Oldenburg, Ökumenische Regionalversammlung, 1988
Schlußerklärung
WIR BEKENNEN uns zu Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, der
die Mächte des Todes überwunden hat. Er ist der Weg, die Wahrheit
und das Leben. Er leidet mit uns und gibt uns Hoffnung, daß die Liebe
den Tod besiegt. Er ermutigt uns, für das Leben aufzustehen.
WIR BEKLAGEN, daß wir unser Leben
durch lebenzerstörende Mächte und menschenfeindliche Werte bestimmen
lassen.
Sie verweigern lebensnotwendiges Brot.
Sie verhindern menschenwürdiges Leben.
Sie foltern und bringen zum Schweigen.
Sie verweigern Menschen die Heimat und zwingen sie zur Flucht.
Sie töten, die sich ihnen in den Weg stellen.
Sie hetzen in Feindschaft gegeneinander.
Sie verkaufen todbringende Waffen als angebliche Friedensgaranten.
Sie lügen und betrügen um der Macht und des Profits willen.
Sie manipulieren das Leben.
Sie nehmen die Luft zum Atmen.
Sie vergiften das Wasser.
Sie verseuchen den Boden.
Sie verdrehen die Sprache.
Sie vernebeln das Denken.
WIR ERSCHRECKEN darüber, daß wir an diesen Prozessen der Zerstörung
beteiligt sind und bisher nicht genug zur Umkehr getan haben. Wir geben zu,
daß wir nicht mutig genug bekennen, treu genug beten, fröhlich genug
glauben und brennend genug lieben.
WIR VERPFLICHTEN UNS, mitzuhelfen eine Welt zu bauen, in der jeder Mensch ohne
Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Meinung, der Abstammung,
des Geschlechts ein volles menschliches Leben führen kann. Darum wollen
wir in vielen einzelnen Schritten
- unseren Mund auftun für die Opfer von Gewalt und Hunger,
- die Strukturen der Ausbeutung offenlegen und nach Auswegen aus der Verschuldung
suchen,
- entschieden nein sagen zu der schrecklichen Institution des Krieges, allen
Massenvernichtungsmitteln und der alltäglich gewordenen Militarisierung
des Lebens,
- die Schöpfung vor der atomaren, biologischen und chemischen Vernichtung
schützen, sie pflegen und wieder aufbauen; denn sie ist uns zu verantwortlichem
Gebrauch anvertraut,
- in unseren Kirchen, Gemeinden und Gruppen für die Lebenschancen aller
Menschen und für die Versöhnung unter den Völkern beten und
arbeiten und uns gegenseitig beistehen.
Auf unserem Weg zu einer Weltversammlung der Christen für Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung suchen wir das Bündnis mit allen
Menschen guten Willens über alle Grenzen hinweg.
WIR ERWARTEN von den Ökumenischen Versammlungen in der Bundesrepublik
(1988 in Hannover - Königstein/Taunus - Stuttgart), daß sie unsere
Erklärung aufnehmen.
WIR ERWARTEN von einer Weltversammlung, daß sie eindeutig und entschieden
ohne Furcht vor den Mächtigen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung
der Schöpfung eintritt.
Gegen Bedrohung, Angst und Hoffnungslosigkeit verbinden wir uns mit der Bitte:
GOTT, halte unseren Verstand wach,
mache unsere tauben Ohren auf,
laß unsere blinden Augen sehen,
gib uns Mut, Ängste zu überspringen,
die Wahrheit auszusprechen und in ihrem Sinn zu handeln.
Mach unsere Hoffnung groß und unsere Liebe stark.
Ökumenische Regionalversammlung Oldenburg
13. Februar 1988
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