6.4.2 Ermutigende Beispiele
(248.) So notwendig Informationen sind über den zuwandernden fremden Menschen und über Ursachen und Zusammenhänge von Migration und Flucht, so wird die Angst vor dem anderen und Fremden in der Regel nur überwunden, indem Einheimische und Fremde einander begegnen, miteinander arbeiten, miteinander Erfahrungen machen. Dann entdeckt der eine in dem anderen den Mitmenschen. Es gibt sehr viele ermutigende Beispiele eines solchen gelungenen Miteinanders. Solche ermutigenden Erfahrungen in der Öffentlichkeit ausdrücklich darzustellen - auch als Gegengewicht gegen die negativen Beispiele, die oft Schlagzeilen machen - ist ein wichtiger Beitrag zur Überwindung von Fremdenfeindlichkeit. In Gemeinden, in denen Fremde leben, gibt es viele Situationen und Probleme, die Christen mit Dialog und Hilfe aufgreifen können. Zur Konkretisierung sollen einige Beispiele aufgezeigt werden, die für viele stehen und die in vielen Gemeinden praktiziert werden:
(249.) Bei Sprachschwierigkeiten können "Sprachpartnerschaften" in vielerlei Formen eingegangen werden, wie Familieneinladungen zu gemeinsamen Unternehmungen, Sprachkurse, organisierte Nachhilfe für Schulkinder, Hausaufgabenhilfe sowie Betreuung von Kindern, die sonst ohne Aufsicht sind.
(250.) Fremde Jugendliche sind oft besonders verunsichert und neigen dazu, in ihrer Herkunftssprachgruppe unter sich zu bleiben: die Gemeinde kann ihnen Räume für einen Treffpunkt organisieren oder zur Verfügung stellen und die Begegnung mit Jugendgruppen und einheimischen Jugendlichen initiieren. Vor allem durch Angebote in der Freizeit, in der gemeinsamen Aktivität bei Sport, Musik, Spiel und Festen, zu denen Fremde partnerschaftlich und verantwortlich in die Planung einbezogen werden und mitwirken können, wird Begegnung vertieft und entstehen tragende Beziehungen.
(251.) Flüchtlinge stehen unter großer seelischer Belastung, denn sie haben zunächst wenig Zukunftsperspektiven und erfahren die Fremde doppelt schwer, da sie diese nicht freiwillig gesucht haben. Sie leben zwischen den beiden Welten des Hierseins und der erwünschten Rückkehr. Kontakte, die aus hilfreichen Begegnungen zu engeren Beziehungen führen, werden hier besonders als Zeichen der Menschlichkeit empfunden. So kann eine Gemeinde Beratungs- und Besuchsdienste aufbauen, die den Flüchtlingen Hilfe beim Zurechtfinden in unserer Welt anbieten, beim Gang zu den Ämtern oder beim Abfassen von Schreiben. Eine Anlaufstelle mit Sprechstunde für alle Anliegen und Nöte, die regelmäßig abgehalten wird, kann als organisatorisches Instrument ein Ansatz für viele menschliche Begegnung werden.
(252.) Asylbewerber, die meistens ohne Familie nach Deutschland kommen und alleinstehend und entwurzelt aus ihren sozialen Beziehungen hier leben, sind einsam und oft gesetzlich erzwungen ohne Beschäftigung. Mit ihnen kann Begegnung geschaffen und Dialog begonnen werden durch die Organisation von Treffpunkten oder die Bereitstellung von Materialien, um Beschäftigung zu ermöglichen.
(253.) Aussiedler, die endlich nach Deutschland kommen, haben eine schwierige Übergangsphase zu durchleben, bis sie sich ein neues Lebensumfeld geschaffen haben. Nicht selten finden sie Deutschland anders vor als sie es erwartet haben. Auch trifft sie oft die ganze Härte gesellschaftlicher Vorbehalte gegenüber Fremden. Darum empfinden sie in der Regel einen Besuchsdienst bei ihrem Zuzug und persönliche Kontakte zur Pfarrgemeinde in dieser Lebenssituation als besonders hilfreich. Sie erfahren dadurch ein Stück selbstverständlicher Gastfreundschaft. Wenn sich ihnen Gemeindemitglieder für die Orientierung in dem neuen Umfeld bei den kleinen und großen Problemen des Alltags (Behördengänge, Schule, Kindergarten, Ärzte, Einkauf etc.) begleitend zur Seite stellen, kann aus solchen Begegnungen ein gegenseitiges Kennenlernen und ein Weg des Miteinanders werden.
(254.) Die christlichen Gemeinden haben nicht selten auch die Möglichkeit, im kommunalpolitischen Bereich für die Erleichterung des Schicksals von zugewanderten Fremden einzutreten und konkrete Maßnahmen bei den Verantwortlichen für die Kommune in Politik oder Verwaltung anzustoßen.
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