6.3 Der Dienst der Kirchen für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit
(257) Die Kirchen sollen erfahrbar werden als
- Orte der Orientierung, an denen aus dem christlichen Glauben heraus das
Fragen nach Sinn und Ziel des menschlichen Lebens und des Lebens der Gesellschaft
wachgehalten wird;
- Orte der Wahrheit und der realistischen Sicht des Menschen, wo Ängste,
Versagen und Schuld nicht vertuscht werden müssen, weil um Christi willen
immer wieder Vergebung und Neuanfang geschehen;
- Orte der Umkehr und Erneuerung, an denen Menschen sich verändern,
auf ihre Mitmenschen und ihre Nöte aufmerksam werden und alte Verhaltensweisen
ablegen;
- Orte der Solidarität und Nächstenliebe, an denen untereinander
und für andere die je eigene Verantwortung bejaht und praktiziert wird;
- Orte der Freiheit, an denen erfahren werden kann, daß Freiheit und
Bindung, Selbstentfaltung und Verbindlichkeit nicht Gegensätze sind,
sondern sich gegenseitig bedingen und genau dieser wechselseitige Bezug für
ein gelingendes Leben wichtig ist;
- Orte der Hoffnung, an denen Perspektiven gesucht werden für eine sinnvolle
Gestaltung gesellschaftlichen Zusammenlebens und an denen bei dieser Suche
der Blick über das Heute hinaus geöffnet wird.
(258) Wenn der Konsultationsprozeß ein so großes Echo in der Öffentlichkeit
und bei den gesellschaftlich relevanten Gruppen gefunden hat, dann nicht zuletzt
deshalb, weil von vielen Seiten damit die Hoffnung verbunden wird, die Kirchen
könnten mit dazu beitragen, daß überfällige Reformen in
Wirtschaft und Gesellschaft in Gang kommen. Gesellschaft und Staat sind darauf
angewiesen, daß an die ethischen Voraussetzungen einer freiheitlichen
und sozialen Rechtsordnung erinnert wird und daß an dem Dialog zwischen
den gesellschaftlichen Gruppen auch Kräfte teilnehmen, die nicht partei-
und interessengebunden sind. Im Rahmen einer solchen Mitverantwortung tun die
Christen und die Kirchen ihren Dienst an der Gesellschaft für eine Zukunft
in Solidarität und Gerechtigkeit.
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