Christliche Friedenskonferenz, Stellungnahme zum "Arbeitsdokument (Erster Entwurf)" für die Europäische Ökumenische Versammlung, Antananarivo, Madagaskar, 1988
Einleitung: Risse im gesellschaftlichen Bewußtsein
Auf der Basis einer kontinuierlichen Verbesserung der materiellen und sozialen
Versorgung und des Gefühls politischer Sicherheit, spätestens seit
Ende der 50er Jahre, haben die Grundlagen des politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Systems der Bundesrepublik Deutschland in der Bevölkerung
durchaus Zustimmung gefunden.
Gleichzeitig verband und verbindet sich mit den als positiv erlebten Entwicklungen
die Erwartung, daß der wissenschaftlich-technische Fortschritt und die
zukünftige wirtschaftliche Entwicklung eine Verstetigung dieses Trends
und eine weitere Entschärfung sozialer Konflikte bewirken könnte.
Vorstellungen eines kontinuierlichen wirtschaftlichen Wachstums waren und sind
prägend sowohl für das Bewußtsein der Bevölkerung als auch
für die politische Debatte.
Diese optimistische Einschätzung des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses
hat Risse bekommen. Die Krisenerfahrungen der 70er Jahre haben dazu geführt,
daß die Grenzen eines kontinuierlichen Wachstums und auch die negativen
Auswirkungen des Fortschritts verstärkt in den Blick gerieten. Stichworte
wie Akzeptanzkrise des Fortschritts und Verlust des Vertrauens
in die Lösbarkeit der globalen Probleme kennzeichnen diese Brüche
im gesellschaftlichen Bewußtsein. Hier setzen auch die großen Bewegungen
der letzten Jahre wie z.B. die Anti-Atomkraft-Bewegung oder die Friedensbewegung
an; auch der Imageverlust der Parteien und der sie vertretenden PolitikerInnen
ist ein Ausdruck dieser Entwicklung.
1. Analyseteil
Problemfelder
Die positive Bilanz der Vergangenheit ist nicht die ganze gesellschaftliche
Wirklichkeit. In einer kritischen Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen erkennen
wir Verstöße gegen die Gerechtigkeit, reale Gefährdungen des
Friedens und zunehmende Zerstörungen der Umwelt.
Ungerechtigkeit
Die Symptome der weltweiten Ungerechtigkeit sollen an zwei Beispielen verdeutlicht
werden, die Schwerpunkte verbandlicher Arbeit darstellen: Erwerbsarbeitslosigkeit
und Südafrika.
Erwerbsarbeitslosigkeit
In den letzten zehn Jahren ist in allen westlichen Industrienationen ein besonderer
sozialer Mißstand die anhaltend hohe Massenarbeitslosigkeit. In den westeuropäischen
Staaten liegt die Zahl der Arbeitslosen bei ca. 20 Millionen Menschen.
In der Bundesrepublik sind seit 1983 ca. 2,25 Millionen Menschen arbeitslos
gemeldet, wobei unter Hinzurechnung der sogenannten stillen Reserve (vor allem
Frauen) von rund 3,5 Millionen erwerbslosen Menschen ausgegangen werden muß.
Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Dauer der Arbeitslosigkeit; so
waren 1988 etwa 32,6 Prozent der Betroffenen länger als ein Jahr ohne Arbeit.
Hiermit verbunden ist, daß schon rund die Hälfte der Arbeitslosen
weder Arbeitslosengeld noch -hilfe bekommen, wobei auch hier der Frauenanteil
überdurchschnittlich hoch ist. Ein gutes Fünftel der Arbeitslosen
ist jünger als 25 Jahre.
Im gnadenlosen Wettbewerb um Arbeitsplätze gehören Mädchen und
Frauen zu den schwäch-sten Gliedern. Sie werden vom Arbeitsmarkt verdrängt
und haben bei der Ausbildungs- und Arbeitssuche das Nachsehen. Sie werden abgedrängt
in den häuslichen Bereich, in schlecht bezahlte und ungeschützte Arbeitsverhältnisse.
Wieder einmal sind Frauen Manövriermasse in der Bewältigung
gesellschaftlicher Krisen.
Für die Betroffenen bedeutet die Erwerbsarbeitslosigkeit neben erheblichen
materiellen Einbußen auch eine starke psychische Belastung, da die Teilhabe
an gesellschaftlichen und politischen Prozessen wesentlich über Erwerbsarbeit
vermittelt wird. Arbeitslosigkeit produziert existentielle Angst und leistet
einer Entsolidarisierung und Spaltung der Gesellschaft Vorschub.
Aus dem Ursachenbündel für die Massenarbeitslosigkeit seien hier nur
drei genannt:
- Arbeitssparende Investitionen führen zu Rationalisierungen und damit
zu einem Verlust an Arbeitsplätzen. Die neuen Informationstechnologien
setzen eine neue Rationalisierungswelle in Gang, die auch das Dienstleistungsgewerbe
erfassen wird.
- Die Internationalisierung der Produktion trägt ebenfalls zur Arbeitslosigkeit
bei. Produktionsverlagerungen in Billig-Lohn-Länder führen
zu direktem Arbeitsplatzabbau in der Bundesrepublik Deutschland.
- Eine systembedingte Überproduktion (Absatzkrisen) führt zu massenhaftem
Abbau von Arbeitsplätzen, z.B. in den Branchen Stahl, Kohle, Werften.
Die Massenarbeitslosigkeit ist Zeichen einer Krise der Arbeitsgesellschaft
überhaupt. Andere Krisensymptome, die einhergehen bzw. begünstigt
werden durch die anhaltende Arbeitslosigkeit, sind:
- Auflösung von tarifvertraglichen Arbeitsverhältnissen,
- anwachsende Leiharbeit,
- ungeschützte Arbeitsplätze,
- Arbeit auf Abruf (KAPOVAZ),
- geringfügige Beschäftigungsverhältnisse,
- Abbau sozialer Errungenschaften,
- Ausdehnung von Wochendendarbeit,
- Ausweitung von Nacht- und Schichtarbeit,
- Aushöhlung des Streikrechtes und anderer Schutzrechte für die
Arbeiterschaft.
Südafrika
Die Apartheid ist die ausgeprägteste und systematischste Form eines institutionellen,
d.h. eines durch Verfassung und Gesetze sanktionierten Rassismus. Gerechtfertigt
wird er mit einer Ideologie der Überlegenheit von Personen europäischer
Herkunft über jene afrikanischen oder indischen Ursprungs oder über
Farbige, und diese Ideologie stützen manche auf eine Fehlauslegung
der Bibel.
Das Regime der Apartheid ist in der Republik Südafrika durch radikale Trennung
zwischen Schwarzen, Farbigen, Indern und Weißen gekennzeichnet, wobei
lediglich letztere, obwohl zahlenmäßig eine Minderheit, die politische
und ökonomische Macht innehaben. Die Ideologie der Apartheid dient so auch
dazu, ein System der Ausbeutung, Erniedrigung und Unterdrückung zu installieren.
Unter dem andauernden Ausnahmzustand gehen der Staat und die Sicherheitskräfte
mit brutaler Gewalt gegen Personen und Organisationen der Opposition vor. Kinder
werden ihrer Zukunftschancen beraubt, und auch sie sind nicht von Verfolgung
und Folter verschont. Die Entrechtung der schwarzen Frau ist noch einschneidender
als die der Männer.
Der Glaube an den einen Gott, Schöpfer und Erlöser des ganzen, nach
seinem Bilde und ihm ähnlich geschaffenen Menschengeschlechts, ist die
absolute und unentrinnbare Verneinung jeglicher Rassenideologie. Soll der Satz
Apartheid ist Sünde keine Phrase bleiben, so ist er in ethisch-politisches
Verhalten umzusetzen. Wer nicht schuldig werden will an der Eskala-tion von
Unterdrückung und Auflehnung, muß hier alle zur Verfügung stehenden
gewaltfreien (gewiß nicht schmerzlosen) Mittel anwenden.
Die Bundesrepublik ist nach wie vor eine der Hauptstützen des Apartheidregimes.
Seit 1988 ist die Bundesrepublik mit einem Geschäftsvolumen von ca. 7,75
Mrd. DM der größte Handelspartner Südafrikas:
- Mehr als 6.000 bundesdeutsche Firmen treiben Handel mit Südafrika.
- Die Bundesrepublik ist der drittgrößte Investor in Südafrika
(mehr als 400 Firmen).
- Die Bundesrepublik ist der führende Finanzier (Konsortenführung
etc.) Südafrikas.
- Die Bundesrepublik liegt auf Platz 1 der Staaten, die das UNO-Sicherheitsrats-Rüstungs-embargo
gegen Südafrika vom 4.11.1977 verletzt haben.
Die südafrikanische Wirtschaft ist durch gezielte Sanktionen des Auslands
außerordentlich verwundbar. Die Industrieländer - insbesondere die
USA, Japan, Großbritannien und die BRD - haben es in der Hand, durch effektive
Sanktionen die Integration der südafrikanischen Wirtschaft in die Weltwirtschaft
zu Fall zu bringen und damit einen bedeutenden Schritt zur Überwindung
der Apartheid zu leisten.
