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Gerechter Ausgleich mit anderen Weltreligionen


Verantwortung Europas (B49) Als 1989 in Basel eine ökonomische und soziale Reorganisation im globalen Nord-Süd-Verhältnis gefordert wurde, die Gerechtigkeit zum Orientierungsmassstab hat, konnte noch nicht das Ausmass der Veränderungen im Ost-West-Verhältnis vorhergesehen werden. Die Bipolarität zwischen West und Ost hatte auch das Nord-Süd-Problem mitbestimmt. Jenseits dieser Bipolarität stellen sich viele Fragen neu. Aber auch die schon existierenden Ungleichheiten und Ungleichzeitigkeiten blieben bestehen oder verschärften sich sogar noch. Europa hat eine eigene Verantwortung für die Lösung des Problems der ungerechten Ungleichheiten und Verteilungsdefizite in der Welt von heute. Es kann nicht isoliert beiseite stehen oder sich für unschuldig erklären. Europazentrismus und Europanationalismus sind gefährliche Irrwege. Denn Europa ist in jedem Fall mit seinen Interessen an der globalen Entwicklung beteiligt.Wirtschaftlicher und kultureller Austausch, die Verbreitung moderner Technologien (Gentechnik, Kommunikationstechnologie), die internationalen Finanz- und Warenmärkte wirken über den eigenen Wahrnehmungshorizont hinaus und verlangen nach verantwortlicher Vorsorge in Richtung sozialer Gerechtigkeit und Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Machtstrukturen der Weltgesellschaft und Schuldenproblem (B50) Der erste Schritt zur Versöhnung ist, diese Einflüsse unseres Lebensstils und Wirtschaftssystems auf den Rest der Welt anzuerkennen. Als europäische Kirchen sind wir verpflichtet, unseren Teil der geschichtlichen und aktuellen Verantwortung als Herausforderung anzunehmen und Ideen u nd Verhaltensweisen zu fördern, die die ethischen Orientierungen des Evangeliums zur Geltung bringen. Betrachten wir unser "Weltdorf" aus der Vogelperspektive, wird ein Grundmuster erkennbar, nämlich die Überlagerung von zwei gegenläufigen Prozessen: auf der einen Seite sehen wir einen Prozess wachsender Vereinheitlichung, für den das Schlagwort der "Coca-Cola-Kultur" geprägt wurde, und auf der anderen Seite einen Prozess wachsender Differenzierung, die gelegentlich sogar bewusst als Widerstand gegen den Prozess der Homogenisierung betrieben wird. Für ihn stehen neben den Regionalisierungsbestrebungen auch die verschiedenen Fundamentalismen. Es wäre jedoch falsch und fatal, bei diesem Überblick die Ungleichgewichte zu übersehen, die das Geflecht von Entwicklungstrends kennzeichnen. Vor allem aus der Perspektive der Opfer betrachtet, tritt ein ausgeprägtes Machtprofil hervor, das jene Kräfte, welche die Gl obalisierung und Homogenisierung vorantreiben, im Vergleich mit den Gegenkräften als die weitaus Mächtigeren erkennen lässt. Zu diesem Machtprofil gehört vor allem das nach wie vor ungelöste Schuldenproblem, das viele Länder Afrikas, Asiens, Zentral- und Lateinamerikas und inzwischen auch Osteuropas in Abhängigkeit hält und ihnen Gestaltungsspielraum zu ökonomischen und sozialen Problemlösungen unerträglich beschneidet. Erst die Einsicht, dass solche Abhängigkeit die Kreativität zur Selbstverantwortung behindert, kann auch auf dem Hintergrund der europäischen Kolonialgeschichte, den Weg zu einem Nord-Süd-Dialog eröffnen, der auf Versöhnung hin angelegt ist. Eine wesenliche Voraussetzung dazu ist ein genereller Schuldenerlass, der sich mit der Förderung nachhaltiger Entwicklung in den betroffen Ländern verbindet. Das Eintreten der Kirchen für einen solchen Schritt kann sich auf biblische Quellen berufen. Das Erlass- oder Jubeljahr, in dem jeder Mensch wieder zu den Seinen kommen soll, ist Ausdruck der Versöhnungsbereitschaft im Prozess der Geschichte. Diese Bereitschaft beharrlich zu fördern und einzufordern, gerade auch von den säkularen Instanzen, die die strukturellen ökonomischen Beziehungen gestalten, muss als Auftrag der Kirche beständig wach gehalten werden, damit das Geschenk der Versöhnung auch für die zur Quelle neuen Lebens wird, die in menschenunwürdigen Verhältnissen im Kampf um ihr Leben und Überleben verzweifeln.

