3.1. Wir empfehlen den Kirchen, Prozesse der Konsultation zu wirtschaftlichen und
sozialen Fragen zu initiieren. Sie sollen dazu beitragen, das Menschenrecht auf Teilhabe
am ökonomischen Leben zur Geltung zu bringen.
Begründung: Die internationale und globale Vernetzung der Märkte tendiert dazu,
europäische Traditionen des sozialen Ausgleichs zu schwächen. Die
Massenarbeitslosigkeit in praktisch allen Ländern fordert die Kirchen heraus. Sie
müssen besonders belasteten Personengruppen - vor allem Jugendlichen und Frauen -
ihre besondere Aufmerksamkeit widmen und sich für gerechte Systeme sozialer
Sicherung einsetzen. 3.2. Wir empfehlen den Kirchen, sich für eine gerechte und
menschliche Wanderungspolitik einzusetzen, besonders gegenüber Kriegsflüchtlingen
und Asylbewerbern. Die durch die Menschenrechte gesetzten humanitären Standards
müssen bei der nationalen Gesetzgebung und bei internationalen Abkommen beachtet und
fortentwickelt werden.
Begründung: Die westeuropäischen Länder schliessen sich mehr und mehr
gegenüber Menschen ab, die eine neue Heimat suchen. Alle Formen von
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus widersprechen jedoch dem christlichen Ethos, denn die
Christen glauben an Jesus Christus, der Fremde zu Geschwistern gemacht und alle
ethnischen Grenzen überwunden hat.
3.3 Wir empfehlen den Kirchen, auf allen
Ebenen und mit allen Mitteln die Benachteiligung von Frauen zu bekämpfen und Wege zu
suchen, die Frauen mehr Gerechtigkeit bringen, vor allem durch die Überwindung von
sexistischen Praktiken im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben.
Begründung: Frauen sind in vielen Ländern Opfer des gesellschaftlichen Wandels.
Sie sind auf vielfache Weise von Gewalt und Ausbeutung bedroht, besonders im sexuellen
Bereich. Unsere Kirchen sind herausgefordert, diese Bedrohungen zu erkennen und zu
benennen und zu ihrer Überwindung beizutragen. Dazu können Caritas,
Bildungsarbeit, öffentliche Meinungsbildung und konkrete Hilfsprogramme
beitragen.
3.4 Wir empfehlen den Kirchen, Massnahmen zum Schutz und zur Förderung der Familien
zu intensivieren und der besonderen Lage vor allem von jungen und alten Menschen Rechnung
zu tragen. Begründung: Familien als Ort treuer und vergebender Liebe dienen der
Zukunft unserer Gesellschaften. Die demographische Entwicklung verlangt besondere
Aufmerksamkeit auf die Lage der alten Menschen. Die Kirchen können durch
Familienbildung und Familienförderung, Kindergärten, Schulen und
Universitäten, Krankenhäuser und Altenheime dazu beitragen, jungen und alten
Menschen zu helfen und deutliche Zeichen christlicher Nächstenliebe zu geben.
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© 2001 by Ulrich Schmitthenner
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