Vertrag zur Nuklearen Frage
1. Seit 1945, als der Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki der Welt die technische Möglichkeit der Kernspaltung vor Augen führte, wurde die Menschheit gezwungen, mit der konkreten Gefahr der vollkommenen Zerstörung zu leben. 2. Die Völker des Pazifiks wurden Bombardierungen in Form von Atomtests ausgesetzt, die ernste Folgen für ihr Leben und das der zukünftigen Generationen haben. Naturvölker in den USA und die Bevölkerungen der Atomtestgebiete in der ehemaligen UDSSR haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. 3. Mit dem Ende des kalten Krieges, wurde das atomare " Gleichgewicht des Schreckens" von dem Verlust der Kontrolle über diese Waffenarsenale abgelöst, besonders in den osteuropäischen Ländern. Auch andere Länder, denen der Zugang zum "Atomclub" bis dahin verschlossen war, entwickelten nukleare Programme für Kriegszwecke. Die Militärs verfügen auch heute noch über komplexe industrielle Nuklearanlagen ohne Beispiel. 4. Die nukleare Aufrüstung dehnt sich auch auf die Erzeugung elektrischer Energie aus. Diese Produktion wird nicht durch die reelle Notwendigkeit des Energieverbrauches "reguliert", sondern ist stattdessen für die Sicherung des Verbrauchs energieintensiver Industrien und für die programmierte Verwendung in den Großstädten bestimmt. 5. Die nukleare, von Elektrounternehmen gestützte Energieerzeugung produziert pro Jahr 10.000cbm hochradioaktive Rückstände und 2oo.ooocbm Rückstände mit mittlerer oder geringer Strahlungsintensität. Dazu kommen noch atomare Abfälle aus den Brennstoffen der Reaktoren (s. Agenda 21). 6. Die Bevölkerungen vieler Länder der nördlichen Hemisphäre, die sich der Gefahren und Risiken bewußt sind, (besonders nach den Unfällen auf Tree Miles Island und Tschernobyl), haben sich daher entschieden, die nukleare Energiegewinnung einzustellen. Trotzdem fahren diese Länder fort immer mehr Energie zu konsumieren. Produkte dessen Herstellung energieintensiv ist, versucht der Norden in den Dritte-Welt Ländern zu produzieren. 7. Energietransfers beweisen, daß arme Länder trotz des geringen Energieverbrauchs ihrer Bevölkerungen zu Deponien für Tausende von Tonnen radioaktiven Mülls unterschiedlicher Strahlungsintensität werden. 8. Der Energiebedarf der armen Bevölkerungen in der Dritten-Welt kann und soll nicht durch konzentrierte Stromerzeugungsquellen, wie es die Wasserkraft oder Kernkraft sind, abgedeckt werden. 9. Die schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt und das soziale Umfeld, die Unfallrisiken und radioaktive Abfälle belasten die energieproduzierenden Länder, obwohl die Energie nicht von ihren eigenen Bevölkerungen verbraucht wird. 10. Plutonium kann in reichlichen Mengen hergestellt werden, sofern sich die Menschen der Industriegesellschaften daran gewöhnen "in Polizeistaaten zu leben" was durch die absurden Schwierigkeiten der Handhabung dieser schrecklichen Energiequelle unvermeidbar ist. Alternativen die Nukleargefahren zu beseitigen11. NROs, die sich mit nuklearen Fragen auseinandersetzen, sind während der UNCED Konferenz in Rio de Janeiro zusammengekommen und haben als Teilnehmer des internationalen Forums der NRO und sozialen Bewegungen die folgenden Alternativen, gegen die nukleare Bedrohung aufgestellt, mit der alle Menschen leben müssen: b. Weltweiter Abbau der bestehenden Atomwaffenarsenale und Einstellung ihrer Produktion sowie Verhinderung der Nuklearisierung der Streitkräfte in der Dritten-Welt. c. Ausfuhrverbot für Produkte und Technologien, die für den Aufbau nuklearer Artefakten oder für militärische Zwecke benutzt werden können. d. Verbot des gegenwärtig bei Kriegsschiffen und militärischen Satelliten benutzten Nuklearantriebes. e. Sofortige Aufgabe des Plutoniumzyklus und jeglicher Handhabung