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4. Bewahrung der Schöpfung -- 4.1 Theologische Einleitung


Gott hat die Welt geschaffen und bleibt in seiner Schöpfung gegenwärtig. Ihre Bewahrung ist allen Menschen von Gott aufgetragen (vgl. Gen 2,15). Wir Christen glauben, daß die gesamte Schöpfung von der Liebe Gottes getragen bleibt, die sich in Jesus Christus offenbart.

Christen aller Konfessionen bekennen den dreieinigen Gott als Schöpfer, Erhalter, Erlöser und Vollender der Welt. Sie preisen Gott als den Schöpfer des Himmels und der Erde: "Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen." (Ps 104,24) Von Jesus Christus bezeugt die Bibel: "Denn in ihm wurde alles geschaffen, im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand." (Kol 1, 16 f.) Alles Geschaffene ist vom Geist Gottes, dem Liebhaber des Lebens, durchwaltet und wird dadurch geheiligt.
In Jesus Christus wurde Gott Mensch und nahm damit das Leiden der menschlichen und der außermenschlichen Schöpfung auf sich. Durch sein Kreuz und seine Auferstehung ist er den Weg zur Erlösung der gesamten Schöpfung gegangen. In seiner Nachfolge erwarten wir, vom Heiligen Geist geleitet, den neuen Himmel und die neue Erde, die uns als Vollendung der Welt verheißen sind.
Gott hat den Menschen als Teil seiner Schöpfung erschaffen. Alle Mitgeschöpfe haben ihren eigenen Wert, der darin begründet liegt, daß sie von Gott gewollt sind. Die Ehrfurcht vor dem Leben verbietet es, Tier- und Pflanzenwelt vornehmlich unter dem Gesichtspunkt ihres Nutzens und der Verwertbarkeit für den Menschen zu sehen. Das gilt auch für die unbelebte Natur.
Gott hat dem Menschen jedoch auch eine besondere Stellung in seiner Schöpfung vorbehalten: Er hat ihm den Auftrag gegeben, als sein Abbild Verantwortung für die Mitgeschöpfe wahrzunehmen.
Es gehört zur Verantwortung für Gottes Schöpfung, menschliches Leben, sei es stark oder schwach, groß oder klein, jung oder alt, von Anfang bis Ende zu schützen. Es darf in all seinen Erscheinungsformen nicht ausgebeutet, verletzt oder gar zerstört werden. Zur Schöpfungsverantwortung gehört daher auch der Schutz des ungeborenen Lebens. Als schwächste Form menschlichen Lebens braucht es diese besondere Achtung seiner Würde.

Unsere Schuld besteht darin, daß wir immer wieder aus egoistischen Motiven die uns gezogenen Grenzen verletzen und der Schöpfung nicht mehr behebbare Schäden zufügen. Die Natur ist vorwiegend zum Rohstoff für eine verschwenderische Produktion von Konsumgütern geworden.

Die Schöpfung ist uns zur Gestaltung und zur Pflege anvertraut. Mit der Anmaßung grenzenloser Herrschaft über die Natur mißachten wir unseren Auftrag und erweisen uns so als Sünder. Zudem gefährden wir das ökologische Gleichgewicht und riskieren unsere Zukunft wie die der kommenden Generationen. Mit dieser Praxis tun wir der Schöpfung Gewalt an.
Umkehr zu Gott ist daher notwendig. Begründet ist diese Umkehr in der tiefen Überzeugung, daß Gott Freude an seiner Schöpfung hat und sie liebt. Es gilt, die Dankbarkeit für das Geschenk der Schöpfung wiederzugewinnen und unsere tägliche Verantwortung für das Geschaffene so wahrzunehmen, daß wir in den Lobpreis der gesamten Schöpfung einstimmen können. Der Mensch darf die Früchte und Schätze der Erde dankbar nutzen. Aber gerade darin soll er Abbild Gottes sein, daß er wie Gott fürsorglich, liebevoll die Schöpfung hegt und pflegt. Das aber heißt heute, viel größere Anstrengungen zu unternehmen, um die Gewalt gegen die Schöpfung zu vermindern.
Zum Schutz der heiligen Gabe des Lebens müssen und können wir uns um ein neues Denken und um einen neuen Lebensstil bemühen. Auch wenn die endzeitliche Befreiung des Menschen, die Befriedung der Natur und die Erlösung von den Mächten des Bösen und des Todes noch ausstehen, so können schon jetzt Zeichen der neuen Schöpfung sichtbar werden.
Unsere Hoffnung ist in Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi begründet. In Christus hat die Erlösung der Schöpfung begonnen. In dieser Hoffnung glauben wir an die Auferstehung. So können wir uns nicht mit der Todesherrschaft abfinden.
"Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden" (2 Kor 5,17). Wer an das ewige Leben glaubt, setzt sich auch für die Vermehrung irdischer Lebensmöglichkeiten gegen alle zerstörerischen Tendenzen ein. Er braucht nicht zu resignieren und zu kapitulieren, sondern kann inmitten aller Zwänge nach Möglichkeiten des neuen Lebens Ausschau halten: im Verhältnis zu sich selbst, zu den Mitmenschen und den übrigen Mitgeschöpfen sowie im Umgang mit der ganzen Natur. Im Gottesdienst preisen wir Gott als Schöpfer. Wir lassen uns erinnern an unseren Ort in seiner Schöpfung inmitten der anderen Kreatur. Wir danken für die Gabe der Schöpfung und des Lebens. Wir erfahren und feiern die befreiende Wirkung von Gottes Wort und Sakrament. Gemeinsam lassen wir uns zu mutigem Handeln herausfordern.


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