichste Aufgabe.

Quelle: Heinz-Günther Stobbe u.a.: Quellen und Zeugnisse. Münster 1995.

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