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Vertrag zur Landwirtschaft


I. Präambel

Strategie und Kritik

uns ist bekannt, daß:

1. das bestehende globale sozio - ökologische und politische System, das Modell einer industrialisierten Landwirtschaftsproduktion, das die ländliche Entwicklung fördern sollte, die Quelle der sozialen Krise in der Landwirtschaft ist, und deren Auswirkungen in allen Ländern von den ländlichen Gebieten in die Städte ziehen.

2. in den letzten Jahrzehnten hat das bestehende Landwirtschaftsmodell dazu beigetragen, daß die Lebensmittelproduktion sich ständig vergrößert hat und trotzdem vergrößerte sich das Welthungerproblem.

3. das das bestehende landwirtschaftliche Entwicklungsmodell zu einer Verringerung der Artenvielfalt im ökologischem System geführt hat, und die natürlichen Ressourcen verbraucht, und dadurch das Erbe der Strategien und die logische Konsequenz eines Weges, auf der Suche nach schnellen Profiten ist.
Die Kontrolle der Rohstoff- und Nahrungsproduktion ist in die Hände großer transnationaler Konzerne gelangt, zum Nachteil lokaler Landwirte, sowie der Lebensqualität und Nahrungssicherung aller Menschen.

4. das entstandene, in großem Maße Chemiekalien verwendende Landwirtschaftsmodell, auch irreführend "Grüne Revolution" genannt, zerstört die Eigenschaften des Bodens, verstärkt die Austrocknung bis hin zur Verwüstung, verringert die Wasserressourcen und führt zur Versalzung; zerstört genetische Ressourcen, ist energiieabhängig, verunreinigt die Nahrung und trägt zum Klimawechsel bei.

5. Das bestehende Landwirtschaftsmodell verhindert Agrarreformen; führt zu Landbesitzkonzentrationen, die Einkommen und Wohlstand nur für Minoritäten schafft und die Nahrungsmittelpreise steigen läßt.
Dies beutet die in der Landwirtschaft tätigen Menschen aus, die dadurch in ihrer Existenz bedroht sind, weil sie sich verschulden müssen. Es führt zur Landflucht und verhindert die Integration von ländlichen Gemeinschaften und ihrer Kulturen, verringert die Möglichkeit Arbeitsplätze auf dem Lande zu schaffen und intensiviert das Bevölkerungswachstum der Städte mit den verbundenen Problemen der Gesungheitsvorsorge und Ernährung, speziell in den südlichen Ländern.

6. Die biologische Artenvielfalt, die Menschen und traditionelle Gemeinschaften in Jahrtausenden durch das nachhaltige verwalten der Ressourcen und die Weitergabe von Wissen schützten, ist durch unsere Entwicklungsmodelle gefährdet.

7. Die nationalen Strategien der meisten Länder sind durch Wirtschaftsabkommen gebunden. Diese Regelungen führen zu einem Verhalten in der industriellen Landwirtschaft, das die Lebensqualität der Menschen und jeglichen Lebens auf der Erde gefährdet.

8. Die sogenannte "Liberalisierung" des Handels mit Landwirtschaftsprodukten, wie hervorgehoben in GATT, verstärkt die Monopolstrukturen des bestehenden Agrar - Ökosystems und die Unförmigkeit ihrer Produktionssysteme, welche eine demokratische und aktive Beteiligung der Bauern, Kleinbauern und Familienbetrieben unmöglich machen; dadurch unterminieren sie das Nahrungsversorgungssystem der Erde.

9. Dieses vorherrschende ökologische Modell hat ein korrespondierendes vertikales Kommunikationsmodell, das als Instrument der Desinformation und der Domination über den landwirtschaftlichen Produzenten und die Verkaufsinteressen der Agrarindustrie fördert.

Es ist daher dringend erforderlich:

10. Das wir mit dem dominierenden bestehenden Landwirtschaftsmodell brechen müssen, um zu einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechten Landwirtschaftsentwicklung gelangen zu können, die die volle Kontrolle über die natürlichen Ressourchen denjenigen Menschen überläßt, die das Land bearbeiten und ihnen dadurch einen Lohn für ihre Tätigkeit garantieren kann.

II. Prinzipien einer alternativen ökologischen Annäherung

11. Ökologisch dauerhafte und sozial gerechte Landwirtschaft, ist ein Modell von sozialer und wirtschaftlicher Organisation, bezogen auf einer gerechten und mitbestimmenden Vision von Entwicklung, die mit der Umwelt und den Ressourcen harmoniert, und Fundament unserer Nahrungssicherung ist.
Landwirtschaft ist nachhaltig (sustainable) wenn sie wirtschaftlich gesund ist, lebensfähig, sozial gerecht, kulturell passend und sich auf eine biologische Annäherung aufbaut.

