- (10) Wir wollen Schritte der Veränderung in ökumenischer Gemeinschaft
gehen. Dabei suchen wir Veränderung in folgenden Richtungen:
- spiritueller leben, in der Stille und im Hören auf Gott geistlich
Erneuerung gewinnen und die Schöpfung wieder als Gottes Gabe wahrnehmen,
- einfacher leben und lernen, unseren Wohlstand sinngebend zu reduzieren und
unsere Lebensweise auf ihre Verträglichkeit hin zu überprüfen,
- engagierter handeln und Aufgaben für die Bewahrung der Schöpfung
im persönlichen Leben in Kirche und Gesellschaft übernehmen, ganzheitlich
leben und die Natur in ihren vielfältigen empfindlichen Lebensbeziehungen
achten lernen.
Unsere praktischen Schritte müssen vielfältig und konkret sein,
wie das Überleben der Welt vielfältig und konkret bedroht ist. Wichtig
ist eine innere Veränderung, der Anfang an einzelnen Stellen, die Impulswirkung
nach außen und das gemeinsame Suchen mit anderen. Grundlegende Veränderungen
sind notwendig, sowohl auf der Ebene der persönlichen Lebensgestaltung
wie auf der Ebene kirchlicher Arbeit und gesellschaftlicher Strukturen. Die
nachfolgend genannten Schritte können nur Beispiele sein für die einzuschlagende
Richtung. Sie bedürfen weiterer Konkretisierung und Ergänzung.
8.5.1. Schritte im persönlichen Leben
(11) Aus innerer Erneuerung, verantwortlicher Erziehung in der Familie und
gezieltem Einüben werden persönliche Veränderungen erwachsen,
zum Beispiel:
Durch unser Verhalten in Haushalt und Freizeit können wir die natürliche
Umwelt schützen helfen. Dazu gehören zum Beispiel der sparsame Einsatz
beziehungsweise Verzicht von Chemikalien in Haus und Garten, der sinnvolle verantwortliche
Umgang mit Energie und Wasser, der sinnvolle Gebrauch von Mode- und Kosmetikartikeln,
die Rückführung von Sekundärrohstoffen, die seltene beziehungsweise
gemeinschaftliche Nutzung individueller Kraftfahrzeuge.
(12) Unser Nahrungs- und Genußmittelkonsum ist unverhältnismäßig
hoch. Besonders der steigende Fleischverbrauch wirkt sich stark umweltschädigend
in der Landwirtschaft aus. Er führt zu unzumutbaren Verhältnissen
in der Tierhaltung und zwingt unser Land zu erheblichen Futtermittelimporten.
Deshalb können wir durch reduzierten Fleischkonsum und verantwortlichen
Umgang mit Nahrungsmitteln nicht nur zu einer gesunden Lebensweise, sondern
auch zum Schutz der Natur (bei gleichzeichtigem Verzicht auf Fleischexporte)
beitragen. Außerdem ist eine kritische Überprüfung unseres gestiegenen
Alkohol- und Nikotinverbrauchs dringend notwendig.
(13) Umweltschutz am Arbeitsplatz ist eine wichtige Aufgabe, bei der unsere
Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ebenso gefragt ist wie die kritische
Kontrolle der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen. Persönlicher Mut und
Konsequenz sind nötig, um eine großzügige Auslegung beziehungsweise
völlige Mißachtung gesetzlicher Bestimmungen zu verhindern und Verantwortliche
zur Veränderung umweltgefährdender Praktiken aufzufordern.
(14) Innere Freiheit von äußeren Zwängen und materiellen Abhängigkeiten
machen frei für die Suche nach Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Austausch
von Kenntnissen und Erfahrungen, die Freude am gemeinsamen Entdecken von schöpferischen
Gaben, christlichen Traditionen (zum Beispiel Fasten und Meditation) und geistig-kulturellen
Werten ermutigt zu weiteren Schritten der Veränderung (vgl. 7-Kirche des
Friedens 7.4.).
