2.4 Europäischer Integrationsprozeß
(82) Die Politik der europäischen Einigung ist für den Kontinent und
für die Zukunft Deutschlands von entscheidender Bedeutung. 50 Jahre Frieden
und Stabilität in Westeuropa, der Wiederaufstieg der europäischen
Länder nach dem Zweiten Weltkrieg, die friedliche Einbeziehung Deutschlands
in die Völkergemeinschaft sowie die Wiederherstellung der deutschen Einheit
im Einklang mit den europäischen Partnern wären ohne die europäische
Integration nicht möglich gewesen. Auch in Zukunft muß das Einigungswerk
fortgesetzt werden, um in Europa Frieden und Stabilität sowie den wirtschaftlichen
und sozialen Fortschritt zu sichern. Das historische Werk der europäischen
Einigung darf keinesfalls auf den wirtschaftlichen Aspekt verkürzt werden.
Die Fundamente für dieses Einigungswerk wurzeln sehr viel tiefer: in jahrhundertealter,
gemeinsamer, christlich geprägter Geschichte und Überlieferung, und
damit in dem Bewußtsein der Europäer, daß sie eine Wertegemeinschaft
sind, aus der sich gemeinsame politische Orientierungen, Normen und Institutionen
wie Demokratie, Rechtsstaat und moderner Sozialstaat entwickelt haben. Aufbauend
auf diesen gemeinsamen Werten ist die Europäische Union als Rechtsgemeinschaft
entstanden, die in viele Lebensbereiche hinein Wirkungen entfaltet.
(83) Auf dem Hintergrund des Prozesses der Globalisierung erhält die europäische
Integration zusätzliches Gewicht. Der europäische Einigungsprozeß,
insbesondere die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion, steht
für die Einsicht, daß eine Wirtschafts- und Sozialpolitik, die nicht
von den internationalen Märkten abhängig sein will, übergreifender
Entscheidungs- und Koordinationsinstanzen bedarf. Die Institutionen und Instrumente,
wie sie innerhalb der Europäischen Union entstanden sind und fortentwickelt
werden müssen, eröffnen Möglichkeiten, um eine gemeinsame europäische
Wirtschafts- und Sozialpolitik weiter auszubauen.
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