Vertrag zur NahrungssicherungPräambelGegenwärtige Strategien und Kritik Nahrungssicherstellung bedeutet, das Individuen, familiäre Gemeinschaften, Regionen oder Länder, täglich und im Jahresverlauf ihre Nahrungsbedürfnisse befriedigen. Das betrifft die Abwesenheit von Hunger und chronischer Unterernährung. Nahrungssicherung ist am ehesten garantiert, wenn die Nahrung am Ort produziert, verarbeitet, gelagert und verteilt wird und unabhängig von klimatischen und anderen Schwankungen auf kontuierlicher Basis verfügbar ist. 2. Trotz bedeutsamer Steigerungen bei der Nahrungsmittelproduktion, hat sich in den letzten Jahren die Nahrungssicherstellung der Menschheit verschlechtert. 3. Gegenwärtig ist das Problem der weltweiten Ernährungsinstabilität eher das Ergebniss von undemokratischer und ungleicher Verteilung und Zugang zu Ressourcen (wie Land, Kredit, Information und Inzentivem), als ein Problem der globalen Nahrungsproduktion. Hunger kann auch durch soziale und politische Zusammenbrüche, Mißernten oder ökologische Verheerungen verursacht werden, aber die Hauptursache für Hunger ist enorme Armut. 5. Das Problem der Nahrungssicherstellung wird auf zwei verschiedenen Wegen angegangen, der lokalen Selbstversorgung und durch Handelsstrategien. Die Konzepte der Weltbank, des internationalen Monetary Founds und anderer bilateraler und multilateraler Behörden führen zu keiner Lösung des Hungerproblems, sondern verschärfen dieses. 6. Die vorherrschende exportorientierte Entwicklungsstrategie hat zu zahlreichen Problemen geführt. Dazu gehöhrt die folgende Tatsache, daß vier transnationale Konzerne 90% des Weltgetreidehandels kontrollieren. Die Abhängigkeit der Entwicklungsländer von nur wenigen exportierbaren Produkten, die zudem noch an schwankende Marktpreise gebunden sind; großzügiger marktorientierter - Anbau und nicht auf lokale Bedürfnisse angelegte Produktion und die steigende Isolation der Kleinbauern sind große Probleme in den Entwicklungsländern. Die gegenwärtige Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer ist eine Bedrohung für die Nahrungssicherung. 7. Die Abhängigkeit von Nahrungsimporten führt zu zahlreichen Zahlungsproblemen. Wir stellen fest, daß: 9. Nahrungssicherstellung ist Bestandteil einer vitalen nachhaltigen Entwicklung. Die Bevölkerung 10. Das Recht auf Nahrungssicherung beinhaltet nicht nur die materiellen Aspekte, wie Qualität und Quantität und den Zugriff zu Ressourcen, sondern auch die kulturellen Aspekte der Nahrungssicherung. 11. Gerechte und demokratische Landbesitzverhältnisse, Gebrauch und Zugang, sind Voraussetzung für das Entstehen nachhaltiger Nahrungsversorgungssysteme und somit von Nahrungssicherung. 12. Das Aufzeigen der Prinzipien nachhaltiger Landwirtschaft und der Artenvielfalt beinhaltet eine gesunde Ressourcenverwaltung, die die Nahrungsversorgung kritisch betrachtet. 13. Die Stärkung von Bürgerinitiativen bei der Agrarreform und eine Zusammenarbeit mit anderen sozialen Bewegungen kann Nahrungssicherungsentscheidungen- und Strategien für eine nachhaltige Entwicklung schaffen. 14. Frauen haben oft eine entscheidende Rolle bei der Nahrungsproduktion und tragen die Verantwortung für die Lagerung von Lebensmitteln und Saatgut. 15. Ein volles Verständniss der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte landwirtschaftlicher Systeme sind die Vorraussetzung für umweltverträgliche und sozial gerechte Nahrungssicherstellung. Gut ausgebildete Hersteller und Verbraucher, die sich der Prinzipien der Nahrungssicherung und umweltverträglicher Landwirtschaft bewußt sind, haben eine wichtige Bedeutung. 16. Die Sicherstellung der Ernährung ist eine grundlegende und angemessene Zielsetzung der landwirtschaftlichen Politik und sollte von den Regierungen als Ziel ihrer politischen Programme angestrebt und verwirklicht werden. 17. Die geographische Entfernung zwischen Herstellern und Verbrauchern muß so gering wie möglich gehalten werden, um die Ernährungsbasis sicherzustellen. Eine enge Beziehung und gegenseitiges Verständniss zwischen Produzenten und Verbrauchern ist ebenso wichtig. 18. Besondere Beachtung muß den Bevölkerungsgruppen zuteil werden, die potentiell am ehesten durch Nahrungsmangel betroffen werden, dies sind vor allem Naturvölker, Flüchtlinge, aus ihrem Lebensraum verdrängte Menschen, Arbeitslose und Behinderte und andere Minderheiten. 19. Traditionelle landwirtschaftliche Völker verfügen oft über substanzielles Wissen über die Prinzipien der Nahrungssicherstellung, die in umweltverträglichen Produktionssystemen angewandt werden können. 