Bedeutung der internationalen Zivilgesellschaft (B51) Seit Basel 1989 haben eine lange Reihe wichtiger Konferenzen der Vereinten Nationen stattgefunden, die sich mit den wesentlichen globalen Problemen beschäftigen. Dies begann mit Umwelt und Entwicklung (Rio, 1992), setzte sich u. a. mit Menschenrechten (Wien, 1993), sozialen Problemen (Kopenhagen, 1995), der Frauenkonferenz (Peking , 1995), Bevölkerungs- und Entwicklungsfragen (Kairo, 1994), und Fragen urbanen Lebens (Istanbul, 1996) fort. Sowohl der Heilige Stuhl und der Ökumenische Rat der Kirchen sowie die regionalen ökumenischen Organisationen haben sich intensiv an diesen Konferenzen beteiligt und an ihren Ergebnissen mitgewirkt. An der Vorbereitung, Durchführung und Umsetzung dieser Konferenzen waren und sind tausende von Nichtregierungsorganisationen beteiligt. Durch sie entwickelt sich eine internationale Zivilgesellschaft, die das Bewusstsein für unsere globalen Probleme wachhält und ihre Bearbeitung und Lö;sung einfordert. Dieser sogenannte "dritte Sektor" neben Staat und Wirtschaft ist ein neues Element der gesellschaftlichen Kreativität und Partizipation. Von Brasilien über Südkorea bis Südafrika wächst diese zivilgesellschaftliche Bewegung in vielen Ländern des Südens. Sie stützt sich auf Prozesse der Demokratisier ung und der Selbstorganisation. Viele Kirchen sind daran beteiligt. Zugleich haben aber auch vor allem die G7-Staaten auf regierungsoffizieller Ebene eigene Entscheidungsstrukturen entwickelt, die gegenüber solchen stärker partizipatorischen globalen Problemlösungsversuchen in Konkurrenz geraten, wenn sie sich mit ihnen nicht verschränken. Die Frage des Verhältnisses von Regierungshandeln einerseits und zivilgesellschaftlichen Beiträgen zur Problemlösung andererseits ist ein generelles Problem, das der Aufmerksamkeit und Bearbeitung bedarf.

Neuorientierung in der kirchlichen Entwicklungsarbeit (B52) Die Kirchen haben in den letzten Jahren von ihren Fehlern im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit gelernt und versucht, den seit langem bestehenden Grundsatz, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, partnerschaftlich und durch den Einsatz neuer Formen der Projekt- und Programmförderung zu verwirklichen. Neben diesen entwicklungspolitischen Massn ahmen in den Ländern des Südens traten verstärkt Bewusstseinsbildung und Anwaltschaft für den Süden. Die Kirchen haben dabei Konzeptionen und Modelle entwickelt, die heute vielfach als beispielhaft anerkannt werden. Das eigene Entwicklungshandeln der Kirchen mit ihren eigenen Agenturen und Hilfswerken, das auf die Erfahrungen von vier Entwicklungsdekaden zurückblicken kann, hat solche Selbstorganisationsprozesse (Hilfe zur Selbsthilfe) durch eine Vielzahl von Projekten gefördert. Dabei kommt kirchlichen Entwicklungsprojekten oft auch eine Vorbildfunktion für staatliches Handeln zu, die weiterhin anerkannt wird. Dies gilt auch für den Bereich alternativer Kreditinstitute (z.B. EDCS), die mit ihren Ressourcen Prozesse der Selbstorganisation anstossen. Im Zuge gleichzeitiger weiterer Globalisierung und Regionalisierung ist kirchliches Entwicklungshandeln dennoch herausgefordert, seine eigenen Strukturen im Hinblick auf die stärkere Partizi pation seiner Partner zu überdenken und die zivilgesellschaftlichen Bewegungen als Subjekte der Transformation auch international weiter zu vernetzen. Den Kräften der Globalisierung muss die Kraft der weltweiten Ökumene entsprechen. Die Kirchen des Südens streben danach, sich aus der Abhängigkeit von den reichen Kirchen des Nordens zu lösen. Angesichts knapper werdender Finanzmittel muss grundsätzlich über die Formen und Ziele ökumenischer Zusammenarbeit im Weltmassstab nachgedacht werden. Längst fällige Reformen müssen in Angriff genommen werden. Angesichts der Interdependenz der einen Welt brauchen wir die ökumenische Gemeinschaft mehr denn je als einen Resonanzboden für das, was in der Welt geschieht, und als ein Forum geschwisterlichen Teilens von Erfahrungen und Informationen.

Nachhaltige Entwicklung und Politik des Teilens (B53) Die Kirchen müssen sich auch in Europa für eine nachhaltige Leben sweise einsetzen, die die Bedürfnisse der anderen, besonders der Ärmsten in den Ländern des Südens, einbezieht. Sie beruht auf der Anerkennung des Wertes jeden Lebens und auf der Ächtung derjenigen Strukturen und Verhaltensweisen, die das Recht der Menschen auf menschenwürdiges Leben zerstören. Dieser Verpflichtung kann nur nachgekommen werden durch eine aktive Beteiligung an einem weltweiten Prozess des Teilens. Dieser Prozess des Teilens betrifft nicht nur den Überfluss oder nutzlos gewordene, veraltete Güter. Er ist kein billiger Prozess des "Recycelns", sondern eine dringende und kostspielige Herausforderung. Er ist nicht passiv, sondern eine aktive Multiplikation der Gaben. Gerechtes Teilen baut Brücken, die Begegnung und tragfähige Beziehungen ermöglichen. Der Prozess des Teilens kann eine starke Synergie in Richtung auf ein besseres Wohlergehen aller auslösen. Er kann vielerlei Kreativität für Innovationen freisetzen und die Suche nach Alternativen auf den Feldern des Verbrauchs, des Kreditwesens, der Produktion, der Beschäftigung und des Handels voranbringen. Solidarität und gegenseitiges Verständnis, Gerechtigkeit und Partizipation sind Schlüsselworte und Orientierung für solche Entwicklungen. Die europäischen Kirchen müssen sie fördern, um zwischen den Nationen und Menschen der "Einen Welt" in ihrer bleibenden Verschiedenheit Brücken zur Versöhnung zu bauen.

* Mit grosser Mehrheit, wenigen Gegenstimmen und einigen Enthaltungen entgegengenommen!

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