Unfrieden
Eine Sicherheitspolitik, die auf militärische Abschreckung auf der
Basis der Drohung und dem vorbehaltenen Einsatz von Massenvernichtungswaffen
beruht, bedroht nicht nur den vermeintlichen Gegner, sondern auch die Bundesrepublik
Deutschland und andere Länder Europas mit der Vernichtung, wie sie auch
schon jetzt weitere Folgen hat, die nicht länger akzeptiert werden können.(Die
Abschreckung überwinden - an einer Zivilisation der Liebe bauen -
BDKJ-Hauptversammlung 1987)
Nachdem sich die beiden Supermächte mit dem Abkommen über den Abbau
der Mittelstreckenraketen in Europa erstmalig dem Versuch gestellt haben, die
Gewaltspirale der ABC- und konventionellen Massenvernichtungswaffen aufzuhalten,
ist es notwendiger denn je, als ChristInnen danach zu fragen, wo weiterhin Ursachen
und Entwicklungen im sicherheits- und militärstrategischen Bereich bestehen,
die dem Ziel eines Aufbaus einer politischen Friedenssicherung entgegenstehen.
1. Die Verschwendung von technischen und wirtschaftlichen Ressourcen für
Rüstungsforschung und Rüstungsproduktion, die sinnvollen und notwendigen
Maßnahmen im sozialen Bereich entzogen werden.
Die militärischen Planungen der NATO lassen nicht erkennen, daß
die westlichen Regierungen mit eigenen abrüstungsfördernden Maßnahmen
den Prozeß einer weltweiten Ent-Militarisierung und den gleichzeitigen
Aufbau einer politischen Friedensordnung unterstützen. Stattdessen wird
unter dem Stichwort Konventionalisierung ein Modernisierungsprogramm
betrieben, welches nicht eine Um- und Abrüstung militärischer Systeme
forciert, sondern das in Ergänzung zur nuklearen Rüstung insbesondere
auf die Ausrüstung des Militärs mit sog. intelligenten Waffen
abzielt. Hierzu gehört auch die Entwicklung neuer B-Waffen unter Einsatz
der Gentechnologie, die in die Abrüstungsgespräche nicht mit einbezogen
sind. Angesichts dieser Perspektive muß einer Politik, die technologisch
mit Begriffen wie Verringerung der Vorwarnzeit, Steigerung der Zielgenauigkeit,
Effektivierung und Integration von Führungs-, Aufklärungs-, Kontroll-
und Nachrichtenwesenaufgaben, Erstschlagfähigkeit, Mehrfach-Sprengkopftechnik
etc. assoziiert ist, eine ganz unzweideutige Absage erteilt werden. Sie heizt
die Aufrüstung an und führt zu neuen politischen und militärischen
Risiken.
2. Die Legitimierung des weiteren Fortbestandes von Feindbildern.
Nach dem Abkommen der beiden Supermächte über den Abbau der Mittelstreckenraketen
in Europa bleibt jedoch weiterhin Kritik an den militärischen Optionen
des Westens wie des Ostens. Obwohl sich durch die Veränderungen in der
sowjetischen Innen- und Außenpolitik und das Engagement der Friedensbewegungen
in der ganzen Welt neue politische Verständigungsmöglichkeiten für
das Verhältnis zwischen den Militärblöcken ergeben haben und
eine neue Phase einer wirklichen Entspannnungspolitik eingeleitet werden könnte,
haben diese neuen politischen Vorzeichen noch keine Auswirkungen auf militärische
Planungen im Westen. Die Chance, festgefügte Feindbilder zu überwinden,
wird nicht genutzt, im Gegenteil: Die bestehenden Feindbilder dienen der weiteren
Legitimierung verteidigungsstrategischen Denkens und gegenseitiger Kontrolle.
3. Die militärische Verplanung weiter Bevölkerungskreise im Zivilbereich
Auch die in jüngster Zeit bekannt gewordenen Pläne zur ,Gesamtverteidigung
zeigen deutlich auf, welche innenpolitischen Folgen eine solche Sicherheitspolitik
hat. Sie macht weitgehende Sicherheitsmaßnahmen nötig und plant den/die
einzelne in unüberschaubarer Weise in militärische Vorbereitungen
auf den nächsten Krieg ein. (BDKJ-Hauptversammlung 1987).
Beispiele hierfür sind der Straßenbau und die Diskussion um den Einbezug
von Frauen in die Bundeswehr; vor allem die Einplanung von Frauen in angeblich
zivilen Bereichen (z.B. als Schwesternhelferinnen). Diese Ausbildung umfaßt
die Verpflichtung, im Kriegs-und Katastrophenfall zu helfen; dafür bezahlt
das Bundesministerium des Innern aus dem Zivilschutz-etat und das Bundesministerium
der Verteidigung die Lehrgangskosten. Für Männer gibt es keine staatlich
bezahlte Ausbildung in diesen Kursen; sie werden im Kriegsfall anders eingeplant.
Die Verwirklichung dieser Pläne stellt einen weiteren Schritt zur Militarisierung
unserer Gesellschaft dar.
4. Die zur Aufrechterhaltung dieser Politik notwendige Rüstung tötet
schon heute millionenfach Menschen in den Ländern der sog. Dritten Welt
- auch ohne Krieg.
Der Rüstungsetat ist dem Wirtschaftskreislauf entzogen, Rüstungsgüter
stellen somit totes Kapital dar, mit dem keine Erwirtschaftung möglich
ist; immense Summen gehen so einem weltweiten Entwicklungsprozeß verloren.
Aufgrund internationaler Schuldenverflechtungen entwickeln sich Entwicklungsländer
zu großen Rüstungsexporteuren (z.B. Brasilien). Durch die Verlagerung
von Ressourcen in die Rüstungsindustrie wird der Aufbau einer eigenen,
der Entwicklung des Landes dienenden Produktion verhindert; die Spirale der
Armut setzt sich fort. Hinzu kommt, daß durch den Einsatz von Waffen seit
dem 2. Weltkrieg mehr Menschen getötet wurden als im Verlauf des 2. Weltkrieges
- und dies vor allem in Ländern der sogenannten Dritten Welt.
Zerstörung der Schöpfung
Wir befinden uns weltweit in einer ökologischen Krise. Klimaverschiebungen,
Ozonloch, Treibhauseffekt, Gewässerverschmutzung, verpestete Luft, ausgelaugte
Böden, gefährliche Altlasten, nicht zu entsorgender Atommüll,
Waldsterben, Artenvernichtung, Naturzerstörung ... Tagtäglich dokumentieren
Zeitungsmeldungen unseren rücksichtslosen und zerstörerischen Umgang
mit der Schöpfung.
Beispiel: Energiewirtschaft
Die jetzige Energiewirtschaft läßt sich wie folgt charakterisieren:
Sie ist
umweltzerstörend
Atomkraftwerke und die ungelöste Entsorgung radioaktiver Abfälle bedeuten
aufgrund der krebsauslösenden Strahlung eine Gefahr für alles Leben.
Nicht-entgiftete Kohlekraftwerke stoßen große Mengen an Schwefeldioxid
und Stickoxiden aus, die z.T hauptverantwortlich für das Waldsterben, für
das Sterben von Gewässern, für Atemwegserkrankungen u.v.a.m. sind.
Der enorme Ausstoß an Kohlendioxid kann zu einer globalen Klimakatastrophe
führen.
zentralistisch
Die Energieversorgung liegt in der Gewalt weniger Energieversorgungsunternehmen.
Bedingt durch die Verflechtung mit Industriegroßkonzernen (Sondertarifabkommen),
mit Gemeinden (Konzessionsverträge) und einflußreichen Politikern
(Aufsichtsräte) erlangen die Energieversorgungsunternehmen große
politische Macht. Der schonende Umgang mit den Energieressourcen sowie Energieeinsparmaßnahmen
liegen nicht im Interesse der Energieversorgungsunternehmen, die auschließlich
eine umsatz- und profitorientierte Energiewirtschaft betreiben und durch ihren
Einfluß eine entsprechende Energiepolitik bewirken.
demokratiegefährdend
Die Gestaltung des Energieversorgungssystems entzieht sich der demokratischen
Willensbildung. Stattdessen wird versucht, ein Energieversorgungssystem aufrechtzuerhalten
und durchzusetzen, das weitere Sachzwänge erzeugt und damit eine Umkehr
erschwert. So werden z.B. Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen als
notwendig erachtet und eingeführt, die zur Aushöhlung demokratischer
Grundrechte führen.
ineffektiv
In den meisten Großkraftwerken der Bundesrepublik Deutschland (über
90 Prozent) wird lediglich ein Drittel der Primärenergie in Endenergie
umgewandelt, obwohl Techniken für eine bessere Ausbeute zur Verfügung
stehen.
Die Umgestaltung dieser an der Natur Raubbau betreibenden Energiewirtschaft
hin zu einer umweltverträglichen, ressourcenschonenden Energiewirtschaft
ist technisch machbar und gesellschaftspolitisch notwendig. Entsprechende Konzepte
werden im politischen Bereich diskutiert, scheitern jedoch an einseitig wirtschaftlichen
Interessen.
