Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Anregungen zum Basisdialog im konziliaren Prozeß, 1989
Wir wollen nicht alles beim alten lassen! Anregungen zum Basisdialog im konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung
1. Einleitung
Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Dachverband der katholischen
Jugendverbände, hat auf der Hauptversammlung 1989 eine Plattform
zum konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der
Schöpfung verabschiedet und damit die Bedeutung unterstrichen, die
dieser Prozeß für unsere Arbeit in den Jugendverbänden hat.
Diese Anregungen zum Basisdialog richten sich an die örtlichen Gruppen
in den Mitgliedsverbänden des BDKJ; sie dienen der Vergewisserung über
unser Engagement im Rahmen des konziliaren Prozesses und sie sollen Euch ermutigen,
in Euren Gruppen die hier angesprochenen Themen zu diskutieren und Euch durch
eigene Aktionen an diesem Prozeß zu beteiligen. Wir möchten Euch
dazu auffordern, im Rahmen des konziliaren Prozesses den Dialog mit Gruppen
außerhalb des Verbandes (z.B. mit der evangelischen Jugend, mit Friedens-
und Eine-Welt-Gruppen etc.) zu suchen und zu verstärken; diese Anregungen
können dazu als Basis dienen.
Viele kleine Aktionen in Euren Gruppen können eine breite Bewegung werden.
Um dies auch nach außen sichtbar werden zu lassen, rufen wir alle Gruppen
dazu auf, durch Gruppenstunden, Gottesdienste, Aktionen und Gespräche während
des Zeitraums der Weltversammlung in Seoul vom 3.-13. März 1990 ein gemeinsames
Zeichen für ein gerechtes, friedliches und ökologisches Zusammenleben
aller Menschen zu setzen. Wir laden Euch heute schon ein, Eure Aktionen während
des Katholikentages vom 23.-27. Mai 1990 in Berlin im Jugendzentrum vorzustellen.
Konziliarer Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung
der Schöpfung - dieser Titel benennt die großen gesellschaftlichen
Herausforderungen, die für das Überleben der Menschheit heute angegangen
werden müssen. Der konziliare Prozeß fordert Christinnen und Chri-sten
dazu heraus, sich diesen Überlebensfragen zu stellen. So wollen diese Anregungen
zum Basisdialog auch Anstoß für eine entsprechende Weiterarbeit
in den Jugendverbänden nach der Weltversammlung in Seoul sein.
2. Problembeschreibung
Wir wissen, daß es in der Bundesrepublik Deutschland in vielen Dingen
recht gut geht. Wir kennen aber auch die Kehrseite der Medaille: Die großen
Ungerechtigkeiten im Handel mit der sogenannten Dritten Welt, die nach wie vor
hohe Zahl von Menschen ohne Erwerbsarbeitsplatz, die Verdrängung von Mädchen
und Frauen aus dem Arbeitsmarkt, die Gefährdung des Friedens durch Rüstungsexporte,
die Zerstörung der Umwelt durch unsere Art zu produzieren und zu konsumieren,
die Gefahr der direkten Eingriffe in das Programm des menschlichen
Lebens durch die Gentechnologie usw. Die Mitgliedsverbände und der BDKJ
haben in der Vergangenheit solche gesellschaftlichen Fehlentwicklungen immer
wieder kritisiert und Veränderungen gefordert.
Die großen Probleme und kleinen Schritte ...
Was kann denn mein Verband, was kann meine Gruppe zur Lösung dieser großen
Probleme schon beitragen? Der konziliare Prozeß versucht hierauf eine
Antwort zu geben: es geht da-rum, im Wissen um die großen gesellschaftlichen
Probleme die Mißstände vor Ort zu benennen und ihre Veränderung
gemeinsam mit anderen Menschen und Gruppen innerhalb und außerhalb der
Kirchen anzustreben. Die Devise heißt Global denken - lokal handeln.
