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Themenbereich 2: Versöhnung suchen Leben gewinnen angesichts akuter Ausgrenzungen in unserer Gesellschaft


Bericht der Arbeitsgruppe 2.1
Mit verschiedenen Geschichten leben - deutsch - deutsche Zukunft gestalten

Die zwölf TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppe, die je zur Hälfte aus West- und Ostdeutschland waren (sechs Männer / vier Frauen) haben sich persönliche deutsch/deutsche Geschichten erzählt, die veranschaulichten, was die Jahre nach der Wende neben der Freude über die Vereinigung auch an Verletzungen, an Schuldgefühl und Schuldzuweisung mit sich gebracht haben.

Menschen in der ehemaligen DDR haben nach wie vor das Gefühl der Zurücksetzung, der Ausgrenzung. Nach der Vereinigung fühlen sich die Ostdeutschen oft wie Fremde im eigenen Land; Menschen im Westen können oft nicht nachvollziehen, daß die Bundesrepublik nicht nur größer; sondern auch anders geworden ist . So glauben die Ostdeutschen, daß ihr Wahrnehmungsvermögen aus der Distanz kritischer ist, und sie auf die Schwächen des Systems sensibler reagieren können.

In der AG entdeckten wir, daß die "Mauer" für ostdeutsche Gruppenteilnehmer im Zusammenhang mit ihrer DDR-Geschichte eine andere Bedeutung besitzt als für die westdeutschen Gesprächspartner, die in ihr mehr das Symbol des politischen Systems sehen, während die Ostdeutschen in ihr mehr den Ausdruck der Verschiedenheit und der Spannungen sehen. Uns wurde bewußt, daß in der DDR Menschen gelebt haben, die dort ihre Identität finden mußten, zu der die schmerzliche Erfahrung Mauer gehört, und die nicht wollen, daß ihre Geschichte jetzt ausgelöscht wird.

Kritisch wurde angemerkt, daß bei der deutsch-deutschen Geschichte nicht nur die sechs Jahre nach der sogenannten Wende im Blick sein dürfen. Dazu gehört die gemeinsame Geschichte bis 1945, das Unrechtssystem des real existierenden Sozialismus, der demokratische Staat auf westdeutschem Gebiet mit seiner erfolgreichen Wirtschaft, seinem sozialstaatlichen System und dennoch Unzulänglichkeiten und verbreitetem Wohlstandsdenken.

Für die gemeinsame Zukunft ist es uns wichtig, die jeweils andere deutsche Geschichte möglichst genau zu kennen, sie zu würdigen, kritisch zu sehen und Gemeinsames zu entdecken.

Die Vereinigung von 1990 darf nicht als Eroberung diskreditiert werden. Gefragt wurde, warum es nicht gelang, in der DDR gewonnene Erfahrungen in das gemeinsame Deutschland einzubringen bzw. die Chance des Neuanfanges besser zu nutzen.

Diskutiert wurde das Verhältnis von Kirche und Staat in der DDR und in der Bundesrepublik. In der DDR bildete die Kirche für viele Menschen einen Freiraum, hier konnte eine kritische freie Meinungsäußerung erprobt werden, was sonst der Staat nicht zuließ.

Demgegenüber hat die Kirche in der Bundesrepublik große Möglichkeiten der Mitwirkung in der demokratischen Gesellschaft.

Heute gibt es für Christen in Ost und West viele Möglichkeiten, sich politisch zu bestätigen in Parteien, Verbänden wie auch in außerparlamentarischen Gruppen. Als mögliche Handlungsschritte für die Gestaltung der Zukunft wurden von der Arbeitsgruppe genannt:

