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6.4. Erwartungen


6.4.1. Erwartungen an uns selbst, die Familie und alle Erziehungsträger

(8) Für die Erziehung der Kinder und Jugendlichen sind nicht zuerst Institutionen verantwortlich, sondern die Eltern. Eine Delegierung dieser Aufgabe an andere kann bedeuten, die Chance einer Friedenserziehung leichtfertig zu vergeben.
Wir erwarten:

6.4.1.1.

(9) daß die zentrale Aufgabe der Friedenserziehung die Erziehung zu Konfliktfähigkeit und Mündigkeit wird, sowohl im zwischenmenschlichen Bereich wie im Verhältnis zu anderen Völkern und weltanschaulichen Positionen. Dazu gehört es:

  • Selbstwertgefühl zu wecken und zu stärken,
  • Konflikte nicht zu leugnen,
  • Konfliktbeteiligte zu erkennen,
  • unterschiedliche Bedürfnisse und Gefühle ernst zu nehmen,
  • auf Konfliktlösung durch Sieg und Niederlage zu verzichten,
  • zu Engagement, Solidarität und gewaltfreier Verweigerung zu befähigen,
  • sich der gemeinsamen Verantwortung für die Schöpfung bewußt zu werden.

Das bedeutet:

  • Erziehungspraktiken kritisch zu prüfen,
  • die Modellwirkung des eigenen Verhaltens (besonders gegenüber Kindern) zu erkennen,
  • zu lernen, mit Aggressionen umzugehen,
  • zu lernen, mit friedlichen Mitteln zu streiten,
  • auf drohende und herabsetzende Gebärden zu verzichten,
  • globales Denken zu wecken und zu fördern.

6.4.1.2.

(10) daß wir unsere Sprachgewohnheiten korrigieren hinsichtlich

  • offen oder versteckt militanter Ausdrücke,
  • herabsetzender Worte,
  • der Weitergabe von Vorteilen und Feindbildern durch Schlag- und Sprichwörter.

6.4.1.3.

(11) daß kindliches Spiel kritisch überprüft wird auf Aggressivität, die auf Entwürdigung oder Vernichtung zielt, und Spielzeug auf Verführung zu und Verharmlosung von Gewalt (Kriegsspielzeug, aggressive Computerspiele).
Das bedeutet:

  • den Zusammenhang zwischen kindlichen Spielgewohnheiten und vorgelebten Modellen wahrzunehmen,
  • neue Erziehungsverantwortung mit alternativen Spielangeboten einzuüben.

6.4.1.4.

(12) daß Fernsehgewohnheiten der Kinder und Erwachsenen hinsichtlich Dauer und Inhalt kritisch überprüft und gesehene Programme gemeinsam besprochen werden.

6.4.1.5.

(13) daß die Erziehungsverantwortlichen aufmerksam gegenüber offenen und versteckten Vorurteilen und Feindbildern in Literatur und Filmen für Kinder und Jugendliche sind.
Frucht der Friedenserziehung sollte es werden, jeder und jedem einzelnen in Familie und Gruppe die gleiche Chance zur Entfaltung zu eröffnen und sie zur Wahrnehmung ihrer Mitverantwortung auf verschiedenen Ebenen zu befähigen.

6.4.2. Erwartungen an die Kirchen

(14) Die Spaltung der Christen und Kirchen ist exemplarisch für den Zustand der Welt. Wir müssen immer neu beginnen, in und zwischen unseren Kirchen Frieden zu leben.

6.4.2.1. Umkehr in unseren Haltungen

(15) Wir erwarten:

  • eine neue Einstellung zur Existenz von Konflikten und die Suche nach evangeliumsgemäßen, partnerschaftlichen Konfliktlösungen,
  • mehr Toleranz, damit Andersdenkende, Andersfühlende, Andershandelnde in Kirche und Gemeinde nicht ausgegrenzt, sondern als Anfrage an die eigene Lebensweise erfahren werden, die sachliche Auseinandersetzung gesucht wird und Möglichkeiten der Zusammenarbeit erprobt werden,
  • die verstärkte Einübung friedensstiftender Verhaltensweisen in der christlichen Unterweisung,
  • Rückenstärkung denjenigen, die sich in Kirche und Gesellschaft aus Verantwortung vorwagen, und Ermutigung den Zaghaften, aus christlicher Verantwortung zu reden und zu handeln,
  • die Auseinandersetzung mit schuldbeladener Vergangenheit und Gegenwart in Kirche und Gesellschaft, an der wir selber teilhaben, und ihre Aufarbeitung in Richtung Vergebung, Sühne und Neuanfang,
  • die Bereitschaft der Gemeinden, Übungsfelder für Friedenserziehung zu sein,
  • eine Atmosphäre und Kultur in Gremien und Räumen, die friedensfördernd wirkt.