Beispiel: Gentechnologie
Der Mensch ist in den Kernbereich des Lebens eingedrungen. Mit der Gentechnologie
sind ihm Methoden an die Hand gegeben, gezielt verändernd in das Erbgut,
in das Programm des Lebens einzugreifen. Die gentechnischen Eingriffe zielen
darauf ab, Lebewesen nach bestimmten vorgegebenen Vorstellungen und Normen zu
perfektionieren, d.h. in der heutigen Zeit, leistungsfähiger und gesünder
zu machen und besser an die durch den Menschen maßgeblich beeinflußten
Umweltbedingungen anzupassen. Die neuen Techniken ermöglichen, Merkmale
und Eigenschaften von Lebewesen hierbei auch über Artgrenzen hinweg, die
sich in Jahrtausenden herausgebildet haben, neu miteinander zu kombinieren.
Leben als Objekt wird in dieser Technologie weiter auf ein materielles und beherrschbares
Prinzip reduziert; es wird zunehmend verdinglicht und damit zu einem vermarktbaren
Gut. Schöpfungen von Menschenhand, gentechnisch hergestellte Lebewesen
und auch gentechnische Methoden sollen demnächst patentrechtlich geschützt
werden. Lebewesen erhalten durch diese Maßnahme verstärkt den Charakter
einer Wirtschaftsware. Neben dem Patentrecht wird in diesem Jahr ein Gesetz
über die Freisetzung gentechnisch veränderter Lebewesen verabschiedet.
Erste Freisetzungsexperimente haben bereits in zahlreichen Ländern stattgefunden.
Es ist nicht abzusehen, welche unmittelbaren und mittelbaren Folgen das Ausbringen
künstlicher Lebewesen, die sich unkontrollierbar vermehren,
verändern und verbreiten, für die Ökosysteme haben wird. Die
Auswirkungen sind nicht vorstellbar. Sie fallen ins zeitlich und räumlich
nicht mehr Faßbare. Möglicherweise werden sie unser Leben und unsere
Mitwelt jetzt und in Zukunft bedrohen und deren Existenz in Frage stellen. Ohne
Aufklärung der Bevölkerung, ohne Alternativen zu dieser risikoreichen
Technologie zu entwickeln und ohne umfassende Technologiefolgenabschätzung,
die sich auch auf ethische, soziale, internationale und ökologische Aspekte
erstrecken muß, wird die Gentechnologie in die Verwertung und auf den
Markt gedrängt. Natur soll weiter, mit all den zur Verfügung stehenden
Techniken, beherrscht und verwirtschaftet werden. Selbst nach den negativen
Erfahrungen mit der Atomtechnologie und der synthetischen Chemie bzw. deren
Auswirkungen lassen wirtschaftliche Interessen keine Zeit und auch nicht die
Freiheit, den technischen Fortschritt grundsätzlich zu überdenken.
Unfrieden, Ungerechtigkeit und Zerstörung der Schöpfung am Beispiel
Ernährung
Essen gehört wie das Atmen zu unseren Grundbedürfnissen. Ohne eine
ausreichende und gesunde Ernährung sind wir nicht lebensfähig. Essen
beschränkt sich aber nicht allein auf diese biologische Abhängigkeit.
Essen bedeutet auch die Teilnahme an einem Gemeinschaftswerk zwischen Mensch
und Natur; Nahrung ist die nichtselbstverständliche Gabe der Schöpfung,
die der Mensch durch seine Arbeit empfängt. Und wo Menschen sich zusammenfinden,
um ihr Essen miteinander zu teilen, ohne zu berechnen, wo sie auch jene einbeziehen,
die arm, krank und fremd sind, wo also die Gaben der Natur und der gemeinsamen
Arbeit weitergegeben werden, dort wird das Essen zum Ort der Entfaltung menschlichen
Lebens und seiner Würde. Dies alles scheint uns fremd geworden zu sein.
Wir leben im Überfluß
Uns, die wir im Überfluß leben, ist das Bewußtsein für
unsere Abhängigkeit von Nahrung und der fundamentalen Bedeutung für
das Leben des einzelnen sowie jeder Gemeinschaft weitgehend verlorengegangen.
Nahrungsaufnahme ist zum Kalorienproblem verkommen und Essen zur individuellen
und anonymen Fast-Food-Technik entartet; zwischen gleitenden Arbeitszeiten und
allgegegenwärtigen Unterhaltungsprogrammen ist die Kultur des gemeinsamen
Mahles fast ausgelöscht und damit auch der lebendige Sinn des Menschen
für den Wert der Schöpfung, der Gerechtigkeit und des Frieden. Essen
wird manchmal gar nur noch als lästige Notwendigkeit empfunden.
Ausbeutung der Natur
Die Produktion der Nahrungsmittel folgt Naturgesetze mißachtend einseitig
ökonomischen Zielvorgaben. Dabei werden aufgrund einer falschen Preispolitik
auf Kosten der Natur Überschüsse produziert, die z.T. kostenintensiv
vernichtet werden. Der Boden als wichtige Grundlage wird rücksichtslos
ausgebeutet, Landschaften werden zerstört, der Naturhaushalt anhaltend
geschädigt. Hunderte von Tier- und Pflanzenarten wurden durch die Intensivierung
der Landwirtschaft ausgerottet, Oberflächen- und Grundwasser verseucht,
Böden ausgelaugt und erodiert; und Nahrungsmittel sind durch den Einsatz
der Chemie gar zu einer Gefahr für unsere Gesundheit geworden.
Ausgrenzung der VerbraucherInnen - Entfremdung von unseren Nahrungsmitteln
Die landwirtschaftlichen Produkte erreichen die VerbraucherInnen kaum noch
naturbelassen. Zwischen sie und die LanwirtInnen hat sich eine gigantische Verarbeitungsindustrie
gedrängt. Ungefähr 80% aller Nahrungsmittel gelangen in verarbeiteter
Form, d.h. zum Beispiel in Geschmack und Form verändert und meist mit chemischen,
nicht immer für die Gesundheit unbedenklichen Zusätzen versehen, auf
den Tisch der VerbraucherInnen. Diese haben, wie letztlich auch die zu Rohstofflieferanten
der Industrie degradierten LandwirtInnen, den unmittelbaren Einfluß auf
Produktqualität und Produktionsweise verloren. Darüber bestimmt nunmehr
die nahrungsmittelverarbeitende Industrie und zunehmend der Nahrungsmittelhandel,
in dem multinationale Konzerne eine profitorientierte Vermarktung besorgen.
Immer weniger Gruppen bestimmen über einen immer größer werdenden
Bereich in der Bereitstellung von Nahrungsmitteln. Wie in der Verarbeitungsindustrie
zeichnen sich auch im Nahrungsmittelhandel dramatische Konzentrationsprozesse
ab. Mittlerweile entfallen 70% des Grundumsatzes im Nahrungsmittelhandel auf
0,2% der Unternehmen. Immer weiter voranschreitende, kapitalintensive Chemisierung
und Technisierung der Landwirtschaft, fehlleitende Rahmenrichtlinien in der
EG-Agrarpolitik beschleunigen auch die Konzentra-tionsprozesse in der Landwirtschaft.
Die Agrikultur mit ihrer Bedeutung für den ländlichen Raum weicht
einer Agrarindustrie, die keine sozialen und kulturellen Rücksichten nimmt.
Die Abhängigkeit von wenigen, die Nahrungsmittel erzeugen, verarbeiten
und vermarkten, wächst.
Der Preis für unser Leben im Überfluß
Ausbeutung und Zerstörung der Mitwelt, Zerstörung der Eigenständigkeit
des ländlichen Raumes, Schaffung ungleicher Besitz- und Machtverhältnisse,
wachsende Abhängigkeiten von wenigen profitorientierten Unternehmen, ungerechte
Marktbedingungen usw. - und das nicht nur bei uns in der sog. Ersten Welt, sondern
auch in der sog. Dritten Welt, für die der Wohlstand der Industrieländer
oftmals Hunger und Elend bedeutet.
Überfluß hier - Hunger in der sogenannten Dritten Welt
Seit der Kolonialzeit ist in vielen Ländern der sog. Dritten Welt die
Selbstversorgung zusammengebrochen. Die Kolonialmächte ließen auf
mitunter fruchtbarsten Böden die Luxusgüter für sich anbauen
und zerstörten damit grundlegend und nachhaltig die einheimische Landwirtschaft.
An diesem Bild hat sich heute kaum etwas geändert. Auf Land, das dringend
zur eigenen Nahrungsmittelproduktion benötigt wird, werden in den Ländern
der sog. Dritten Welt auch heute noch Luxusgüter für die Erste Welt
(Kakao, Kaffee, Tee, Blumen, u.v.a.m.) angebaut. Ölsaaten, Soja und Manjok
werden als agrarische Rohstoffe, als Mast- und Tierfutter zur Stillung des überzogenen
Fleischkonsums in die Industrieländer exportiert. Der Exportanbau hat häufig
Vorrang vor der Grundbedarfslandwirtschaft, da er meist die einzige Devisenquelle
darstellt. Exporterlöse werden vorwiegend für Industriegüter
ausgegegeben, u.a. für Mittel, die in der seit der grünen Revolution
auch in den Ländern der Dritten Welt kapitalintensiven chemisierten und
technisierten Landwirtschaft benötigt werden. Darüber hinaus müssen
Nahrungsmittel importiert werden! Die Abhängigkeit vom weltweiten Nahrungsmittelhandel,
der die Weltpreise häufig zuungunsten der rohstoffexportierenden [im Original:
exportierten] Länder festlegt, wächst. Die Entwicklung eigener, verarbeitender
Industrie ist von den Industriestaaten und Großkonzernen immer wieder
durch verschiedenste Maßnahmen (z.B. Protektion) verhindert worden. Für
sie gilt es, Absatzmärkte für ihre eigenen Produkte zu erhalten bzw.
zu vergrößern. Wirtschaftliche Interessen verbieten es
geradezu, Ländern in der sog. Dritten Welt in ihrer Entwicklung zur Selbstversorgung
und Eigenständigkeit zu unterstützen. Besonders deutlich wird dies
im Hinblick auf die Getreide-Politik der USA. Sie benutzen ihre
Getreideüberschüsse u.a., um die Entwicklungsländer in wirtschaftliche
Abhängigkeit zu treiben und politisches Wohlverhalten zu erzwingen. Mit
Dumping-Preisen, mit denen die einheimische landwirtschaftliche Produktion nicht
mithalten kann und verfällt, erschließen sich die USA neue Absatzmärkte.