  1. Es sind Räume zu schaffen, in denen ein offenes Gespräch möglich ist. Die Kirchen bieten das Forum, diese Gespräche ökumenisch zu gestalten, dabei sollte auch die Gemeinsamkeit mit nichtchristlichen Gruppen gesucht werden. Die Praxis der Runden Tische ist fortzusetzen.
  2. Die empfundenen Schwierigkeiten sollten ohne Schuldzuweisung mit großer Einfühlsamkeit aufgearbeitet werden.
  3. Menschen in Ost und West werden ermuntert, sich unbefangen zu begegnen und sich auch schmerzliche Wahrheiten zuzumuten.
  4. Gemeinsame Aufgaben können zueinanderführen, sie sollten angepackt werden. Dabei kann die gemeinsame Grundlage des Glaubens und der verbindende Glaube gefeiert werden.
  5. In allen Themen, die uns beschäftigen, muß der Frauenaspekt beachtet werden. Die Biographien vieler Frauen weisen eine zerstörerische Benachteiligung auf. Über das Miteinander von Männern und Frauen muß nachgedacht und die Gemeinschaft von Männern und Frauen in einer gerechten Weise verwirklicht werden.
  6. Jesus Christus , der uns mit Gott versöhnt hat, ist das Haupt des Leibes, dessen Glieder wir sind. Wenn ein Glied leidet, leidet das andere mit. Zu dieser gegenseitigen Teilhabe und Teilgabe befähigt uns Jesus Christus.

 

Bericht der Arbeitsgruppe 2.2
Verarmung und Reichtum

1. Aus der Bibelarbeit über Jeremia 5 nehmen wir mit:
  • ungerechtes Wirtschaften spaltet das Volk Gottes und trübt das Gottesverhältnis;
  • Versöhnung erfordert immer rechtliche Verpflichtungen zum Schutz der Schwachen, nicht nur Appelle;
  • Wirtschaft ist kein autonomes menschlicher Gestaltung entzogenes System.
Die Arbeit am Thema haben wir mit der Aufstellung von Fragen abbrechen müssen.

2. Es sollten besonders folgende Zielperspektiven und Ursachenklärungen verfolgt werden:

  • geltende Verfassungsregeln sind wirksam zu machen, besonders die Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums.
  • Ursachenzusammenhänge und Folgewirkungen der Veränderung rechtlicher Strukturen sind zu bedenken.
3. Problemfelder
  1. Kann man zur Integration Arbeitsloser ein neues Verhältnis von Erwerbsarbeit und Existenzsicherung finden? Welche neuen Arbeitsformen können dabei entwickelt werden. Gibt es Integrationswege von Teilzeit, Erwerbsarbeit, gesellschaftlicher und Familienarbeit.
  2. Marktwirtschaft als System soll geprüft werden, ob sie den sozialen und ökologischen Anforderungen gewachsen ist (Qualifikation von Wachstum). Dies gilt insbesondere für die Finanzmärkte.
  3. Der Sozialstaat ist neu zu denken, auch im Sinne einer vollen Beteiligung der zahlreichen Bürgerinitiativen und Selbsthilfegruppen (Zivilgesellschaft)
  4. In welcher Weise schränkt Armut Bildungschancen ein? Muß Chancengleichheit neu gesichert werden?
4. Dimensionen
  1. Für Europa ist eine wirksame Sozialcharta mit sozialen Mindeststandards unentbehrlich . Wichtig ist es, demokratische Verfassungsstrukturen zu errichten. Zentral ist es zu einer gesellschaftlichen Machtbalance zu kommen, vor allem zwischen Gewerkschaften und Unternehmen.
  2. Ähnliche Gestaltungsaufgaben stellt der Globalisierungsprozeß gerade an einen starken Partner wie die Bundesrepublik Deutschland.
5. Es bedarf einer Spiritualität des Teilens, einer neuen Verknüpfung unterschiedlicher Werte (Individualität und Solidarität) eines für ganz Europa geöffneten Lebensstils.

6. Wie kann Kirche Initiative zur Selbsthilfe anstoßen, Modelle der Ermutigung schaffen, zur Übernahme politischer Verantwortung bewegen und ihre eigene Glaubwürdigkeit im wirtschaftlichen und sozialen Handeln stärken.