dieses Elementes für militärische oder energetische Zwecke. f. Einstellung der gegenwärtigen Programme für nukleare Stromerzeugung und internationale Hilfe für Länder, die sich von diesen Energien abhängig gemacht haben, durch Neueinschätzung und Umgestaltung des Energiebedarfes. g. Umwandlung nuklearer Anlagen und deren Industriezweige und konsequentes Recycling ihrer Anlagen für sozial nützliche Aktivitäten mit der Beschäftigung ihrer Angestellten gemäß ihren Fähigkeiten. h. Öffentliche Überwachung nuklearer Tätigkeiten einschließlich der Unternehmerbilanzen, der Sicherheitsnormen und der Strahlung. i. Öffentliche Kontrolle und Überwachung aller im medizinischen oder im industriellen Bereich angewandten radioaktiven Quellen, sowie jeglicher radioaktiven Stoffe, die dort verwendet werden. j. Festlegung strenger Normen für den Schutz der Bevölkerung vor ionisierenden Strahlen, wobei jegliche Strahlung, die über den normalen Strahlungshintergrund hinausgeht, als gefährlich betrachtet wird. k. Besondere Hilfeleistung für Strahlungsopfer, bei voller finanzieller Verantwortung der nuklearen Unternehmen für die Einrichtung von Sicherheitsmaßnahmen zum Schutze der Bevölkerung und bereitstellen von medizinischer Ausrüstung für den Katastropheneinsatz. l. Weltweite Einrichtung gesetzlicher Maßnahmen, die eine totale zivile Entschädigung (Schmerzensgeld, Steuerentlastung) für nukleare Schäden erlaubt und Aufhebung des bisher in allen Ländern gültigen Price - Anderson Gesetzes. m. Einrichtung einer Internationalen Stiftung zur Hilfe für Strahlungsopfer unter Berücksichtigung auf die transnationalen Auswirkungen ionisierender Strahlungen. n. Endgültiges Verbot des Deponierens radioaktiver Abfälle in den Ozeanen. o. Obligatorische Pflicht zur Verarbeitung und Endlagerung radioaktiver Abfälle im Verursacherland. p. Verbot von Mineration und Abbau radioaktiver Materialien für militärische oder nukleare Zwecke. q. Ersetzen der AIEA durch eine qualifiziertere internationale Kontrollorganisation. r. Gründung einer internationalen Organisation oder Behörde für regenerative Energie. s. Einbeziehung von Informationen und den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen in Hinsicht auf die Gefahren ionisierender Strahlungen auf allen Ebenen in die Lehr- und Ausbildungspläne der Erziehungs- und Bildungssysteme. t. Verbot der radioaktiven Bestrahlung von Lebensmitteln. u. Forderung nach Schaffung atomfreier Zonen auf der Erde. v. Aufgabe der Kernspaltungsforschung für militärische Zwecke (H- Bombe) oder energetische Zwecke, zum einen wegen der enormen Kosten, zum anderen wegen der extrem hohen Energiekonzentration, die diese Technologie voraussetzt. Aktionsplan12. Anerkennung und Förderung der Arbeit der NROs, sozialen Bewegungen und Vereinigungen von Strahlenopfern, die zur weltweiten Bewußtmachung über die Gefahrenquelle Kernspaltung beigetragen haben. 13. Weltweiter Zusammenschluß aller mit der Nuklearfrage befaßten NROs, um eine effiziente Arbeit zu ermöglichen. 14. Aufbau einer weltweiten Datenbank über gegenwärtige Nuklearprogramme, neue Technologien für den Strahlenschutz, Risikoeinschätzung (Risikomanagement), Recycling der nuklearen Anlagen und Hilfeleistungen für die Opfer ionisierender Strahlungen. 15. Festlegung symbolischer Gedenktage zur Durchführung großer Kampagnen gegen die Entwicklung nuklearer Programme und Unterstützung der japanischen NROs bei ihrem "Appell von Hiroshima und Nagasaki", der Sammlung von 1 Milliarde Unterschriften für die Vernichtung aller Atomwaffen. 16. Organisation von internationalen Zusammenkünften, vor allem in den Ländern, die am meisten in nukleare Programme investieren, um so den Kampf gegen Atomkraftwerke und Atomwaffen zu stärken. |
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