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Kapitel I: Ein förderliches Umfeld für die soziale Entwicklung


Grundlagen und Zielsetzungen

4. Soziale Entwicklung ist untrennbar verbunden mit dem kulturellen, ökologischen, wirtschaftlichen, politischen und geistigen Umfeld, in dem sie sich vollzieht. Sie läßt sich nicht als eine sektorale Initiative verfolgen. Soziale Entwicklung steht außerdem in einem offenkundigen Zusammenhang mit der Entwicklung auf dem Gebiet des Friedens, der Freiheit, der Stabilität und der Sicherheit auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene. Die Förderung der sozialen Entwicklung verlangt, daß Wertvorstellungen, Ziele und Prioritäten auf das Wohlergehen aller Menschen und auf die Stärkung und Förderung von Institutionen und Politiken ausgerichtet werden, die diesem Ziel förderlich sind. Die Menschenwürde, alle Menschenrechte und Grundfreiheiten, Gleichberechtigung, Billigkeit und soziale Gerechtigkeit sind die Grundwerte aller Gesellschaften. Die Verfolgung, die Förderung und der Schutz dieser Werte, neben anderen, verleiht allen Institutionen und jedweder Wahrnehmung öffentlicher Gewalt ihre wesentliche Legitimität und fördert ein Umfeld, bei dem im Mittelpunkt des Strebens nach einer zukunftsfähigen Entwicklung der Mensch steht. Er hat Anspruch auf ein gesundes und produktives Leben in Harmonie mit der Natur.

5. Die Volkswirtschaften und Gesellschaften der Welt sind immer enger miteinander verflochten. Handel und Kapitalströme, Wanderungen, wissenschaftliche und technische Neuerungen, die Kommunikation und der kulturelle Austausch lassen eine Weltgemeinschaft entstehen. Diese Weltgemeinschaft ist bedroht durch Umweltzerstörung, schwere Nahrungsmittelkrisen, Epidemien, rassische Diskriminierung jeder Ausprägung, Fremdenfeindlichkeit, verschiedene Formen von Intoleranz, Gewalttätigkeit und Kriminalität sowie durch die Gefahr, ihren Reichtum an kultureller Vielfalt einzubüßen. Die Regierungen sind sich zunehmend darüber im klaren, daß ihre Reaktion auf die sich ändernden Bedingungen und ihr Streben nach einer zukunftsfähigen Entwicklung und sozialem Fortschritt verstärkte Solidarität erfordern werden, die ihren Ausdruck in geeigneten multilateralen Programmen und einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit findet. Diese Zusammenarbeit ist besonders wichtig, wenn sichergestellt werden soll, daß diejenigen Länder, die Hilfe benötigen, wie die afrikanischen Länder und die am wenigsten entwickelten Länder, aus dem Globalisierungsprozeß Nutzen ziehen können.

6. Wirtschaftliche Tätigkeiten, durch die der einzelne seine Initiative und seine Schaffenskraft zur Entfaltung bringt und der Reichtum der Gemeinwesen gemehrt wird, bilden eine der Grundlagen sozialen Fortschritts. Dieser wird jedoch nicht einfach durch das freie Spiel der Marktkräfte herbeigeführt. Es bedarf staatlicher Maßnahmen, um Marktversagen zu korrigieren, die Marktmechanismen zu ergänzen, die soziale Stabilität zu wahren und ein nationales und internationales Wirtschaftsumfeld zu schaffen, das ein zukunftsfähiges Wachstum in weltweitem Umfang fördert. Ein solches Wachstum soll Fairneß und soziale Gerechtigkeit, Toleranz, Verantwortlichkeit und Teilhabe fördern.