Die vielfältigen Aktionen vor Ort ergeben zusammen einen wichtigen Beitrag
für ein gerechtes und friedliches Zusammenleben aller Menschen im Einklang
mit der Natur. Gerade Jugendverbände bieten besondere Möglichkeiten,
die Aktionen der einzelnen Gruppen zu vernetzen und in einen größeren
Zusammenhang zu stellen. Also: Jeder kleine Anstoß ist wichtig, um Steine
ins Rollen zu bringen.
... Die kleinen Schritte und große Richtung
Die vielfältigen Aktionen vor Ort, die vielen kleinen Schritte brauchen
jedoch eine Richtung, wenn wir uns in unserem Engagement nicht verrennen wollen.
Aber: Auch der BDKJ kann angesichts der vielen komplizierten und schwierigen
Probleme nicht eine Ideallösung für die Gesellschaft der Zukunft beschreiben.
Als Jugendverband können wir aber einen Weg benennen, wie sich ein solches
Idealbild Schritt für Schritt entwickeln läßt: Die Möglichkeiten
für Jugendverbände und ihre Mitglieder, über ihre Zukunft mitzuentscheiden,
müssen ausgedehnt werden. Es darf nicht länger nur über Jugendliche,
sondern es muß mit ihnen entschieden werden.
Für uns als Jugendverbände heißt das, daß wir die Lösung
der großen Zukunftsprobleme nicht den anderen überlassen, sondern
wir schalten uns selbst ein und machen unsere Wünsche und Vorstellungen
deutlich. Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, können wir uns
mit gewachsenen Machtstrukturen nicht abfinden, sondern wir müssen danach
fragen, wa-rum etwas so geworden ist, wie es ist. Wir lassen uns nicht mit dem
Satz Das war schon immer so oder mit dem Hinweis auf die Sachzwänge
abspeisen.
Es muß nicht so bleiben, wie es ist
Viele Gruppen in unseren Jugendverbänden haben damit bereits begonnen:
Sie fragen danach, was ihre zukünftigen Lebenschancen bedroht, sie suchen
nach den Ursachen und benennen die Verantwortlichen. Einige Beispiele:
- Mädchen und junge Frauen sehen, daß sie in vielen Bereichen der
Gesellschaft nach wie vor benachteiligt sind, daß sie weniger Chancen
haben als Jungen und Männer, ihren eigenen Lebensplan zu realisieren.
Sie sehen, daß in einer männlich geprägten Gesellschaft traditionelle
Rollenmuster immer noch bestimmend für unser Denken und Handeln sind.
Dagegen möchten Mädchen und junge Frauen in unseren Verbänden
zur Eroberung einer weiblichen Zukunft anstiften.
- Seit einigen Jahren gibt es im BDKJ ein kontinuierliches Engagement zu Südafrika.
Ziel ist es, die menschenverachtende Ungerechtigkeit des Apartheidregimes
in Südafrika auch bei uns im Bewußtsein zu halten und Schritte
zur Veränderung einzufordern. In diesem Engagement gegen die Apartheid
wird deutlich, daß es wichtige Stützen des Apartheidregimes auch
hier bei uns in der Bundesrepublik Deutschland gibt. Deshalb haben wir in
der letzten Aktionsdekade aufgerufen Stoppt die Verbündeten der
Apartheid und dazu aufgefordert, multinationale Konzerne und Großbanken,
die weiterhin lukrative Geschäfte mit Südafrika betreiben, zu boykottieren.
- Jugendverbände haben sich mit der Gefährdung unserer natürlichen
Lebensgrundlagen und der zukünftigen Generationen durch die Kernenergie
beschäftigt. Sie haben erkannt, daß unser augenblickliches Energieversorgungssystem
nicht auf Energieeinsparung ausgerichtet ist, sondern auf einen weiteren Ausbau
der Macht und der Gewinne der großen Energieversorgungsmonopole. Dagegen
treten Jugendverbände ein für eine möglichst umweltschonende
Energiegewinnung und die Dezentralisierung der gesamten Energieversorgung.
