(1) Das vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und von der Deutschen
Bischofskonferenz vorgelegte Wort der Kirchen trägt den Titel: "Für
eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit". Es bezieht
sich auf die aktuelle Diskussion über Maßstäbe der Wirtschafts-
und Sozialpolitik. In ihr sind zwei Begriffe in den Vordergrund getreten: Zukunftsfähigkeit
und Nachhaltigkeit. Es genügt nicht, das Handeln an den Bedürfnissen
von heute oder einer einzigen Legislaturperiode auszurichten, auch nicht allein
an den Bedürfnissen der gegenwärtigen Generation. Zu kurzfristigem
Krisenmanagement gibt es manchmal keine Alternative. Aber das individuelle und
das politische Handeln dürfen sich darin nicht erschöpfen. Wer notwendige
Reformen aufschiebt oder versäumt, steuert über kurz oder lang in
eine existenzbedrohende Krise.
(2) Die Kirchen treten dafür ein, daß Solidarität und Gerechtigkeit
als entscheidende Maßstäbe einer zukunftsfähigen und nachhaltigen
Wirtschafts- und Sozialpolitik allgemeine Geltung erhalten. Sie sehen es als
ihre Aufgabe an, in der gegenwärtigen Situation auf Perspektiven des christlichen
Glaubens für ein humanes Gemeinwesen, auf das christliche Verständnis
vom Menschen und auf unveräußerliche Grundwerte hinzuweisen. Solidarität
und Gerechtigkeit sind notwendiger denn je. Tiefe Risse gehen durch unser Land:
vor allem der von der Massenarbeitslosigkeit hervorgerufene Riß, aber
auch der wachsende Riß zwischen Wohlstand und Armut oder der noch längst
nicht geschlossene Riß zwischen Ost und West. Doch Solidarität und
Gerechtigkeit genießen heute keine unangefochtene Wertschätzung.
Dem Egoismus auf der individuellen Ebene entspricht die Neigung der gesellschaftlichen
Gruppen, ihr partikulares Interesse dem Gemeinwohl rigoros vorzuordnen. Manche
würden der regulativen Idee der Gerechtigkeit gern den Abschied geben.
Sie glauben fälschlich, ein Ausgleich der Interessen stelle sich in der
freien Marktwirtschaft von selbst ein. Für die Kirchen und Christen stellt
dieser Befund eine große Herausforderung dar. Denn Solidarität und
Gerechtigkeit gehören zum Herzstück jeder biblischen und christlichen
Ethik.
(3) Diese Hinführung faßt die Hauptgedanken des Wortes zusammen.
Sie tut das nicht in der Form einer Inhaltsangabe der einzelnen Kapitel, sondern
durch eine systematische, in 10 Thesen entfaltete
Darstellung: