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9.3. Sich dem Willen Gottes stellen - dem Leben dienen


(4) Mit diesen Aussagen über die Würde des Menschen sollen nicht zuerst Forderungen an andere, an Kirche, Staat oder Gesellschaft erhoben, sondern zu Besinnung jedes einzelnen eingeladen werden: Bin ich bereit, meinen Mitmenschen anzunehmen und zu achten? Kümmere ich mich zum Beispiel um alte Menschen, stelle ich ihnen meine Zeit zur Verfügung? Stehe ich Trauernden und Sterbenden bei? Aus der Kraft des Gewissens, der Selbstbesinnung des Menschen vor Gott, lebt die Bereitschaft, anderen beizustehen. Ein Mensch bedarf für sein Dasein keiner Legitimation durch Leistung oder Besitz. Er ist da und sollte allein deswegen in der Gemeinde anerkannt sein. Wenn uns Christen dies gelänge, könnte auch in unserer Gesellschaft ein Umdenken in vielen Bereichen des menschlichen Lebens Früchte tragen und solidarische Hilfe möglich sein.

9.3.1. Solidarische Hilfe für den ungeborenen Menschen

(5)

  • Verantwortete Elternschaft bedeutet, nicht nur biologisch Leben zu schenken, sondern auch die psychische und soziale Annahme des Kindes. Sexualerziehung und -beratung auf kirchlicher und gesellschaftlicher Ebene sowie die Verbreitung anschaulicher Kenntnisse über die menschliche Embryonalentwicklung sollen diesem Anliegen dienen. Eine altersentsprechende Erziehung zu Partnerschaft und verantwortlicher Sexualität ist eine wesentliche Aufgabe, die von Eltern, der Schule, den Kirchen und der Gesellschaft intensiver und umfassender wahrgenommen werden muß.
  • Die Praxis des Schwangerschaftsabbruches in unserer Gesellschaft erfüllt Christen und Nichtchristen zunehmend mit Besorgnis. Deshalb müssen die Bemühungen durch Gemeinden darauf gerichtet sein, Frauen und Familien, die durch eine Schwangerschaft in Nöte geraten sind, Geborgenheit zu vermitteln und möglichst wirksam zu helfen, zum Beispiel durch Pflegschaft und Adoptionsbereitschaft.
    Christen sollten durch ihr Leben deutlich machen, daß Schwangerschaftsabbruch kein Mittel der Geburtenregelung ist.
  • Das ungeborene Kind darf nicht Objekt technischer Produktionen und biologischer Experimente werden Die Ziele medizinischer und naturwissenschaftlicher Forschung sind einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Biologische, insbesondere genetische Manipulationen, die auf eine vermeintliche »Verbesserung«des Menschen zielen und somit über eine bloße Therapie hinausgehen, dürfen weder Anliegen noch Ziel naturwissenschaftlicher Forschung und medizinischer Maßnahmen sein.

9.3.2. Solidarische Hilfe für behinderte Menschen

(6)

  • Ist der Mensch in seinen körperlichen, geistigen oder seelischen Funktionen so beeinträchtigt, daß seine unmittelbaren Lebensverrichtungen erschwert sind, braucht er besonders die selbstverständliche Zuwendung seiner Mitmenschen. Sein Leben dient der Verwirklichung von Menschsein, wie das eines jeden anderen auch.
  • Die eigene Begrenztheit annehmen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, mit Behinderten zu leben. Es kommt darauf an, Behinderten und ihren Familien in unserer Gesellschaft ein Leben als gleichwertige Mitbürger zu ermöglichen. Das ist ein Dienst an der Würde des Menschen. Die Vorschläge der Betroffenen selbst sind ernst zu nehmen. Dies muß noch stärker in der Öffentlichkeit bewußt gemacht werden.
  • Es muß nach Wegen gesucht werden, daß mühevoll begonnene Fördermaßnahmen mit dem Erreichen des Erwachsenenalters nicht zum Erliegen kommen.
  • In den Gemeinden ist ein Miteinander von Helfenden und Hilfsbedürftigen wünschenswert, ein Klima gegenseitigen Verstehens zum Beispiel durch Patenschaften, Sonntagsdiakonie, Wohngemeinschaften mit Behinderten.

9.3.3. Solidarische Hilfe für psychisch kranke Menschen

(7)

  • Ein achtungsvoller Umgang mit psychisch kranken Menschen kann helfen, den Pessimismus zu überwinden, der dem Bemühen um Gesundung entgegensteht.
  • Durch verstärkte Information soll auch die emotionale Bereitschaft zu geduldiger, partnerschaftlicher Zuwendung gestärkt werden
  • Die Gemeinden sollten die Beratungsarbeit und Selbsthilfegruppen für suchtkranke Menschen und ihrer Angehörigen unterstützen.
  • Das Interesse psychisch kranker Menschen am Glauben verdient ein positives Echo in den Gemeinden.

9.3.4. Solidarische Hilfe für alte und sterbende Menschen

(8)

  • Seelsorgerliche Begleitung für alte und sterbende Menschen ist besonders nötig und wesentlich. Denn wir Christen erfahren Leiden und Sterben wie alle anderen Menschen auch und hoffen in Grenzsituationen auf Genesung und Verlängerung des Lebens. Aber wir bezeugen auch eine Hoffnung über den Tod hinaus und daß wir in unseren Ängsten von Gott angenommen sind.
  • So sollte nach Wegen gesucht werden, wie in Familien und Heimen alte Menschen begleitet werden können, Sterbende und ihre Angehörigen nicht in Isolierung geraten.
  • Die materielle Ausstattung von Pflegeheimen ist Ausdruck von Humanität. Entscheidend ist aber die menschliche Zuwendung, die Familienmitglieder und Betreuungspersonen aufbringen. Es muß das Ziel auch gesellschaftlicher Verantwortung sein, sie dabei zu unterstützen.
    Christlicher Glaube ermutigt uns, jeden Menschen zu respektieren, sein Lebensrecht zu schützen und die Würde des Menschen umfassend zu wahren.

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