7. Oberstes Ziel der sozialen Entwicklung ist die Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen. Voraussetzungen dafür sind das Vorhandensein demokratischer Institutionen, die Achtung vor allen Menschenrechten und Grundfreiheiten, vermehrte wirtschaftliche Möglichkeiten auf der Grundlage der Gleichberechtigung, die Rechtsstaatlichkeit, die Förderung der Achtung vor der kulturellen Vielfalt und vor den Rechten von Menschen, die Minderheiten angehören, sowie die aktive Beteiligung der bürgerlichen Gesellschaft. Befähigung zur Selbstbestimmung sowie Partizipation sind unabdingbare Voraussetzungen für Demokratie, Eintracht und soziale Entwicklung. Alle Mitglieder der Gesellschaft sollen die Möglichkeit haben und in der Lage sein, das Recht und die Verantwortung wahrzunehmen, aktiv an den Angelegenheiten der Gemeinschaft, in der sie leben, mitzuwirken. Die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Geschlechter und die volle Teilhabe der Frau an allen wirtschaftlic hen, sozialen und politischen Aktivitäten ist unabdingbar. Die Hindernisse, die den Anteil der Frauen an den Entscheidungsprozessen und ihren Zugang zur Bildung, zu Gesundheitsdiensten und zum Arbeitsmarkt erschweren, müssen beseitigt werden, und zwischen Mann und Frau muß eine gleichberechtigte Partnerschaft hergestellt werden, bei der der Mann im Familienleben volle Verantwortung übernimmt. Das vorherrschende soziale Paradigma der Geschlechter muß geändert werden, um eine neue Generation von Männern und Frauen entstehen zu lassen, die zusammen an der Schaffung einer menschlicheren Weltordnung arbeiten.

8. Ausgehend von diesen Überlegungen werden wir ein förderliches Umfeld für eine zukunftsfähige Entwicklung fördern, in deren Mittelpunkt der Mensch steht; dieses Umfeld soll gekennzeichnet sein durch: breit angelegte Teilhabe und Mitwirkung der bürgerlichen Gesellschaft an der Ausarbeitung und Durchführung von Entscheidungen, welche das Funktionieren und das Wohl unserer Gesellschaften bestimmen; breit angelegte Modelle für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und eine zukunftsfähige Entwicklung sowie die Einbeziehung von Bevölkerungsfragen in Wirtschafts- und Entwicklungsstrategien, wodurch das Tempo der zukunftsfähigen Entwicklung und der Armutsbeseitigung beschleunigt und ein Beitrag zur Erreichung der demographischen Ziele und zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung geleistet wird; eine gerechte und nichtdiskriminierende Aufteilung der Wachstumserträge unter den sozialen Gruppen und den Ländern und vermehrten Zugang der in Armut lebenden Menschen zu den Produktionsmitteln; ein Zusammenspiel der Marktkräfte, das der Effizienz und der sozialen Entwicklung förderlich ist; eine Politik, die auf die Überwindung der die Gesellschaften spaltenden Ungleichheiten angelegt ist und die den Pluralismus und die Vielfalt achtet; einen stützenden und stabilen politischen und rechtlichen Rahmen, der die gegenseitig befruchtende Beziehung zwischen Demokratie, Entwicklung und allen Menschenrechten und Grundfreiheiten fördert; politische und soziale Prozesse, die Ausgrenzung vermeiden und Pluralismus und Vielfalt achten, insbesondere auch die religiöse und kulturelle Vielfalt; eine bedeutendere Rolle für die Familie, im Einklang mit den Grundsätzen, Zielen und Verpflichtungen der Kopenhagener Erklärung über soziale Entwicklung und des Aktionsprogramms der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung, sowie für das Gemeinwesen und die bürgerliche Gesellschaft; allgemeineren Zugang zu Wissen, Technologie, Bildung, Gesundheitsdiensten und Information; vermehrte Solidarität, Partnerschaft und Zusammenarbeit auf allen Ebenen; staatliche Maßnahmen, die die Menschen in die Lage versetzen, während ihres ganzen Lebens gesund und produktiv zu bleiben; Schutz und Erhaltung der natürlichen Umwelt im Kontext einer zukunftsfähigen Entwicklung, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.

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