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Pax Christi, Deutsche Sektion, Gemen 1987
Zum gegenwärtigen Stand des konziliaren Prozesses und der
Vorbereitung auf nationale Foren wie auf ökumenische Versammlungen
- Aufgrund der Beschlüsse der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
(ACK) und der Konferenz europäischer Kirchen über die Durchführung
von ökumenischen Foren bzw. Versammlungen haben wir die Hoffnung, daß
unsere Kirche sich auch an der vom Ökumenischen Rat der Kirchen vorgesehenen
Weltversammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung
beteiligen wird. Wir sehen die Mitarbeit der Katholischen Kirche als notwendig
an. Sie braucht die Teilnahme an diesem ökumenischen Wagnis um ihrer
Identität als universaler Kirche willen.
- Niemand kann vorhersagen, zu welchen Aussagen, Empfehlungen oder Beschlüssen
die verschiedenen Foren und Versammlungen kommen werden. Es läßt
sich hingegen wohl sagen, daß die Arbeit der verschiedenen Gremien der
Einladung des Ökumenischen Rates (aufgrund der Beschlüsse der Weltversammlung
von Vancouver) nicht gerecht wird und auch wirkungslos bleiben wird, wenn
das übrige Gottesvolk lediglich in der Rolle des Adressaten ihrer Botschaften
bleibt. Darum muß das ganze Gottesvolk aktiv am konziliaren Prozeß
teilnehmen können. Dazu gehört auch die Vorbereitung und Durchführung
der Foren bzw. Versammlungen. Wir erwarten im Gegensatz zur bisherigen katholischen
Geheimhaltungspraxis eine Offenlegung aller Planungen, Arbeitspapiere und
Beschlüsse.
- Viele katholische Christen verhalten sich gegenüber der Mahnung unseres
Papstes, der Friedensarbeit die größtmögliche Bedeutung
zuzumessen (Johannes Paul II. zum Weltfriedenstag 1979), und den Bitten unserer
Bischöfe (dem abschließenden Abschnitt ihres Friedenswortes Gerechtigkeit
schafft Frieden) ebenso zurückhaltend wie gegenüber dem Aufruf
des Weltkirchenrates. Die katholischen Bischöfe können ihren unverzichtbaren
Anteil an dem konziliaren Prozeß einbringen, wenn sie die Gemeinden
- z.B. in Fastenhirtenbriefen - ermutigen, sich auf diesen Weg zu begeben.
- In der Einladung der ACK zur Vorbereitung auf ein Ökumenisches Forum
wird mit Recht die Aufgabe eines gemeinsamen Zeugnisses der Kirchen und der
Christen hervorgehoben: Das Zeugnis für Jesus Christus, der unsere
Gerechtigkeit und unser Friede ist, der Erstgeborene der Schöpfung, in
dem alles Bestand hat (Gesichtspunkte zur Durchführung eines Forums
über Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, vom 13.5.1987).
Damit wird der geistliche Charakter der verschiedenen Versammlungen sowie
der angestrebten Stellungnahmen eindeutig umschrieben. Durch diesen konziliaren
Prozeß können Kirchen jeweils für sich und in der Gesamtheit
der Ökumene erfahren, wozu sie von Gott in unserer Zeit berufen sind.
Darum kommen dem gemeinsamen Gebet und dem Hören auf das Wort Gottes
eine besondere Bedeutung zu. Vor ihm und erleuchtet durch seinen Geist hoffen
wir auf Einsicht und Urteilsvermögen, daß wir in
jeder Lage entscheiden (können), was das Rechte ist (Phil 1,9f.).
- Damit die ganze Kirche Christi glaubwürdig für den Frieden
zu wirken vermag (Präambel der Statuten von Pax Christi), sind
alle Möglichkeiten einer ökumenischen Zusammenarbeit auszuschöpfen.