12. Ökologisch dauerhafte und sozial gerechte Landwirtschaft erhält die Artenvielfalt, pflegt die Bodenergibigkeit und Wasserreinheit, konserviert und überprüft die chemischen, physikalischen und biologischen Qualitäten des Bodens, recyclt natürliche Ressourcen und spart Energie. Eine nachhaltige Landwirtschaft produziert qualitativ unterschiedliche hochwertige Nahrung, Fasern und Medizin.

13. Ökologisch dauerhafte und sozial gerechte Landwirtschaft gebraucht lokal vorhandene erneuerbare Ressourcen, adequate und bewährte Technologien und minimiert den Gebrauch von fremden und gekauften Materialien. Dadurch steigt die lokale Unabhängigkeit und das Selbstvertrauen und sichert die Finanzen für stabile Einkommen der Arbeitnehmer, Kleinbauern und Familienbetriebe in ländlichen Gemeinschaften. Dies ermöglicht mehr Menschen auf dem Lande zu bleiben und stärkt damit die ländlichen Kommunen und integriert die Menschen in ihrer Umgebung.

14. Ökologisch dauerhafte und sozial gerechte Landwirtschaft akzeptiert die wirtschaftlichen Prinzipien der biologischen Vielfalt, benutzt die Erfolge der modernen Wissenschaft, und sichert ihre traditionellen Weisheiten, die in Jahrtausenden durch ungezählte Landwirte auf der ganzen Welt entstanden sind.

15. Frauen haben eine Schlüsselrolle beim Verwalten der Ressourcen, durch die Kontrolle des Wachsens, des Kaufen und Verkaufen.

16. Die Ursachen der Umweltzerstörungen in den verschiedenen Regionen der Erde müssen aufgezeigt und adressiert werden.

17. Um neue demokratische Verhalten in sozialen Organisationen und nachhaltigen Landwirtschafts - Produktionsgemeinschaften zu schaffen, ist es nötig, daß Einschätzungen und konkrete Experimente in ökologisch dauerhafter und sozial gerechter Weise diskutiert und gestärkt werden, für eine aktive weltweite Handlungsfähigkeit mit Rücksicht auf die sozialen Gegebenheiten, damit die Sozial- und Umweltkrise des bestehenden landwirtschaftlichen Entwicklungsmodells überwunden werden kann.

III. Aktionsplan

NROs und soziale Bewegungen fordern zu folgendem auf:

18. Verpflichtungen zwischen NROs, und Mitarbeit in den NROs und sozialen Bewegungen, damit Arbeiter, Kleinbauern und Familienbetriebe auf allen Ebenen demokratische Vorschläge durchführen, die mit der Entwicklung einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechten Landwirtschaft verbunden sind, um neue Verhaltensregeln, sozialer, wirtschaftlicher und technischer Art in ihren Organisationen in den ländlichen Gebieten zu schaffen.

19. Belange und Bemühungen zwischen sozialen Bewegungen, Frauengruppen, Jugendlichen, eingeborenen Menschen, lokalen Gemeinschaften und Bauern, Kleinbauern und Familienbetrieben zu unterstützen, um intakte Landwirtschaftssysteme zu errichten und zu schützen, zerstörte kulturelle und agrarökologische Systeme, für den beschleunigten Aufbau einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechten landwirtschaftlichen Entwicklung, zu rekultivieren.

20. Bestehende populäre Netzwerke zwischen Menschen und Organisationen in eine ökologisch dauerhafte und sozial gerechte Landwirtschaft miteinzubeziehen, um dadurch auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene für einen adequaten und schnellen Informationsaustausch zu sorgen und um neue Netzwerke zu errichten und diese in Kooperation und Aktion zu verbinden.

21. Internationale Netzwerke zu stärken und Zusammenarbeit und Kommunikation in den bestehenden Netzwerken zu ermöglichen.

22. Kommunikative Mitbestimmungsstrategien in Bezug auf ökologisch dauerhafte und sozial gerechte Landwirtschaftsprinzipien durch zu errichtende Kommunikationsmedien auf lokaler und regionaler Ebene zu verbreiten, damit sie als Informations- und Bildungsinstrumente, eine Alternative zu den Massenmedien sind.

23. Verstärkt auf die Notwendigkeit einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechten Landwirtschaft innerhalb unserer und anderer Organisationen hinzuweisen.

