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2. Die besondere Verantwortung der europäischen Länder


Der Prozeß wirtschaftlicher Entwicklung hat in den letzten Jahrzehnten sowohl in Osteuropa wie in Westeuropa menschlich und umweltmäßig einen Schaden verursacht, der global gesehen in keinem Verhältnis steht, wenn man die Größe unseres Landes, unserer Ressourcen und unserer Bevölkerung mit denen des gesamten Planeten vergleicht. Mehr noch, es gibt unerträgliche Unausgeglichenheiten, die sich auf verschiedenen Ebenen feststellen lassen:

  • zwischen west- und osteuropäischen Ländern, wobei gesehen werden muß, daß es selbst zwischen den Ländern innerhalb dieser beiden Regionen ziemliche Unausgeglichenheiten gibt.
  • zwischen den reichen und den armen europäischen Ländern,
  • zwischen den meisten Ländern Europas und den Entwicklungsländern, und
  • zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Generationen.

Verschiedene Beispiele veranschaulichen diese Unausgeglichenheiten:

  • etwa 36 Prozent der globalen CO2 Emissionen werden allein in Ost- und Westeuropa produziert;
  • trotz bestehender internationaler Konventionen machen einige westeuropäische Länder weiterhin ungerechtfertigten Gebrauch von den lascheren Bestimmungen in Übersee, indem sie gegen harte Währung Giftmüll nach Osteuropa oder in Entwicklungsländer exportieren, anstatt ihren Müll bei sich selbst zu verwerten.
  • obwohl das Bruttosozialprodukt der meisten Industrieländer Wirtschaftswachstum andeutet, bleibt die hohe Arbeitslosenrate bestehen;
  • während die Europäische Union 1994 über 8.000 Mill. ECU an Subventionen für den Export ihrer überschüssigen landwirtschaftlichen Produkte zur Verfügung stellte, gab sie für Entwicklungshilfe an die ärmeren Weltregionen nur die Hälfte dieses Betrages aus.

Die westeuropäischen Länder müssen - wenn sie den Grundsatz ernst nehmen, daß eine nachhaltige Zukunft ein gerechtes Teilen der vorhandenen Mittel voraussetzt - eine besondere Verantwortung dafür übernehmen, ihre Konsumgewohnheiten und ihr Wachstumsniveau zu verändern. Die osteuropäischen Länder müssen umgehend ihre schwerwiegende Umweltverschmutzung in den Griff bekommen und versuchen, dieses Umweltziel ohne zu große wirtschaftliche Destabilisierung zu erreichen. In vielen Fällen kann dies in Verbindung mit westeuropäischen Ländern erreicht werden. Die Frage der Atomenergie und Sicherheit ist dabei besonders wichtig.

Es ist inzwischen erwiesen, daß die Erde es nicht verkraften könnte, wenn alle Länder der Welt den in Westeuropa erreichten Standard von Produktion und Konsum erreichen wollten. Hinsichtlich des Entwicklungsprozesses verschafft diese Situation wiederum Europa ungerechte Positions- und Machtvorteile. Auch diese Unausgewogenheiten müssen als gegenwärtige und potentielle eigentliche Gründe internationaler Unruhen und Konflikte gesehen werden.

Entwicklungsländer und Schwellenländer haben Anspruch auf einen gerechten Anteil der gemeinsamen Güter der Erde. Ihre Entwicklung kann sich nicht an den Praktiken orientieren, die in Westeuropa übernommen wurden, aber nicht zukunftsfähig sind. Die höchstentwickelten Industrieländer müssen vielmehr ihren Bedarf hinsichtlich der Umwelt senken, sich um umweltverträgliche Technologien und Lebensstile für sich selbst bemühen und wo möglich, anderen Ländern beistehen, dasselbe zu tun.

Im Blick auf das entscheidende Thema der Klimaveränderung, der Luftverschmutzung und des sauren Regens liegt die Verantwortung zum Beispiel eindeutig bei Westeuropa, die Nachfrage und den Verbrauch fossiler Brennstoffe drastisch zu senken. Europa muß auch alles unternehmen, geeignete Technologien anzuwenden und eine Infrastruktur zu schaffen, damit erneuerbare Energiequellen erschlossen und Maßnahmen zur besseren Ausnutzung der Energie umgesetzt werden. Westeuropa muß darüberhinaus bereit sein, seine besten Einrichtungen wirksamer, erneuerbarer und zukunftsfähiger Technologien mit den ärmeren Gegenden Europas und den Entwicklungsländern zu teilen.

Die Völker verschiedener Länder und verschiedener Kulturen müssen einen Raum bekommen, um ihre eigenen Modelle zukunftsfähiger Gesellschaften zu entwickeln. Die Praxis, ein "westliches" Gesellschaftsmodell durch die Vergabe von Entwicklungshilfe nach Osteuropa oder in die Entwicklungsländer zu verpflanzen, muß hinterfragt werden. Teilnehmende aus osteuropäischen Ländern vertraten energisch die Meinung, daß das konsumorientierte Gesellschaftsmodell Westeuropas zur Zeit nicht das Modell darstelle, dem sie gerne folgen würden. Sie erklärten: "Wir hoffen, eine menschlichere Gesellschaft zu entwickeln und aus den Fehlern westlicher Länder zu lernen".


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