3. Perspektiven und Impulse aus dem christlichen Glauben
3.1 Die Frage nach dem Menschen
(91) Analysen gesellschaftlicher Herausforderungen setzen bestimmte Kriterien
der Wahrnehmung voraus und schließen anthropologische und ethische Vorentscheidungen
ein. Ebenso gründet die Soziale Marktwirtschaft auf anthropologischen und
ethischen Vorentscheidungen. Sie geht aus von einem Menschenbild, das Freiheit
und persönliche Verantwortung wie Solidarität und soziale Verpflichtung
beinhaltet. Insofern beruht die Soziale Marktwirtschaft auf Voraussetzungen,
welche sie selbst nicht herstellen und auch nicht garantieren kann, ohne die
sie aber auf Dauer nicht lebensfähig ist. Gerade in der gegenwärtigen
Situation eines tiefgreifenden Umbruchs muß an diese Voraussetzungen erinnert
werden, weil allein so Kräfte für die Vision wie für die Motivation
erwachsen können, angesichts der neuen Herausforderungen das Leitbild einer
solidarischen und gerechten Gesellschaft zu verwirklichen.
(92) Die Besinnung auf das Menschenbild und die Grundwerte, auf denen die Soziale
Marktwirtschaft gründet, ist die unerläßliche Voraussetzung
für eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage.
Hier liegt der genuine Beitrag der Kirchen. Denn das Menschenbild des Christentums
gehört zu den grundlegenden geistigen Prägekräften der gemeinsamen
europäischen Kultur und der aus ihr erwachsenen wirtschaftlichen und sozialen
Ordnung.
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