8.5.2. Schritte in Kirchen und Gemeinden
(15) Von den Kirchenleitungen sollten verbindliche Formen und Vereinbarungen
angestrebt werden, damit durchgreifende Veränderungen wirksam werden können,
zum Beispiel:
(16) Die Kirchen werden gebeten, in den Ausbildungsprogrammen ihrer Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter und in der kirchlichen Unterweisung die Frage nach Lebensweise
und Lebenswerten deutlich zu thematisieren. Die Verkündigung wie auch Gemeindeveranstaltungen
und -begegnungen sollten häufiger dazu genutzt werden. Die jährliche
Friedensdekade sollte in ökumenischer Gemeinschaft begangen und um die
Themen Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung erweitert werden.
(17) Den kirchlichen Institutionen wird empfohlen, Versuchsfelder für
ökologisches Bauen, alternative Forst- und Landwirtschaft zu fördern.
Kirchliche Heime etc. werden angeregt, ihre Wirtschaftsführung ökologisch
verantwortlich zu gestalten. Gruppen, die gemeinsame Schritte einer neuen Lebensweise
versuchen wollen, sollten Räume für ihr Engagement erhalten und unterstützt
werden.
(18) Die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Institutionen werden
um ihrer Glaubwürdigkeit und Vorbildwirkung willen nachdrücklich gebeten,
ihren Material und Energieverbrauch, die Kfz-Benutzung und den Einsatz von Valutamitteln
kritisch zu überprüfen. Überhaupt sollten sich die Kirchen nicht
mehr leisten, als sie aus eigener Kraft aufbringen können.
(19) Kirchlichen Institutionen, Synoden, Gemeinderäten und anderen wird
empfohlen, sich regelmäßig mit Ökologischen Fragen zu beschäftigen,
sich verstärkt in dieser Thematik sachkundig zu machen und sich den neuen
Fragen zu stellen.
8.5.3. Schritte in der Gesellschaft
(20) Von den Kirchenleitungen sollten in Gesprächen mit staatlichen Vertretern
weiterhin Veränderungen in der Gesellschaft angesprochen werden, zum Beispiel:
Wir schlagen eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung über
umweltgerechtes Verhalten im Haushalt und am Arbeitsplatz vor. Verstärkt
sollten diese Fragen in unserem Bildungswesen Raum gewinnen, zum Beispiel durch
die Einführung eines Unterrichtsfaches »Umwelterziehung« Für
die Erziehung in der Familie könnte eine Förderung der Teilzeitarbeit
dieses Anliegen unterstützen. Veröffentlichte Umweltdaten und ihre
offene Diskussion sind für diesen Prozeß unumgänglich (vgl.
12 - Information). Die zuständigen staatlichen Stellen sollten Initiativen
fördern, die ökologisch verträglichere Lebensformen ausprobieren
wollen.
(21) Wir brauchen in unserer Gesellschaft eine öffentliche Diskussion
über die negativen Auswirkungen unserer Subventionspolitik auf das Umweltbewußtsein
in der Bevölkerung. Wir meinen, daß ein sparsamer Umgang mit Energie
und Kraftstoffen, Wasser und bestimmten Nahrungsmitteln zu fördern ist
durch Angleichung der Preise an die realen Material-, Herstellungs- und ökologischen
Folgekosten. Das kann natürlich nur im Rahmen einer ausgleichenden Lohn-
und Sozialpolitik geschehen. Zugleich bitten wir nachdrücklich, die Infrastruktur
unserer Wohngebiete, besonders das öffentliche Verkehrsnetz sowie die Möglichkeiten
für den Fahrradverkehr zu verbessern.
(22) Wir schlagen vor, wirkungsvolle Begrenzungsmaßnahmen zu ergreifen
für Produkte, die durch die Größenordnung ihrer Herstellung
und Verwertung Schaden für Gesundheit und Umwelt hervorrufen. Sie sollten
als solche entsprechend gekennzeichnet werden. Produkte, die dauerhafte und
unmittelbare Umweltschäden hervorrufen, müssen verboten werden. Wir
bitten um Verschärfung der Strafbestimmungen bei Umweltvergehen.
(23) Wir treten dafür ein, daß in die gegenwärtige Hauptaufgabe
der DDR die ökologischen Grundbedürfnisse ausdrücklich aufgenommen
werden. Die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik ist zur Einheit von Wirtschafts-,
Sozial- und Umweltpolitik zu erweitern (vgl. 10-Ökologie/Ökonomie).