24. Freiwillige Beratungs- und Bildungskampagnen zu organisieren, damit die Prinzipien einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechten Landwirtschaft in die Schulkurikula auf allen Ebenen übernommen werden.

25. Auf die Notwendigkeit der Stärkung der Basisgruppen, speziell der Frauen, bei Entscheidungsfällungen auf allen Ebenen verstärkt hinzuweisen und Hilfen und Dienstleistungen zu etablieren, z.B. bei Entscheidungen über Landbesitz, Kredite, Training, Weiter- und Ausbildungsmöglichkeiten.

26. Die Regierungen unter Druck zu setzen, daß landwirtschaftliche Genossenschaften und Forschungsinstitute aufgefordert werden, daß diese ihre Beschäftigten, Kleinbauern und Familienbetriebe bei ihren Entscheidungsfällungen beteiligen, damit Notwendigkeiten, die vorrangig durch Landwirte erkannt worden sind, beachtet werden.

27. Der Verpflichtung zur Bewahrung genetischen Erbgutes und der biologischen Artenvielfalt durch Einrichtungen, wie z.B. lokale Samen-, Muttermilch-, und Lebensgutbanken und Tiehaltungen.

28. Für die Entwicklung und Förderung alternativer, nationaler und interationaler Strategien, um die von GATT beschlossenen Handelsrichtlinien aufzuheben und/oder rückgängig zu machen und um die in einigen Ländern bevorstehenden Patentierungen von genetischen Ressourcen und Lebensformen zu verhindern.

29. Für die Vergrößerung einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechteren Nahrungsproduktion zu sorgen, damit in Städten, in stadtähnlichen und ländlichen Gebieten eine Verringerung der Armut bewirkt wird und eine Verbesserung der regionalen Lebensmittelversorgung auf allen Ebenen der Kleinproduktion und Selbstversorgung eintritt.

30. Beurteilung agressiver Verhalten in Hinsicht auf eine gerechte Landreform unter deren Prinzipien und Beteiligung der Landbevölkerung auf nationaler und internationaler Ebene.

31. Druck auszuüben, für eine geschützte und geförderte ökologisch dauerhafte und sozial gerechte Landwirtschaft auf lokaler, nationalerund und internationaler Ebene.

32. Die öffentlichen und privaten Wirtschaftsbereiche für die Entwicklung ökologisch dauerhafter und sozial gerechter Landwirtschaftspraktiken sind unter Druck zu setzen, damit sie dafür sorgen, daß Finanzmittel für die Verbesserung dieser Praktiken bereitstehen.

33. Die Einrichtung eines Fonds, damit jenen die durch den Wechsel zu nachhaltigen Entwicklungsmodellen in Schwierigkeit geratenen sind, geholfen wird. Dieser Gelder können aus einer Steuererhöhung für Chemiekalien stammen.

34. Juristische Beratung bei der Schaffung von Richtlinien über die Reduzierung der Verwendung von Pestiziden und Chemikalien in der kommerziellen Landwirtschaft bis zum Jahre 2000, und für die Durchführung des Vorbeugeprinzips in allen Pestiziden verwendenden Landwirtschaften, damit die biologischen Vergiftungen meßbar werden, mit dem Ziel, die in biologischen Arten gespeicherten Gesundheitsgefährdung zu eliminieren.

35. Der Förderung und Erweiterung der Londoner Richtlinien für den Austausch von Informationen über Chemiekalien, übernommen von UNEP am 25.5.1989, die die internationale Verschiffung von Agrochemikalien verbietet.

36. Der Förderung von Umweltinitiativen zum Schutze von Landwirtschaftlichen- und Naturschutzgebieten.

37. Eine internationale Negierung der gegenwärtigen Landwirtschaftspraktiken, die an die GATT- Richtlinien gebunden sind zu erreichen und Strategien einzuführen und zu schützen, die die Nahrungssicherung für alle Menschen zum Ziele hat und speziell die Armen berücksichtigt.

38. Beziehungen mit interessierten internationalen und regionalen Entwicklungshilfeorganisationen und Institutionen für die Förderung einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechten Landwirtschaft aufzubauen.

39. Eine Förderung der Forschung über die Klimawechselursachen und die globale Ozonschichtzerstörung die die Landwirtschaftsproduktionen beeinflussen, einzurichten.

40. Gesetze zu fordern, die die Genforschung reglementieren. Versuche an genetisch modifizierten Organismen müssen überwacht und die Informationsfreiheit in der Biotechnologie und deren Forschung garantiert werden, damit eine Monopolisierung der Biotechnologie und die wirtschaftliche Abhängigkeit der Landwirte dadurch verhindert wird.


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