 

Bericht der Arbeitsgruppe 2.3
Was kommt vor der Versöhnung zwischen Männern und Frauen?

I. Einführung

Ausgangspunkt der Arbeit in der Arbeitsgruuppe 2.3 war die bibliodramatische Auseinandersetzung mit dem Text Lukas 18, 1-8 als einer befreienden Thematisierung einer Frauengestalt. In diesem Gleichnis ermutigt Jesus über die Identifikation mit einer fordernden Frau, die für ihr Recht einsteht und kämpft, beharrlich zu beten - ganz sicher auch um den Abbau von ungerechten Machtverhältnissen zwischen Frauen und Männern, wozu der Bildgehalt des Gleichnisses verpflichtet.

Daran anknüpfend prägten Aspekte der ungleichen Machtverteilung zwischen Frauen und Männern in Kirche und Gesellschaft heute und die Voraussetzungen das Gespräch. Im Verlauf wurde deutlich, daß gemeinsame Arbeit von Frauen und Männern zur Überwindung dieser ungerechten Strukturen notwendig ist. Die Arbeitsgruppe hat exemplarisch vier Bereiche herausgegriffen, in denen verändernde Schritte in besonderer Weise auf der Tagesordnung stehen.

II. Konkretionen in vier exemplarischen Feldern

a) Theologie

Frauen und auch Männer entdecken die verschütteten oder absichtlich durch Reduktion verschwundenen weiblichen Traditionen und Geschichten in der Bibel und Kirchengeschichte.

Die Vielfalt der biblischen Bilder von Gott wurde auf Gott als Vater, Herr und König reduziert. In der Theologie waren handelnde Frauen unsichtbar, so auch ihre zentrale Stellung in Gottes Verheißung (gleichwertige Verheißung an Abraham und Hagar, das Messiasbekenntnis von Martha und Petrus, Mann und Frau als Ebenbilder Gottes, Schifra und Pua, zwei Retterinnen des Volkes Israel; Gal 3,28).

Feministische Theologie entstand, als der Blick frei wurde für die besondere Situation, in der Frauen leben. Feministische Theologie ist Befreiungstheologie, die Herrschaftsstrukturen gegen Frauen aufzeigt in denen Frauen und Männer in unterschiedlichen Rollen gefangen sind. Sie zeigt die gleiche Struktur bezüglich Herrschaft und Ausbeutung der Natur auf. Sie hat die Ganzheit des Menschen im Blick, als Menschen mit Körper, Geist und Seele. Sie ist eine Theologie für Frauen und Männer, da sie ein Beitrag zu einer Theologie des Lebens ist.

b) Gewalt gegen Frauen

In unserer Gesellschaft finden wir Gewalt gegen Frauen in verschiedensten Formen: Frauen wird sexuelle, psychologische und strukturelle Gewalt angetan. Alles, was Frauen kleinmacht, sie demütigt, Macht über sie ausübt, ist bereits der Beginn von Gewalt.

Durch die Taufe sind wir eingegliedert in den Leib Christi. Gewalt gegen Frauen ist deshalb eine Verletzung des Leibes Christi und muß Thema in den Kirchen der ACK werden.

In den Kirchen müssen wir zunächst einmal Frauen als Opfer von Gewalt wahrnehmen, sie zu Wort kommen lassen mit ihren Lebens- und Leidensgeschichten. Hier müssen wir als Kirchen Partei ergreifen. Ohne konkrete Benennung von Gewalt kann es keinen Prozeß der Versöhnung zwischen Frauen und Männern geben.