Nahrungsmittel werden als politisches Machtinstrument mißbraucht.
Hunger wird gemacht
Der Nord-Süd-Konflikt ist durch die steigende Verelendung von Millionen
Menschen gekennzeichnet. Ca. 900 Millonen Menschen entbehren der einfachsten
Lebensgrundlagen (absolute Armut), im Jahr sterben etwa 40 Millionen
Menschen an Hunger. Die wachsende Auslandsverschuldung der Dritten Welt
geht einher mit ständig sinkenden Exporteinnahmen, so daß sich das
sog. Nord-Süd-Gefälle ständig vergrößert.
Hunger ist kein technisches Problem. Er begründet sich nicht in der Überbevölkerung
und technischen Problemen der Nahrungsmittelerzeugung. Allein die derzeitige
Weltgetreideproduktion von jährlich 200 Millionen tausend Tonnen (1985)
würde genügen, um (statistisch) alle Menschen ausreichend mit täglich
3000 (Getreide-) Kalorien zu versorgen. Hunger ist ein politisches Problem.
Hunger beruht auf Ungerechtigkeit und unser Überfluß baut hierauf
auf. Ungerechtigkeit gegenüber Völkern, denen das Recht auf Selbstversorgung
und Eigenständigkeit durch ungerechte Preise und durch eine ungerechte
Land- und Besitzvertzeilung genommen ist bzw. genommen wird; Ungerechtigkeit
gegenüber der Schöpfung, die rücksichtslos geplündert und
vermarktet wird. Ungerechtigkeiten gegenüber Wehrlosen, im Welthunger dokumentiert,
bedrohen den Frieden. Hungeraufstände und Hungerkriege werden nicht mit
auf das Grundbedürfnis Essen abhebenden Unterdrückungsmechanismen
zu verhindern sein - im Gegenteil.
Uns ist bewußt, daß jede monokausale Zuordnung von Ursachen und
Wirkungen im Kontext von Hunger und Überfluß in der Einen Welt der
Komplexität des Systemzusammenhangs nicht gerecht wird. Die beschriebenen
Ursachen sind, für sich genommen, nicht einzige Ursache von Hunger und
Armut. In der Regel wirken mehrere externe Einflüsse gleichzeitig; außerdem
kommen noch viele Ursachen hinzu, die in den Ländern der sogenannten Dritten
Welt selbst begründet sind.
Zur Lösung des Welthungerproblems, zur Sicherung einer gesunden Ernährung
für alle Menschen sind grundlegende Korrekturen in der Lebens- und Wirtschaftsweise
sowohl in den reichen als auch in den armen Ländern unabdingbar, die den
Armen ihre Grundrechte einräumen, ihnen Zugang zu Ressorucen und Beschäftigung
verschaffen und ungerechtfertigte Privilegien der Eliten verhindern.
Gemeinsame Ursachen
Die Entwicklungen, die im ersten Kapitel als Ungerechtigkeit, Unfrieden und
Zerstörung der Schöpfung beschrieben wurden, werden von uns als Fehlentwicklungen
qualifiziert. Entwicklung ist kein losgelöster Begriff im unpolitischen
Raum; im Gegenteil: Entwicklung ist ein Begriff, der besetzt ist mit bestimmten
Werten und bestimmten Zielen, die es anzustreben gilt. Werte und Ziele sind
geleitet von ganz verschiedenen Interessen, diese gilt es herauszufinden und
die eigenen daran zu überprüfen.
Das Interesse an der Fortdauer des Status quo
Die Tatsache, daß trotz zunehmender Ungerechtigkeit, einem hohen Maß
an nationalem und internationalem Unfrieden und wachsenden Gefährdungen
der natürlichen Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen
kaum Schritte zu grundlegenden Veränderungen dieser Situation ergriffen
werden, verweist auf starke Kräfte und Interessen, die an einer Fortdauer
des Status quo interessiert sind. Die Zementierung derzeitiger wirtschaftlicher
und sozialer Strukturen ist offensichtlich für weite gesellschaftliche
Kreise erträglicher als Veränderungen. Systemstabilisierende Faktoren
finden sich in verschiedenen Bereichen:
- So werden in der Politik viele Entscheidungen mit der Sachgesetzlichkeit
der wissenschaftlich-technischen Zivilisation legitimiert. Eindeutig
politische Entscheidungen werden der gesellschaftlichen Diskussion und Kontrolle
entzogen. Ähnlich dem ökonomischen Bereich werden in der Politik
Entscheidungsprozesse zentralisiert. Die neuen Technologien schaffen
die Voraussetzungen für den Einsatz neuer Kontrollinstrumente von Verwaltungen
der öffentlichen Hand oder der Industrie. Unter Verweis auf die Belange
der inneren Sicherheit werden zunehmend Informationen über BürgerInnen
gespeichert. Die Datenerhebung der Volkszählung und die Einführung
der maschinenlesbaren Personaldokumente ergeben im Zusammenhang mit dem Aufbau
komplexer, digitaler Transport- und Speichernetze ein bedrohliches Bild für
die Freiheit und informationelle Selbstbestimmung der BürgerInnen.
- In der Sozialpolitik ist unter dem Stichwort Deregulierung eine
Diskusion über Grundsätze des Sozialstaates entfacht worden. Mit
Parolen wie weniger Staat - mehr Markt und Abbau des Anspruchsdenkens
werden tiefe Einschnitte in das soziale Netz legitimiert, die vor allem wirtschaftlich
schwache Gruppen treffen. Eine direkte Folge der Deregulationskampagne
ist die wachsende Individualisierung sozialer Not. Wo die Familie als sozialer
und normativer Lebensraum an Bedeutung verliert und der einzelne wieder selbst
für sein Glück verantwortlich ist, schlägt der Abbau sozialstaatlicher
Leistungen auf die Lebenslage durch: Armut ist für eine wachsende Minderheit
bittere Realität. Eng in Verbindung damit steht eine Ideologisierung
des Leistungsprinzpis. Leistung muß sich wieder lohnen heißt
die kurzgefaßte Formel, mit der Leistung zum einzig gerechten Maßstab
für die Verteilung von Einkommen, Bildung, Mitbestimmung usw. erklärt
wird.
- In denjenigen Bereichen, in denen das Leistungsprinzip schlecht greift,
wird versucht, eine Sinnstiftung durch Idealisierung alter Werte
zu erreichen. Dabei werden diese Werte instrumentalisiert. Exemplarisch läßt
sich dies an der konservativen Familienpolitik beobachten. Die nicht bezahlte
Arbeit der Hausfrau wird als Familienarbeit rhetorisch aufgewertet.
Das erinnert an das bürgerliche Familienideal des 19. Jahrhunderts, das
die Gesellschaft in eine öffentliche und eine private Sphäre trennte.
Auch heute noch sind alle gesellschaftlich relevanten und ökonomisch
bedeutsamen Bereiche fast ausschließlich Männern vorbehalten, Frauen
bleiben außen vor.
- Die Idee von der Demokratisierung des öffentlichen Lebens wird zurückgedrängt.
Es wird darauf gesetzt, daß die Arbeit in Gremien und Funktionen wirkungslos
und ohne Einfluß auf die tatsächlichen Entscheidungen bleibt. Wichtig
für den Erfolg dieser Strategien dürfte die Verstärkung des
sog. antiinstitutionellen Affekts sein. Dabei werden die Stichworte Entbürokratisierung
und Anonymität von Großinstitutionen für die Durchsetzung
einer solchen Politik benutzt.
- Darüber hinaus bemüht man sich auch direkt, die Bildung kritischen
gesellschaftlichen Bewußtseins zu verhindern und stattdessen wieder
einen klaren Blick für die Realitäten, d.h. für die gesellschaftlichen
Hierarchien und die eigene Einordnung darin, zu schaffen. Prozesse dieser
Art lassen sich vor allem in der Bildungspolitik beobachten.
Diese interessengeleiteten Aktionsmuster haben wesentlich stabilisierende Funktion.
Dies meint dabei ein individuelles oder kollektives Verhalten, das in der gegenwärtigen
Verfaßt-heit der Gesellschaft für sich Vorteile erkennt. Sie ist
dabei jedoch jeweils das Ergebnis von sehr unterschiedlichen Motiven verschiedener
gesellschaftlicher Gruppen, ihre Interessen durchzusetzen. Die Entwicklungen
in der Bundesrepublik lassen sich also nur als das Ergebnis einer größeren
Zahl durchaus widerstreitender Interessen, Wünsche und Vorstellungen verstehen.
