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4. Schritte zu zukunftsfähigen Gesellschaften


Es wird weithin anerkannt, daß die Industrieländer ihren Verbrauch an Rohstoffen drastisch senken müssen. Wie kann dies aber in einer Marktwirtschaft erreicht werden, die auf Wirtschaftswachstum angelegt ist? Bedeutet nicht Wirtschaftswachstum notwendigerweise eine Steigerung des Verbrauchs von Rohstoffen? Oder gibt es Wachstumsformen qualitativ anderer Natur?

Einige Vorschläge wurden gemacht, welche Maßnahmen uns zur Zukunftsfähigkeit hinführen könnten. Unserer Meinung nach sollten sie nicht als alternative Schritte, sondern eher als ergänzende Maßnahmen verstanden werden.

a) Zuerst müssen Möglichkeiten entwickelt werden, die eine wirksamere Nutzung und Wiederverwendung von Rohstoffen gestatten. Dadurch können große Einsparungen im Rohstoff- und vor allem im Energieverbrauch durchgesetzt werden. Es erfordert aber eine Unmenge kleiner Schritte, um dies zu erreichen, und eine völlig neue fortschrittliche Konzeption über die Art und Weise unseres Umgangs mit Rohstoffen. Für einiges wird auch die Entwicklung neuer Technologien erforderlich sein, aber es ist vor allem eine Frage des sorgfältigeren Umgangs mit den schon vorhandenen Gütern, durch verbessertes Management, Produktdesign, Abfallwiederverwertung, Recycling, Kontrolle und zahlreiche andere Maßnahmen. Diese "Effizienz-Revolution" könnte zu einer wirklich beachtlichen Reduzierung unseres Rohstoffbedarfs und vor allem unseres Energieverbrauchs führen. Die meisten Vorschläge warten noch auf ihre Verwirklichung, denn es sind nicht nur Verände rungen im industriellen und persönlichen Verhalten erforderlich, sondern vor allem eine Neuformulierung unserer Prioritäten. Dies ist zwangsläufig ein langsamer Prozeß, der, wenn er etwas bewirken soll, zu seiner Unterstützung substantielle wirtschaftliche und steuerliche Maßnahmen erforderlich macht. Dabei müssen die weniger industrialisierten Staaten besonders berücksichtigt werden, damit sie die verfügbaren Rohstoffe in einer möglichst energie- und rohstoffsparenden Weise entwikeln und gebrauchen. Dies kann nur gewährleistet werden, wenn die entwikelten Länder bereit sind, die angepaßten Technologien dafür zur Verfügung zu stellen.

b) Ein anderer Plan schlägt vor, die Umweltkosten, die mit allen menschlichen Aktivitäten verbunden sind, in alle ökonomischen Berechnungen miteinzubeziehen. Das gegenwärtige Wirtschaftssystem läßt den tatsächlichen Produktionspreis außer acht, weil es eine ganze Anzahl von "Nebeneffekten" nicht berücksichtigt. Die Kosten für Müllabfuhr und Umweltschäden werden immer noch weitgehend von den Kommunen getragen. Viele natürliche Ressourcen wie die Luft und das Meer werden als "Allgemeingut" angesehen, als hätten sie keinen Preis, weshalb keine Gebühren erhoben werden, wenn sie vergiftet oder mißbraucht werden. Im Preis eines Flugtickets wird zum Beispiel nicht deutlich, wie hoch die von diesem Flugzeug verursachten Umweltschäden sind. Ganz im Gegenteil, viele Länder subventionieren das Flugbenzin sogar noch; in anderen Worten, diese Regierungen unterstützen umweltschädliche Aktivität en finanziell. Unserer Meinung nach sollte der Grundsatz, daß der "Umweltverschmutzer bezahlt", so strikt wie nur irgend möglich angewandt werden.Wenn darüberhinaus die Umweltkosten fossiler Brennstoffe in den zu bezahlenden Preis eingeschlossen würden, könnte dies den Aussichten für energiesparende Maßnahmen und den Technologien für erneuerbare Energie, die zur Zeit mit den billigen Kohle-, Öl- und Gaspreisen einfach nicht konkurrieren können, einen wirklichen Auftrieb geben. Dies ist einer der wichtigsten Faktoren, die die Effizienz-Revolution aufhalten.

