Landessynode der Evangelischen Kirche, Stellungnahme zum Schlussdokument der Europäischen Oekumenischen Versammlung in Basel, 1989
Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden
Mit Freude und Dankbarkeit blicken wir auf die europäische Ökumenische
Versammlung in Basel zurück. Die Begegnung von Christen aus fast allen
europäischen Kirchen und die Verabschiedung des Schlußdokuments Frieden
in Gerechtigkeit mit überwältigender Mehrheit der Delegierten
empfinden viele als die Erhörung ihrer Gebete.
| 1. |
Die Landessynode begrüßt ausdrücklich dieses
Ergebnis. Sie dankt allen Delegierten, aber auch allen, die sich mit Stellungnahmen
in die Vorbereitung eingeschaltet und den konziliaren Prozeß mitgetragen
haben. |
| 2.1 |
Die Landessynode übergibt das Schlußdokument den
Kirchenbezirken und Kirchengemeinden mit der Bitte, wie bei der Vorbereitung
und Durchführung der Europäischen Ökumenischen Versammlung,
das Dokument mit den anderen christlichen Kirchen am Ort zu lesen und zu
bedenken. |
| 2.2 |
Die Landessynode schlägt vor, die Themen Gerechtigkeit,
Frieden, Bewahrung der Schöpfung und die Aussagen des Basler
Schlußdokuments in den ökumenischen Gebetswochen aufzunehmen,
die bereits in vielen Gemeinden fest verankert sind (vgl. Dokument, Ziffer
97). |
| 3.1 |
Für den Fortgang des konziliaren Prozesses ist es entscheidend,
wie die Aufgabe der Rezeption aufgefaßt und gelöst wird. Eine
formale, pauschale Erklärung wird der Intention des Dokuments nicht
gerecht. Dieses ruft zur Umkehr. Unsere Bereitschaft, die Aussagen von Basel
zu übernehmen, wird daran gemessen, wieweit es gelingt, Umkehr zum
verpflichtenden Ziel unseres Lebens als einzelne und als Gemeinschaft zu
machen (vgl. Ziffer 1). |
| 3.2 |
Das Dokument ist in drei Schritten aufgebaut: Sehen, urteilen,
handeln. So wird in ihm Umkehr begründet. Diese drei Schritte geben
die Richtung an, in der in den Gemeinden das Dokument konkrete Gestalt gewinnen
kann. Das setzt Bereitschaft zunächst zur Auseinandersetzung auch mit
anderen Auffassungen und dann zum Handeln voraus. |
| 3.3 |
Die Landessynode bittet die Arbeitsgemeinschaft Werke und
Dienste, zum Schlußdokument Frieden in Gerechtigkeit eine
Arbeitshilfe zu erstellen. |
| 4. |
Im einzelnen verweist die Landessynode insbesondere auf
folgendes: |
| 4.1 |
Die theologische Begründung des Dokuments (III) und
seine konkreten Aussagen müssen im Zusammenhang gesehen und geprüft
werden. |
| 4.2 |
Dabei sollten vor allem auch die Abschnitte bedacht werden,
in denen das Selbstverständnis von Kirche formuliert ist (37-40). |
| 4.3 |
Die Aussagen unter IV Sündenbekenntnis und Umkehr
zu Gott buchstabieren Umkehr in ihrer Konkretion beispielhaft. Sie
müssen bezogen werden auf die jeweilige Situation. Darum stellt das
Dokument fest (Ziffer 95):
Das Schlußdokument ist auf europäischer Ebene formuliert
worden und bleibt damit notwendigerweise etwas allgemein. Daher müssen
die Ortskirchen und Gemeinden die Analysen konkreter ausarbeiten und die
Verpflichtung zum Handeln genauer präzisieren.
In diesem Zusammenhang bittet die Landessynode, vor allem drei Bereiche
in die weiteren Überlegungen einzubeziehen:
|
| 4.3.1 |
Aussiedler, Umsiedler, Flüchtlinge kommen in den letzten
Monaten in größerer Zahl in unser Land. Sie suchen, soweit sie
Christen sind, auch in unserer Landeskirche eine Heimat. Das Thema Gerechtigkeit
könnte mit ihnen entfaltet werden und Gestalt annehmen. In vielen Gemeinden
rückte das Thema Gerechtigkeit auch durch Partnerschaften
mit Gemeinden in sozialistischen Ländern und Ländern der Dritten
Welt verstärkt ins Bewußtsein. |
| 4.3.2 |
Die Landessynode hat die Ältestenkreise wiederholt
aufgefordert, wehrpflichtigen Gemeindegliedern mit einem Brief Hilfe und
Begleitung bei der Gewissensbildung zu Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung
anzubieten. Hier besteht die Möglichkeit, sich an einer Stelle in das
Ringen um mehr Frieden einzuschalten. |
| 4.3.3 |
Rund 200 Gemeinden in unserer Landeskirche haben bisher
das Projekt Betrifft Schöpfung: Ökologie in der Kirchengemeinde
aufgenommen. Unsere Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung
fängt da an, wo wir Zusammenhänge begreifen, bewußt entscheiden,
auch kleine Schritte als Beitrag zu einem großen Ziel verstehen. |
| 5. |
Die Landessynode nimmt die Anregung der europäischen
ökumenischen Versammlung auf und leitet das Schlußdokument den
Abgeordneten des Bundes- und des Landtags zu mit der Empfehlung, seine Vorschläge
in ihre Überlegungen einzubeziehen (Ziffer 5). |
Die europäische ökumenische Versammlung war eine Etappe auf einem
gemeinsamen Weg. Ihre Aussagen sind eine Standortbestimmung. Als Landessynode
verpflichten wir uns, diesen Weg weiterzugehen. Er steht unter der Verheißung:
Wir sagen Gott Dank, der alles Bestehende erschaffen hat, Gott, dem
Sohn, der die Welt mit dem Vater versöhnt hat, und allen Menschen - als
einzelnen und in Gemeinschaft - das Heil anbietet, und Gott, dem heiligen Geist,
der das Leben schenkt und vollkommen macht. Wir freuen uns auf das Kommen des
Gottesreiches, in dem sich Frieden und Gerechtigkeit umarmen, und die ganze
Schöpfung erneuert wird. Und wir sind dankbar für jedes Zeichen der
Gottesherrschaft, das schon jetzt unter uns sichtbar wird. (Ziffer 2)
19. Oktober 1989
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