Selbst dort, wo es so etwas wie eine Strategie zur Gestaltung der Gesellschaft
gibt, handelt es sich nicht um eine realisierbare Gesamtstrategie, schon weil
niemand über das nötige Maß an Übersicht verfügt,
gesellschaftliche Entwicklungen umfassend auf Jahrzehnte abschätzen und
planen zu können.
Strukturen von Macht und Herrschaft
Es wurde ein Deutungsmuster gesellschaftlicher Entwicklung dargestellt, das
auf die Wirksamkeit gesellschaftlicher Macht-und Herrschaftsstrukturen zur Durchsetzung
eigener Interessen verweist. Oder anders ausgedrückt: Die Angst vor dem
Verlust traditionell gewachsener Macht verhindert grundlegende Veränderungen
gesellschaftlicher Optionen und führt so zur beschriebenen Stablisierung
des Status quo.
Das gesellschaftliche System der Bundesrepublik ist wesentlich durch den ökonomischen
Sektor geprägt. Gesellschaftliche Herrschaftssstrukturen lassen sich immer
wieder als Ergebnis ökonomischer Macht beschreiben. Diese wiederum sind
durch die Dominanz patriarchaler Strukturen gestützt.
Ökonomische und patriarchale Strukturen stehen eng miteinander in Verbindung
und begünstigen sich gegenseitig. So hat die gesellschaftliche Arbeitsteilung
(Aufteilung in Produktions- und Reproduktionsbereich) mit allen offensichtlichen
und versteckten Auswirkungen auf die ungerechte Verteilung von Macht und Privilegien
eben hierin ihre Ursache (vgl. Nicht länger ohne uns - Anstiftungen
zur Eroberung weiblicher Zukunft). Deutlich wird dies auch in der Feststellung
der UN-Weltkonferenz 1980, in der Mitte des Jahrzehnts der Frau: Frauen
repräsentieren 50 Prozent der Weltbevölkerung, leisten aber zwei Drittel
aller Arbeitsstunden, verdienen ein Zehntel des Welteinkommens und besitzen
weniger als ein Prozent des Weltvermögens. Frauen haben nur einen
ganz geringen Anteil am Weltbesitz. Diese Tatsache hat einen wesentlichen Hintergrund
in den patrilinearen Familienstrukturen, die Besitz über die männliche
Linie vererben. Das bedeutet, daß Frauen, die in patrilinearen Familienstrukturen
leben, selbst kaum ihre abhängige ökonomische Situation verbessern
können.
Besitzlosigkeit bedeutet die Festigung und Fortschreibung der Randständigkeit
und Machtlosigkeit von Frauen in struktureller Hinsicht. Die genannten Merkmale
sowie die schlechteren Zugangsbedingungen von Mädchen und Frauen zum öffentlichen
Bereich bedingen wesentlich deren Benachteiligung im öffentlichen Leben,
in der Politik, in der Arbeitswelt und in der Kirche. Dem liegt eine Rollenzuschreibung
von Mann und Frau zugrunde, die den Frauen den privaten Bereich (wie Kindererziehung,
Haus- und Familienarbeit, Beziehungsarbeit) und den Männern den öffentlichen
Bereich (wie Beruf, Karriere, Politik) zuschreibt. Beruf, Karriere und wirtschaftliche
Absicherung im öffentlichen Bereich werden höher bewertet, bringen
einen anderen Status als die Tätigkeiten im privaten, reproduktiven Bereich,
der geringer angesehen ist und die Frau in ihrer Rolle hält. Damit verfestigt
die Trennung in einen privaten und öffentlichen Bereich die Ungleichheit
von Männern und Frauen.
Die Dominanz der ökonomistischen Orientierung
Der Mensch hat in seiner Geschichte die Natur und schließlich sich selbst
gänzlich ökonomischen Interessen unterworfen. Zum Ziel jeglichen Handelns
wurde die Gewinnmaximierung. Gleichsam Voraussetzung und Folge dieser Handlung
ist die Verdinglichung der Natur und des Lebens schlechthin.
Im Laufe der Menschheitsentwicklung entfernte sich die Menschheit immer weiter
von der Natur. Der Mensch meinte, sich aus den Zusammenhängen mit der Natur
lösen und die Natur zeitweise beherrschen zu können. Die Natur wurde
so zum Objekt, das als Rohstofflieferant für die menschliche Entwicklung
betrachtet wurde. Die Frau wurde und wird stets in engere Verbindung zu natürlichen
Prozessen gebracht und wurde wie die Natur zum Objekt. In vielen Bereichen ist
sie ganz offensichtlich zum Objekt geworden, z.B. im Sextourismus, in der Reproduktionstechnologie.
Ein in patriarchalen Strukturen, geprägt durch den Menschen, gewalttätiges
Verhältnis zwischen Mensch und Natur ist die wichtigste Ursache der Krisensituation,
in der wir uns heute weltweit befinden. Der naturverachtende technische Fortschritt
hat uns in eine Technokratie geführt, unter der Männer wie Frauen
gleichsam leiden. Die dem patriarchalischen Denken erwachsenen Strukturen beherrschen
Männer und Frauen gleichermaßen, so daß eine Veränderung
des Verhältnisses zwischen Natur und Mensch, zwischen Männern und
Frauen gemeinsam angestrebt werden muß.
2. Der Geist, aus dem wir handeln
Die Menschheit steuert immer weiter in eine kritische Phase, in welcher eine
globale Zerstörung der Erde als Lebensraum des Menschen droht. Sind wir
diesem Prozeß schicksalhaft ausgeliefert? Wir glauben das nicht. Der Geist,
aus dem wir handeln, ist der Geist der Hoffnung, nicht der Resignation. Warum?
Wir sehen, daß vor allem drei Grunderfahrungen diese unsere Hoffnungen
nähren.
Unsere Hoffnungen
1. Unser Verständnis vom Menschen als verantwortungsbewußter Person.
Wir sehen, daß der Mensch durch ein verrantwortungsloses Autonomiestreben
die wesentliche Ursache der bestehenden und drohenden Gefahren für die
Zukunft der Erde ist. Wenn aber der Mensch die Ursache ist, dann ist dieser
Prozeß kein unabwendbares Schicksal.
Denn wir glauben an den Menschen als Person, der durch seine Einsicht, sein
Gewissen und sein Verantwortungsbewußtsein den Lauf der Dinge verändern
kann (vgl. Bericht der wirtschaftspolitischen Arbeitsgruppe, 2. Ethische Bewertungen):
Viele Menschen erkennen immer deutlicher, daß sie ein Teil der Schöpfung
sind und durch ihr rücksichtsloses Verhalten die Natur, die ihre eigene
Lebensgrundlage ist, unwiederbringlich schädigen;
sie fühlen mehr und mehr in ihrem Gewissen die Verpflichtung, ihr Handeln
und Verhalten zu ändern und auch auf politischer Ebene umzusetzen;
sie werden sich immer deutlicher ihrer Verantwortung bewußt, die ihnen
vor der gesamten Schöpfung aufgetragen ist und die sie zu einem geschwisterlichen
Umgang herausfordert und verpflichtet.
So erleben wir gerade in der gegenwärtigen Bedrohungssituation (Elend,
Gewalt, Naturzerstörung) viele Aufbrüche von einzelnen, Gruppen und
Organisationen rund um die Erde, die tatkräftig an der Umkehr vom eingeschlagenen
Weg mitwirken.
Den konziliaren Prozeß sehen wir als besonders deutliches und ermutigendes
Zeichen auf diesem Weg, weil er eine Sammlung und Stärkung dieser Bewegung
darstellt. Exemplarisch für die drei Themenkomplexe wollen wir im folgenden
unsere Hoffnungen schöpfungstheologisch begründen.
2. Unsere Erfahrung von der Welt als schöpferischer Schöpfung
Wir sehen, daß die Welt weder fertig noch vollkommen ist. Sie ist geprägt
von Vorläufigkeit und von Mängeln; sie ist gezeichnet von Wunden,
Narben und Krankheiten; sie ist vor allem gekennzeichnet von der Unzulänglichkeit
des Menschen, der den Wert und Sinn der Schöpfung und seines eigenen Handelns
nicht voll erkennen kann und nicht anerkennen will (Sünde). Aber gerade
darin sind auch starke Kräfte der Erneuerung erfahrbar:
Die Welt als unvollkommene Welt entwickelt immer neu jene Kräfte, die
sie voranbringen; die Dynamik, die bis heute ihre Prozesse getragen hat, ist
nicht am Ende, und was bisher entstanden ist, ist noch nicht alles. Wir sehen
eine schöpferische Schöpfung am Werk, die Mängel überwinden
und Wunden heilen kann.
Die Menschheit als von Unfreiheit, Unwissenheit und Leid gekennzeichnete Menschheit
ist nicht in Depression versunken. Gerade die Erfahrung von Leid und Unrecht
mobilisiert oft ungeahnte Kräfte, welche die Menschheit zu mehr Menschlichkeit
und Gemeinschaft führen. Auch die Menschheit ist eine schöpferische
Menschheit, deren Kräfte zur Überwindung ihrer Sünde nicht erschöpft
sind.
Als Menschen, die wir mit all unseren Kräften nach Wegen in die Zukunft
suchen, sehen wir uns gestützt und getragen von diesen kreativen Kräften
der Erde und der Menschheit.
