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Bernischer Synodalrat , Berner Manifest, 1989


Liebe Mitchristen!

Für seine diesjährige Bettagsbotschaft hat der Synodalrat das „Berner Manifest“ übernommen, das im Rahmen des „Berner Ereignisses“ 1989, in der Zusammenarbeit verschiedener Gruppen, von Christen und Nichtchristen, entstanden ist. Es möchte die Botschaft der Europäischen Ökumenischen Pfingstversammlung in Basel in unserer Gemeinde tragen. Was in ihm ausgesagt ist, wollen wir als Christen hören, verstehen und mitsprechen im Glauben an unseren Gott:

Der Glaube an Gott den Schöpfer läßt uns darauf vertrauen, daß seine Schöpfung nicht verloren geht, sondern ihre Erneuerung durch sein Wort entgegenharrt.
Wir glauben, daß Gott in Jesus Christus die Welt mit sich versöhnt hat und wir berufen sind, Gottes Gerechtigkeit und Frieden zu bezeugen.
Weil wir an die bewegende Kraft und Gegenwart von Gottes Geist glauben, können wir mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeiten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und gemeinsam mit ihnen dieses Manifest sprechen:
Angesichts gemeinsamer Bedrohungen und großer gemeinsamer Aufgaben wollen wir mit diesem Berner Manifest ein gemeinsames Wort sagen und unsere Bereitschaft zu gemeinsamen Handeln zum Ausdruck bringen:

Berner Manifest 1989 zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung - keines wird sein ohne das andere. Wir erkennen heute, daß das Leben nur Zukunft hat, wenn Gerechtigkeit und Frieden wachsen und die ganze Schöpfung Schonung erfährt.

Gerechtigkeit wird sein, wenn alle Menschen genug zum Leben haben: genug zu essen, eine Wohnung, eine Heimat, Arbeit und die Freiheit, ihr Leben selber zu bestimmen. Gerechtigkeit wird sein, wenn jede Frau, jeder Mann, jedes Kind auf dieser Erde geachtet wird als Gottes Ebenbild.
Diese Gerechtigkeit aber steht aus, weil die Güter der Erde und die Lebenschancen so ungleich verteilt sind. Daran droht unsere Welt zu zerbrechen. Die Zeit drängt.
Deshalb gilt für uns:

  • Wir erkennen und geben zu: Wir in der Schweiz gehören, weltweit gesehen, zu denen, die aus ungerechten Verhältnissen Nutzen ziehen, auch wenn wir dies nicht wollen.
  • Ich erkläre mich bereit, in einem konkreten Bereich meines Lebens zu teilen: nicht nur dadurch, daß ich etwas gebe, sondern auch dadurch, daß ich etwas nicht in Anspruch nehme.
  • Wir setzen uns ein für eine Schweiz, die sich vorrangig orientiert am Ausgleich zugunsten der Armen und Benachteiligten im eigenen Land und in der Welt.

Frieden wird sein, wenn Menschen als einzelne, Gruppen und Völker einander nicht politisch, wirtschaftlich und ideologisch bedrängen und Gewalt antun; wenn keiner um seiner eigenen Interessen willen Leid und Tod anderer in Kauf nimmt. Wirklicher Frieden wird sein, wenn wir ihn nicht länger mit Waffen sichern müssen.
Dieser Frieden aber steht aus; und deshalb droht unserer Erde und allem Leben die Zerstörung. Die Zeit drängt.
Deshalb gilt für uns:

  • Wir wollen nicht mehr von Frieden reden, ohne daran zu denken, daß es keinen Frieden gibt ohne Gerechtigkeit.
  • Ich erkläre mich bereit, jetzt und konkret ein Feindbild abzubauen, Vorurteile abzulegen und jemandem, den ich für meinen Gegner oder Feind halte, mit einem ersten Schritt des Vertrauens entgegenzugehen.
  • Wir setzen uns ein für eine Schweiz, die für den Frieden mehr und anderes tut, als sich nur für den Verteidigungsfall vorzubereiten.

