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Abschlußerkärung des Europäischen Ökumenischen Aktionsbündnisses für Graz


Es ist besser, daß es einen Skandal gibt,
als daß die Wahrheit zu kurz kommt.
(Papst Gregor der Große)

Seit der Europäischen Ökumenischen Versammlung in Basel 1989 sind grundlegende Veränderungen geschehen, die die ökumenische Bewegung vor neue Herausforderungen stellen. In Vorbereitung auf die Zweite Ökumenische Versammlung wollten wir deshalb Zusammenarbeit von vornherein zum Prinzip, nicht allein zum Ziel für unsere Teilnahme machen. In einer Koalition von etwa hundert Basisgruppen planten wir für "Graz" u.a. ein ÖKUMENISCHES DORF und einigten uns auf folgende Ziele:

(1) die Opfer zu ermutigen, für sich selbst zu sprechen;
(2) die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen grundsätzlich zu kritisieren;
(3) Änderungsprozesse dadurch in Gang zu bringen, daß wir Zellen einer alternativen Gesellschaft aufbauen;
(4) unsere Kirchen an die bereits eingegangenen Verpflichtungen zu erinnern;
(5) die Freude versöhnungsbereiter Gemeinden und Gemeinschaften zu feiern.

Am Ende der Tage in Graz bestätigen und bekräftigen wir unsere Ziele. Wir fügen hinzu, daß die Verwirklichung einer gerechten Gemeinschaft von Frauen und Männern uns als gesondertes Ziel ausdrücklich bewußt sein sollte.

1. In unserem Dorf gab es einen besonderen Raum, in dem Menschen ihre Lebensgeschichte mit uns teilten, von erlebter Versöhnung und Unversöhntheiten erzählen konnten und davon, woher sie die Kraft gewinnen, damit umzugehen.Wir haben erlebt, daß Zuhören erfordert, uns selbst zu verändern. Glaubwürdigkeit gewinnen unsere Kirchen, wenn sie bereit werden, sich so zu verändern, daß sie annehmen können, was Arme und Leidende zu sagen haben, und gemeinsam mit ihnen nach der Quelle der Kraft suchen, aus der Widerstand kommen kann.

2. In unserem Dorf berieten z.B. Bauern aus der Steiermark, Württemberg und Polen über Mittel und Wege, Kirchen zu gewinnen, sich für eine nachhaltige Landwirtschaft einzusetzen, um der anhaltenden Zerstörung der Umwelt zu wehren.Zwar haben wir noch 1989 den Fall kommunistischer Machteliten erlebt, denen die Völker die Legitimation entzogen, dennoch sind wir den Zielen von Basel nicht näher gekommen. Wir beobachten im Gegenteil die Konsolidierung der zerstörerischen Marktkräfte und, damit verbunden, die Zunahme der aus der Konkurrenz erwachsenden Gewalt und die stärkere Betonung eines gegen das Leben und die Schöpfung gerichteten Wachstums der Wirtschaft. Die Option für die Armen und das neoliberale Wirtschaftsmodell schließen einander aus.

3. Im Dorf hörten wir u.a. vom Handel mit Frauen und Kindern und dem Widerstand gegen solche Kennzeichen einer Kultur, die zuletzt auch den Menschen auf den Geldwert einer Ware reduziert.Wir wehren uns dagegen, daß der Mangel an einem alternativen Gesamtentwurf zur kapitalistischen Ökonomie zur Entschuldigung dient, die vielen Vorschläge nicht zu unterstützen, die falsche politische Entscheidungen unserer Regierungen korrigieren und gefährlichen Entwicklungstendenzen Einhalt gebieten könnten. Wir drängen darauf, daß Kirchen und ChristInnen in ihrem täglichen Leben mit denen zusammenarbeiten, die sich für solche Vorschlage einsetzen, und daß sie sich. ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen. So sollten wir die Chance nutzen, Verbindungen zwischen dem konziliaren Prozeß und den lokalen "Agenden 21" (Zielvorstellungen für das 21. Jahrhundert) herzustellen und unsere Erfahrungen einzubringen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, in regionalen und lokalen Projekten und Experimenten Räume zu schaffen, in die die zerstörerischen Marktkräfte nicht hineinreichen. Wenn wir an solchen Stellen die absolute Macht des Mammon in Frage stellen, fangen wir an, dem vom Kapital beherrschten System sichtbar die Legitimation zu entziehen.

4. In unserem Dorf haben wir über aktive Gewaltfreiheit in der Nachfolge Jesu, über qualifizierte, zivile Friedensdienste und das Schalomdiakonat gesprochen und über die Möglichkeiten unserer Kirchen, auch gegenüber Regierungen auf potentielle Konflikte, vorbeugende Bewältigungsstrategien und Lösungsmöglichkeiten hinzuweisen, für Kriegsdienstverweigerung einzutreten und Gewaltfreiheit theologisch zu reflektieren.Wir verpflichten uns und mahnen unsere Kirchen zur Treue gegenüber dem konziliaren Prozeß für Frieden, Gerechtigkeit und Bewährung der Schöpfung, zur Treue gegenüber der Ökumenischen Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Frauen, zur Treue gegenüber der ökumenischen Bewegung und ihren internationalen Institutionen, die dem Willen zur Einheit sichtbar Ausdruck verleihen. Wie viele Menschen hoffen wir darauf, daß ChristInnen in aller Welt mit einer Stimme Unrecht beim Namen nennen und von der Hoffnung auf eine Gesellschaft des Schalom, in der Platz für alle ist, in Würde zu leben, Zeugnis geben.

5. Unser Dorf selbst war das Experiment, über die Wahrnehmung und Feier der ökumenischen Vielfalt hinauszugehen. Die Mitglieder der "Koalition für Graz" eint die Erkenntnis, daß wir seit Basel eine neue Stufe der Eskalation der globalen Gefährdungen erleben. Aber wir sind an ganz verschiedenen Stellen mit sehr unterschiedlichen Mitteln tätig. Unsere Zusammenarbeit hat uns auch in Konflikte und durch sie hindurch geführt. Wir haben uns auf den Weg der Versöhnung begeben, an dem immer neue Unversöhntheiten auftauchen. Wir haben erfahren, daß der Wille zur Kooperation uns stärker geprägt hat als aller Streit. Diese Erfahrungen in unserem "Dorf" bestärken uns, weiter Gottes Versöhnung zu suchen und zu bezeugen.

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