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Verschmutzung der Meereslebensräume


I. Präambel

1. Die Umweltverschmutzung aus uns bekannten und unbekannten Ursachen setzt sich weltweit fort und führt zur stetigen Zerstörung der Ökosysteme an den Küsten und in den Ozeanen. Über 80% der marinen Umweltverschmutzungen haben ihren Ursprung auf dem Land und werden hauptsächlich von Industrie, Landwirtschaft und den Städten verursacht.

2. Der kontinuierliche Zufluß von Industrieabwassern, einschließlich der PVC-Rückstände, Schwermetalle und anderer Gifte und die indirekte Zufuhr von Nitraten, Phosphaten und Pestiziden führen zu giftigen Ansammlungen in den Nahrungsketten der Meere. Die exzessive Bebauung und Besiedlung der Küsten geht in vielen Teilen der Erde ununterbrochen weiter und die Entrophierung hat damit die Reduzierung der natürlichen Meeresressourcen zur Folge.
Die radioaktive Verseuchung aus einer Reihe unterschiedlicher Quellen und das zunehmende Problem der Plutoniumbildung in einigen Segmenten der Flußmündungsgebiete sind ebenfalls Gründe zu ernsten Befürchtungen.
Die betriebsmäßige, vorsätzliche, aber auch unfallbedingte Verschmutzung der Meere durch Schiffe oder Bohrfelder geht mit oft katastrophalen Konsequenzen weiter.

3. Auch durch die Atmosphäre nehmen die Weltmeere Schmutzstoffe auf, wenn auch das Wissen über diese Prozesse und ihre Ausmaße, und das Verständnis über die physikalische Interaktion zwischen den Ozeanen und der Atmosphäre bislang noch unzureichend sind.

4. Die Gemeinschaft der regierungsunabhängigen Organisationen (NROs) erkennt, daß die oben aufgeführten Ursachen für die Verschmutzung der Meere schwerwiegende Gefahren für die Gesundheit nicht nur der Menschen, sondern für alle marinen Lebewesen und deren Lebensräume aufwerfen. Sofortige Maßnahmen zur Verringerung dieser Ursachen müssen getroffen werden, wenn wir unsere Ozeane, ihre Lebewesen und letzlich auch uns selbst retten wollen.

II. Prinzipien

5. In Übereinstimmung mit dem Seerechtsabkommen der Vereinten Nationen und anderen globalen und regionalen Bestimmungen, haben alle Staaten die grundsätzliche Pflicht, der Verschmutzung der Meere Einhalt zu bieten und diese zu kontrollieren.

6. Das "Verursacher zahlt" - Prinzip wird zunehmend weltweit anerkannt und sollte deshalb in internationalen und nationalen Gesetzen und Regelungen eine größere Beachtung finden.

7. Das "Vorbeugungsprinzip" fordert vorausschauende, prophylaktische Handlungsweisen besonders im Umgang mit giftigen, dauerhaften, nicht abbaubaren und bio-akkumulativen Substanzen. Dies Prinzip sollte in nationalen und internationalen Gesetzgebungen und Regelungen klar zum Ausdruck gebracht werden.

8. Neben den Staaten sollte auch den NROs erlaubt werden, an internationalen Umwelttribunalen (Gerichtshöfen für Umweltbelange) mitzuwirken, um dort die Interessen der Opfer von Umweltschäden zu vertreten und dafür zu sorgen, daß Hilfen und angemessene Entschädigung für sie bereitgestellt werden.