3. Unser Glaube an Gott als den gegenwärtigen und wirkenden Schöpfer.
Wir sehen, daß das Handeln und Denken des Menschen ohne Orientierung
und Maßstäbe in tödlichen Sackgassen endet: Auf der einen Seite
ist es die Sackgasse ungebundener Autonomie des Menschen über die Natur.
Auf der anderen Seite ist es die Sackgasse einer diffusen Autonomie der Natur
über den Menschen. Einer weiterwirkenden Technik-Gläubigkeit steht
eine neuentdeckte Natur-Gläubigkeit gegenüber.
Diese oft unversöhnlichen Gegensätze drängen uns, nach einer
wirklich zukunftsweisenden Perspektive zu suchen. Diese sehen wir in unserem
Glauben an Gott als den Schöpfer.
In diesem Glaubensverständnis betrachten wir weder die Technik noch die
Natur (weder den Menschen noch die Umwelt) als autonom: Beide sind füreinander
geschaffen und verdanken sich gemeinsam dem Wirken eines Schöpfers.
In diesem Weltverständnis entdecken wir auch die Wertmaßstäbe
und Zielvorstellungen für Natur und Technik, die für uns sowohl motivierend
als auch bindend sind. Denn wir verstehen den Menschen als PartnerIn und MitarbeiterIn
Gottes, dem die Schöpfung anvertraut ist, und wir verstehen die Natur als
die Zeichen Gottes für das anbrechende Reich des Friedens.
In diesem Glauben erkennen wir einen Gott, der die Welt am Anfang
nicht erschaffen hat, um sie dann sich selbst und ihrem tragischen Schicksal
zu überlassen, sondern einen lebendigen, in jedem Prozeß der Welt
gegenwärtigen und schöpferischen Gott, der sein Werk nicht aufgegeben
hat. In seinem Sohn hat er uns das größte Zeichen seines Wirkens
gegeben: Er hat den Tod der Schöpfung besiegt und in der Auferstehung die
Rettung und Erneuerung der Schöpfung garantiert.
So wissen wir uns als MitarbeiterIn und PartnerIn eines Gottes, der seinen
Bund trotz aller menschlichen Untreue bis in unsere Zeit hält (vgl.
Gottes Gaben - unsere Aufgabe, Stuttgarter Erklärung 1988,
Punkt 1.1 und 4.1). Das ist der Kern all unserer Hoffnungen; das ist der Geist,
der unser Handeln beflügelt.
Unsere Umkehr
Nicht nur die Hoffnungen, die uns tragen und motivieren, drängen uns zur
Umkehr. Vielleicht noch mehr ist es das große Erschrecken vor der Wirklichkeit.
Denn der Weg der Menschheit hat in unseren Tagen jenen kritischen Punkt erreicht,
an dem sie endlich und radikal umkehrt oder aber in globaler Selbstzerstörung
endet.
Umkehr ist nicht mehr eine Frage moralischer Dringlichkeit, sie ist eine Frage
von existentieller Bedeutung: Umkehr ist lebensnotwendig.
Das bedeutet für uns ganz wesentlich eine Umkehr zu unseren christlichen
Schwesterkirchen und eine gemeinsame Umkehr zu Jesus Christus, in dem alles
erschaffen ist. Als Christen sind wir aufgerufen, uns zu ihm zu bekennen.
Als Bund der Katholischen Jugend reihen wir uns ein in den konziliaren Prozeß
durch eigenes Handeln und durch die Teilnahme am ökumenischen Prozeß.
- Der konziliare Prozeß ist ein Prozeß der Basis der christlichen
Kirchen oder er ist keiner. Zunächst ist daran zu erinnern, daß
sich der Aufruf von Vancouver 1983 an alle Ebenen von Kirchen und Gruppen
richtete: Die Kirchen sollten auf allen Ebenen - Gemeinden, Diözesen
und Synoden, Netzwerken christlicher Gruppen und Basisgemeinschaften - zusammen
mit dem ÖRK in einem konziliaren Prozeß zu einem Bund zusammenfinden.
Für den konziliaren Prozeß entscheidend sind die Gruppen, Initiativen
und Gemeinden, die sozialen Bewegungen, die sich Gerechtigkeit, Frieden und
Bewahrung der Schöpfung zu eigen gemacht haben. Deswegen haben Gruppentreffen
wie die Regionalversammlungen - etwa in Dortmund oder Hannover - und andere
Stadtversammlungen - das Gemeindetreffen in Basel 1989 oder auch das Begleitprogramm
in Stuttgart - vorrangige Bedeutung. Demgegenüber sind Delegiertenversammlungen
von sekundärer Bedeutung, nicht im Sinne von zweitrangig,
sondern im Sinne des a posteriori gegenüber den Basisprozessen:
sie können diese sammeln, durchtragen, weitervermitteln und vertreten,
nicht aber für andere handeln. Konziliarer Prozeß auf den Ebenen
der Delegiertentreffen hätte Reflexion der Praxis zu sein.
- Der konziliare Prozeß ist für die katholische Kirche als konsequente
Fortsetzung der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils zu
verstehen. Bezugsrahmen für kirchliches Handeln ist die Welt, nicht die
Kirche: Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute,
besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung,
Trauer und Angst der Jünger Christi (...) Daher wendet sich das Zweite
Vatikanische Konzil nach einer tieferen Klärung des Geheimnisses der
Kirche ohne Zaudern nicht mehr bloß an die Kinder der Kirche und an
alle, die Christi Namen anrufen, sondern an alle Menschen schlechthin (...)
Vor seinen Augen steht also die Welt der Menschen, d.h. die gesamte Menschheitsfamilie
mit der Gesamtheit der Wirklichkeiten, in denen sie lebt. (Gaudium et
spes 1 und 2)
- Konziliarer Prozeß ist tätige Reich-Gottes-Erwartung. Horizont
des konziliaren Prozesses sind nicht Kirchenträume, nicht die Kirche,
sondern die eine Welt, die ein Zuhause für alle Menschen sein soll. Horizont
ist das Reich Gottes, das im Tun der Gerechtigkeit, des Friedens und der Schöpfungsbewahrung
erwartet wird. Theologisch gesehen ist er nicht so sehr ein ekklesiologisches,
sondern vielmehr ein eschatologisches Thema: seine zentrale Thematik ist der
Bund Gottes mit seinem Volk, den er in seinem Reich vollenden wird.
- Der konziliare Prozeß ist DIE gegenwärtige ökumenische
Chance. Erstmals ist nicht die Ökumene selber das Thema, schon gar nicht
kontroverstheologische Fragen, sondern wird ökumenische Praxis geübt,
die zu ökumenischer Geschwisterlichkeit führt. Voneinander lernen
und die dabei gemachten Erfahrungen aufarbeiten - dies darf als zukunftsträchtige
Form ökumenischer Praxis gelten.
- Konziliarer Prozeß ist soziale und politische Diakonie/Caritas. Die
gemeinsame Praxis wird zugunsten derer und mit denen ausgeübt, die sie
am nötigsten brauchen. Konziliarer Prozeß ist Kirche für
andere (Bonhoeffer).
- Der konziliare Prozeß verdient seinen Namen schließlich nur,
wenn es ihm gelingt, tatsächlich ein weltweiter Prozeß zu werden.
Dazu wird es entscheidend sein, ob der - besonders von den armen Kirchen angemahnte
- Primat der Gerechtigkeit in das Bewußtsein der reichen Kirchen, also
auch in unser Bewußtsein, dringt. Nicht zufällig steht Gerechtigkeit
an erster Stelle!
(Thesen von a bis f von: Dr. Martina Blasberg-Kuhnke)
Als Bund der Deutschen Katholischen Jugend stehen wir nicht in vorderster Linie
im konziliaren Prozeß. Mit Hochachtung schauen wir auf das Leben von Dietrich
Bonhoeffer, Max-Joseph Metzger und Pater Alfred Delp SJ als prophetisches Zeichen
in ihrer Zeit und als uneingelöste Herausforderung für uns. Wir wissen,
daß wir gegenwärtig nicht in der Lage sind, die politischen, erst
recht nicht die wirtschaftlichen Kräfte in unserem Land direkt zu beeinflussen.
Unter den Jugendlichen gibt es aufbrechende Kräfte und Potentiale. Jugendliche
erfahren die Probleme der Zukunft als dringlich und existentiell. Sie reagieren
in vielfältigen Formen des Protests und mit Alternativen.
Wir sehen es als unsere Aufgabe und Chance, diese Bewegungen der Jugend zu sammeln
und zu einer gesellschaftlichen Kraft zu formieren. Wir werden dies vor allem
in kritischer Distanz zu den Parteien tun und gleichzeitig in vielfältigen
Formen politischer Einmischung.