Die Schöpfung zu bewahren sind wir gerufen. Nur wenn wir lernen mit Boden, Wasser, Luft und Energie sorgsam, mit Pflanzen und Tieren mitgeschöpflich umzugehen, werden wir das eigene und das Leben unserer Kinder bewahren.
Heute aber droht die Schöpfung zugrunde zu gehen, weil wir sie, auf Gewinn und Bequemlichkeit bedacht, gedankenlos ausnutzen. Die Zeit drängt.
Deshalb gilt für uns:

  • Wir erkennen und geben zu, daß unsere Art zu produzieren, zu konsumieren und wegzuwerfen das Leben der Schöpfung und mit ihr das Leben der kommenden Generationen in Frage stellt.
  • Ich erkläre mich bereit, meine Ansprüche zu überprüfen und ihnen Grenzen zu setzen und so durch mein alltägliches Verhalten meine Mitwelt zu schonen.
  • Wir setzen uns ein für eine Schweiz, die bei ihren politischen wirtschaftlichen Entscheidungen der Bewahrung der Schöpfung vorrangig Bedeutung gibt und sich im Zweifelsfalle nicht für kurzfristige Interessen, sondern für die Zukunft des Lebens entscheidet.

Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung: Wir sind gerufen zu wählen zwischen Leben und Tod. Wir wollen uns mit dem Leben verbünden!
Wir wollen miteinander umkehren im Vertrauen auf die Liebe Gottes, der auf der Seite des Lebens steht.

Gebet

Schöpfer Himmels und der Erde, wir kommen zu dir mit unserem Dank für alle guten Gaben, die wir aus deiner Liebe empfangen haben:
Wir danken dir, daß du uns aus Gnaden allein deine Gerechtigkeit schenkst, - das Rechtsein vor dir -, durch das Leiden und Sterben deines Sohnes Jesus Christus am Kreuz.
Wir danken dir, daß du uns deinen Frieden schenkst, die Versöhnung mit dir und die Gemeinschaft untereinander und mit allen Menschen.
Wir danken dir für deine gute Schöpfung mit ihren Wundern, die du uns anvertraut hast zu verantwortlicher Treuhänderschaft.
Halleluja - wir loben dich!

Jesus Christus, unser Heiland wir erkennen und bekennen, daß wir deine Gaben oft zuwenig geschätzt, ja mißbraucht haben:
Wir leben immer wieder ohne dich, wollen ohne dich recht haben, lassen andere in ihrer Andersartigkeit nicht gelten; wir verkehren Recht und Gerechtigkeit in Unrecht und Unbarmherzigkeit.
Wir suchen oft nicht den Frieden, sondern den Streit, machen die Faust, statt die Hand zur Versöhnung auszustrecken; wir beharren auf Macht und Gewalt und tragen so zum Unfrieden in der Welt bei.
Wir gehen nicht sorgsam mit der uns anvertrauten Schöpfung um, sondern beuten sie aus, zerstören sie und bringen sie so an den Rand der Vernichtung.
Kyrie eleison - Christus, erbarme dich!

Heiliger Geist, Tröster und Begleiter, wir bitten dich um Einsicht und Bereitschaft:
Laß uns deine Gaben teilen und für Gerechtigkeit auf dieser Welt einstehen.
Mache uns bereit zur Versöhnung, zum ersten Schritt auf unseren Gegner hin, zum Vertrauen und zum Gespräch mit ihm; laß uns alle, die anders sind als wir, ernst nehmen.

Bestärke uns im verantwortlichen Umgang mit Wasser, Luft und Boden; mit Pflanzen, Tieren und Menschen und auch mit uns selbst, damit wir deine Schöpfung unseren Nachkommen übergeben können, wie wir sie empfangen haben.

Amen - so sei es!

Bernischer Synodalrat
Sommer 1989

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