III. Aktionsplan

9. NROs sollten darauf bestehen, daß die Industrien ihre Abfalldeponierungspraktiken (Abfall- und Rückständeentsorgungsverfahren) einer Überprüfung unterziehen und auf eine drastische Reduzierung oder soweit wie möglich die Vermeidung umweltgefährdender Abfallbeseitigungsverfahren ausrichten.
Die NROs fordern nationale und internationale Autoritäten dazu auf, die Aktivitäten zu reglementieren und strikte Umweltgesetze und Richtlinien festzulegen und durchzusetzen, die sich auf das Vorbeugungsprinzip und das "Verursacher zahlt" - Prinzip begründen.
10. Die NROs sollen untersuchen, in welcher Weise vermehrt ökologisch tragbare, biologisch abbaubare und organische Stoffe eingesetzt werden können, sodaß eine Reduzierung und weitestmöglichste stufenweise Ausschaltung der derzeitig noch benutzten nicht- biologisch abbaubaren chemischen Substanzen erreicht wird.

11. Die NROs vertreten den Standpunkt, daß Abfallstoffe bei einer vernünftigen Behandlung und Handhabung auf nutzvolle Weise für landwirtschaftliche und industrielle Zwecke wiederverarbeitet werden können.

12. Die NROs sollten die Mitglieder der Vereinten Nationen zur Ausarbeitung und Ratifizierung eines Abkommens gegen grenzüberschreitende Verschmutzungen bei gleichzeitiger Festlegung gesetzlicher Haftverpflichtungen auffordern und sie diesbezüglich unterstützen, sodaß von grenzüberschreitender Umweltverschmutzung betroffene Länder für Verluste und Rekultivierungen entschädigt werden.

13. Die NROs fordern die UNEP auf, Untersuchungen über die regionale und weltweite Anhäufung von Giftstoffen in Meereslebensräumen sowohl in nationalen Hoheitsgewässern als auch in internationalen Gewässern durchzuführen. Weiterhin sollte die UNEP in Zusammenarbeit mit den NROs weltweite Listen der dauerhaften Giftstoffe aufstellen, die nicht in die Meeresgewässer entladen werden dürfen.
Zu diesem Zweck sollte die UNEP einen Vertrag in ihren Mitgliedsstaaten ausarbeiten, in dem ein Verbot für das Ablassen von langlebigen, giftigen Chemikalien, die sich in den Meereslebewesen ablagern, durchgesetzt wird.

14. Die NROs sollten die UNEP auffordern, durch ihr regionales Seeprogramm (Regional Sea Program) ihre Anstrengungen in Richtung auf die Verwirklichung regionaler Übereinkünfte und Verwirklichung regionaler zur Begrenzung von marinen Verschmutzungen und deren Quellen anzugehen.

15. Die NROs sollten die GEF (Global Environmental Facility) auffordern und unterstützen, die entsprechenden regionalen und nationalen Regierungsorgane und regierungsunabhängigen Organisationen bei der Kontrolle der marinen Umweltverschmutzung in den ander OEF beteiligten Ländern zu unterstützen.

16. Die NRO sollten die Regierungen der Länder auffordern und unterstützen, marine Ökosysteme und Flußsysteme, die in Meergewässer münden, mit Richtlinien zu belegen und Kontrollen in Hinblick auf langlebige giftige Substanzen vorzunehmen, die auf die Erreichung von Nullwerten abzielen.

17. Die NROs sollten die Regierungen zu der Entwicklung und Durchführung von Plänen zur Reduzierung von nicht erkennbaren Verschmutzern der marinen Umwelt auffordern und daran mitarbeiten.

18. Die NROs müssen auf die Staaten Druck ausüben, deren Industrien Abfallstoffe zwecks Entladung in die Gewässer anderer Nationen exportieren und den sofortigen Stopp solcher Aktivitäten verlangen.

19. Die NROs sollten innovative Ideen für die Wiederverwendung und das Recycling von Abfallstoffen entwickeln und verbreiten.

Umweltverschmutzung durch Schiffe

20. Die NROs fordern die Regierungen dazu auf, internationale Abkommen und Gesetzgebungen in Hinblick auf Umweltverschmutzung durch Schiffe einzuführen und deren Befolgung sicherzustellen.
Die NROs verlangen besonders nachdrücklich von den Küstenstaaten, daß sie den Bestimmungen von MARPOL 73/78 entsprechend ihrer Verpflichtng zur Einrichtung von Hafenanlagen, nachkommen. Die NROs fordern weiter, daß die Entwicklungsländer in diesen Prozessen von den Industrienationen unterstützt werden.