Interessen und Strukturen
Wir glauben nicht, daß es zufällig ist, daß sich Jugendverbände
gerade in diesen beispielhaft angegebenen Bereichen engagieren. Die Tatsache,
daß trotz wachsender Ungerechtigkeit und Unfrieden sowie einer zunehmenden
Zerstörung der Schöpfung kaum durchgreifende Veränderungsschritte
ergriffen werden, zeigt uns, daß es starke Kräfte und Interessen
gibt, die an einem Fortbestand der bisherigen Situation interessiert sind. Ungerechtigkeit,
Unfrieden und Zerstörung der Schöpfung sind also keine unveränderbaren
Begleiterscheinungen des täglichen Lebens, die einfach hingenommen
werden können.
Wenn Jugendverbände sich einmischen und mitentscheiden sollen, gilt es,
diese wirksamen Interessen herauszufinden, sie zu benennen und mit den eigenen
Interessen zu vergleichen. Die o.g. Beispiele machen deutlich, daß wir
in unserem Engagement bei der Frage nach den bestimmenden Interessen immer wieder
auf zwei Bereiche gestoßen sind, die für uns gesellschaftliche Macht-
und Herrschaftsstrukturen ausmachen: Die Prägung aller Bereiche der Gesellschaft
durch wirtschaftliche Machtinteressen und das Vorherrschen männlich bestimmter
Strukturen.
Wir wissen, daß diese kurze Einschätzung unvollständig ist.
Sie benennt jedoch wesentliche Aspekte, die in der Realität auf allen Ebenen
überprüfbar sind. Wenn Ihr eine solche Überprüfung vornehmen
wollt, könnt ihr Euch an folgenden Fragen orientieren:
- Welche unterschiedlichen Interessen bestimmen das Zusammenleben in Eurer
Gemeinde, in Eurer Stadt?
- Welche Interessen habt Ihr?
- Wer hat in Eurer Stadt, in Eurer Gemeinde die Macht; wie wird
sie ausgeübt; wie wirkt sie sich auf Euch aus?
- Welche Gruppen werden benachteiligt und diskriminiert? Welche Themen werden
totgeschwiegen?
- Schaut Euch bewußt die Situation von Mädchen und Frauen an. Was
machen sie (nicht)? Welche Einflußmöglichkeiten haben sie (nicht)?
3. Unsere Umkehr
Unser Engagement hat eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens zum Ziel,
die in Einklang mit der Schöpfung steht. Dabei gehen wir davon aus, daß
die Interessen und Strukturen, die für derzeitige krisenhafte Entwicklungen
verantwortlich sind, veränderbar sind; schließlich sind auch sie
durch menschliches Denken und Handeln geprägt.
Die Perspektive unseres christlichen Glaubens setzt auf die Hoffnung, daß
persönliche und gesellschaftliche Umkehr möglich ist. Sie fordert
uns auf, aus einem Geist dieser Hoffnung, nicht aus einem Geist der Resignation
und Anpassung zu handeln. Sie macht uns aber auch frei, eine Umkehr der krisenhaften
Entwicklungen - verbunden mit einer Umkehr in unserem Denken und Handeln - zu
wagen.
Eine dieser Grunderfahrungen unseres christlichen Glaubens ist die Erfahrung
dieser Welt als Schöpfung (sie ist hier stellvertretend für die anderen
Krisenfelder bzw. als Modell für eine lebensgerechte Welt skizziert):
Gott hat die Welt geschaffen und bleibt in seiner Schöpfung gegenwärtig.
Ihre Bewahrung ist allen Menschen von Gott aufgetragen. Wir Christen glauben,
daß die gesamte Schöpfung von der Liebe Gottes getragen bleibt, die
sich in Jesus Christus offenbart. Der Mensch ist dabei ein Teil der Schöpfung.
Die Ehrfurcht vor dem Leben verbietet es, andere Teile der Schöpfung prinzipiell
unter dem Gesichtspunkt ihres Nutzens und ihrer Verwertbarkeit für den
Menschen zu sehen. Vielmehr hat der Mensch den Auftrag von Gott übernommen,
Verantwortung für die Mitgeschöpfe wahrzunehmen.