3. Positive Ansätze
Auf der Grundlage der Werte und Überzeugungen, die wir im vorigen Kapitel
beschrieben haben, tritt der BDKJ in Kirche und Gesellschaft ein für Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Dabei wissen wir, daß diese
Ziele von uns niemals vollständig erreicht werden können. Die Vorstellung
einer Gesellschaft, in der Macht und Interessen nicht mehr länger darauf
ausgerichtet sind, dieses System der Ungerechtigkeit, des Unfriedens und der
fortschreitenden Zerstörung der Schöpfung zum eigenen Vorteil aufrechtzuerhalten,
bleibt eine Herausforderung. Dabei müssen wir uns der Frage der grundlegenden
Veränderbarkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse stellen. Bei der
Beantwortung dieser Frage müssen wir neben den vielen hoffnungsvollen Aufbrüchen
von einzelnen und Gruppen auch die Erfahrungen des Scheiterns der grundsätzlichen
Anliegen derjenigen Gruppen und Bewegungen in unsere Analyse einbeziehen, die
sich in der Vergangenheit für eine grundlegende Veränderung politischer
Optionen eingesetzt haben (Friedensbewegung, Anti-AKW-Bewegung). Wir befinden
uns in einer gesellschaftlichen Situation, in der weitreichende Utopien ihre
Prägekraft für politisches Handeln eingebüßt haben; der
Glaube an die umfassende Regulierbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse
ist erschüttert; es herrschen kurzfristige und begrenzte Handlungsstrategien
vor.
Angesichts der Komplexität und Differenziertheit gesellschaftlicher Problemlagen
kann auch der BDKJ weder ein konkretes Idealbild der Gesellschaft der Zukunft
noch eine gesellschaftspolitische Gesamtstrategie zur Realisierung unserer Hoffnungen
beschreiben. Dennoch müssen neben der Hoffnung, aus der heraus wir handeln,
auch Ansatzpunkte für gesellschaftliche Strategien benannt werden, um so
Kriterien für eigenes gesellschaftliches und politisches Handeln zu gewinnen.
Diese Ansatzpunkte müssen dann in einem konstruktiven Dialog zwischen den
Erfahrungen und Vorstellungen der unterschiedlichen Projekte und Bewegungen
und den gesellschaftspolitischen Zielvorstellungen des Verbandes auf anstehende
gesellschaftliche Probleme konkretisiert und weiterentwickelt werden, um so
zu einem koordinierten, zielgerichteten Handeln zu gelangen.
In dieser Plattform hat der BDKJ das Streben nach dem Erhalt gesellschaftlich
gewordener Machtstrukturen als eine wesentliche Ursache für die im ersten
Kapitel beschriebenen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen benannt. Ausgehend
von dieser Analyse ist der zentrale Zielpunkt unseres Handelns die Demokratisierung
gesellschaftlicher Strukturen und Entscheidungsprozesse, d.h. der Ausbau der
Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe. Macht-strukturen, die auf Verstetigung
hin angelegt sind, müssen durchbrochen und für Veränderungen
geöffnet werden. Nur so kann es gelingen, Sachzwänge in
Frage zu stellen und den gesellschaftlichen Diskurs durch ein breites Spektrum
alternativer Sichtweisen und Lösungsvorstellungen zu bereichern. Demokratisierung
ist dabei nicht nur eine Forderung, die sich auf die politischen Entscheidungsstrukturen
bezieht, sondern auch andere Teilbereiche wie z.B. Wirtschaft und Kultur miteinschließt.
Gesamtgesellschaftlich betrachtet, müssen sich zentrale und dezentrale
Strukturen und Entscheidungsprozesse notwendig ergänzen. Aus der Perspektive
gesellschaftlicher Teilhabe und größtmöglicher Beteiligung der
Betroffenen muß festgestellt werden, daß Zentralisierungstendenzen
in der Vergangenheit überhandgenommen haben und immer weiter verstärkt
werden. Die Strategie der Demokratisierung bedeutet also auch das Eintreten
für eine stärkere Denzentralisierung gesellschaftlicher Strukturen
und Prozesse bei gleichzeitiger Beibehaltung notwendiger zentraler Regelungen
und Abstimmungsprozesse. Das prinzipielle Offenhalten von Reformspielräumen
als notwendiges Mittel der Politik ist dabei nur durch formale gesetzliche Regelungen
zu sichern; Dezentralisierung setzt also eine entsprechende Gestaltung des ordnungspolitischen
Rahmens voraus (Beispiel Energieversorgung). In diesem Zusammenhang muß
die Einführung plebiszitärer Elemente auf allen Ebenen des politischen
Entscheidungssystems diskutiert werden.
Für einen Jugendverband bedeutet das Eintreten für eine Demokratisierung
gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse unter kurzfristiger Perspektive,
die gebotenen Möglichkeiten zur Partizipation wahrzunehmen. Angesichts
des noch ungebrochenen Trends zur Zentralisierung in Wirtschaft und Politik
kann nicht - mit Verweis auf die anzustrebende Dezentralisierung - auf die mögliche
Mitbestimmung zentraler Strukturen verzichtet werden. Unter Beachtung des legitimatorischen
Aspektes des Engagements von Jugendverbänden in dieser Gesellschaft muß
jedoch auch jeweils überprüft werden, an welchen Stellen durch planvollen
Rückzug Gegensätze zugespitzt werden können und müssen.
Demokratisierung lebt auch von der Bewußtmachung und Transparenz gesellschaftlichen
Dissenses.
Langfristig setzen wir auf eine grundlegende Veränderung gesellschaftlicher
Kommunika-tions- und Entscheidungstrukturen, die angemessene Möglichkeiten
der Verbindung von zentralem und dezentralem politischen Engagement schaffen
muß.
Als katholische Jugendverbände fordern wir auch eine Demokratisierung
der Strukturen der Kirche. Gerade in den letzten Jahren stellen wir hier eine
zunehmende Zentralisierung fest. Eine Kirche, die den konziliaren Prozeß
für sich selbst ernst nimmt, die sich selbst ökumenisch versteht und
ihr Handeln an den Prinzipien von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung
orientiert, muß das Engagement und die Aufbrüche in den Gemeinden,
Gruppen und Verbänden wahrnehmen, für die eigene Weiterentwicklung
nutzen und sich entsprechende Forderungen zu eigen machen.
Kurz- und langfristige Perspektive, Perspektive für Gesellschaft und Kirche
- Demokratisierung als Forderung und Ziel benennt noch keinen Idealzustand der
zukünftigen Gesellschaft. Demokratisierung benennt jedoch eine neue Qualität
gesellschaftlicher Prozesse, an der sich auch einzelne Handlungsschritte messen
lassen.
4. Handlungsschritte
Das Engagement des BDKJ für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der
Schöpfung
Der BDKJ und seine Mitgliedsverbände haben sich in der Vergangenheit immer
wieder auf dem Hintergrund ihrer christlichen Verantwortung für Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. Mitgestaltung der Kirche
und der Einsatz für eine menschenwürdige Gesellschaft, orientiert
am Maßstab der Botschaft Jesu Christi, nennt das BDKJ-Grundsatzprogramm
als zentrale Ziele katholischer Jugendverbandsarbeit. Dies geschieht in Verbindung
von Freizeitgestaltung, Bildung, Aktion und Interessenvertretung auf den verschiedenen
Ebenen des Verbandes. So gelingt es z.B., ausgehend von den konkreten Erfahrungen
Jugendlicher, Mißstände vor Ort aufzugreifen, sie aber auch innerhalb
der Strukturen des Verbandes zu thematisieren und zu bearbeiten.
Gerechtigkeit
Der Einsatz für Arbeitslose bzw. von Arbeitslosigkeit Bedrohte - insbesondere
Jugendliche - ist eines der Arbeitsfelder von Christlicher Arbeiterjugend (CAJ),
Kolping und Jung-KKV. Die Spannbreite des Engagements reicht von der alltäglichen
Gruppenarbeit mit entsprechenden thematischen Bezügen bis hin zu persönlichkeitsstabilisierenden
und berufsvorbereitenden Maßnahmen und Projekten (z.B. Beratungsangebote,
Teestuben, Kurse mit Klassen des Berufsvorbereitungsjahres, Werkstätten
mit Beschäftigungscharakter etc.). Im Rahmen des arbeit für
alle e.v. wurden insbesondere neue und demokratische Formen von Arbeit
in Betrieben und projektorientierten Selbsthilfegruppen initiiert,
gefördert und beraten. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen hat der BDKJ
aber auch noch einmal ausdrücklich den Vorrang genereller wirtschafts-
und beschäftigungspolitischer Maßnahmen zum Abbau der bisher eingetretenen
und zur Verhinderung eines weiteren Anstiegs der Erwerbsarbeitslosigkeit gefordert.
Der Abbau internationaler Ungerechtigkeiten ist das Ziel der entwicklungspolitischen
Bildungs- und Aktionsarbeit. Ein wichtiges Lern- und Aktionsmodell ist dabei
die Aktion Dritte-Welt-Handel, da sie exemplarisches Lernen und alternatives
Wirtschaften verbindet. Diese Aktion versteht sich als ein Beitrag zu einem
gerechten Handeln, gegen die internationale Verschuldung und für eine neue
Weltwirtschaftsordnung.
Das Südafrika-Projekt der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ), das durch
eine enge Partnerschaft mit dem dortigen katholischen Schüler- und Studentenverband
gekennzeichnet ist, zielt darauf ab, die menschenverachtende Ungerechtigkeit
des Apartheidregimes in Südafrika hier im Bewußtsein zu halten, die
Unterstützung der Apartheid durch wichtige Kräfte in der Bundesrepublik
Deutschland anzuprangern und Schritte zur Veränderung einzufordern.
