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3. Unser gemeinsamer Glaube - Das Evangelium des Friedens


28. Aufgrund dieses Glaubens verkündigen wir das Evangelium des Friedens. Im Neuen Testament wird die Frohe Botschaft von der Offenbarung Gottes an die Menschheit und der Erlösung durch Jesus Christus "Evangelium des Friedens" genannt (Eph 6,15). Friede mit Gott ist die Quelle wahren und echten Friedens unter den Menschen. Jesus Christus ist das Fundament für die Wiederherstellung der Gemeinschaft unter den Menschen. Was er den Jüngern sagte, gilt auch uns: "Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch" (Joh 14,27).

29. Der Begriff Friede (Schalom) hat eine zentrale Stellung im Alten Testament. "Schalom" hat eine viel umfassendere Bedeutung, als wir heute mit dem Wort "Frieden" verbinden. Er bedeutet Harmonie und Ganzheit und schließt Gesundheit und die volle Entfaltung als Person ein. Er umfaßt alle Lebensbereiche persönliches Leben und das der Familie sowie den Bereich der Gesellschaft auf nationaler und internationaler Ebene. Er ist weit mehr als die begrenzte politische Sicherheit, die man heute oft Frieden nennt. Vielmehr weist Schalom auf jene göttliche Realität, die die Gaben von Gerechtigkeit, Frieden und Unversehrtheit der Schöpfung in ihren wechselseitigen Beziehungen umfaßt. Für den Propheten Jesaja ist ein Friede, der diesen Namen verdient, nicht zu trennen von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit (Jes 9,6); und der zukünftige Friedenszustand des Volk wird vom Frohlocken und Blühen des dürren Landes und der Wüste begleitet (Jes 35,1-2). Daher überrascht es nicht, daß Schalom der charakteristische Begriff ist, mit dem die messianischen Verheißungen beschrieben werden.

30. Diese messianischen Verheißungen wurden durch unseren Heiland und Erlöser Jesus Christus erfüllt, der den neuen und ewigen Bund mit der Menschheit geschlossen hat: Er ist unser Friede. Der Bund geht von Gott aus, aber er hat zwei Seiten: Gott lädt die Menschen ein, in Gemeinschaft mit ihm und in Gemeinschaft untereinander zu leben. In seiner Barmherzigkeit erlaubt uns Gott, seine Partner und Mitarbeiter zu sein.

31. Der Gott der Gerechtigkeit: Wir bekennen, daß Gott der Schöpfer und Gott der Befreier gleichzeitig der Gott der Gerechtigkeit ist. Wir werden von dem gnädigen Gott in Jesus Christus gerechtfertigt und aufgerufen, für seine Gerechtigkeit zu wirken. Im Alten Testament wird immer wieder die Forderung nach Gerechtigkeit betont. Ihr herausragendes Kennzeichen ist Sorge und Schutz für die Armen und die Fremdlinge, Verteidigung und Förderung ihrer Rechte und das Miteinanderteilen als Grundsatz und praktisches Handeln. Die prophetische Botschaft von der Gerechtigkeit ist der Auftrag, Ungerechtigkeit in Strukturen und Verhaltensformen überall und von Grund auf zu verändern. Wir müssen auch bedenken, daß in der Tradition des Glaubens, wie er durch das Alte Testament bezeugt wird, Jesus selbst seine messianische Berufung als Sendung zur Rettung aller, zur Befreiung der Armen, Leidenden und Unterdrückten verstanden und gelebt hat. "Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe" (Lk 4,18-19 nach Jes 61,1-2). Diese Befreiung bricht bereits in der Gegenwart an und findet in der Auferstehung ihre Vollendung (1 Kor 15,42-57). Die prophetische Botschaft von der Gerechtigkeit wird im Neuen Testament aufgegriffen und weitergeführt in den beiden Seligpreisungen, die auf Gerechtigkeit bezogen sind (Mt 5,6 und 5, 10), und in dem Wort von der besseren Gerechtigkeit (Mt 5,20) in der Bergpredigt.