Zu dieser Verantwortung gehört es, Natur nicht zum Objekt oder gar zum
Rohstoff für eine entfesselte Produktion und Technisierung werden zu lassen.
Insbesondere die Ausgestaltung der Technik darf keine Folgen für die Natur
nach sich ziehen, die nicht mehr umkehrbar sind, denn damit erhebt sich der
Mensch über Gottes Schöpfung und beraubt sich selbst der Freiheit
umzukehren.
Eine zweite Grunderfahrung ist für uns das Verständnis vom Menschen
in der Nachfolge Jesu. Wir sehen, daß unser Denken und Handeln selbst
zur wesentlichen Ursache der bestehenden Krise und drohender Gefahren für
die Zukunft der Schöpfung geworden sind. Wir Menschen haben uns oft über
die Natur gestellt und so getan, als wären technischer Machbarkeit keine
Grenzen gesetzt; dies haben wir dann als Fortschritt bezeichnet.
Wir glauben aber auch, daß wir Menschen befähigt sind, durch Einsicht,
Gewissen und Verantwortungsbewußtsein den Lauf der Dinge zu verändern.
Die Maßstäbe, die das Leben Jesu bestimmt haben, wie die Gewaltlosigkeit,
das Eintreten für Frieden und der solidarische Einsatz für Arme und
Schwache, müssen auch unser Leben ausmachen. So können wir umkehren
in unserem Denken und Handeln und eine Veränderung globaler Zukunftskrisen
einleiten.
Unsere Umkehr kehrt die Maßstäbe dieser Welt um
Dabei wissen wir, daß diese Umkehr ein mühsamer Weg ohne Erfolgsgarantien
ist; dies um so mehr, als globale Zukunftskrisen durch persönliches Handeln
so wenig beeinflußbar erscheinen. Doch vorherrschende Strukturen von Macht
und Herrschaft verändern sich nicht von selbst, ihnen kann und muß
die Vision einer anderen, lebensgerechten Welt entgegengesetzt werden.
Wir können teilhaben an dieser Vision, wenn wir alle in unserem je eigenen
Lebensbereich die nötigen Schritte tun. Gerade der konziliare Prozeß
ist heute eine Chance, daß sich Christinnen und Christen verschiedener
Konfessionen auf die gemeinsame christliche Tradition besinnen und gemeinsam
Strategien für eine friedliche und gerechte Zukunft im Einklang mit der
Natur entwickeln.
Eine Demokratisierung aller gesellschaftlichen Entscheidungsprozesse verbessert
die Chancen, daß sich unsere vielfältigen Formen politischer Einmischung
dann auch zu einer gesellschaftlichen Kraft formieren lassen und unsere Umkehr
nicht im privaten Bereich steckenbleibt. Die Hoffnung auf Umkehr macht uns frei
zum Handeln dort, wo wir leben, damit wir verändern, was ungerecht, unfriedlich
und wider die Schöpfung ist. Daher wollen wir im Wissen um die globale
Zukunftskrise lokal handeln, um wiederum global zu wirken.
4. Perspektiven zum Handeln für den BDKJ
Da wir möchten, daß alle Gruppen und auch jede/jeder einzelne in
unserer Gesellschaft sich für eine Veränderung einsetzen kann, hat
dies auch für unser eigenes Handeln Konsequenzen.
Zunächst einmal müssen sich die Gruppen in unseren Verbänden
verständigen, wofür und wie sie sich engagieren wollen. Sie müssen
lernen, sich zu streiten, miteinander, aber auch mit Verantwortlichen in ihrer
Stadt und den PolitikerInnen in Bonn. Sie müssen lernen, für ihre
Überzeugungen einzutreten, offen und ohne Scheu. Wo sie merken, daß
ihnen Mitwirkungsmöglichkeiten beschnitten werden, sollten sich die Jugendverbände
dafür einsetzen, gehört und ernstgenommen zu werden.
