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Schweiz, Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK), Schweizerisches Ökumenisches Komitee für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, Botschaft zum Halljahr, 1990


An alle, die in diesem Land wohnen, Christen und Christinnen, richten wir uns mit dieser Botschaft:

Die 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft wird Vergangenes in Erinnerung rufen und Erreichtes feiern. Sie gibt uns zugleich die Gelegenheit, über den Sinn des Bundes nachzudenken, der die Bewohner unseres Landes vereint.
Das Jahr 1991 soll dazu dienen, uns über die Rolle der Schweiz Rechenschaft abzulegen und die großen Herausforderungen aufzunehmen, die sich unserem Land und der gesamten Menschheit heute stellen. Wenn der Weg in die Zukunft frei werden soll, ist eine tiefgreifende Neuorientierung erforderlich.
Nachweisbar leben eine halbe Million Menschen in unserem Land in Armut und werden an den Rand gedrängt. Für Millionen in der weiten Welt ist die Zukunft überhaupt in Frage gestellt. Die Armut und die Verschuldung der Dritten Welt sind in unseren Augen ein unerträglicher Skandal.
Doch Gott ruft uns auf, für Gerechtigkeit in dieser Welt einzutreten.

Gewalt ist überall, die tägliche Gewalt in den gegenseitigen menschlichen Beziehungen, die versteckte Gewalt an Frauen und Kindern, die Gewalt diktatorischer Regime gegen Andersdenkende und vor allem die Gewalt der Kriege, an der auch die Schweiz sowohl durch die Produktion als durch den Handel mit Waffen beteiligt ist. Jeder neue Konflikt ruft uns die ständige Gefahr eines nuklearen Krieges wieder neu in Erinnerung.
Doch Gott ruft uns auf, für den Frieden in dieser Welt zu kämpfen.

Die Luft, die wir atmen, ist durch unser eigenes Einwirken verseucht. Die steigende Erwärmung der Atmosphäre bedroht die Lebensbedingungen auf diesem Planeten. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind bereits verschwunden oder sind in ihrer Existenz gefährdet. Der Boden wird übernutzt und die nicht-erneuerbaren Schätze der Erde werden vergeudet.
Doch Gott ruft uns auf, mit der Schöpfung in Eintracht zu leben.

Um gemeinsam den Bund in Erinnerung zu rufen, den Gott mit den Menschen eingegangen ist, haben sich die Kirchen in der ökumenischen Bewegung für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zusammengefunden. Gott will zum Leben befreien. Wir sagen dies im Vertrauen auf Jesus Christus, der am Anfang seines Wirkens sagte:
„Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ (Lk 4,18-19).
Wir hoffen auf diese Befreiung. Wo Menschen befreit werden, erkennen wir Gottes Gegenwart unter uns.

Zwei wichtige ökumenische Ereignisse für mehr Frieden und Gerechtigkeit haben auf internationaler Ebene in jüngster Zeit stattgefunden: die europäische ökumenische Versammlung von Basel im Mai 1989 und die Weltversammlung in Seoul im März 1990.
Für die Schweiz schlagen wir vor, das Jahr 1991 als Halljahr zu feiern, als Gnadenjahr, wie es uns die Bibel beschreibt: Alle siebenmal sieben Jahre sollte Israel Gottes Bund auf besondere Weise in Erinnerung rufen. Es sollte den Boden für ein Jahr ruhen lassen, die Sklaven befreien, den Schuldnern die Schulden erlassen und allen Bewohnern des Landes wieder zu ihrem Erbe verhelfen. Ein Jahr der Gerechtigkeit und Versöhnung unter Gottes befreiendem Bund!
Ermutigt durch Gottes Verheißung wollen wir uns zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, die für eine gerechtere und gewaltfreiere Welt eintritt und in der Achtung vor Gottes Schöpfung lebt.
Wir wissen, daß überall auf Erden unzählige Männer und Frauen denselben Weg gehen. Wir wollen uns mit allen vereinen, die für den Schutz der Menschenrechte arbeiten, sich für die Versöhnung unter den Menschen und den Völkern einsetzen und den Frieden mit der Schöpfung suchen.

Zu Beginn des Halljahres 1991 sehen wir folgende Ziele im Vordergrund:

Für mehr Gerechtigkeit wollen wir

  • alle dort, wo wir wohnen und leben, uns einsetzen, daß die Armut in unserem Land, ganz besonders jene von alleinstehenden Frauen und Müttern, überwunden werden kann;
  • im Sinne der Petition „Entwicklung braucht Entschuldung“, die mit 250.000 Unterschriften eingereicht worden ist, alle Anstrengungen unterstützen, um den ärmsten Ländern die Schulden zu erlassen;
  • für eine gerechtere Welthandelsordnung und die Erhöhung der schweizerischen Entwicklungshilfe auf 0,5% unseres Bruttosozialproduktes eintreten.

Für mehr Frieden wollen wir

  • der Gewalt dort, wo wir ihr begegnen, entgegentreten;
  • für die freie Wahl zwischen Militär- und Gemeinschaftsdienst einstehen;
  • und in der Schweiz das Verbot der Waffenausfuhr durchsetzen.

Für die Bewahrung der Schöpfung wollen wir

  • durch einen zurückhaltenden Lebensstil den Energiekonsum senken und dafür eintreten, daß der Verbrauch von Energie in unserem Land in den kommenden Jahren jährlich um 2% geringer wird.

Der Geist, der auf Jesus ruhte, ist auch heute am Werk. Er wird immer wieder weit über unsere Erwartungen hinaus wirken. Neues kann werden. Das ist die Hoffnung, die wir mit dem „Halljahr 1991“ verbinden.

Schweizerisches Ökumenisches Komitee
für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung
im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
in der Schweiz (AGCK)

November 1990

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