2.3 Ökologische Krise
(78) Die ökologische Krise ist ein weltweites Problem. Deutschland trägt
an diesen weltweiten Problemen mit. Die Industrialisierung hat zu einer wachsenden
Überforderung der Tragekapazitäten der Ökosysteme geführt.
Obwohl in manchen Branchen bereits ein recht hohes Niveau des technischen Umweltschutzes
erreicht ist, wird die Regenerationsfähigkeit der Natur oftmals überbelastet;
viele Gefährdungen, Schädigungen und Belastungen nehmen weiterhin
zu.
(79) Zu den gravierendsten Umweltschäden gehören die Übernutzung
und Vernichtung erneuerbarer Ressourcen, die Belastung von Luft, Wasser und
Boden, die Ausrottung zahlreicher Pflanzen- und Tierarten, der Raubbau an nicht
erneuerbaren Ressourcen, die Zerstörung und Verödung von Landschaften
und Regionen, das hohe Abfallaufkommen sowie das ungeklärte Problem der
atomaren Endlagerung. Zu den Problemen, auf die bisher nicht in der notwendigen
Weise reagiert wurde, zählen vor allem der Abbau der Ozonschicht und die
Erwärmung der Erdatmosphäre. Diese klimatischen Umweltgefährdungen
stellen aufgrund ihres globalen Charakters sowie ihrer schwer kalkulierbaren
Folgen für die ökologischen Kreisläufe eine qualitativ neuartige
und existentielle Herausforderung für die moderne Zivilisation dar. Viele
Bemühungen um Verbesserung scheitern an nationalstaatlichem Egoismus und
an der Kurzsichtigkeit betroffener Branchen. Die Fakten sind kaum noch umstritten.
Auch an politischen Absichtserklärungen fehlt es nicht. Dennoch gelingt
es nur mühsam, diese Einsichten in konkrete Maßnahmen umzusetzen
und sie für die ökologische Kooperation der Staaten zu nutzen.
(80) Insbesondere die Industriegesellschaften nehmen eine Entwicklung, die an
die Grenzen der Tragekapazität wichtiger ökologischer Systeme stößt.
Durch den rapiden Verbrauch der natürlichen Lebensgrundlagen werden die
Lebenschancen der Menschen in den Ländern des Südens und der künftigen
Generationen in erheblichem Maß beeinträchtigt. Wenn es nicht gelingt,
die Ausbeutung der Natur wirksam einzuschränken, wird der Nachwelt eine
Hypothek hinterlassen, die sie kaum mehr abtragen kann. Nachsorgender Umweltschutz
wird immer schwerer finanzierbar, viele gravierende Schädigungen der Lebensgrundlagen
erweisen sich als irreversibel. Je mehr also nötige Umweltschutzmaßnahmen
versäumt werden, desto mehr ist zu befürchten, daß auch künftig
lediglich die gröbsten Schäden beseitigt werden können und damit
die langfristigen Belastungen für andere Länder und künftige
Generationen weiter ansteigen. Trotz der mittlerweile enorm verbesserten Möglichkeiten
für einen effektiven und schonenden Umgang mit den Ressourcen sowie für
eine Reduktion des Schadstoffausstoßes wachsen die Umweltschäden
weiter an. Ein Wohlstandsgewinn durch nur quantitatives Wirtschaftswachstum
wird in Westeuropa somit immer fragwürdiger.
(81) In ökologischer Hinsicht gewinnt vor diesem Hintergrund der Beitrag,
den die Land- und Forstwirtschaft über die Versorgung mit hochwertigen
Produkten hinaus zur Sicherung und Verbesserung der natürlichen Lebensgrundlagen
und zur Erhaltung einer vielfältigen Landschaft als Siedlungs-, Wirtschafts-
und Erholungsraum leistet, ein besonderes Gewicht. Die überkommenen, bewährten
Prinzipien bäuerlichen Wirtschaftens sind auf eine umweltverträgliche
und nachhaltige Bodennutzung und Tierhaltung ausgerichtet. Um so bedauerlicher
ist, daß weder die Reform der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik
noch nationalstaatliche Programme verhindern konnten, daß immer weniger
Landwirte in der Landwirtschaft eine auskömmliche Existenz finden und eine
Zukunftsperspektive sehen. Zahlreiche Bauern haben ihre Landwirtschaft bereits
aufgeben müssen. Andere fürchten um ihre berufliche Existenz oder
- wenn eine Übergabe nicht möglich ist - um das Fortbestehen ihres
Hofes. Die Schwierigkeiten greifen auch auf andere Bereiche und Berufe des ländlichen
Raums wie Handwerk, Handel und Dienstleistungen über. Das traditionelle
Bild der Landwirtschaft in der Kulturgemeinschaft des Dorfes verliert damit
an prägender Kraft. Der fortschreitende Wandel von einer bäuerlich
geprägten Landwirtschaft zur Agrarindustrie schreitet weiter fort.
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