In den Gemeinden und Städten gibt es Gruppen mit ähnlichen Interessen.
Es lohnt sich, BündnispartnerInnen zu suchen und gemeinsam eine Sache anzugehen.
Darüber hinaus ist es dringend, auf Andersdenkende zuzugehen und einen
Dialog mit ihnen zu führen. Wenn die Ziele nicht miteinander vereinbar
sind, kann es auch notwendig sein, sich voneinander abzugrenzen, anstatt unterschiedliche
Positionen zu vertuschen. Von Erwachsenen, die sich engagieren, können
wir eine Menge lernen und können gleichzeitig Unterstützung für
das eigene Engagement bekommen.
Jugendverbände müssen lernen, die Risiken ihres Engagements zu kalkulieren
und ihre eigene Konfliktbereitschaft einzuschätzen. Wenn es sinnvoll und
notwendig ist, sollten sie sich aber auch zurückziehen können, um
Freiräume zu nutzen und zu gestalten.
Der BDKJ und sein Engagement
Der BDKJ auf Bundesebene hat für sein Engagement einige Leitlinien aufgestellt,
die wir Euch hier zur Diskussion stellen möchten.
- Wir wollen dafür sorgen, daß Jugendverbände und ihre Mitglieder
politisch lernen und handeln können und sich für ihre Interessen
einsetzen.
- Wir möchten gerne solidarisch miteinander leben und lernen; wir möchten
dies im Einklang mit der Natur tun und wenden uns gegen eine Ausbeutung der
natürlichen Lebensgrundlagen.
- Wir treten ein für die Verbindung von Lebensbereichen und gegen eine
Aufteilung von Lebenswelten, z.B. zwischen Arbeiten und Wohnen, zwischen Jungen
und Alten.
- Wir treten ein für die Selbstbestimmtheit von Mädchen und Frauen,
weil wir merken, daß sie in unserer Gesellschaft noch immer benachteiligt
werden. Wir wenden uns gegen die Aufrechterhaltung männlich geprägter
Strukturen.
- Wir wollen nicht, daß die deutsche Bevölkerung ihre Geschichte
verdrängt und setzen uns dafür ein, weiterhin Spuren unserer Vergangenheit
zu suchen und daraus zu lernen.
- Der BDKJ möchte gern das Zusammenleben der christlichen Kirchen verstärken
und auch mit anderen Religionen zusammenarbeiten.
- Wir setzen uns dafür ein, daß alle Kulturen in der Bundesrepublik
Deutschland einen Platz haben und wenden uns gegen Fremden- und Ausländerfeindlichkeit;
wir fördern Kontakte und Zusammenarbeit junger Menschen aller Kulturen.
- Wir treten dafür ein, daß Staaten nicht auf Kosten anderer Staaten
leben, wie z.B. die westlichen Industrienationen auf Kosten der Länder
der sogenannten Dritten Welt.
- Wir setzen uns ein für eine friedliche Welt ohne Waffen und fordern
die Überwindung des gegenwärtigen Abschreckungssystems; besonders
wenden wir uns gegen den Export von Rüstungsgüter in Länder
der sogenannten Dritten Welt.
Was könnt Ihr tun?
Wenn wir nach dem Grundsatz Global denken - lokal handeln leben
und handeln wollen, müssen wir uns im BDKJ auf den unterschiedlichen Ebenen
der Verbände für mehr Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung
einsetzen.
Wenn Ihr Euch dafür entscheidet, etwas zu verändern, so sucht Euch
BündnispartnerInnen und geht mit Eurem Anliegen an die Öffentlichkeit.
Eure Verbände geben Euch zahlreiche Anregungen zu Aktionsfeldern und sind
gerne bereit, Euch inhaltlich und mit Ideen zu unterstützen.
In der Jugendverbandsarbeit hat es sich bewährt, Aktionen nach den Schritten
Sehen - Urteilen - Handeln zu planen. Wir möchten Euch diese Idee gerne
anbieten, und als Hilfe für Eure Arbeit an die Hand geben.