20. Möglichkeiten für den Austausch von Informationen, Ideen, Ressourcen und Erfahrungen im Hinblick auf die Nahrungssicherstellung, können von großer Bedeutung für die Verbesserung der Fähigkeiten, der in diesem Bereich arbeitenden Menschen sein. 21. Es ist grundlegend für die Sicherstellung der Ernährung, daß Bauern und Farmer ein gerechtes Einkommen aus umweltverträglicher Landwirtschaft erhalten, dadurch, daß die ökologischen und sozialen Kosten in die Gesamtkostene landwirtschaftlich produzierter Nahrungsmittel einbezogen werden. AktionenWir verpflichten uns zu folgenden Aktionen: 23. Förderung des innerregionalen Handels von Nahrungsprodukten in unverarbeiteter- und verarbeiteter Form, um auf diese Weise die Verschiedenheit der Nahrungen innerhalb der Länder zu vergrößern und die regionale Nahrungssicherstellung zu verbessern. 24. Wir werden innerhalb unserer Gemeinschaften für die Entwicklung von Mechanismen arbeiten, die die Entfernungen zwischen Produzenten und Verbrauchern soweit wie möglich reduzieren. 25. Wir werden in unseren Gemeinschaften darauf hin arbeiten, das die Viabilität (Durchführbarkeit- Konkurenzfähigkeit) von kleinen und familiären landwirtschaftlichen Betrieben, durch eine größere Produktvielfalt und umweltverträgliche Produktionsweisen stabilisiert wird. 26. Einrichtung von gemeinschaftlichen Lagerungen von Saatgut und Nahrungsmitteln. 27. Aktive Förderung demokratischer und gerechter Landbesitzformen und Pachtsysteme, einschließlich der gemeinschaftlichen (öffentlichen) Kontrolle über Landnutzung, Zugang und Besitz, sowie über Wassereserven und alle die Nahrung betreffenden Entscheidungen und Strategien. 28. Wir werden uns bei nationalen und lokalen Behöhrden, bei intergovermentalen Organisationen und NROs dafür einsetzen, daß die Rolle der Frauen in den " Hauptstrom" der landwirtschaftlichen Entwicklung integriert wird und das andere landwirtschaftliche Aktivitäten Priorität bekommen. Die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Frauen müssen vergrößert werden, durch die Absicherung ihres Zugangs zu Ressourcen wie Land, Kredit, angemessene Technologie und Bildung. 29. Forderung infrastruktureller Einrichtungen wie Transporte, Lagerung, Kommunikationssysteme, Wasser und Energie, um so die Handlungsfähiigkeiten der Menschen zu vergrößern und um ihnen die volle Teilnahme an den wirtschaftlichen Aktivitäten ihrer Gemeinschaft zu ermöglichen und damit dem Ziel der Nahrungssicherstellung näherzukommen. 30. Traditionelles Wissen und Vorgehensweisen in Bezug auf umweltverträgliche Landwirtschaft, biologischer Vielfalt und Nahrungssicherungsstrategien und Techniken, z.B. gesponsorte Saat und Pflanzen, sollen aktiv gefördert werden und politische Strategien, die dieses Wissen und diese Praktiken schützen und stärken, müssen vorhanden sein. 31. Aufbau von Forschungsprogrammen, besonders auf die Betroffenen orientiert (* participant - oriented), um auf diese Weise erfolgreiche Strategien und Vorgehensweisen für die Sicherstellung der Nahrung zu bestimmen. 33. Aufbau regionaler und internationaler Mechanismen (z.B. Informationsnetze, Kooperative Zusammenschlüsse) zwischen den Bauernverbänden; 34. Identifizierung von Finanzierungsquellen für diese Aktionen und aktive Nachfrage nach diesen Finanzierungen. 35. Aktiver Einsatz dafür, daß finanzielle Hilfsprogramme der Nahrungssicherstellung absolute Priorität erhalten und dementsprechend ausreichende Ressourcen dafür zur Verfügung gestellt werden. 36. Unterstützung aller Bemühungen, mit den Problemen die durch den Klimawechsel entstehen, wie z.B: Verlust der biologischen Vielfalt, Biotechnologie, Abholzungen, Bodenverlust, Versteppung, Wüstenbildung, Mißbrauch chemischer Stoffe, Bevölkerungswachstum und Konsumverhalten, fertig zu werden. 37. Aktiver Einsatz dafür, daß die Nahrungssicherstellung ein zentrales Ziel der Handelspolitik, speziell der GATT - Verträge ist, einschließlich des Rechts der Länder und Regionen, ihre Importe so auszurichten, daß die Sicherstellug der Nahrung erreicht wird, solange dies an effektive Systeme gebunden ist, die Überproduktion und Exportdumping verbieten. 38. Unterstützung von Finanierungsprioritäten, die soweit wie möglich zu unabhängigen, umweltverträglichen Nahrungssicherungssystemen führen. 39. Forderungen an Regierungen und multilaterale Institutionen, die strukturelle Anpassungsstrategien betreiben, solchen Maßnahmen und Mechanismen ihre Unterstützung zu entziehen, die der Nahrungssicherstellung in den Entwicklungsländern eher hinderlich als fördernd sind. 40. Forderung das ein Konzept sicherstellt, das Bauern ein angemessenes Einkommen aus umweltverträglicher Landwirtschaft erhalten. Dies muß durch die Einbeziehung der gesamten sozialen- und ökologischen Kosten in die Preise aller landwirtschaftlichen Produkte, verwirklicht werden. |
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