Wir fordern die ACK auf,

  1. sich sowohl biblisch-theologisch, systematisch-theologisch, kirchengeschichtlich als auch soziologisch und psychologisch mit den Ursachen von Gewalt gegen Frauen auseinanderzusetzen (unter Einbeziehung der bisherigen Ergebnisse von Mitgliedskirchen) und in Graz erste Arbeitsergebnisse einzubringen,
  2. Frauenhandel als zunehmendes Problem wahrzunehmen, wie in der Konsultation zur Solidarität der Kirchen mit den Frauen erarbeitet wurde. Hier sind vor allem die Kontakte mit Partnerkirchen in Osteuropa zu nutzen, Informationen zum Handel mit osteuropäischen Frauen in Deutschland weiterzugeben, die Einrichtung von Informationsstellen in Osteuropa zu unterstützen und Anlaufstellen für betroffene Frauen in Deutschland zu schaffen bzw. vorhandene Stellen finanziell zu unterstützen.
  3. ein deutliches Wort zur Halbherzigkeit des Entwurfs für ein Gesetz zur Vergewaltigung in der Ehe auszusprechen.
  4. eine theologische Reflexion von Familienbildern in den Kirchen der ACK anzuregen.
  5. eine theologische Revision des Opfer-, Schuld- und Sündenverständnisses unter Einbeziehung frauenspezifischer Perspektiven zu erarbeiten.
  6. Gewalt gegen Frauen und Kinder in der Kirche offenzulegen und Leitlinien zum Umgang mit (sexueller) Gewalt in der Kirche zu erarbeiten.
  7. die Anregung des Teambesuchs zur Mitte der Ökumenischen Dekade "Solidarität der Kirchen mit den Frauen" aufzugreifen (u.a. "gender awareness" - Training als Voraussetzung für kirchenleitende Funktionen, für die Arbeit mit Menschen in kirchlichen Arbeitsfeldern, für die Arbeit in kirchlichen Gremien und Institutionen).
  8. die Anerkennung frauenspezifischer Asylgründe - z.B. Vergewaltigung, genitale Verstümmelung - zu fordern.
  9. Im Rahmen der Kampagne gegen Kinderprostitution und Sextourismus ist es in den letzten Jahren gelungen, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, der eine Strafverfolgung deutscher Täter im Ausland ermöglicht. Um eine Umsetzung dieses Gesetzes zu erreichen, muß es einen regelmäßigen Informationsaustausch und einen Austausch von speziell ausgebildeten Verbindungsbeamtinnen und -beamten des Bundeskriminalamtes geben. Wir empfehlen den Gliedkirchen der ACK, sich dafür einzusetzen.
  10. Des weiteren bitten wir die Kirchen, Druck auf politische Kräfte zur Änderung des AusländerInnengesetzes (§19) auszuüben, um über die vorgesehene Kürzung des nichtselbständigen Aufenthaltsrechts nach Eheschließung von bisher drei- bis vierjähriger Dauer auf ein Jahr hinaus Frauen in gewalttätigen Beziehungen zu schützen (eigenständiges und eheunabhängiges Aufenthaltsrecht).
  11. Die Punkte 6 bis 10 verstehen wir als Aufforderung an die Kirchen, an der Umsetzung der Beschlüsse der Weltfrauenkonferenz in Peking bezüglich Gewalt, Sextourismus und Kinderprostitution im nationalen Rhmen mituzuarbeiten.

c) Soziale Gerechtigkeit als gemeinsame Herausforderung für Frauen und Männer

Das neue Miteinander von Frauen und Männern erfordert auch im sozialen Bereich eine Umkehr:
  1. Familie - Erwerbsarbeit - Ehrenamt

  2. Familie sowie Erwerbsarbeit und Ehrenamt bedürfen einer Neubewertung mit dem Ziel einer gleichwertigen Anerkennung. Dies hat Konsequenzen bis hin zu Fragen des Rentenversicherungssystems und der öffentlichen Anerkennung.
    Gleichzeitig ist es notwendig, daß es innerhalb jeder der drei genannten Bereiche zu einer gerechten Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern kommt. Das heißt, Frauen wie Männer müssen gleichen Anteil haben und gleichberechtigte Verantwortung tragen für Kindererziehung, Haushalt, Pflege von Angehörigen, Erwerbsarbeit etc.
     
