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3. Unser gemeinsamer Glaube - Die Grundlage unserer Verantwortung


21. Unser Leben verdanken wir Gott dem Schöpfer, dem dreieinigen - Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist -, der sich in seiner Barmherzigkeit in Jesus Christus der Menschheit offenbart hat. Ungeachtet der fortdauernden konfessionellen Unterschiede teilen wir alle diesen Glauben.

22. Mit der Vollendung seines Schöpfungswerkes hat Gott vollkommene Liebe bewiesen. "Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe: Es war sehr gut" (Gen 1,31). Gott hat uns alle als einmalige menschliche Wesen nach seinem Bild, als Brüder und Schwestern, als Teil der gesamten Schöpfung und in enger Abhängigkeit von ihr geschaffen. Gott hat uns zu einem Leben in Liebe berufen und Beziehungen und Strukturen der Liebe unter uns eingesetzt. Die menschliche Gemeinschaft soll ein Abbild der unendlichen Liebe sein, welche die drei göttlichen Personen in der Trinität verbindet; deshalb sollte sie eine "koinonia" (Gemeinschaft) der Liebe sein. Die Heiligkeit der menschlichen Person nimmt einen zentralen Platz im Geheimnis der "oikonomia" (Erlösungsordnung) ein. Der Schöpfer "setzte den Menschen auf der Erde ein, gleichsam eine zweite Welt, eine große in der kleinen, einen anderen Engel, einen Anbeter aus Körper und Geist vollkommen eingeweiht in die sichtbare Schöpfung, aber nur teilweise in die geistige; König über das, was auf der Erde ist, aber selber unter der Königsherrschaft von oben; ein lebendiges Geschöpf, das hier geleitet und dann an einen anderen Ort versetzt wird; und, um das Geheimnis zu vollenden, vergöttlicht durch seine Hinneigung zu Gott" (Gregor von Nazianz, or. 45,7). Die Schöpfung ist gegründet und wird zusammengefaßt in der Fleischwerdung des Logos Gottes und der Vergöttlichung der Menschheit, Christus machte "aus dem alten Menschen einen neuen" (Hippolyt, ref. haer. 10,34).

23. Wie die ganze Menschheit schon im ersten Adam existierte, so wird sie in gleicher Weise zusammengefaßt im zweiten Adam, unserem Herrn Jesus Christus. Für uns Christen gibt es nur "eine einzige Menschheit, nämlich das ganze Menschengeschlecht" (Gregor von Nazianz, or. 31,15)

24. Aber wir haben gegen den Plan Gottes gesündigt. Der Sündenfall (Gen 3) führte zum Verlust des göttlichen Friedens und der Gerechtigkeit für alle Menschen und brachte Leid und Schaden über die ganze Schöpfung. Durch den Verlust des göttlichen Friedens und der Gerechtigkeit wurden die, menschlichen Beziehungen zerstört, wie man an der Geschichte vom Mord an Abel (Gen 4,18) sehen kann. Dadurch wurde nicht nur die menschliche Gemeinschaft gestört, sondern es hatte auch Folgen für Gottes Schöpfung: "Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen", sagt Gott zu Kain (Gen 4,12).

25. Aus dem Zeugnis der Bibel wissen wir, daß Gott der Menschheit treu geblieben ist, obwohl sie sich von der Quelle allen Lebens abgewandt hatte. Immer wieder ist Gott bereit, aufs neue mit der Menschheit den Bund zu schließen und neue Hoffnung zu geben. Dabei ist von einer Reihe von Bundesschlüssen die Rede, von Noach (Gen 9) über Abraham (Gen 15) bis zu Mose und dem Volk Israel. Gott sucht die Gemeinschaft mit den Menschen. Um aber wirklich ein Leben in Fülle leben zu können, muß auch das Volk Gott gegenüber treu sein. Aus der Heilsgeschichte erfahren wir jedoch, daß es bereit war, den Bund durch Ungehorsam gegenüber dem Schöpfer zu brechen. Unrecht und Unredlichkeit herrschten unter ihnen (Jes 1,4). Propheten mußten ausgeschickt werden, um das Volk auf die Wege Gottes zurückzuführen und ihre Herzen und Gedanken zu ändern.

26. Der endgültige Bund Gottes mit der Menschheit wurde in Jesus Christus eingesetzt, durch ihn wurde die Versöhnung der Menschheit mit ihrem Schöpfer vollbracht: "Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut" (Kol 1, 19-20). In Christus, seiner Kreuzigung und Auferstehung, steht der gefallenen Menschheit der Weg offen, den Frieden mit Gott und untereinander zu empfangen (Joh 14,27), die göttliche Gerechtigkeit wiederzuerlangen (Mt 6,33) und schließlich mit der ganzen Schöpfung erlöst zu werden, wie der Apostel Paulus sagt: "Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden" (2 Kor 5,17). An die ganze Schöpfung ist die Verheißung gerichtet, daß Gottes Schöpfertätigkeit noch nicht beendet ist. Er übt seine Schöpferkraft weiterhin überall auf der Welt aus, wie Jesus sagt: "Mein Vater ist noch immer am Werk, und auch ich bin am Werk" (Joh 5,17).

27. Die Versöhnung in Jesus Christus öffnet uns den Weg zum ewigen Leben. Wenn Gottes Reich, das "Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist" (Röm 14,17) ist, anbricht, wird die Fülle seines Segens offenbar werden. Gemeinsam mit der ganzen Schöpfung warten wir, daß diese zukünftige Herrlichkeit offenbart werde, und wir wissen, daß erst dann unser jetziger sündiger Zustand endgültig überwunden sein wird. Aber wir wissen auch, daß diese Zukunft bereits hier und jetzt in unserem Leben auf Erden begonnen hat. Deshalb ist es die höchste Bestimmung des Menschen, hier und jetzt Gottes Frieden und Gerechtigkeit zu suchen - im Bewußtsein unserer Solidarität mit der ganzen Schöpfung Gottes.


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