Engagement für die Versöhnung in und zwischen den Völkern und Nationen und Stärkung gewaltfreier Formen der Konfliktbewältigung
4.1 Wir empfehlen den Kirchen, sich an der Debatte über europapolitische
Entwicklungsprozesse intensiv zu beteiligen, sich dazu Instrumente für ein
gemeinsames Handeln zu schaffen und die vorhandenen Institutionen zu stärken.
Begründung: Die Europäischen Institutionen (OSZE, Europarat, EU) sind die Motoren
der politischen Neuordnung für ganz Europa. Wenn sich die Kirchen von diesem Prozess
nicht ausschliessen wollen, bedarf es gemeinsamer Initiativen, kontinuierlichen
Erfahrungsaustausches und der beständigen Analyse der europäischen Entwicklung.
Das betrifft besonders alle Anstrengungen, den Waffenhandel zu begrenzen (z. B. durch
einen europäischen Verhaltenskodex) und den Protest gegen die Herstellung, den Export
und die Anwendung von Landminen.
4.2 Wir möchten die Kirchen bitten, eine aktive und nachhaltige Rolle bei der
friedlichen Transformation von Konflikten (z. B. Nordirland, Zypern) und in Friedens- und
Versöhnungsprozessen nach kriegerischen Auseinandersetzungen (wie in Bosnien,
Kroatien, Serbien, Tschetschenien u. a.) zu übernehmen.
Begründung: Der Versöhnungsauftrag der Kirchen verlangt von ihnen, alle
Bemühungen zu unterstützen, die der Anwendung von Gewalt vorbeugen oder ihre
Folgen heilen. Dazu gehören die verschiedenen Formen der Konfliktmediation ebenso wie
der Einsatz beim Wiederaufbau und das Bemühen, heimkehrenden Flüchtlingen einen
menschenwürdigen Neuanfang zu ermöglichen.
4.3 Wir empfehlen KEK und CCEE mit ihren Mitgliedskirchen, den Austausch von Erfahrungen
von Initiativen, Institutionen, Laien- und Bildungszentren und Gemeinden in Friedens- und
Versöhnungsprozessen zu fördern. Begründung: Die Entwicklung einer
Kultur der Gewaltlosigkeit verlangt nach Bildungsprozessen, in denen sich lokale mit
internationalen Erfahrungen verbinden. Entsprechende Bildungsprogramme sollten besonders
junge Menschen, aber auch Soldaten und Politikerinnen und Politiker einbeziehen.
4.4 Wir empfehlen KEK und CCEE, ein ständiges Komitee für Konfliktanalyse und
-bearbeitung einzurichten. Es soll Versöhnungsprozesse anregen und die
Möglichkeiten untersuchen, die Ausbildung von Fachkräften zur zivilen
Konfliktbearbeitung auf europäischer Ebene zu institutionalisieren.
Begründung: Sowohl auf globaler wie mancherorts auf nationaler Ebene werden Projekte
zur Institutionalisierung ziviler Konfliktbearbeitung und -lösung diskutiert. Es ist
sehr wichtig, dass die Kirchen sich an dieser Diskussion intensiv beteiligen, und es
würde ihre Glaubwürdigkeit unterstreichen, wenn sie von sich aus in dieser
Hinsicht ein deutliches Zeichen setzten. Gemeinsame Rahmenbedingungen für
Friedensfachdienste würden helfen, der Basler Selbstverpflichtung nachzukommen,
Schalom-Dienste zu schaffen.
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