Die Erklärung von Rio de Janeiro1. Wir die Nichtregierungsorganisationen (NRO) aus der ganzen Welt, nationale und internationale Netzwerke und soziale Bewegungen, haben uns in Rio de Janeiro bei der UNCED - Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung und auf dem angeschlossenen Forum zusammengefunden um unsere "Verpflichtungen gegenüber der Zukunft", zum Ausdruck zu bringen. 2. Wir sind uns der Widersprüche des ungerechten und nicht nachhaltigen dominierenden Entwicklungsmodelles dieser Zivilisation bewußt geworden. 3. Wir sind deshalb der Überzeugung, daß die Rettung des Planeten und seiner gegenwärtigen wie auch zukünftigen Völker von der Schaffung einer neuen Zivilisation abhängt, welche auf ethische Prinzipien beruht, die die Grenzen der Entwicklung, Voraussicht, Sorge und Respekt für die Vielfalt der Lebensformen, Solidarität, Gerechtigkeit und Freiheit bestimmen. 4. Wir werden nicht zulassen, daß das Konzept einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechten Entwicklung auf solche ökologischen Aspekte reduziert wird, die sich vorrangig auf neue Technologie und moderne Marktprodukte beziehen. 5. Für den Aufbau von ökologisch dauerhaften und sozial gerechten Gesellschaften verlangen wir, daß sich die reichen Länder verpflichten ihre Wachstumsraten zu verlangsamen, zu stabilisieren und nötigenfalls zu verringern, damit andere Länder das Recht auf menschenwürdige Lebensbedingungen erhalten und ihre Souveränitätsrechte wahrnehmen können. 6. Die Hauptverantwortung für die Zerstörung des Planeten liegt bei den Ländern der nördlichen Hemisphäre. Im Süden wird außerdem ersichtlich, daß die Regierungen dieser Länder, die Transnationalen Konzerne, internationale Strukturanpassungsinstitute, Banken und lokale Eliten sich zusammengetan haben, um das selbe bankrotte und untragbare Entwicklungsmodell auch dort durchzusetzen, was von der dortigen Bevölkerung hingenommen wird. 7. Wir sind uns bewußt, daß die gegenwärtige, auf Ungleichheit, Herrschaft und Ausbeutung basierenden Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden nicht länger akzeptiert werden können. 8. Der Erdgipfel hat viele Hoffnungen für die Menschheit enttäuscht. Die Politiker unterwarfen sich weiterhin den mächtigen ökonomischen Interessen und der bestehenden Logik der Macht. 9. Wie auch immer, wir möchten feststellen, daß die offizielle Konferenz nicht vollkommen versagt hat. 10. Eine positive Auswirkung der UNCED- Konferenz ist zweifelsohne die Tatsache, daß es den Regierungen und internationalen Institutionen von nun an unmöglich sein wird, über unsere Zukunft zuentscheiden, ohne daß NROs dazu Stellung nehmen. 11. Wir verurteilen die Tatsache, daß die meisten transnationalen Konzerne (TNKs) in Verbindung mit internationalen offiziellen Organen sich der Kontrolle ihrer Bevölkerungen entzogen haben. 12. Wenn wir unsere Gesellschaft betrachten, sehen wir, was wir zu unternehmen haben. Diejenigen, die ein Vorteil aus dem unbeschränkten Wachstum erhalten, weigern sich, ihr Konsumverhalten aufzugeben. 13. Wir haben erkannt, daß eine ökologisch dauerhafte und sozial gerechte Gesellschaft durch und in den Handlungsweisen von Gruppen, Gemeinschaften und Völker aufgebaut wird. 14. Unser Ziel ist es weiterhin, daß in jeder nationalen Gesellschaft und zwischen den Nationen Gerechtigkeit herrscht. 15. In vielen Städten und ländlichen Gebieten haben die Bevölkerungen das Recht auf eine gesunde Umwelt eingebüßt. Wir können in keiner Weise akzeptieren, daß zu den sozialen Ausgrenzungen, die Umweltprobleme hinzukommen. 16. In dieser Welt voller Krisen sind wir oft versucht, uns in unsere persönlichen kulturellen, ethischen und religiösen Kontexte zurückzuziehen, um uns so gegen die wirtschaftliche Übermacht, die unsere Wünsche und Zukünfte diktiert und gegen unerreichbare Bevölkerungsfremde und zuweilen bedrohliche, politische Macht abzugrenzen. 17. Unsere größte direkte Aufgabe, ist die Durchführung und Verstärkung sofortiger Aktionen damit deren Zwischenbeziehungen den Bedürfnissen der Menschen entsprechen und zum Aufbau weiterer gemeinsamer Perspektiven und Projekten führen. 18. Von Umwelt und Entwicklung zu sprechen bedeutet von dem Leben als Ganzem zu sprechen. 19. Bei unseren Debatten und der Ausarbeitung unserer Verpflichtungen wurden wir von unserem Verantwortungsbewußtsein gegenüber all denen, die wie wir für eine bessere Welt arbeiten und gegenüber allen Unterdrückten und Ausgeschlossenen geleitet. |
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