  3. Frauen im Beruf

  4. Gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern heißt auch: gleichberechtigte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das heißt: für gleiche Arbeit gleiche Löhne. Das setzt wiederum voraus, daß Frauen dieselben Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten haben wie Männer. Typische Frauen- oder typische Männerberufe sind damit unvereinbar. Der Zugang zu Leitungspositionen muß für Frauen gleichberechtigt möglich sein, ganz im Gegensatz zur heute oft praktizierten Abdrängung von Frauen in geringfügig bezahlte Beschäftigungsverhältnisse. Die Kirchen als größte Arbeitgeberinnen in Deutschland sind hier besonders gefordert, arbeitsmarktpolitische Veränderungen vorzunehmen.
     
  5. Soziale Absicherung

  6. Frauen sind zunehmend mehr gefährdet, durch die Maschen des sozialen Netzes zu fallen. Dies zeigt sich beispielsweise bei zunehmender Wohnungs- und Obdachlosigkeit und Altersarmut. Wenn Frauen die Hauptlast von Haushalt und Familie tragen, werden sie mit geringerem Rentenanspruch bestraft. Deshalb muß das Rentensystem so überarbeitet werden, daß Familienarbeit, Erwerbsarbeit und Ehrenamt gleichwertig in den Rentenanspruch eingehen.
    Leistungskürzungen des Staates treffen zuerst und besonders Frauen und Kinder. Deshalb sind die beabsichtigten Einsparungen des Bonner Sparpakets im Sozialbereich abzulehnen.
     
  7. Frauen in den neuen Bundesländern

  8. In den neuen Bundesländern verdichten sich die Probleme von Frauen in besonderer Weise (hohe Erwerbslosenquote auch von hochqualifizierten Frauen-, generelle Verdrängung von Frauen aus dem Erwerbsleben; wachsende Armut, besonders bei alten Frauen). Hier besteht vorrangiger Handlungsbedarf.

d) Schritte von Männern auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Gemeinschaft von Frauen und Männern

Ähnlich, wie sich Frauen seit vielen Jahren in Verbänden und Initiativen zusammengeschlossen haben, um weiterzukommen auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Gemeinschaft von Frauen und Männern, ist es an der Zeit, dies nun auch als Männer zu tun.

Es bedarf einer gemeinsamen Bewegung kritischer Reflexion, in welcher Weise männliche Gaben und Sichtweisen Kirche und Gesellschaft in ungerechter Weise einseitig dominieren und in welcher Weise sie diese positiv mitgestalten können. Das gleichberechtigte Einbringen von männlichen und weiblichen Perspektiven wird nicht nur für Frauen befreiende Aspekte freisetzen, sondern auch für Männer.

Vor der Versöhnung zwischen Männern und Frauen muß es ein gemeinsames Verständnis ihrer Geschichte und deren Folgen geben. Dazu gehört aus christlicher Sicht unabdingbar ein Eingeständnis der Schuld von Männern an der ungerechten Situation von Frauen in Kirche und Gesellschaft.

Schuldbekenntnis

Wir - Männer der christlichen Kirchen - bekennen, daß wir uns den Frauen gegenüber schuldig gemacht haben.

Wir haben Frauen durch unsere Lebensgestaltung auf einseitige, begrenzende und erniedrigende Rollen festgelegt und uns selbst auf einseitige Rollen festlegen lassen.

Wir haben die Arbeit der Frauen für eine Kultur und für Strukturen der Gleichberechtigung nicht aktiv mitgetragen. Wir sind ihren Anstrengungen widerstrebend nur soweit entgegengekommen, wie sie es uns abgerungen haben.

Wir bekennen, daß wir viel zu lange von einem Wirtschafts- und Sozialsystem profitiert haben, das uns Männern weitaus größere Chancen und Möglichkeiten einräumt als den Frauen.

Wir bekennen, daß wir viel zu lange in einer Sprache gesprochen haben, die eine männerbestimmte Welt widerspiegelt und verfestigt.

Wir bekennen, daß wir viel zu lange eine Theologie und einen Glauben für eigentlich und einzig gehalten haben, welche Gott und Welt aus männlicher Sicht verstehen.

