Oekumenische Treffen: Global
Oekumenische Treffen: Weltregional und national
Oekumenische Treffen: Basisbewegung
UN Konferenzen
NGO Begleitkonferenzen
Bibliographie
House of Studies
Kunstgalerie
Home
   

6. Die Verantwortung der Kirchen


Erst in jüngster Zeit haben viele Kirchen ihre Verantwortung für die ganze Schöpfung und für die zukünftigen Generationen wiederentdeckt. Die Kirchen sollten sich mit großer Demut für einen umweltgerechten, zukunftsfähigen Lebensstil einsetzen und sich bewußt sein, daß sie selbst lange Zeit an der herrschenden, zerstörerischen Lebensart teil hatten. Kirchen können jedoch kein Monopol auf die Lösungen in Anspruch nehmen, vor allem nicht auf den technischen und wissenschaftlichen Feldern.

Vor diesem Hintergrund fragen wir: Welches gemeinsame Zeugnis können Kirchen für einen zukunftsfähigen Lebensstil ablegen? Wir möchten einige wichtige Herausforderungen für die Kirchen hervorheben:

a) Die Kirchen haben eine prophetische Verantwortung; das heißt, sie sind nicht einfach nur soziale Institutionen, die nach ihren eigenen Gesetzen handeln. Ihre Aufgabe ist es, sorgfältig auf Gottes Botschaft zu hören, um zu den heutigen Fragen etwas sagen zu können. Die Kirchen müssen offen sein für die Welt, um Gottes Willen für die moderne Zeit übersetzen zu können. Sie müssen die Zeichen der Zeit lesen, die vom Leiden der Schöpfung handeln, und auf die Menschen hören, wenn sie ihre Geschichten, Erfahrungen und ihr Wissen mitteilen. Die prophetische Aufgabe der Kirchen ist es, der Welt die Botschaft Gottes zu verkünden, selbst wenn dies unbequem erscheint, weil gegenwärtige Trends und Praktiken dadurch in Frage gestellt werden. Es ist jedoch festzustellen, daß nicht jede Botschaft der Kirchen, die den gängigen Trends widerspricht, auch prophetisch ist: wichtig ist, daß die Botschaft in Schrift und Tradition gegrü ;ndet ist.

b) Die Kirchen müssen auch jedem Zeichen von Zerstörung eine Botschaft der Hoffnung gegenüberstellen. Viele Menschen, vor allem die Jungen, wissen sehr viel und haben viele Einsichten über den beklagenswerten Zustand des Planeten. Was aber sehr oft fehlt, ist die Hoffnung und ein Vertrauen in die Zukunft. Wenn man aber die Ängste und das schlechte Gewissen der Menschen noch steigert, führt dies zu lähmender Frustration und zu Fatalismus. Der Glaube der Kirchen an das Reich Gottes, an seine Gnade in Jesus Christus und die erneuernde Kraft des Geistes sollte eine Quelle der Freude, Inspiration und Ermutigung bedeuten.

c) Eine hoffnungsvolle Botschaft wird nicht automatisch eine Veränderung der gegenwärtigen Situation bringen. Deshalb müssen die Kirchen in ihrem eigenen alltäglichen Leben ein glaubwürdiges Zeugnis geben und dabei glaubwürdige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gottes nicht endendem Schöpfungsakt sein. Die Kirchen sollten ihre eigenen Schwächen wie auch ihre Verantwortlichkeiten erkennen und bei der Praktizierung eines zukunftsgerechten Lebensstils, der die Ganzheit und Heiligkeit des Lebens widerspiegelt, mit gutem Beispiel vorangehen.

d) Die Kirchen wissen um die spirituelle Dimension des Lebens. Sie sollten sich dafür einsetzen, daß der Gottesdienst ein integraler Bestandteil eines zukunftsfähigen Lebensstils ist. In der Eucharistie, der Meditation und im Gebet hören wir auf Gott, stellen uns Gott zur Verfügung, öffnen uns selbst, um mit Heiligem Geist erfüllt unseren Missionsauftrag wahrzunehmen, für das Überleben der ganzen Schöpfung zu arbeiten.

Diese Herausforderungen könnten zum Beispiel erfüllt werden durch:

  • die Bewußtseinssteigerung und das Engagement der Gläubigen hinsichtlich ihrer Umweltverantwortung und ihre Handlungsfähigkeit.
  • das Feiern der Schöpfung in der Liturgie und im Gottesdienst, in der Fürbitte und Predigt. Die gottesdienstlichen Elemente sollten klarer die Schöpfung mit dem alltäglichen Leben verbinden.
  • die Aus- und Weiterbildung auf allen Ebenen in der Kirche, einschließlich der von Gläubigen, Lehrenden und Geistlichen.
  • den Dialog und die Zusammenarbeit mit anderen Religionen, da gerade Europa immer mehr aus multireligiösen Gesellschaften zusammengesetzt ist.
  • den Dialog und die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen, Regierungen, Universitäten, usw., da es zunehmend gemeinsame Interessen hinsichtlich ökologischer Verantwortlichkeiten gibt.
  • Vorschläge zur Umsetzung der Agenda 21 - dieses Aktionsprogramms für das 21. Jahrhundert, das von der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio angenommen wurde - das Familien, Gemeinden, Kirchen, Kommunen und die Gesellschaft insgesamt betrifft.
  • Förderung alltäglicher Maßnahmen im Umweltschutz, durch die die biologische Vielfalt geschützt, Energie gespart, und in allen Kirchengemeinden und kirchlichen Institutionen eine systematische Prüfung der umweltfreundlichen Maßnahmen vorgeschlagen wird.
  • Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte in allen kirchlichen Aktivitäten, einschließlich der Gebäude, der Organisation von Gemeindehäusern, dem Energie- und Rohstoffverbrauch, sowie der Müllproduktion und Abfallbeseitung.
  • gemeinsame Mitarbeit bei der nationalen und regionalen Umsetzung internationaler Standards und Konventionen, und den Widerstand gegen solche Aktionen wie die Atomtests.

Kreta, Sommer 1995
Übersetzung: Dorothea Dilschneider


zurück / höhere Ebene


powered by <wdss>

Sitemap | Druckversion | nach oben^


© 2016 by Stiftung Oekumene | eMail: ecunet@t-online.de