32. Der Gott des Friedens und der Versöhnung: Versöhnung mit Gott gehört wesentlich zum Evangelium des Friedens (Röm 5, 1). Die Kirche ist berufen, Zeugnis von Gottes Versöhnung zu geben. Weil Christus uns Versöhnung gebracht hat, sollen wir Botschafter der Versöhnung in der Welt sein. "Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile - Juden und Heiden - und riß durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder" (Eph 2,14). Die gnädige Liebe Gottes, der sündigen Menschen vergibt, ist die Grundlage unserer Liebe zu Freund und Feind gleichermaßen. Nach dem Evangelium schließt das Streben nach Frieden Kampf, Leiden und aktiven Widerstand ein. Wirklichen Frieden gibt es nicht ohne Gerechtigkeit. Frieden und Gerechtigkeit müssen in ihrem Verhältnis zueinander verstanden und ausgelegt werden. Wenn die Propheten so nachdrücklich auf Gerechtigkeit bestehen, dann wollen sie uns warnen, vor der Ungerechtigkeit zu kapitulieren oder Kompromisse mit ihr einzugehen; sie wollen uns warnen vor der Passivität, die im Grunde Feigheit oder Komplizenschaft ist oder der Erhaltung unseres eigenen Friedens auf Kosten anderer dient, besonders auf Kosten der Schwachen, die keine Macht haben und kein Gehör finden, um ihre Würde und Rechte zu verteidigen. Als Christen glauben wir, daß wahrer Friede gewährt wird, wenn wir den Weg mit Christus gehen, auch wenn wir oft davor zurückschrecken, ihm bis ans Ende zu folgen. Seine Absage an Gewalt fließt aus der Liebe, die sogar den Feind sucht, um ihn zu verwandeln und sowohl Feindschaft wie Gewalt zu überwinden. Diese Liebe ist bereit, in aktiver Weise zu leiden. Sie entlarvt den ungerechten Charakter des Gewaltaktes, zieht jene zur Rechenschaft, die Gewalt anwenden, und zieht den Feind in eine Beziehung des Friedens hinein (Mt 5,38-48; Joh 18,23). Jesus stellt den Weg der Gewaltlosigkeit unter die Verheißung einer friedlichen Erde (Mt 5,5). Auch wenn wir das Problem der Selbstverteidigung und die Pflicht des Staates zum Schutz seiner Bürger anerkennen, sind wir immer noch konfrontiert mit Leben, Lehre und Vorbild Jesu Christi.

33. Der Gott der Schöpfung: Wir bekennen abschließend, daß Gott der Schöpfer alle seine Geschöpfe erhält und liebt. Deswegen haben sie alle ein fundamentales Recht auf Leben. Er hat dem Menschen eine besondere Stellung in der Schöpfung zugedacht: "Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte" (Gen 2,15 und 1,28). In Gottes Schöpfung sollen wir Haushalter sein. Haushalterschaft ist nicht Besitz. Gott der Schöpfer bleibt allein im Vollsinn des Wortes Eigentümer der ganzen Schöpfung. Im Psalm heißt es: "Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Ströme befestigt" (Ps 24,1-2). Wenn wir die besondere Stellung des Menschen als des privilegiertesten unter allen Geschöpfen richtig verstehen wollen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß die ganze Schöpfung zur Ehre Gottes bestimmt ist. Hierin liegt auch die grundsätzliche Bedeutung des Sabbats (Gen 2,3). Nicht die Menschheit, sondern Gott ist Anfang, Mitte und Ziel seiner ganzen Schöpfung und aller Geschichte: "Ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung" (Offb 1,8).

34. Damit muß die in den letzten Jahrhunderten vorherrschende Ethik neu, durchdacht werden, die - im Gegensatz zur wahren Bedeutung des Wortes Gottes - der Menschheit gestattete, sich die Schöpfung für ihre eigenen Zwecke "untertan" zu machen. Statt dessen sollten die Menschen Haushalter im Dienste Gottes und der Schöpfung sein. Deshalb sind wir im Gehorsam gegenüber Gott zur Erhaltung und Förderung der Integrität der Schöpfung zum Wohle zukünftiger Generationen verpflichtet. Als wahrhaftiges Bild Gottes und Herr der Schöpfung zeigt Christus uns den Weg zur Erfüllung unserer Sendung, Gottes Schöpfungsplan zu gehorchen.


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