6.4.2.2. Umkehr in unserer Verkündigung

(16) Wir erwarten eine Verkündigung, die mehr Frohe Botschaft wird, die christliches Sein und christliche Befähigung entdeckt und im Alltag verhilft zu

  • Toleranz und Vergebenkönnen,
  • Angstminderung und Leidenkönnen,
  • ehrlicher Selbst- und Fremdwahrnehmung,
  • Diakonie und Solidarität,
  • Leben und Glauben in Modellen der Gemeinsamkeit

6.4.2.3. Umkehr zu neuen Gemeinsamkeiten

Wir erwarten

(17) die Einrichtung einer ökumenischen Arbeitsgruppe »Friedenserziehung« auf DDR-Ebene, die Bildungs- und Weiterbildungsmodelle sammelt und anbietet, ein Netz von Mitarbeitern knüpft, Erziehungs- und Konfliktberatung ermittelt,

(18) die Entwicklung und Förderung von Initiativen einer grenzüberschreitenden ökumenischen Zusammenarbeit in der Friedenserziehung (zum Beispiel Eintreten für eine internationale Arbeitsgruppe »Feindbildabbau«).

(19) die Einführung eines Lernfeldes »Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung« in allen kirchlichen Ausbildungsstätten, das sich in Inhalt, Teilnehmern und Leitern bewußt ökumenisch darstellt,

(20) mehr ökumenische Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendarbeit, die sich der Friedenserziehung widmet, und mehr ökumenische Erwachsenenarbeit, die hilft, Lebens- und Erziehungsstile zu überdenken und zu korrigieren.

(21) Förderung von Dienste-Modellen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (ökumenischer Friedensdienst, vgl. 1 - Grundlegung 1.2.3.3.), die sozialen Diensten der Kirchen analog organisiert sein können; Friedensbereitschaft wächst in Schritten des Helfens und Lernens,

(22) die Zuhilfenahme humanwissenschaftlicher Erfahrungen für Beratung und Gruppenarbeit zur Förderung von Kommunikations- und Konfliktfähigkeit,
(23) von den Kirchenleitungen, daß sie sich bei Stellungnahmen zu Erziehungsproblemen in der DDR gegenseitig konsultieren, von Fachleuten beraten lassen und eine ökumenische Stellungnahme anstreben,

(24) den kritisch reflektierenden Gebrauch traditionellen Liedgutes, das militante Formulierungen enthält.
Christliche Friedenserziehung ist ihrem Wesen nach ökumenisch. Sie kann nur beginnen mit der Umkehr der Erwachsenen.

6.4.3. Erwartungen an staatliche und gesellschaftliche Institutionen

(25) Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen und Konfessionen in unserer Gesellschaft sind sich einig über die Notwendigkeit, einen Krieg in Europa unbedingt zu verhüten. Wie das geschehen soll, ist umstritten. Aber der Frieden kann nur gemeinsam bewahrt werden. Die ihn bewahren wollen, sollten aufeinander hören und aufeinander zugehen.
Kirchenleitungen sollten die folgenden Erwartungen mit gesellschaftlichen und staatlichen Vertretern besprechen. Wir erwarten:

6.4.3.1.

(26) die Anerkennung von Dialog und Toleranz als unverzichtbare Grundsätze des Umgangs Verschiedendenkender miteinander auf allen gesellschaftlichen Ebenen.
Dazu gehören:

  • die Bereitschaft zu offenem, auch öffentlichem Meinungsstreit in mündlicher und schriftlicher Form,
  • die Bereitschaft, dem anderen zuzuhören und seine Argumente zu bedenken,
  • die Bereitschaft, die Neigung zu überwinden, Andersdenkende in überkommene Feindbildkategorien einzuordnen,
  • die Bereitschaft, auf administrative Maßnahmen zur einseitigen Beendigung des Dialogs zu verzichten.

6.4.3.2.

(27) den Abbau von Vorurteilen und Feindbildern in der Erziehung und Ausbildung insbesondere von Kindern und Jugendlichen, und die Befähigung zu friedlicher Konfliktlösung.
Dazu gehört:

  • umfassende Friedenserziehung im Sinne des Neuen Denkens in den Erziehungseinrichtungen und die Abschaffung des Wehrunterrichts an den Schulen,
  • die Entfernung militärverherrlichender Inhalte und der Tendenzen zur Feindschafts- und Haßerziehung aus Lehrbüchern, Lehr- und Erziehungsplänen sowie aus den Medien,
  • Angebote für Erwachsene zum Erlernen friedlicher Konfliktbewältigung.
  • die Einstellung der Produktion und des Verkaufs von Kriegsspielzeug,
  • die Abschaffung der obligatorischen vormilitärischen Ausbildung und ihrer Verknüpfung mit dem Zugang zu bestimmten Bildungswegen und Berufen.

6.4.3.3

(28) .Die stärkere Berücksichtigung der Tatsache, daß zum Abbau von Vorurteilen und Feindbildern ein gegenseitiges Kennenlernen unerläßlich ist. Das schließt ein:

  • die Ermöglichung ungehinderter Kontakte und freien Reisens,
  • die vermehrte Durchführung von Schüler- und Jugendaustausch sowie Förderung von Partnerschaften über Staats- und Systemgrenzen hinweg,
  • stärkere gesellschaftliche Bemühungen, bei uns lebende Ausländer in ihrer Art anzunehmen und ihnen Integration zu ermöglichen; ihre Anwesenheit als Chance für Friedenserziehung zu sehen.

6.4.3.4.

(29) Die Unterstützung der Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsaufgaben durch Freistellungen, Teilzeitbeschäftigung oder Gleitzeitangebote. Friedenserziehung ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie bedarf des Willens, der Kreativität und des Dialogs.

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