Wir bekennen, daß wir viel zu lange unsere Sexualität weder untereinander noch mit den Frauen offen thematisiert haben, stattdessen haben wir eine Unkultur des Schweigens aufgebaut, in der sexuelle Gewalt und Ausbeutung gegen Frauen und Kinder wachsen.

Wir bekennen dies in dem Glauben, daß Gott für uns Lebensformen bereithält, die Frauen und Männern gleichberechtigte Partnerschaft, gleichberechtigte Arbeit und gemeinschaftliche Sexualität ermöglichen. Wir möchten alles tun, diese Lebensformen gemeinsam mit unseren Schwestern zu entdecken und zu gestalten. Wir können dabei nichts verlieren, sondern nur gewinnen. Denn wer Schritte zur Versöhnung sucht, der wird Leben gewinnen.

 

Bericht der Arbeitsgruppe 2.4
Überwindung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt

Wir nehmen wahr:

Es gibt keine Rassen, aber es gibt Rassismus. Von Rassismus in Deutschland zu sprechen fällt immer noch schwer, weil die historische Last durch den Nationalsozialismus, die sich mit dem Begriff verbindet, uns lähmt. Die jahrzehntelange Tabuisierung erschwert die Sicht auf Zusammenhänge und verhindert die Bearbeitung von Einstellungen und Haltungen.

Mit den sozialen Umwälzungen, zunehmender Zukunftsangst, Globalisierung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen, wachsen Fremdheit und Fremdenfeindlichkeit, Ab- und Ausgrenzung und Identitätsverlust. Wie immer in solchen Situationen findet sich hier ein guter Nährboden für Rassismus und es verstärkt sich besonders bei Jugendlichen eine blinde Wut, die ihre eigenen Ursachen nicht kennt. Konkret erleben wir das z.Z. im rechtlichen und sozialen Umgang mit Asylsuchenden, Flüchtlingen und Minderheiten diskriminierende Tendenzen, die in der Gesetzgebung festgeschrieben wurden und eine ausgrenzende Atmosphäre im sozialen Bereich auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt sanktionieren.

Wir bekennen:

Als Kirchen und einzelne Christen sind wir nicht Zuschauer, sondern in die Probleme verflochten. Unsere Denkmuster und Einstellungen sind seit Jahrhunderten geprägt von einem religiösen Überlegenheitsdenken und einem Absolutheitsanspruch christlicher Theologie, die in der Geschichte zu grausamer Ausgrenzung, Unterdrückung und Verfolgung Andersgläubiger geführt haben. "Rassismus ist Sünde", bekennen wir im Blick auf unsere eigene Geschichte, Südafrika und viele andere Länder der Welt. Trotzdem können wir nur schwer akzeptieren, daß wir uns auch heute in Deutschland dieser Sünde schuldig machen. Noch immer beklagen wir Unversöhnlichkeiten zwischen den Konfessionen. Als Christen und Kirchen in einem reichen Land sind wir eingebunden in einen Systemzusammenhang, der es uns immer weniger ermöglicht, das Leiden der Opfer von Rassismus zu erkennen und mit ihnen die Einheit des Leibes Christi zu leben. Besonders schmerzlich erfahren das oft ausländische Christen und Gemeinden in unserem Land.

Uns wird zugesagt:

Eine Selbstbehauptung mit Mitteln des Rassismus ist unnötig und sinnlos, denn in der Schöpfungsordnung Gottes ist nicht die Rangfolge der Maßstab, sondern die Gottesebenbildlichkeit aller Menschen (1 Mose 1,27). Gott erteilt seinen Segen allen Völkern (1 Mose 12,3). Der Schutz des Fremdlings ist nicht nur humanitäre Tat, sondern Gebot Gottes 3 Mose 19,33-34).

