Oekumenische Treffen: Global
Oekumenische Treffen: Weltregional und national
Oekumenische Treffen: Basisbewegung
UN Konferenzen
NGO Begleitkonferenzen
Bibliographie
House of Studies
Kunstgalerie
Home
   

5. Unser persönlicher und gemeinschaftlicher Lebensstil


Wenn wir eine zukunftsfähige, umweltgerechte Entwicklung anstreben, hat dies natürlich Auswirkungen auf unsere persönlichen Lebensstile. Obwohl politische und ökonomische Maßnahmen unverzichtbar sind, werden sie allein den notwendigen Wandel nicht herbeiführen können. Es gibt keine "Wunder-Lösungen". Jede Bürgerin und jeder Bürger ist aufgerufen durch ihren oder seinen Lebensstil zur Zukunftsfähigkeit beizutragen. Wie könnte ein solcher Lebensstil aussehen? Wir wollen hier einige Merkmale erwähnen:

  • Da die gegenwärtige Höhe des Energieverbrauchs nicht aufrechterhalten werden kann, müssen wir jede Möglichkeit nutzen, um unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden. Durch energiesparende Maßnahmen zuhause, in Gemeindeeinrichtungen und am Arbeitsplatz kann einiges eingespart werden. Letztendlich brauchen wir aber einen anderen Lebensstil, der auch niedrigere Heiztemperaturen, weniger Beleuchtung und einen sparsamere Benutzung von Maschinen usw. miteinschließt.
    In einigen Ländern sind Kampagnen einer persönlichen Umweltverpflichtung gestartet worden, bei der Einzelpersonen sich verpflichten, ihren Energieverbrauch innerhalb der nächsten zehn Jahre um jährlich zwei Prozent zu senken.
  • Wir müssen einen völlig neuen Umgang mit Mobilität und Transport finden. Gegenwärtige Mobilitätsmuster sind aus vielen Gründen nicht umweltgerecht. Für viele Menschen wird mit einem verantwortlichen Lebensstil die beträchtliche Reduzierung der Benutzung ihres Privatwagens verbunden sein, zugunsten der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrädern oder den eigenen Füßen. Dies mag zwar schmerzlich sein, aber es ist ein Ort, an dem Umweltbewußtsein unserem westlichen Lebensstil am meisten weh tut. Andere Maßnahmen schließen die Reduzierung des Luftverkehrs mit ein, vor allem auf kurzen Überlandstrecken, wo die Fahrt mit der Bahn auch möglich ist.
  • Um unnötigen Transport und Tiefkühlhaltung zu vermeiden, wird ein neuer Lebensstil dem Verbrauch von lokal angebauten und der Jahreszeit entsprechenden Produkten den Vorrang geben.
  • Bei der Fleischproduktion wird die Umwelt, vor allem in der modernen Form der Massentierhaltung, durch ineffizienten Gebrauch natürlicher Flächen für den Futtermittelanbau belastet. Ein umweltgerechter Lebensstil erfordert deshalb eine Reduzierung des Fleischkonsums.
  • Alle Anstrengungen müssen unternommen werden, um Abfall zu vermeiden. Deshalb sollten generell Gebrauchsgüter mit einer langen Lebensdauer hergestellt werden. Wir sollten zu einer "Recycling und Reparatur-Kultur" zurückkehren.
  • Ein neuer Lebensstil sollte sich vor allem durch einen neuen Umgang mit der Zeit auszeichnen. In unserem Umgang mit der Zeit muß solchen Werten wie menschlichen Beziehungen, Gemeinschaft, Füreinandersorgen, Loyalität zu anderen Menschen und Achtung vor der Natur Priorität eingeräumt werden. Ein neuer Umgang mit der Zeit wird auch Zeiten für Meditation und Gebet miteinschließen müssen.

In der augenblicklichen Zeit widerspricht ein von solchen Werten bestimmter Lebensstil den generellen Trends. Ein solcher Lebensstil erfordert vielleicht eine Form des "Ausstiegs" aus der vorherrschenden Konsumkultur. Er kann nur erreicht werden durch Widerstand gegen den wirtschaftlichen und materialistischen Druck, der Bedeutung und Inhalt jedes einzelnen Lebens beeinflußt. Die Ermahnung des Paulus ist an dieser Stelle relevant. Er sagt: "Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist"(Rm 12,2).

