7.3. Felder der Konkretion
7.3.1. Kirche des Friedens werden durch Gemeinschaft (Koinonia)
(20) Die Gemeinschaft mit Jesus Christus befreit uns zur Gemeinschaft untereinander.
Unser Herr befähigt uns, über respektierte Grenzen hinweg mit Andersdenkenden
Gemeinschaft zu suchen, auch mit Nichtglaubenden. Weil wir leiden an dem Schmerz
der Spaltung, der Feindschaft, ängstlicher Abgrenzung und ausgebliebener
Versöhnung, wollen wir alles in unseren Kräften Stehende tun, Anteil
zu geben und zu nehmen. Selbstzufriedenheit der Gemeinde widerspricht dem Willen
ihres Herrn Jesus Christus.
7.3.2. Kirche des Friedens werden durch Gottesdienst (Liturgia)
(21) Das Gebet ist Quelle und Mittelpunkt christlichen Friedenshandelns. Deshalb
sollten Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung im täglichen
Gebet der Christen, im Gebet bei den Zusammenkünften der Kreise und Gruppen
und im wöchentlichen Gottesdienst der Gemeinden ihren festen Platz haben.
Zum Altar gebrachte »Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit«
besonders beim Erntedankfest machen zeichenhaft deutlich, daß unsere Lebensmittel
keine Selbstverständlichkeit sind, sondern Geschenk Gottes, das uns verptlichtet,
mit Menschen in Not zu teilen. Der Friedensgruß im Gemeindegottesdienst
ist seit der Zeit der Apostel in verschiedener Form in verschiedenen Kirchen
und Gemeinschaften Brauch. Wir empfehlen ihn und andere Zeichenhandlungen, weil
sie sinnenfällig zum Ausdruck bringen, daß Gott uns in sein Versöhnungshandeln
einbeziehen will und daß wir Frieden empfangen, indem wir ihn weitergeben.
7.3.3 Kirche des Friedens werden durch Zeugnis (Martyria)
(22) Als Versöhnte sollen wir das Evangelium des Friedens bezeugen (Eph
6,15). Wir brauchen eigenes und fremdes Unrecht nicht zu verschweigen. Wir können
Fehler zugeben und bemühen uns um einen Lebensstil, der Versöhnung
glaubhaft macht. Das geschieht unter anderem dadurch, daß wir uns für
Gewaltfreiheit einsetzen, Benachteiligten zur Seite stehen, Militarismustendenzen
auf allen Ebenen entgegentreten und Feindbilder und alle Formen von Rassismus
ablehnen.
7.3.4. Kirche des Friedens werden durch Dienst (Diakonia)
(23) Christus wird uns nach den Werken der Barmherzigkeit richten (vgl. Mt
25,35). Schon in biblischer Zeit wurden die leiblichen Werke der Barmherzigkeit
ergänzt durch geistliche: Verzweifelten raten, Unwissende lehren, prophetisch
reden, Leid ertragen und mittragen, Beleidigern verzeihen, für Freund und
Feind beten (vgl. 1 Kor 12,8-10, Mt 5,3). Der von Christus geforderte Dienst
erfordert immer mehreres: persönliche Zuwendung, nötigen Sachverstand
und materielle Hilfe. Heute, da die Menschheit immer mehr weltweit aufeinander
angewiesen ist, wird deutlich, daß unser Dienst auch den fernen Nächsten
gelten muß.
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