Frieden
Die Auseinandersetzung um Fragen des Wehrdienstes und die Ausgestaltung des
Zivildienstes ist einer der Schwerpunkte der verbandlichen Aktivitäten
z.B. in der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG). Der BDKJ hat sich in den zurückliegenden
Jahren intensiv mit den Chancen und Risiken des militärischen Prinzips
der Abschreckung auseinandergesetzt und dabei festgestellt, daß das Risiko
eines Festhaltens an der Abschreckung mit Massenvernichtungswaffen nicht tragbar
und damit auch nicht mehr ethisch zu rechtfertigen ist. Der BDKJ hat deshalb
die Fortsetzung einer Politik der Abschreckung abgelehnt, deren Überwindung
gefordert und den Aufbau einer weltweiten politischen Friedensordnung als vorrangig
zu forderndes Ziel benannt. In diesem Sinne hat der BDKJ die Verweigerung des
Kriegsdienstes als deutliches Zeichen des Friedens und der Gewaltlosigkeit
und als eine Entscheidung bewertet, um sich vom gegenwärtigen Abschrekungssystem
zu distanzieren (Den Frieden fördern: Auftrag für jeden Christen
- Pflichtdienste und Gewissensentscheidung).
Ebenso hat sich der BDKJ für eine weltweite Anerkennung des Rechtes auf
Kriegsdienstverweigerung eingesetzt sowie die Ausgestaltung des Zivildienstes
als Friedensdienst gefordert. Daneben hat sich der BDKJ für den Aufbau
eines sozialen Dienstes für Frieden und Versöhnung eingesetzt. Frauen
sollen nach Meinung des BDKJ nicht zum Wehrdienst herangezogen werden.
Ein weiterer Beitrag zur Verwirklichung einer echten Versöhnung und Schaffung
einer Friedensbereitschaft zwischen den Völkern sind die internationalen
Begegnungen im Rahmen der Jugendverbandsarbeit und die vielfältigen internationalen
Kontakte und Verbindungen der Jugendverbände.
Bewahrung der Schöpfung
Aus christlicher Verantwortung für die Schöpfung sind in den Mitgliedsverbänden
des BDKJ in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Projekten zu Umweltthemen
entstanden. Verschiedene Mitgliedsverbände, so z.B. Stämme der Deutschen
Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), engagieren sich im Schutz und der Pflege
von Biotopen. Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) war 1986 einer der Träger
des 1. Deutschen Umwelttages in Würzburg. Die Katholische Junge Gemeinde
(KJG) hat das Projekt Arche Noah - eine Umweltaktion von Kindern in der
KJG gestartet.
Weiterhin treten der BDKJ und seine Mitgliedsverbände in verbandlichen
Aktionen und politischen Beschlüssen entschieden gegen den Weiterbau der
Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf ein und fordern den Ausstieg aus der
Kernenergie sowie eine grundlegende Neuorientierung der gesamten Energiepolitik.
Diese Liste verbandlicher Aktivitäten ist keineswegs vollständig;
sie benennt beispielhaft Aktionen auf den unterschiedlichen Ebenen der Mitgliedsverbände
und des BDKJ in den Themenfeldern des Konziliaren Prozesses. Die folgenden Vorschläge
für weiteres verbandliches Engagement können auf diesen Aktivitäten
aufbauen und sie weiterführen.
Handlungsperspektiven für den BDKJ
Wenn im folgenden einige Kriterien für Aktionen und Projekte im BDKJ genannt
werden, sind wir uns der besonderen Schwierigkeit bewußt, die in der Diskrepanz
zwischen gesamtgesellschaftlichen Problemen und ihrer strukturellen Verursachung
einerseits und den begrenzten Handlungsmöglichkeiten von Jugendlichen und
Jugendverbänden andererseits begründet sind. Trotzdem bieten Jugendverbände
besondere Möglichkeiten, die lokalen Aktivitäten der Gruppen im Rahmen
der vorhandenen Struktur miteinander zu vernetzen und in den Prozeß der
demokratischen Gestaltung der Gesellschaft einzubringen. So bleibt keine Aktion
nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, sondern wird ein wichtiger
Bestandteil eines globalen Engagements für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung
der Schöpfung.
Für eine zukunftsweisende Jugendverbandsarbeit sind uns dabei folgende
Kriterien wichtig:
- die Verbindung der Lebensbereiche gegen eine Parzellierung von Lebenswelten,
- die vorrangige Förderung von Mädchen und jungen Frauen gegen
die Aufrechterhaltung patriarchaler Strukturen,
- die Ermöglichung solidarischen Lernens gegen Individualisierung und
Vereinsamung,
- das Erlernen des Lebens mit der Natur gegen die weitere Ausbeutung der Schöpfung,
- die Orientierung an den Spuren der Geschichte gegen eine Verdrängung
der Vergangenheit,
- die Verstärkung der ökumenischen Zusammenarbeit und die Ausweitung
der Kooperation mit anderen Religionen,
- die Förderung politischer Willensbildungsprozesse gegen die Pädagogisierung
aller Lebensbereiche,
- die Verwirklichung einer multikulturellen Gesellschaft gegen Ausländerfeindlichkeit
und nationale Egoismen.
Diese Kriterien prägen in Ansätzen bereits viele der im vorigen Abschnitt
genannten Projekte und Aktionen. Hier gilt es kontinuierlich fortzufahren und
weitere Erfahrungen zu ermöglichen. Wir werden das nicht allein können.
Es gibt vielfältige Interessen an der Aufrechterhaltung ungerechter Zustände.
Deshalb brauchen wir das Gespräch und die Zusammenarbeit mit anderen und
Anregungen für die Entwicklung unserer Positionen. Die Suche nach neuen
HandlungspartnerInnen und die Weiterentwicklung bisheriger Kooperationen ist
für die Zukunft dringend geboten. Dialog und gemeinsames Handeln auf allen
Ebenen des Verbandes sind für uns zentrales Anliegen im Konziliaren Prozeß
für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Leitmotiv
für die Arbeit der Jugendverbände ist dabei, in den Bereichen von
Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung gesellschaftliche Gegenentwürfe
erlebbar und erfahrbar zu machen - auch wenn die Ansätze dazu noch unvollkommen
sind. Möglichkeiten bieten z.B. thematisch ausgerichtete Ferienfreizeiten,
die Einrichtung von Erzeuger-Verbraucher-Initiativen, das Engagement in sogenannten
Dritte-Welt- und Öko-Läden, die Unterstützung von Bio-Höfen
etc.
Weiteres Umgehen mit der Plattform im Verband
Diese Plattform des BDKJ für den Konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung wurde auf der Hauptversammlung im April
1989 verabschiedet. Genauso, wie der ökumenische Konziliare Prozeß
für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung nach der Weltversammlung
im März 1990 in Seoul in den Kirchen weitergehen muß, soll auch die
innerverbandliche Diskussion zu dieser Plattform nach dem Beschluß der
Hauptversammlung weitergeführt werden.
Damit die Inhalte dieser Plattform auf allen Ebenen des Verbandes, in den Mitgliedsverbänden
und in den regionalen Untergliederungen des BDKJ ausführlich diskutiert
und bearbeitet werden können, wird ein Dialogpapier erarbeitet (Arbeitsgruppe
- Beschluß Hauptausschuß). Dieses Dialogpapier dient der innerverbandlichen
Ermutigung und Vergewisserung auf der einen Seite, andererseits dem Dialog mit
außerverbandlichen Gruppen (Basisgrup-pen, evangelische Jugend etc.).
Es soll Grundlage sein für gemeinsames Handeln und Aktionen im konziliaren
Prozeß.
Das Dialogpapier muß entsprechend kurz und verständlich formuliert
werden und ein einladendes und offenes Gesprächsangebot für unsere
PartnerInnen darstellen.
Die Beschäftigung mit den Themen des konziliaren Prozesses geschieht in
der Bildungsarbeit, in Aktionen und in der Interessensvertretung der verbandlichen
Gruppen bzw. gemeinsam mit außerverbandlichen PartnerInnen.
Projekte, Modelle und Ergebnisse dieses Engagements werden anläßlich
des Katholikentages 1990 in Berlin im größeren Rahmen der Öffentlichkeit
vorgestellt. In einer Sonderinformation des Bundesvorstandes sollen schriftliche
Diskussionsbeiträge und Aktionsbeispiele bekanntgemacht werden, um den
Prozeß im Verband zu verbreitern.
Die Mitglieds- und Diözesanverbände verpflichten sich, diesen Diskussions-
und Dialogprozeß in ihrem Verband anzuregen und entsprechende Informationen
an ihre Gruppen weiterzugeben.
Bei der Studientagung mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej)
im November 1990 zum konziliaren Prozeß soll die Plattform als Diskussionsgrundlage
eingebracht werden. Es ist die Aufgabe des Bundesvorstandes, die Positionen
und Anfragen der Plattform insbesondere mit der aej-Leitung zu beraten und evtl.
über die bisherigen Kooperationsformen hinaus (EPA, ökumenischer Arbeitskreis,
gemeinsame Tagung) weitere Schritte im konziliaren Prozeß zu vereinbaren.
Zur Begleitung und Bündelung des beschriebenen Diskussions- und Dialogprozesses
wählt die Hauptversammlung eine entsprechende Arbeitsgruppe. Diese Arbeitsgruppe
organisiert die Weiterentwicklung der Plattform auf der Hauptversammlung des
BDKJ 1990. Die Diskussionsergebnisse und Dialogbeiträge der Verbände
auf den verschiedensten Ebenen sollen dabei in angemessener Form Eingang finden.
[Einstimmig angenommen]
BDKJ-Hauptversammlung am 23. April 1989
weiter
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