Gerechter Ausgleich mit anderen Weltregionen
6.1 Wir empfehlen den Kirchen, im Geist des Erlassjahres die Bewegung für einen
Schuldenerlass im Interesse der ärmsten Länder anzuführen und dabei den
Beginn des neuen Jahrtausends als zeichenhaft bedeutsamen Termin anzustreben.
Begründung: Die Frage des Schuldenerlasses muss bei den G7-Treffen in Birmingham (Juni
1998) und Berlin (1999) einen hohen Rang auf der Tagesordnung einnehmen. Die Kirchen
sollten anlässlich dieser Treffen durch öffentliche Kampagnen für die
Interessen der ärmsten Länder eintreten und die europäischen Regierungen
beeinflussen, im Rahmen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank auf eine
dauerhafte Lösung des Schuldenproblems hinzuarbeiten.
6.2 Wir empfehlen den Kirchen, in ihren Ländern nachdrücklich die von den
Vereinten Nationen vor 25 Jahren für die Entwicklungshilfe vorgegebene Richtschnur von
0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes in Erinnerung zu rufen und sich selbst zu
verpflichten, 2 Prozent ihres Einkommens für Entwicklungshilfe einzusetzen.
Begründung: Trotz der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich in der Weltgesellschaft
sank die von den Hauptgeberstaaten für Entwicklungshilfe aufgewandte Quote in den
letzten Jahren kontinuierlich bis auf den Tiefststand von 0,27 Prozent im Jahr 1995.
Gegen diesen Trend müssen die Kirchen Einspruch erheben und in ihrem eigenen Verhalten
Zeichen setzen, die das Thema erneut in das öffentliche und politische Bewusstsein
rücken.
6.3 Wir empfehlen den Kirchen, beispielhafte christliche Initiativen im Bereich
wirtschaftlichen Handelns zu unterstützen und Kampagnen zu organisieren, die
sich besonders gegen Kinderarbeit, Sextourismus und Frauenhandel und andere Formen der
Ausbeutung richten. Begründung: Es gibt in den Kirchen bereits eine Reihe von
modellhaften Initiativen, zum Beispiel Fair Trade oder die Ökumenische
Entwicklungsgenossenschaft (EDCS), deren Ziel darin besteht, die Realisierbarkeit
gerechter Wirtschaftsbeziehungen zu demonstrieren. Die Kirchen sollten solche Modelle
bevorzugt fördern und sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf moralisch besonders
fragwürdige Formen der Ausbeutung konzentrieren.
6.4. Wir empfehlen den Kirchen, ökumenische Bildung im Sinne weltweiten Lernens zu
einem Schwerpunkt ihrer Bildungsarbeit zu machen und dabei den Aspekt des Teilens
finanzieller, kultureller und spiritueller Reichtümer in den Vordergrund zu
rücken.
Begründung: Die ökumenische Gemeinschaft als weltweite Gemeinschaft muss sich
immer stärker als Lerngemeinschaft verstehen, deren Versöhnungsauftrag es
erfordert, einander Erfahrungen von Ausgrenzung, Ausbeutung und Unterdrückung
mitzuteilen, aber auch Güter aller Art miteinander zu teilen, die das gemeinsame Leben
in der einen Welt ermöglichen und bereichern.
weiter
|