(5) Eine gesamteuropäische Friedensordnung muß in der Perspektive
Säule eines neuen, globalen internationalen Systems der Sicherheit und
Zusammenarbeit sein, das von den Vereinten Nationen getragen wird. Die Region
Europa kann eines der Modell- und Prüffelder für notwendige Aufgabenerweiterungen
der UNO und deren Zusammenspiel mit regionalen Institutionen werden (zum Beispiel
im Hinblick auf globale Kontroll- und Überwachungseinrichtungen sowie ökonomische
und ökologische Zusammenarbeit). Heute läßt sich noch nicht
klar und eindeutig sagen, wie ein System politischer Friedenssicherung in Europa,
ein System gemeinsamer Sicherheit, aussehen kann. Deutlich sind jedoch einige
unverzichtbare Bestandteile:
(6) Eine militärische Sicherheitsstruktur, die durch radikale Reduzierung
und Umstrukturierung der gegenwärtig in Europa stationierten Militärpotentiale
hergestellt werden muß, so daß eine strukturelle Angriffsunfähigkeit
in Zentraleuropa gewährleistet ist;
(7) Wahrnehmung bestimmter Souveränitätsbereiche der einzelnen Länder
durch gesamteuropäische Institutionen, zum Beispiel für die Überwachung
einer europäischen Rüstungskontrollzone, sowie für Konfliktregulierung
und Schlichtung auf politischem, wirtschaftlichem und militärischem Gebiet
(Der höhere Kooperations- und Verflechtungsgrad in Zentraleuropa erfordert
spezifische Institutionen);
(8) breite wirtschaftliche Kooperation und gegenseitige Verflechtung zwischen
den Staaten Ost- und Westeuropas, insbesondere in der mitteleuropäischen
Zone entlang der Nahtlinie zwischen den beiden Bündnissystemen ohne Zwang
zur Aufgabe eigenständiger gesellschafts- und sozialpolitischer Entwicklungen,
(9) größtmögliche Offenheit und Kommunikation der Menschen
zwischen allen Teilen Europas. Ständiger breiter Dialog über Lebensstrukturen,
Sozialpolitik, Kulturentwicklung, Wirtschaftsstrukturen und über die politischen
Strukturen, insbesondere im Hinblick auf die Zukunft der Zwei-Drittel-Welt.
(10) gemeinsame Forschung und enge Kooperation im ökologischen Bereich:
in der Datenerfassung, bei Analysen, bei ökologisch bedeutsamen wirtschaftspolitischen
Entscheidungen, bei Schutzmaßnahmen und beim schrittweisen Aufbau einer
an der ökologischen Verträglichkeit orientierten Ökonomie.
(11) Unsere Hoffnung ist, daß diese Bestandteile einen Weg für
eine immer weiterreichende Dynamik der Abrüstung eröffnen bis dahin,
daß Elemente von gewaltloser sozialer Verteidigung als Mittel von Friedenssicherung
möglich werden. Wir erfahren bereits heute, daß die ersten Teilschritte
in Richtung auf ein neues, politisches System der Friedenssicherung in Europa
den gesellschaftlichen Bewußtseinswandel fördern und die Lebensbedingungen
der Menschen verbessern.
Architekturelemente eines gemeinsamen Hauses Europa zeichnen sich ab, die nun
schrittweise in globaler Verantwortung mit Leben erfüllt werden müssen.