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1.3. Umkehr als Bundeserneuerung der Kirchen


(48) Der Ruf zur Umkehr in den Schalom richtet sich nicht nur an einzelne, sondern an das Volk Gottes und die Kirchen. Subjekt der Umkehr sind die einzelnen Christen, die häufig vereinzelt in der säkularen Gesellschaft leben, aber auch die Kirchen in ihren mannigfaltigen und unterschiedlichen Sozialgestalten (vgl. 7 - Kirche des Friedens). Die kirchliche Dimension dieser Umkehr finden wir im biblischen Bundesgedanken ausgesprochen: im Bund verbündet sich Gott mit seinem Volk und sein Volk läßt sich auf Gottes Gerechtigkeit, Frieden und Schöpferwalten gründen. Deshalb sollen die Kirchen Kirchen des Schalom werden.

1.3.1. Der Bund als Grund und Auftrag für Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung

(49) Der Bundesgedanke ist in der Bibel eng mit Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung verknüpft. Der Bund Gottes mit dem Volk Israel gründet in Gottes rettender Gerechtigkeit und verpflichtet das Volk zur Solida.rgerechtigkeit gegenüber den Schwachen. Der Bund stiftet Schalom als heile Beziehung, und »Friedensbund« ist von daher eine häufige Wortverbindung (Jes 54,10 u. a.). Der Bund schließt im Noachbund die ganze Schöpfung ein und verheißt ihre Bewahrung.
Es ist die Botschaft des NT, daß Gott im Kreuz Jesu Christi den Neuen Bund für alle Menschen gestiftet hat. In ihm werden Menschen zur Gemeinde des Neuen Bundes vereinigt. Dieser Bund, den die Gemeinde zentral in der Eucharistie feiert, schließt ein Ethos der Gerechtigkeit (Teilen mit Armen), des Friedens (geschwisterliche Gemeinschaft) und der Schöpfungsbewahrung (Brot und Wein als sakramentale Gaben) ein.
(50) So wird im Bundesgedanken deutlich, daß Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung nicht zuerst eine ethische Verpflichtung der Kirche ist, sondern eine aus der Quelle ihrer Sendung kommende Wirklichkeit, der sie sich selbst als Kirche verdankt. Sie bezeichnet nicht primär eine moralische und politische Anstrengung, wie sie heute für viele gesellschaftliche Gruppen und Bewegungen kennzeichnend ist, sondern das, was Kirche im Innersten und Eigentlichen noch vor ihrem Handeln zur Kirche macht. Zugleich ist damit klar, daß die Kirche auch, indem sie sich für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung einsetzt, bei ihrer eigentlichen Sache ist.

1.3.2 Die Gemeinschaft der Kirchen im Bund Gottes

(51) Die Ökumenische Versammlung wird von Kirchen gebildet, die noch nicht volle Gemeinschaft haben. Aber alle Kirchen gründen in dem einen Neuen Bund, sie sind eins in ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus. Unsere Kirchen wissen sich durch den Ruf der Umkehr gemeinsam herausgefordert und suchen nach Wegen gemeinsamen Zeugnisses und Dienstes. Dabei werden wir vor neue Fragen gestellt, die ohne Beispiel in der Geschichte sind und auf die daher die Lehrtraditionen unserer Kirchen keine Antwort geben. Die neuen Möglichkeiten und moralischen Ratlosigkeiten im Bereich der angewandten Biowissenschaften stehen als ein Beispiel für vieles. Wir bringen unsere kirchlichen Traditionen als Beiträge zur Problemösung in das gemeinsame Gespräch ein, indem wir nach Gottes weiterrührender Weisung suchen. In diesem Prozeß gemeinsamen Fragens und Handelns wird uns das Getrenntsein unserer Kirchen am Tisch des Herrn am schmerzlichsten bewußt, denn an ihm feiern wir alle den neuen Bund der Gerechtigkeit, des Friedens und Schöpfungsbewahrung.
(52) Als Kirchen, die in Christus auf Grund vielfacher Gegebenheiten schon eins sind, aber noch nicht in voller Gemeinschaft stehen, erstreben wir eine Überwindung unserer noch bestehenden trennenden Unterschiede in der Lehre und in der Praxis des geistlichen Amtes und der Sakramente, um zur vollen Gemeinschaft zu gelangen. Dabei steht allen Kirchen eine Gemeinschaft vor Augen, in der die verschiedenen Traditionen nicht mehr Grund zur Trennung sind, sondern sich gegenseitig befruchten und bereichern. Alle Kirchen sind sich auch bewußt, daß sie den Weg zu dieser Gemeinschaft schon gemeinsam gehen sollen. Für die Gestaltung dieses gemeinsamen Weges ist der biblische Gedanke des Bundes hilfreich. Er erlaubt es, die Einheit der Kirche nicht uniformistisch, sondern als konkrete Zeugnis- und Dienstgemeinschaft in pluralen Situationen zu leben. Ein Modell dafür sind die Bundesschlüsse in der ökumenischen Bewegung: Christen verbünden sich mit notleidenden und verfolgten Gemeinden zur Hilfe für sie und zum Teilen der geistlichen Gaben (zum Beispiel mit schwarzen Gemeinden in Südafrika), sie verbinden sich zu einem gemeinsamen Ziel, das sie als Willen Gottes erkannt haben, sie verbünden sich zum Brückenschlag der Versöhnung über Konfliktgrenzen hinweg (zum Beispiel Ost-West-Partnerschaften).
(53) Die Verpflichtung zu einem ökumenischen Friedensdienst (vgl. 1.2.3.3.) ist unser Bundesschluß, in dem die drei vorrangigen Optionen für die Armen, die Gewaltfreiheit und den Schutz und die Förderung des Lebens Gestalt gewinnen. Hier wächst Einheit als konkret verbindende Verbindlichkeit, in der man mit Herzen, Mund und Händen einstimmt in den Bundeswillen Gottes.
So verstehen wir auch unsere Ökumenische Versammlung und ihre Ergebnisse, gerade indem sie ganz auf unsere Situation und Sendung in der DDR bezogen sind, als einen Beitrag zur universalen Bundesgemeinschaft des einen Volkes Gottes.

1.3.3. Die Verbindlichkeit des Bundes

(54) Indem Gott mit seinem Volk seinen Bund schließt oder diesen Bund feierlich erneuert, bindet er sich an sein Volk und zugleich das Volk an seine Verheißungen und Gebote (Ex 19 f; Jos 24,2; 2 Kön 23). In den Beschlüssen unserer Ökumenischen Versammlung haben wir das Handeln beschrieben, zu dem sich Gott heute mit uns verbünden will. Wir hoffen, daß die Kirchen und viele Christen in diese Einsicht einstimmen und sie so als für sich verbindlich anerkennen werden. Es ist eine Verbindlichkeit, die niemanden ausschließt, sondern für alle einladend offensteht.
(55) Wir hoffen, daß das, was wir aus Glaubenseinsicht als Umkehr in den Schalom beschreiben, in seiner Lebens- und Überlebensdienlichkeit auch Nichtchristen aus Vernunftseinsicht einleuchtet und es so auch für sie in einem ethischpolitischen Sinn verbindlich wird. Wir wollen uns dafür offenhalten, um uns mit ihnen für konkrete Ziele des Schalom in unserer Welt zu verbünden.

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