Ein solcher Wandel des Lebensstils impliziert mitnichten eine negative Haltung gegenüber den Gütern der Welt. Er soll uns im Gegenteil helfen, offen zu sein für neue Dimensionen menschlichen Lebens und zu qualitativ hochwertigeren Formen der Erfüllung und Befriedigung führen. Es bedeutet in erster Linie "verlorenes Freiheitsland in uns selbst wieder lebendig werden zu lassen" (Die Konsumgesellschaft als eine ethische Herausforderung. Bericht der Norwegischen Bischofskonferenz 1992, hg.v. Informationsdienst der Kirche von Norwegen, S. 43). Konformität mit der Konsumgesellschaft führt zu Abhängigkeit.

Die christliche Tradition bekräftigt im Grunde das Gutsein der Welt und freut sich an den Freuden, die die Welt geben kann. Aber nur in Freiheit kann das Gutsein der Welt wirklich gewürdigt werden; ein freierer Lebensstil führt zu einer tieferen Lebensqualität. "Wenn du gerne Zeit mit deinen Kindern verbringst, gern mit Freunden redest, in den Bergen wanderst, betest oder singst...in anderen Worten: wenn du dich an kleinen Freuden ergötzt und mit dir selbst und mit anderen glücklich bist, dann bist du eine Bedrohung für das Wirtschaftssystem, das hinter der Konsumgesellschaft steckt, denn bei all dem hast du keinen einzigen Dollar ausgegeben! Wenn du dich aber wertlos, einsam und unsicher fühlst, wenn du immer mehr willst, dann wird die Konsumgesellschaft viele wunde Punkte finden, wo sie Druck ausübt und dir immer mehr Konsum anbietet, um die Lücke zwischen deinem eigenen Unbehagen mit dir selbst und anderen zu füllen." (Asle Finseth).

Die Forderung nach einem neuen Lebensstil hat für Christen sogar noch tiefere Wurzeln. Wenn wir neu auf die Schrift hören, merken wir, daß das, was ein neuer Lebensstil erfordert, um zukunftsfähig zu sein, in vielerlei Weise mit dem Lebensstil der Jüngerschaft übereinstimmt. Als Jesus seine Jünger versammelte und sie zur Nachfolge rief, bat er sie, ihr Denken ausschließlich auf das Reich Gottes zu richten. Er warnte sie ständig vor der Anhäufung materieller Güter. Den Christen wurde gesagt, sie sollten für ihr "tägliches Brot" arbeiten und für die Unterstützung der Armen und Bedürftigen. Ihre wichtigste Sorge sei der Dienst für den Aufbau der Gemeinschaft. Jahrhundertelang waren diese Werte in den Kirchen offenkundig. Erst in jüngerer Zeit haben andere Werte wie Eroberung, Umwandlung und materielles Wachstum auch im Leben der Kirche Einzug gehalten. Die Ausweglosigkeit, mit der wir uns heute konfrontiert s ehen, führt uns zurück zum ursprünglichen Aufruf Jesu zur Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Nachfolge impliziert hier keine negative Haltung gegenüber der Welt. Auch christliche Askese ist nicht mit der Ablehnung der Welt gleichzusetzen. Gebet und Fasten, sowie freiwilliger Konsumverzicht sind vielmehr eine Quelle der Freiheit und befähigen uns zu größerer Liebe.

Von daher finden Christinnen und Christen ihre letztendliche Motivation für einen verantwortungsvolleren Lebensstil in Jesus Christus. Durch ihn sind wir befreit zu einem Leben voller Lobpreis und Dienst an den anderen. Indem wir unser Denken auf die Gemeinschaft mit Gott richten, können wir anderen Forderungen widerstehen, auch allen Formen von Selbstbestätigung durch Macht und Reichtum.

Wenn wir Eucharistie feiern, findet die tiefere Bedeutung christlichen Lebens ihren Ausdruck in den Zeichen von Brot und Wein: durch sie empfangen wir das Geschenk der Gegenwart Christi und den Aufruf, miteinander zu teilen. Wir loben Gott für seine Gegenwart in der Schöpfung und beten für die Erfüllung aller Dinge im Reich Gottes.


weiter


powered by <wdss>

Sitemap | Druckversion | nach oben^


© 2016 by Stiftung Oekumene | eMail: ecunet@t-online.de