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3. Schöpfung und der Auftrag der Menschen in der Schöpfung


Obwohl viele Kirchen in jüngster Zeit einen klaren Standpunkt zur ökologischen Krise eingenommen haben, sind wir uns bewußt, daß die Kirchen im allgemeinen nur langsam auf die Bedrohungen der Umwelt reagiert haben. Die Kirchen waren - von den Aufrufen weniger prophetischer Stimmen abgesehen - nicht die schnellsten, die bevorstehende ökologische Unordnung zu ahnen. Selbst heute erkennen viele Kirchen noch nicht, wie dringend es einer christliche Antwort auf die Gefahren und Risiken, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht, bedürfte. Wir sind überzeugt, daß die christliche Tradition - sowohl in der Bibel als auch in den Lehren der folgenden Jahrhunderte - Grundlage und Inspiration für eine angemessene theologische und spirituelle Antwort bietet. Wir sind uns allerdings dessen bewußt, daß diese Quellen in den letzten Jahrhunderten von vielen Kirchen nicht richtig ausgelegt wurden. Nur zu oft haben Kirchen in Lehre und Zeugnis die Vorstellung vertreten, der Mensch müsse die Natur erobern. Nicht ohne Grund meinen viele, das Christentum habe die Beherrschung der Schöpfung durch die Menschheit gerechtfertigt. Diesbezüglich müssen wir zu den Wurzeln des Christentums in Schrift und Tradition zurückkehren und unser theologisches Denken gründlich erneuern.

Angesichts der gegenwärtigen ökologischen Krise wird uns deutlich, daß wir gesündigt haben. Wir bekennen unser Versagen vor Gott, unserem Schöpfer und vor unseren Mitmenschen. Wir wissen, daß nur durch Buße, Vergebung und Wiedergutmachung ein neuer Anfang möglich sein wird.

Als Christinnen und Christen mögen wir zwar aufgrund unserer verschiedenen Traditionen, Lehren und theologischen Meinungen unterschiedliche Zugänge zum Thema Schöpfung haben. Wir haben aber im Gedankenaustausch bei unserer Konsultation entdeckt, daß wir trotz unterschiedlicher theologischer Grundlagen bei einigen Perspektiven und Schwerpunkten einer Meinung waren.

Auch wenn wir unterschiedliche Ausgangspunkte haben, bekräftigen wir:

a) Gottes fortwährende Gegenwart in der Schöpfung. Gott hat das Universum nicht nur geschaffen, sondern Gott erhält es mit seiner Gegenwart weiterhin am Leben. Wir glauben an den dreieinigen Gott - den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Gott, der Vater, der das ganze Universum geschaffen hat, hat sich in Christus offenbart und ist durch den Geist zu allen Zeiten und an allen Orten gegenwärtig. Gott, der Geist, durch den wir heute das Evangelium erfahren, war schon im Akt der Schöpfung gegenwärtig und bleibt weiterhin der Bewahrer allen Lebens. Gott sorgt sich nicht nur um die Menschen, sondern um die ganze Schöpfung (Ps 147,9). Die Zerstörung der Schöpfung ist deshalb gleichbedeutend mit der Mißachtung von Gottes Gegenwart: also Sünde gegen Gott.

b) Die menschliche Berufung, in Gemeinschaft mit der Schöpfung zu leben. Die Menschen sind nicht berufen, die Erde zu beherrschen, sondern sie "zu bebauen und zu behüten" (Gen 2,15). In jüngster Zeit wurde die Betonung oft auf den Befehl Gottes in Gen 1,28 gelegt: "Bevölkert die Erde und unterwerft sie euch". Dieser Satz wurde so interpretiert, daß die Menschen berufen waren, "die Schöpfung zu erobern und zu ergänzen"; sie sollten Haushalter in Gottes Schöpfung sein. Wir haben inzwischen erkannt, daß diese Interpretation korrigiert werden muß. Die wichtigste Berufung der Menschen ist es, Gott zu loben, der menschlichen Gemeinschaft im Gehorsam gegen Gottes schöpferischen Willen zu dienen und die Welt im Angebot der Eucharistie zu stärken. Die Menschen sind Teil der geschaffenen Welt und dazu ausersehen, in Freundschaft mit allen Kreaturen zu leben. Sie müssen das fragile Gleichgewicht der Schöpfung achten .

Wir alle stimmen darin überein, daß wir, wenn wir eine angemessene Antwort auf die heutige ökologische Krise finden wollen, ein neues Verständnis der Bedeutsamkeit des Menschen brauchen. Die Menschen sind nach dem Bilde Gottes geschaffen und erfreuen sich der Gabe der Freiheit. In dieser Freiheit sind sie fähig, sowohl einen zerstörerischen, als auch einen positiven Einfluß auf die Schöpfung auszuüben. Durch den Mißbrauch ihrer Freiheit und den Sündenfall kamen durch sie Leiden und Konflikte in die Welt. Wenn die Menschen es zulassen, sich selbst durch Gottes Gnade erneuern zu lassen, können sie in Frieden mit der Schöpfung leben. Die Heilung der Schöpfung beginnt mit persönlicher Läuterung und heilenden Zeichen innerhalb der Gemeinschaft. Das Thema der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung "Versöhnung - Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens" ist deshalb für diese Frage relevant. Gottes Ge schenk der Versöhnung hilft in erster Linie Frieden zu schaffen, wo Feindseligkeiten unter Menschen herrschen. Dieses Geschenk ist aber auch die Grundlage eines achtsameren Verhältnisses zur Schöpfung.

In unseren Diskussionen über die Rolle der Menschen in der Schöpfung wurden wir uns wieder einmal der tiefen Relevanz des biblischen Gebotes der Sabbatheiligung bewußt. Dieses Gebot nimmt einen zentralen Platz in beiden Testamenten ein. Es stellt eine ausdrückliche Beziehung zwischen dem Schöpfungsakt Gottes und dem menschlichen Umgang mit der Zeit her. "Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er." (Ex 20,9-11). Der siebte Tag ist Gottes ständige Einladung, nicht nur an die Menschen, sondern an die ganze Schöpfung, an der Freude Gottes teilzuhaben. Durch das Kommen Christi hat der Sabbat noch eine zusätzliche Bedeutung erhalten - die Feier des siebten Tages wurde auf den ersten Tag verlegt. Wir feiern nun Christi Auferstehung von den Toten, das Geschenk neuen Lebens in der Erwartung des Reiches Gottes.

Im Alten Testament wird der Rhythmus des Sabbats auf die Sequenz von Jahren ausgedehnt. Der Sabbat und das Jubeljahr bilden eine Gelegenheit, die Gemeinschaft mit Gott, miteinander und auch mit der Schöpfung wiederherzustellen (Lev 25). Jesus bezieht sich zu Beginn seines Wirkens auf die Tradition des Jubeljahres und "ruft das Gnadenjahr des Herrn aus" (Lk 4,19). Durch ihn werden die tiefsten Absichten des Sabbats und des Jubeljahres erfüllt.


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