Im Kreuz Christi sind verfeindete Völker auf den Weg der Versöhnung gerufen (Eph 2,14) und in der Gemeinschaft durch Christus gibt es keine Wertunterschiede zwischen den Menschen (Gal 3,28). Damit eröffnet sich ein Lernweg des Glaubens, auf dem die Überwindung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt möglich wird.

Wir werden ermutigt:

Wir nehmen auch wahr, daß in unserem Land Christen und Nichtchristen - oft gemeinsam -, Initiativen und Gemeinden - oft in ökumenischer Gemeinschaft - engagiert an der Überwindung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt arbeiten. Häufig werden sie dabei von den Kirchen unterstützt. Wir weisen ausdrücklich und dankbar auf dieses Engagement hin. Beispielhaft erwähnen wir die Initiativen zum "Kirchenasyl" und die Beratungs- bzw. Betreuungsangebote auf unterschiedlichen Ebenen. Wir wissen, wie notwendig solches Engagement ist. Darum bitten und ermutigen wir Einzelne und Gruppen, darin fortzufahren. Die Kirchen ersuchen wir auch bei notwendigen Sparmaßnahmen Wege der Unterstützung zu finden.

Wir sind verpflichtet:

Die Kirchen fordern wir auf:
  • Die Überwindung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt als eine Frage der eigenen Identität zu behandeln und die Phänomene an ihren Wurzeln zu bekämpfen;
  • diese Aufgabe zum integralen Bestandteil kirchlichen Lebens zu machen und gleichzeitig eine gewisse Institutionalisierung abzusichern;
  • sich immer zuerst die Perspektive der Opfer zu eigen zu machen und wo nötig Ihre Stimme zu sein;
  • das von den Mitgliedskirchen der ACK getragene Arbeitsvorhaben zur Überwindungvon Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt als ökumenisches Programm - wie beschlossen - in den Strukturen der ACK fest zu verankern und seine Finanzierung durch die Mitgliedskirchen abzusichern.
Die Politiker und andere gesellschaftliche Kräfte fordern wir auf
  • rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen in der Gesetzgebung aufzudecken und zu beseitigen;
  • Insbesondere fordern wir in diesem Zusammenhang:
  • die Berücksichtigung frauenspezifischer Fluchtgründe und ein von der Dauer der Ehe unabhängiges Aufenthaltsrecht;
  • das Asylbewerberleistungsgesetz nicht in Kraft zu setzen;
  • ein modernes Einbürgerungsrecht für alle, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben;
  • die rechtliche Gleichstellung ehemaliger Vertragsarbeitnehmer aus der ehemaligen DDR mit den ehemals angeworbenen ausländischen Arbeitnehmern der alten Bundesländer;
  • dafür Sorge zu tragen, daß die Lebensbedingungen in den Wohnheimen der Asylbewerber menschenwürdig sind;
  • verstärkt interkulturelle Bildungs- und Trainingsprogramme zu fördern;
  • durch solche und ähnliche Programme die Akzeptanz von Aussiedlern in Deutschland zu verstärken.

Wir bleiben auf dem Weg:

Wir haben uns erinnert, daß Ökumene in ihrem Wesen die Überwindung von Feindschaft und die Gleichwertigkeit verschiedener Glieder am Leibe Christi bedeutet. So wird Ökumene zum Modellfall für die Überwindung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt, bei der Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung erfahrbar werden kann.

In den wenigen Stunden Beratungszeit unserer Arbeitsgruppe mußten wir uns begrenzen. Darum gibt es an dieser Stelle keine Aussagen etwa zur Gewalt oder zum interreligiösen Dialog und speziell zum Asylrecht. Wir betonen ausdrücklich, daß diese und andere Themen in den inhaltlichen Zusammenhang unserer Arbeitsgruppe gehören.

Wir weisen dabei hin auf:

  • das Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen zur Überwindung von Gewalt und
  • das Arbeitsvorhaben der ACK zur Überwindung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt.
  • sowie auf die Statements aus dem Forum 3 "Die Würde des Menschen ist unantastbar, Flüchtlinge und Asylsuchende".

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