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1. Theologische Grundlegung


Als Delegierte unserer Kirchen und Gemeinden haben wir in Königstein und Stuttgart neu gelernt, was der dreieinige Gott uns anvertraut hat und wozu er uns ruft. Dieser Ruf trifft uns in einer Zeit, in der sich die Möglichkeiten menschlichen Handelns ständig erweitern. Sie lassen zusammen mit den erkennbaren Folgen dieses Handelns die Notwendigkeit einer biblisch-theologischen, geistlichen und ethischen Orientierung der Christen dringlicher und schwieriger werden. Als Christen fragen wir wie andere verantwortungsbewußte Menschen nach klaren Maßstäben für unser Verhalten: Wie können wir angesichts einer noch nie dagewesenen Bedrohung des Überlebens Gerechtigkeit, Frieden und eine unversehrte Schöpfung fördern und schützen? Im Gehorsam gegen Christus und in seiner Nachfolge wollen wir heute notwendige Wege suchen.

Im Glauben an Gott, der alles geschaffen hat und vollenden wird, und im Hören auf sein Wort, das unser ganzes Leben bestimmen soll, wollen wir Wege suchen, die aus selbstverschuldeter Gefahr zu einem besonnenen Umgang der Menschen untereinander und mit der ganzen Schöpfung führen.

1.1

Als Teil der Schöpfung und als Ebenbilder Gottes sind wir Menschen zu Partnern seines schöpferischen und befreienden Handelns bestimmt und mit der Gestaltung und Bewahrung unserer Welt betraut. "Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau." (Gen 1,26-30) Die Auflehnung des Menschen gegen Gott, Hochmut, Trägheit und Selbstsucht haben jedoch immer wieder dazu geführt, die Stellung des Menschen in der Schöpfung und die ihm von Gott anvertrauten Gaben zu mißbrauchen. Menschen haben durch frevelhaften Machtmißbrauch anderen Menschen und der übrigen Schöpfung schlimmen Schaden zugefügt bis hin zu sinnloser Vernichtung. Das Miteinander der Menschen in Frieden und Gerechtigkeit und ihr Verhältnis zur übrigen Schöpfung sind dadurch immer wieder in tiefe Krisen gestürzt worden, deren Auswirkungen heute für alle zutage liegen. Dennoch hat Gott seine Schöpfung nicht aufgegeben. Sein Bund mit Noach gilt trotz der menschlichen Untreue bis in unsere Zeit. In Jesus Christus hat Gott einen neuen Bund (Lk 22,20; Hebr 8 und 12) gestiftet, der die Macht des Bösen und des Todes überwunden hat. In der Gemeinschaft der Kirchen und Gemeinden am Ort wird in der Nachfolge Jesu Christi die versöhnende und heilende Liebe Gottes zur Kraft, die uns zu neuem Handeln befreit und befähigt. Durch seinen Heiligen Geist baut Gott sein Reich schon in dieser Welt, ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, das er trotz aller Widerstände dereinst vollenden wird. Zur Teilnahme an Gottes Herrschaft, in der das Getrennte wieder vereint, das Verwundete wieder geheilt und das Getötete zu neuem Leben erweckt wird, sind alle Menschen eingeladen.

1.2

Gottes Treue zu seiner Schöpfung und sein Handeln zum Heil der Welt sind uns in Jesus Christus erschienen. Sie sind Grundlagen, die Umdenken und Umkehr ermöglichen. Weil Gott uns nicht im Stich läßt, brauchen wir, selbst wenn unsere Situation aussichtslos erscheint, nicht zu resignieren; wir dürfen uns aber auch nicht durch einen scheinbar frommen Optimismus unserer Verantwortung entziehen. Weil wir den Weg in die Zerstörung nicht weitergehen dürfen, ist Umkehr nötig. Sie ist möglich, weil der Schöpfer aller Menschen uns ruft und befähigt, der Sünde abzusagen und seinen Willen zu tun. Mit der Bitte, daß dieser Wille bei uns auf der Erde geschehe wie im Himmel, verpflichten wir uns zugleich, ihm in freiem Gehorsam zu folgen. Gerechtigkeit, Friede und eine gute Schöpfung sind keine fernen Utopien, die wir erst zu verwirklichen hätten; sie sind Geschenke, die Gott unserer Pflege anvertraut hat. Deshalb ist unser ganzes Verhalten - von der privaten Lebensgestaltung bis zu den Bereichen politischer und gesellschaftlicher Teilhabe und Mitbestimmung - an Gottes Willen auszurichten.

1.3

Die Zugänge zu ethischen Maßstäben sind auch unter Christen oft verschieden. Während sich der eine vorwiegend an den Geboten und dem Vorbild Jesu zu orientieren sucht, bemüht sich der andere, die Grundnorm des Liebesgebotes in den Mittelpunkt zu stellen, um von daher der Verantwortung vor Gott durch das Bedenken der voraussehbaren Handlungsfolgen gerecht zu werden. Die beiden Zugänge schließen einander jedoch nicht aus, sondern ergänzen sich, vorausgesetzt, daß sie darauf gerichtet sind, den einen Willen Gottes für das eigene Handeln zu erkennen und zu tun.
Deshalb müssen Christen sich gegenseitig befragen, ob sie genügen bereit sind, die biblischen Gebote in ihren Überlegungen und Entscheidung ernst zu nehmen und ihr eigenes Handeln durch das Bemühen um Sachinformationen und das Bedenken seiner Folgen zu qualifizieren. Das gemeinsame Wort, das Christen und Kirchen zu ethisch wichtigen Problemfeldern finden, hat nur dann einen eigenen Wert und eine Chance, gehört zu werden, wenn es sowohl evangeliumsgemäß als auch sachgemäß ist. Für ein solches Wort brauchen wir den Dialog, das hör- und lernbereite gemeinsame Suchen und die Bereitschaft zum gemeinsamen Handeln in der Verantwortung vor Gott.
Trotz aller Unterschiede finden wir uns als Christen in der gemeinsamen Überzeugung der richtenden und heilschaffenden Gegenwart Gottes, in der Liebe zu allen Menschen und in der Achtung vor der Würde alles Geschaffenen. Dieses gemeinsame Fundament ist auch der Grund unserer Hoffnung, daß Gott seine Schöpfung nicht aufgibt, sondern sie durch Gefährdungen, Beschädigungen und Zerstörungen hindurch heilen und vollenden will, und daß er uns aufruft, ihn für diese Gaben dankbar zu preisen und die uns geschenkte Freiheit in Verantwortung vor ihm, voreinander und vor unseren Mitgeschöpfen zu gebrauchen


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