c) Es ist auch dringend nötig, nach neuen Wegen zu suchen, wie die Leistung des Wirtschaftssystems gemessen werden kann. Das am meisten benutzte Kriterium, das Bruttosozialprodukt, ergibt kein hinreichend genaues Bild der tatsächlichen Kosten wirtschaftlichen Aktivitäten. Umweltschäden und Vergiftungen lassen sich kaum in finanziellen Zahlen ausdrücken. Was wäre denn zum Beispiel der Preis eines sterbenden Waldes oder einer ausgerotteten Tier- oder Pflanzenart. Trotz der Schwierigkeiten, die wirklichen Kosten menschlichen Handelns zu messen, können Anstrengungen in Richtung einer "grünen Buchführung" bestimmt dazu beitragen, daß die Menschen ihre Wahrnehmung der augenblicklichen Situation verändern.

d) Um die Ausbeutung der Rohstoffe zu reduzieren, sollte ein klarer Preismechanismus in Form von Umweltsteuern angewandt werden. In der Marktwirtschaft werden Entscheidungen von der Nachfrage diktiert und Preise sollen signalisieren, ob eine Ware knapp ist oder nicht. Manche Rohstoffe sind inzwischen tatsächlich seltene Güter geworden, die deshalb durch eine Umweltsteuer geschützt werden sollten. Höhere Preise werden im Gegenzug als Anreiz dienen, effizientere Produktionsmethoden zu ermitteln und anzuwenden. Offensichtlich werden international abgestimmte Benutzungsstandards nötig sein, um die entsprechenden Preisniveaus zu erreichen. Internationale Konventionen sind hierbei ein wesentliches Instrument.

e) Eine andere wichtige Verlagerung hinsichtlich des Verbrauchs könnte mit Hilfe eines neuen Steuersystems erreicht werden. Zur Zeit wird vor allem die menschliche Arbeit besteuert. Von Umweltgesichtspunkten her sollte auch der Verbrauch von Ressourcen und Energie besteuert werden.

f) Eines der wichtigsten Themen, mit denen sich europäische Länder konfrontiert sehen, ist die Arbeitslosigkeit. Inzwischen ist klar, daß dieses Phänomen mehr ist als nur eine vorübergehende wirtschaftliche Turbulenz. Das Dilemma liegt auf der Hand: einerseits führen technologische Innovationen zu Entlassungen, andererseits ist die Annahme, Arbeitsplätze könnten nur durch erhöhte Produktion geschaffen werden, ökologisch nicht zukunftsfähig. Diese Krise könnte teilweise dadurch überwunden werden, daß Arbeitsplätze im Umweltbereich geschaffen werden. Durch Strategien erneuerbarer Energien, die Förderung von Bereichen wie ökologischer Landwirtschaft und öffentlichen Verkehrsmitteln, Umweltschutz und Recycling können neue Gelegenheiten konstruktiver Arbeit geschaffen werden. Andere Maßnahmen wie tägliche Arbeitszeitverkürzung und Teilzeitarbeitsplätze würden die verheerenden Auswirku ngen der Arbeitslosigkeit mildern helfen. Anstatt weiterhin auf Wirtschaftswachstum zu drängen, sollten alternative Lösungsmöglichkeiten ausfindig gemacht werden. Arbeitsplatz und Umweltschutz müssen sich nicht gegenseitig ausschließen.

Maßnahmen dieser Art implizieren nicht nur neue Gesellschaftsmodelle sondern einen Gesinnungswandel. Sie können nur in die Tat umgesetzt werden, wenn gängige Definitionen von Reichtum, Freiheit und Lebensqualität neu überdacht werden. Sich für eine geringere Abhängigkeit von den nicht erneuerbaren Ressourcen der Erde einzusetzen, und dennoch für einen angemessenen Lebensstandard für alle Menschen einzutreten, erfordert ein neues Gefühl der Solidarität. Einerseits setzen sie eine Verpflichtung zur Erhaltung ökologischer Güter wie sauberem Wasser und sauberer Luft, vollwertiger Nahrung, schönen Landschaften und Seen, sowie üppiger und vielseitiger Fauna und Flora voraus. Andererseits implizieren sie eine Kritik an einigen der herrschenden Werte, wie dem Erwerb und der Anhäufung materieller Güter und einer engen Definition des Privateigentums. Die Industrieproduktion ist gegenwärtig darauf angelegt, Güter herzustel len, die vermeintliche Bedürfnisse befriedigen sollen, während die Werbeindustrie den Verbrauch, und nicht die Erhaltung von Gütern stimuliert. Diese Tendenzen wirken sich sowohl auf den Westen wie auf den Osten aus. Um die notwendigen Maßnahmen für eine zukunftsfähige Gesellschaft erreichen zu können, muß ein neues Verständnis dafür entwickelt werden, was Lebensqualität und Lebensfreude ausmacht.


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