6. Grundsätzliche Aussagen, praktische Verpflichtungen, Empfehlungen und Ausblicke auf die Zukunft - Aussagen und Verpflichtungen
70. Die Europäische Ökurnenische Versammlung Frieden in Gerechtigkeitstellt
einen Schritt in einem Prozeß dar. Sie ist nicht der Prozeß
selbst. Wir betonen, daß wir als europäische Kirchen und Christen
in unserem gemeinsamen Reden und Handeln für Gerechtigkeit, Frieden und
Bewahrung der Schöpfung den größtmöglichen Konsens anstreben.
71. Als Delegierte der europäischen Kirchen verpflichten wir uns
dazu, in unseren Kirchen und Gesellschaften für Gerechtigkeit, Frieden
und Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Wir fordern die Kirchen in Europa
auf, in ihren jeweiligen Ländern und weltweit ebenso zu handeln. Zu dieser
Verpflichtung gehören persönliche Erneuerung und die Veränderung
der Strukturen als zwei Seiten derselben Medaille.
72. Als Delegierte aus europäischen Kirchen und im Gehorsam gegenüber
dem Evangelium:
- betrachten wir es als Skandal und Verbrechen, daß jährlich
Millionen von Menschen in einer Welt verhungern, die genügend Güter
hat und genug Nahrungsmittel für alle haben könnte;
- verpflichten wir uns, unsere Ressourcen miteinander zu teilen;
- verpflichten wir uns, bevorzugt für die Armen, Unterdrückten
und Machtlosen einzutreten.
Wir werden uns für eine neue Weltwirtschaftsordnung einsetzen.
73. Wir betrachten es als Skandal und Verbrechen, wie Menschenrechte
verletzt werden. Die Menschen sind nach Gottes Bild geschaffen und haben ein
unveräußerliches Recht auf die Grundgarantien des Lebens. Wir
verpflichten uns, gegen alle Menschenrechtsverletzungen und die ihnen Vorschub
leistenden sozialen Strukturen zu kämpfen. Wir betrachten es als äußerst
dringend, die Menschenwürde aller während des ganzen Lebens zu
schützen, besonders wenn es am verwundbarsten ist, d. h. an seinem Anfang
und an seinem Ende, in Krankheit und bei Ausschluß aus der menschlichen
Gemeinschaft. Jegliche Diskriminierung aufgrund von Klasse, Rasse, Geschlecht,
Glaubensüberzeugung sowie jede erzwungene Trennung von Familien verletzt
die Würde des Menschen zutiefst. Wir verwerfen unter allen Umständen
Folter und Todesstrafe. Wir wollen alles in unsere Kraft Stehende tun, damit
alle Abkommen über Menschenrechte Anwendung und Durchführung finden.
74. Wir betrachten es als Skandal und Verbrechen, daß der Schöpfung
weiterhin nicht wiedergutzumachende Schäden zugefügt werden. Wir erkennen,
daß eine neue partnerschaftliche Beziehung zwischen dem Menschen und der
übrigen Natur nötig ist. Wir verpflichten uns, bei der Lösung
unserer Probleme nicht mehr auf Kosten anderer zu handeln oder neue Probleme
zu verursachen. Unser Ziel ist eine internationale Umweltordnung.
75. Wir betrachten es als lebenswichtig für die Menschheit, den
Krieg als Institution abzuschaffen und die auf Massenvernichtungswaffen
gestützte Abschreckung zu überwinden. Wir empfinden es als eine
Notwendigkeit, die Welt fortschreitend von allen Massenvernichtungswaffen zu
befreien. Wir verpflichten uns zu einer gewaltfreien Beilegung von Konflikten
in der ganzen Welt. Wir wollen zum Aufbau einer internationalen Friedensordnung
beitragen. Insbesondere müssen wir gemeinsam konkrete Abkommen eingehen,
welche die Grundlage für eine internationale Friedensordnung bilden.
76. Wir betrachten es als lebenswichtig zu erkennen, daß die Schätze
dieser Erde mit den kommenden Generationen und dem zukünftigen Leben zu
teilen sind. Deshalb verpflichten wir uns zu einem neuen Lebensstil in unseren
Kirchen, Gesellschaften, Familien und Gemeinden.
77. Als Christen leben wir in Gottes Bund mit uns und der ganzen Schöpfung.
Wir gehören alle zu dem einen Leib Christi. Weil Gott unsere Herzen und
Gedanken verändert, schließen auch wir als Christen einen Bund
untereinander. Ihm, unserem Gott sind wir zur vorrangigen Treue verpflichtet.
Alle anderen Loyalitäten (gegenüber Staat, Kultur oder sozialer Gruppe
usw.) sind demgegenüber zweitrangig. Hier liegt der Grund für
unser Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
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