Erster Schritt Sehen: Erkundungen
- Orterkundungen: Seht Euch Waffenlager, Flußläufe, Industriegebiete,
Denkmäler und ähnliches an. Schaut Euch an, mit welchen Un-Möglichkeiten
Kinder und Jugendliche in Eurer Region, Eurem Dorf und in Eurer Stadt leben.
- Strukturerkundungen: Laßt Euch erklären, wie die Gemeinde und
die Stadt aufgebaut sind. Findet heraus, wer wofür zuständig ist
und bestimmen kann. Sprecht mit Nachbarn und Freunden darüber, unter
welchen Strukturen in der Stadt sie leiden und welche sie sinnvoll finden.
Fragt nach, wer für das Waffenlager oder das Atomkraftwerk zuständig
ist. usw.
- Erkundungen von Themen: Worüber wolltet Ihr immer schon einmal mehr
wissen? Welche Themen werden in Eurer Gemeinde und in Eurer Stadt am meisten
besprochen? Wo gibt es Ungerechtigkeiten, die angegangen werden müssen?
Welche Themen werden in den Jugendverbänden totgeschwiegen und warum?
usw. ...
Zweiter Schritt Urteilen: Bewertung und Strategie
Wenn Ihr Euch kundig gemacht habt, müßt Ihr zu einem Urteil kommen,
wie Ihr eine Sache bewertet, und ob sich ein Engagement lohnt. Bei der Bewertung
helfen Euch die in den vorherigen Abschnitten dieses Papiers gemachten Aussagen
über eine gerechte und friedliche Zukunft im Einklang mit der Natur.
Für Euer Engagement ist es weiterhin wichtig, jeweils auch das Risiko zu
kalkulieren. Auch hierzu möchten wir einige Leitfragen stellen: Was habt
Ihr bei Euren Erkundungen gesehen? Fanden alle aus Eurer Gruppe den gleichen
Aspekt des Themas spannend oder langweilig? Ist Euch das Thema so wichtig, daß
sich ein Engagement lohnt? Welcher Aspekt des Themas kommt dafür in Frage?
Überlegt Euch, mit wem Ihr kooperieren könnt, wo Ihr Spezialisten
findet und mit welcher Zielrichtung Ihr etwas unternehmen wollt. Sucht Euch
Leute, die Euch in Konflikten unterstützen.
Dritter Schritt Handeln: Umsetzung
Ein Thema kann auf vielfältige Art und Weise umgesetzt werden. Erfahrungsgemäß
hilft es bei der Planung des eigenen Engagements, zwischen kurz-, mittel- und
langfristigen Umsetzungsschritten und Strategien zu unterscheiden. Ihr könnt
zunächst einmal eigene Konsequenzen in Eurem Lebensbereich ziehen, wie
z.B. der Verzicht auf Plastik- und Einwegflaschen. Ihr könnt Briefe schreiben,
die Zeitungen informieren, Informationsstände machen und mit den Eltern
und den Freunden über Eure Erkundungen und über Euer Urteil sprechen.
Ihr könnt Euch aber auch in das Leben der Gemeinde oder der Stadt einmischen,
indem Ihr Euch eine phantasievolle Aktion ausdenkt. Ihr könnt für
Euer Anliegen demonstrieren und Verantwortliche aus dem Gemeinde- oder Stadtrat
für Eure Anliegen zu überzeugen versuchen.
Für ein erfolgreiches Engagement ist es wichtig, daß Ihr Eure Möglichkeiten
auf verschiedenen Handlungsebenen (Lebensstil, Gruppe, Verband, Aktionsbündnis)
ausschöpft und miteinander verknüpft.
Jugendverbände können Eure Aktivitäten vor Ort miteinander vernetzen
und in den Prozeß der demokratischen Gestaltung der Gesellschaft einbringen.
Lokales Handeln ist somit elementarer Teil des globalen Engagements für
Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)
- Hauptausschuß -
Herbst 1989
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