21. Die NROs sollten die Staaten auffordern, an einer rigorosen Kontrolle und Einhaltung der Bestimmungen von MARPOL bei Schiffen mitzuarbeiten, die unter ihrer registrierten Flagge fahren und ihrer Gerichtsbarkeit unterstehen, wenn sie in einheimischen Besitz sind oder ihre Häfen anlaufen.
Die NROs sollten dabei folgende Punkte berücksichtigen:

a. Aufstellung eines "Verschmutzerregisters" der Schiffe, von denen bekannt ist, daß sie Abfallstoffe in die Meere entladen und damit den MARPOL-Bestimmungen zuwiderhandeln.<

Beginn einer Informations- und Erziehungskampagne für Seefahrer und Deckoffiziere mit dem Ziel, verantwortlichen Umgang mit Abfallstoffen an Bord zu fördern.

b. Die NROs sollten die IMO zur Entwicklung internationaler Gesetze für die Regelung von Aktionen zur Verminderung der marinen Umweltverschmutzung in internationalen Gewässern auffordern und sie in dieser Arbeit unterstützen.

22. Die NROs sind gegen Hochseeöl- und Gasbohrungen in solchen Meeresgebieten, in denen diese Aktivitäten ein unmittelbares Risiko für das lokale marine Ökosystem darstellt. Dort, wo Hochseebohrungen bestehen, müssen die Regierungen verlangen, daß vorbeugende Maßnahmen gegen jeglichen Abfluß umweltgefährdender Substanzen getroffen werden und sichergestellt wird, daß sowohl die Bohrungen als auch die Produktion den höchsten Umweltstandards entsprechen.

23. Die NROs drängen die Verantwortlichen der atomgetriebenen Schiffe, die Menge und Zusammensetzung der radioaktiven Stoffe bekanntzumachen. Die Unfälle solcher atomgetriebenen Schiffe oder ihrer Reaktoren müssen den selben Bestimmungen wie bei Nuklearanlagen an Land unterliegen und gemeldet werden.

Verschmutzungen aus der Luft

24. Die NROs fordern nationale und internationale wissenschaftliche Institute auf, Modelle für ein besseres Verständnis der Transportprozesse von Luftverschmutzungen und der Interaktion zwischen den Ozeanen und der Atmosphäre zu entwickeln.

25. Die Weltbank, UNEP, die weltweite meteroologische Organisation und das internationale Ozeanographische Institut sollten ihre Mitgliedsstaaten bei Untersuchungen über die Folgen der konventionellen Luftverschmutzungen und der globalen atmosphärischen Veränderungen auf marine Lebewesen und Ökosysteme unterstützen und bereits vorhandene Untersuchungen in den von diesen Verschmutzungen gefährdeten Ländern bekannt machen.

IV.Verpflichtungen

26. Die Einrichtung regionaler, von internationalen NROs unterstützter Arbeitsgruppen für den Austausch von wissenschaftlichen Informationen und Vorgehensweisen im Umgang mit Umweltproblemen.

27. Der Aufbau eines elektronischen Netzwerkes für diesen Informationsaustausch. Dies sollte von den NROs organisiert werden, die über Computer Know-how verfügen und andere NRO in unterentwickelten Ländern unterstützen können.

28. Die Ausarbeitung eines vollständigen Verzeichnisses der NROs mit den Namen der Kontaktpersonen, ihren Interessengebieten und ihrem speziellen Wissensstand.
Die Auflistung sollte sich nach Regionen ordnen, um regionale Zusammenkünfte und Treffen zu fördern.

29. Herausgabe einer Zeitschrift der an diesem Vertrag beteiligten NROs mit dem Ziel, sich gegenseitig über ihre Aktionen in Zusammenhang mit der Verwirklichung dieses Vertrages zu informieren.

V.Unterschriften


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