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5.2. Zur Situation


(2) Wir wissen um unsere Verantwortung, die sich aus der historischen Schuld unseres Volkes und aus seiner Verflochtenheit in die Geschichte ergibt. Von deutschem Boden gingen zweimal Weltkriege aus. Dabei haben Deutsche in Ausübung ihrer Wehrpflicht auf Befehl getötet und anderen Völkern unermeßliches Leid zugefügt. Das 1945 entmilitarisierte Land wurde in beiden deutschen Staaten wieder bewaffnet bis zu einer gewissen Militarisierung, obwohl dem deutschen Volke aus seiner Vergangenheit heraus eine besondere Friedenspflicht hätte erwachsen müssen. Auf deutschem Boden stehen sich hochgerüstete Armeen gegenüber, die über Offensivwaffen verfügen. Zwar haben beide deutsche Staaten keinen unmittelbaren Zugriff zu atomaren Waffen, sind jedoch in Bündnissysteme eingegliedert, die auf ihren Territorien atomare Waffen stationieren. Die Androhung gegenseitiger Vernichtung durch Massenvernichtungswaffen bestimmt gegenwärtig noch die militärische Wirklichkeit. Jederzeit kann durch technische Defekte oder menschliches Versagen ein Krieg ausgelöst werden. Das Maß an Rüstung übersteigt bei weitem das für Sicherheit der beiden Bündnissysteme Notwendige. Auf der anderen Seite befinden wir uns in einer Situation des beginnenden Übergangs von der Abschreckung zu einer politischen Friedenssicherung mit nichtmilitärischen Mitteln. Es gibt Ansätze neuer Militärdoktrinen, die sich auf strukturelle Angriffsunfähigkeit und defensive Verteidigungsstrategien stützen. Der entscheidende Durchbruch steht in der Abrüstungsfrage aber noch aus. Jedes Festhalten an der Abschreckungsdoktrin und jede Form der »Modernisierung von Waffen behindert diesen Durchbruch. In beiden Bündnissystemen gehen die Rüstungskosten zu Lasten der Zwei-Drittel-Welt und der Menschen im eigenen Land (vgl 4-Friedenssicherung).

(3) Diese Situation ist lebensgefährlich und tötet schon heute. Friedenssicherung mit ausschließlich politischen Mitteln ist nur im Rahmen gemeinsamer Sicherheit vorstellbar. In dieser widersprüchlichen Situation haben Wehrpflichtige sich zu entscheiden. Die gegenwärtige weltpolitische Entwicklung von der Konfrontation zur Entspannung verringert die Bereitschaft für einen militärischen Dienst. Das Leben in der Armee in ihrer derzeitigen Gestalt ist für junge Menschen oft mit belastenden Erfahrungen verbunden, die sie menschlich nicht oder nur schwer aufarbeiten können. Diese Belastungen betreffen auch Eltern, Angehörige, Partner und Kinder von Wehrdienstleistenden. In dieser Situation leisten Wehrpflichtige bewaffneten Wehrdienst, andere leisten einen waffenlosen Dienst in den Baueinheiten innerhalb der Armee, eine dritte Gruppe verweigert jeglichen Wehrdienst.
Alle Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften halten heute Krieg für kein geeignetes und zulässiges Mittel der Konfliktlösung. Sie anerkennen, daß waffenloser Dienst in den Baueinheiten und Wehrdienstverweigerung Zeugnisse für eine Welt ohne militärische Gewaltanwendung sind. Eine Mehrheit von ihnen geht aber bislang davon aus, daß der Wehrdienst mit der Waffe mit dem Ziel der Kriegsverhütung noch eine vertretbare Möglichkeit des Handelns für Christen ist (vgl. 1-Grundlegung 1.2.3.2.).

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