Oekumenische Treffen: Global
Oekumenische Treffen: Weltregional und national
Oekumenische Treffen: Basisbewegung
UN Konferenzen
NGO Begleitkonferenzen
Bibliographie
House of Studies
Kunstgalerie
Home
   

4.2.3 Der Mensch als Mitmensch


(118.) Der Mensch ist von Gott, seinem Schöpfer, nicht als "Individuum", das sich selbst genügen könnte, ins Dasein gerufen, sondern ist offen für und angewiesen und bezogen auf den anderen Menschen, der ihm zum Mitmenschen wird.

(119.) Die soziale Dimension ist die Grundlage für die Bildung und Entstehung der gesellschaftlichen Lebenskreise. Die Menschen schließen sich zusammen, um gemeinsam Werte und Ziele in Zusammenarbeit zu verwirklichen. Die wichtigste Gemeinschaft, in die der Mensch hineingeboren wird und sich entfalten kann, sind Ehe und Familie. Als gesellschaftlich anerkannte und rechtlich verbürgte Institutionen gewährleisten sie das vertrauensvolle Zusammenleben von Mann und Frau, die menschenwürdige Weitergabe des Lebens und die Erziehung und das Hineinwachsen der jungen Menschen in die Gesellschaft. Hier kommen die Anlagen und Fähigkeiten im Miteinander zur Entfaltung, hier können das Bewußtsein um die Würde, um die Rechte und Pflichten, auch um die vielfältige Verantwortung wachsen.

(120.) Über das Miteinander in Ehe und Familie hinaus gibt es das soziale Zusammenwirken der Menschen in vielen Bereichen: in der Wirtschaft, bei der Schaffung der Systeme der sozialen Sicherheit, in Schule und Bildung, im Sport und in der Freizeit, in der Kirche, im Staat und in der Völkergemeinschaft. Immer geht es um die Verwirklichung von gemeinsamen Zielen und Zwecken. Sie wird ermöglicht durch soziale Strukturen, die der Zusammenarbeit Festigkeit und Stetigkeit geben. Ohne derartige Strukturen würden die gemeinsamen Ziele und Werte nicht oder nicht in der erforderlichen Weise erreicht. Auch können die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Strukturen durch Egoismus und gemeinwohlschädliche Denk- und Verhaltensweisen gefährdet werden; sie können gleichfalls an Kraft verlieren, wenn gewandelte Verhältnisse nicht berücksichtigt werden und zu Privilegierungen führen.

(121.) In der biblischen Erzählung von der Erschaffung der Welt wird veranschaulicht, wie die Welt von ihrer Ordnung her nach dem Willen Gottes sein soll und wie den Menschen das Leben in der Welt gelingen kann. Daß die Welt und das Miteinander der Menschen nicht so sind, wie sie sein sollten, gehört zur Lebenserfahrung der Menschen. Natürliche Lebenszusammenhänge unter den Menschen wie auch unter den Völkern sind gestört. Notwendige Lebensordnungen sind nicht nur zufällig einmal, sondern dauernd gefährdet, so daß sich der Mensch in seinem Leben bedroht fühlt und bis in die Mitte seines Lebens verstört ist und Angst hat.

(122.) Die Bibel weiß darum und bezeichnet die Mächte der Lebensstörung und -zerstörung mit dem Wort Sünde. Sünde und Tod gehören eng zusammen. Die Sünde kann viele Namen haben. Letztlich läßt sie sich zurückführen auf eine Überheblichkeit, in der sich das Geschöpf über den Schöpfer stellt. Sie liegt aber nicht nur im individuellen Fehlverhalten, sondern zeigt sich auch in zerstörerischen Strukturen von Machtmißbrauch und Ungerechtigkeit. In unserem Zusammenhang von Migration sind unter anderem zu nennen: totalitäre Systeme, nationalistische Ideologien, Absolutheitsansprüche gegenüber Minderheiten, Armutsgefälle, unsoziale Wirtschaftsordnung und Kriege.

weiter


powered by <wdss>

© 2001 by Stiftung Oekumene | eMail: ECUNET@t-online.de | Druckversion

^