Um die Vielfalt der kleinen Schritte im konziliaren Prozeß
zu machen und die Vernetzung der Gruppen zu fördern, sollen möglichst
viele Schritte auf dem konziliaren Weg untereinander und anderen bekannt gemacht
werden. Der Ökumenische Informationsdienst wurde als Organ
der Gruppen in der Bundesrepublik geschaffen und angenommen. Wir sind gebeten
diesen Dienst durch unsere Mitarbeit mitzugestalten.
- In einer Welt voller Mißtrauen und Parteiungen, Gruppeninteressen
und Konfrontationen ist das Gespräch mit Andersdenkenden zu suchen und
einzuüben. Christen und Kirchen müssen heute mehr denn je zuvor
der Welt ein Beispiel dafür geben, daß der notwendige
Streit um einen gangbaren und verantwortbaren Weg in die Zukunft unter Vertretern
unterschiedlicher Positionen offen und fair unter Verzicht auf alle Sonderinteressen
geführt werden kann. Gerade bei diesen Versuchen dürfen wir uns
nicht entmutigen lassen. Wenn wir so sprechen, hören wir die Warnung
armer Kirchen (Kairos-papier), vorschnell über das gegebene Unrecht hinwegzusehen
und von Versöhnung zu sprechen. Es ist eine Sache, wenn wir den Schrei
der Armen nicht mehr überhören und eine andere, wenn wir uns in
unserer Region über den rechten Weg zu mehr Gerechtigkeit und Frieden
streiten.
- Das Ökumenische Forum in der Bundesrepublik wird vom 13.-16. April
1988 in Königstein/Taunus und vom 19.-22. Oktober 1988 in Stuttgart zusammenkommen.
Alle Gruppen von Pax Christi sind aufgerufen, diese Tage in ökumenischer
Gemeinschaft mit anderen Gruppen und Gemeinden am Ort durch Gebet und Fasten
zu begleiten.
- Gruppen und Bistumsstellen sollen den Mitgliedern des Vorbereitungsausschusses
und den Delegierten des Forums ihre Erwartungen, Wünsche und Vorschläge
für das Forum in geeigneter Weise mitteilen. Das gilt sowohl für
die zu behandelnden Themen als auch für die zu formulierenden Positionen.
Ebenso erwarten wir, daß die Delegierten auf die Gruppen partnerschaftlich
zugehen ...
- Während die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik
Deutschland 1972-1975 im Würzburger Dom tagte, hatte die Arbeitsgemeinschaft
Synode in der Nachbarschaft ein Kontaktzentrum eingerichtet, in
dem Vertreter der verschiedenen Gruppen der AG-Synode zum Gespräch mit
den Synodalen zur Verfügung standen. Das Präsidium wird beauftragt,
mit anderen Gruppierungen für die Zeit des Forums eine ähnliche
Möglichkeit für Kontakte und Gespräche zu schaffen.
- Die Deutsche Sektion von Pax Christi beruft sich für die eigene inhaltliche
Arbeit auf das noch nicht genügend ausgeschöpfte Bischofswort Gerechtigkeit
schafft Frieden, auf die eigenen Schwerpunkte und Dokumente und auf
die Erklärungen der Ökumeni-schen Versammlungen in Siegen.
- Die Gruppen begleiten die Ökumenischen Foren auf dem Weg
zur Weltversammlung. Nachdem sie die Einladung des Ökumenischen Rates
angenommen und ihre Erfahrungen in den Konziliaren Prozeß eingebracht
haben, sehen sie sich in dieser Aufgabe legitimiert. (Für die internationale
Pax-Christi-Bewegung vgl. den Beschluß des Rates vom 10.5.1986). Während
die Gruppen ihre Erwartungen, Wünsche und Vorschläge an die Foren
eingeben, führen sie ihre eigene Arbeit im konziliaren Weg fort. Wir
rufen Pax-Christi-Gruppen und -Bistumsstellen auf, gemeinsam mit anderen katholischen
Partnern an den regionalen ökumenischen Versammlungen und an dem Europäischen
Treffen Assisi teilzunehmen.
Positionspapier
Delegiertenversammlung der Deutschen Sektion von Pax Christi
in Gemen
Gemen, 8. November 1987
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