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4.5. Aufgaben und Möglichkeiten der Kirchen


(21) Kirchen sollen individuelles und kollektives Gewissen schärfen, zu exemplarischem Handeln ermutigen und befähigen sowie durch ihr Zeugnis und ihren Dienst politische Verantwortung stärken. Auch unter unseren gesellschaftlichen Bedingungen in der DDR ist die Wahrnehmung dieses dreifachen Auftrages wichtig und kann reale Veränderungen mitbewirken, wie sie im beginnenden Prozeß der Realisierung des Konzeptes der gemeinsamen Sicherheit deutlich werden. Die Förderung und Begleitung von Ansätzen eines »neuen Denkens« braucht Geduld und Sachverstand, aber auch Hartnäckigkeit. Wir denken, daß gerade für die Kirchen in den beiden deutschen Staaten, an der Nahtstelle der Bündnissysteme besondere Möglichkeiten und auch besondere Verantwortung gegeben sind.
Darum hoffen wir, daß in unseren Kirchen, Gemeinden und Gruppen in dieser Zeit des Übergangs eine lebendige Gemeinschaft wächst, die den einzelnen Gliedern hilft, die Erkenntnis ihrer Friedensverantwortung in konkrete Alltagsentscheidungen umzusetzen. Jedes Reden und Schweigen, jedes Handeln soll daraufhin geprüft werden, ob es dem Frieden wirklich dient. Dazu bedarf es eines offenen Gesprächs, der ständigen Bereitschaft mit Menschen anderer Überzeugungen zu reden und von ihnen zu lernen sowie nicht zuletzt auch mehr Furchtlosigkeit vor möglichen Nachteilen. Friedenssicherung auf der Grundlage der gemeinsamen Sicherheit ist etwas so Neues und weit über den militärischen Bereich Hinausgehendes, daß eine Veränderung des Denkens, der Wertvorstellungen und ihrer Umsetzung in allen Lebensbereichen grundsätzlich neu gelernt und immer wieder konkret neu buchstabiert werden muß. Damit können unsere Kirchen die »Abrüstung von unten« fördern, die den europäischen und den weltweiten Prozessen Handlungsspielräume eröffnet, aber auch Nachdruck verleiht.
Wir sind dankbar dafür, daß durch den eingeleiteten ökumenischen Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung auch die Gemeinschaft unserer Kirchen gewachsen und gestärkt worden ist. Im gemeinsamen Gebet, in der Vergewisserung biblischer Orientierung, im Formulieren gemeinsamer ethischer Überzeugungen und in der Ermutigung zum Handeln kann diese Gemeinschaft zu einem Modell partnerschaftlichen Miteinanders werden, das seine Ausstrahlung in andere gesellschaftliche Bereiche hat.

Wir bitten deshalb

4.5.1. die Christen unseres Landes

(22)

  • ihre Friedensverantwortung der Gemeinde, in der Arbeitswelt und im gesellschaftlichen Bereich, in der Erziehung und in Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Wehrdienst umzusetzen,
  • das Gespräch mit Menschen zu suchen, die eine andere Überzeugung haben,
  • ihre Hoffnungen durch zeichenhaftes Handeln zum Ausdruck zu bringen,
  • sich für ein partnerschaftliches Miteinander innerhalb der Gemeinden und in den ökumenischen Beziehungen einzusetzen,
  • ausdauernd für eine gerechte Friedensordnung in Europa zu beten;

4.5.2. die Gemeinden und Gruppen unseres Landes

(23)

  • Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zu beginnen oder zu fördern, um das Bewußtsein für die Aufgaben der politischen Friedenssicherung zu entwickeln,
  • Gemeindepartnerschaften nach Ost- und Westeuropa zu unterstützen und mit den Anliegen des ökumenischen Prozesses zu füllen,
  • an der Schärfung des gesellschaftlichen Bewußtseins zu arbeiten, den Dialog mit allen ihren Gliedern, mit Außenstehenden und Andersdenkenden, insbesondere aber auch mit Politikern und Militärs zu suchen und dafür Räume zu eröffnen, die so in anderen Bereichen der Gesellschaft vielleicht noch nicht gegeben sind,
  • Wissenschaftler und Ingenieure zu ermutigen, friedensethische Kriterien für ihr Handeln im beruflichen Raum zu erarbeiten und zu verbreiten;

4.5.3. die Kirchenleitungen

(24)

  • mutige Schritte zu gehen bei der Verbreitung konstruktiver neuer Ideen und bei der Unterstützung friedensfördernder Initiativen,
  • unermüdlich das Gespräch mit Verantwortlichen aus Staat und Gesellschaft zu suchen, um der politischen, auf Gewalt immer mehr verzichtenden Friedenssicherung nach innen und nach außen zu dienen,
  • die Gemeinschaft mit anderen europäischen Kirchen als unverzichtbares Element der Vertrauensbildung zu stärken

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