Partei der Arbeit (PdAS), Erklärung zur "Europäischen Ökumenischen Versammlung Frieden in Gerechtigkeit", 1989
Vom 15.-21. Mai 1989 findet in Basel die Europäische Ökumenische
Versammlung Frieden in Gerechtigkeit statt. Im Arbeitsdokument, welches
den Delegierten dieser Versammlung vorliegt, heißt es unter anderem:
Wir sind zunehmend mit immer stärker ineinander verflochtenen
Problemen konfrontiert, die das Überleben der Menschheit gefährden
und eine globale Krise verursachen. Diese Probleme sind unter den Begriffen
Frieden, Gerechtigkeit und Natur erfaßt. Die Einsicht wächst, daß
sie eng zusammenhängen und dringend gelöst werden müssen. Wenn
nicht bald tiefgreifende Veränderungen vorgenommen werden, wird sich diese
Krise in den nächsten Jahren verschärfen. Und weiter wird
ausgeführt: Wir suchen den Dialog mit allen, die unsere Betroffenheit
und Sorgen teilen. Der Weg in eine gesicherte Zukunft kann nur in gemeinsamer
Verantwortung gefunden werden. Dies sagen wir, obwohl unser Engagement seinen
Grund darin hat, daß wir an Jesus Christus glauben.
Die Partei der Arbeit der Schweiz (PdAS) fühlt sich mit diesem Aufruf
zum Dialog angesprochen. Wir teilen die grundsätzliche Einschätzung
der globalen Probleme, welche die Gegenwart und die Zukunft der Menschheit bedrohen.
Auch wir sind der Ansicht, daß die Lösung dieser Probleme die Zusammenarbeit
verschiedenster sozialer Kräfte aller gesellschaftlichen Systeme erfordert.
Das Engagement für eine solche Koalition der Vernunft ist daher
seit längerem eine der Prioritäten unserer Politik.
In dieser Perspektive streben wir auch eine engere Zusammenarbeit mit Christinnen
und Christen an, welche sich für eine solidarische Gesellschaft des Friedens
engagieren. Von unserer Seite stehen einer solchen gemeinsamen Praxis keinerlei
prinzipielle Hindernisse entgegen. Dies zeigt sich unter anderem schon daran,
daß in unserer Partei auch Christinnen und Christen mitarbeiten, welche
ihre religiöse Überzeugung mit einer marxistischen Gesellschaftsanalyse
und der daraus begründeten Politik einer kommunistischen Partei in Einklang
sehen.
Wir betrachten eine christliche Praxis, die sich für Gerechtigkeit, Frieden
und Bewahrung der Schöpfung engagiert, nicht als Opium des Volkes.
Wir sehen darin im Gegenteil eine vorwärtsweisende Vermittlung von Utopie
und historischem Prozeß. Wir sind uns bewußt, daß heute in
vielen Ländern eine christliche Praxis lebendig ist, die auf die Befreiung
des realen Menschen zielt und damit unser - auf anderer weltanschaulicher Grundlage
beruhenden - Perspektive eines Reichs der Freiheit, in dem jeder Mensch nach
seinen Bedürfnissen leben kann, eng verwandt ist.
Wir beantworten deshalb den Aufruf der Europäischen Ökumenischen Versammlung
Frieden in Gerechtigkeit mit dem Angebot einer gemeinsamen Praxis. Wir laden
insbesondere die schweizerischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Zusammenarbeit
ein. Dabei wird es darum gehen müssen, hier in der Schweiz konkrete Beiträge
zur Überwindung der globalen Probleme zu erbringen. Wir stehen vor der
gemeinsamen Aufgabe, eine am kurzfristigen Profit orientierte Ökonomie
in eine Wirtschaft des Friedens zu verwandeln, die in Einklang mit Mensch und
Natur steht. Wir haben dazu in der Resolution unseres 13. Parteitages vom März
1987 konkrete Vorschläge unterbreitet, an deren Verwirklichung wir arbeiten
und die wir als Ansatzpunkte einer gemeinsamen Praxis zur Diskussion stellen.
Genf, am 6. Mai 1989
weiter
|