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Vertrag zur Nahrungssicherung


Präambel

Gegenwärtige Strategien und Kritik

Nahrungssicherstellung bedeutet, das Individuen, familiäre Gemeinschaften, Regionen oder Länder, täglich und im Jahresverlauf ihre Nahrungsbedürfnisse befriedigen. Das betrifft die Abwesenheit von Hunger und chronischer Unterernährung. Nahrungssicherung ist am ehesten garantiert, wenn die Nahrung am Ort produziert, verarbeitet, gelagert und verteilt wird und unabhängig von klimatischen und anderen Schwankungen auf kontuierlicher Basis verfügbar ist.

2. Trotz bedeutsamer Steigerungen bei der Nahrungsmittelproduktion, hat sich in den letzten Jahren die Nahrungssicherstellung der Menschheit verschlechtert.
Letzten Schätzungen der "Food and Agriculture Organisation FAO" zufolge starben 1990 mehr als 15 Millionen Menschen der ländlichen Gebiete in den Entwicklungsländern an den Folgen von Unterernährung und über 500 Millionen Menschen der selben Gebiete sind wahrscheinlich chronisch unterernährt.
Dies geschieht trotz des enormen Anstiegs in der Nahrungsproduktion.

3. Gegenwärtig ist das Problem der weltweiten Ernährungsinstabilität eher das Ergebniss von undemokratischer und ungleicher Verteilung und Zugang zu Ressourcen (wie Land, Kredit, Information und Inzentivem), als ein Problem der globalen Nahrungsproduktion.
Das führt zu einer Konzentration der Nahrungsproduktion in bestimmten Gebieten durch die Kontrolle weniger Produzenten, zum Nachteil anderer Gebiete, Kleinbauern und der lokalen Nahrungssicherung.

Hunger kann auch durch soziale und politische Zusammenbrüche, Mißernten oder ökologische Verheerungen verursacht werden, aber die Hauptursache für Hunger ist enorme Armut.
"Eine so absolute Armut, das ihre Opfer weder die Mittel haben ihr Essen zu kaufen noch über Ressourcen verfügen, um Nahrung zu produzieren".

5. Das Problem der Nahrungssicherstellung wird auf zwei verschiedenen Wegen angegangen, der lokalen Selbstversorgung und durch Handelsstrategien. Die Konzepte der Weltbank, des internationalen Monetary Founds und anderer bilateraler und multilateraler Behörden führen zu keiner Lösung des Hungerproblems, sondern verschärfen dieses.

6. Die vorherrschende exportorientierte Entwicklungsstrategie hat zu zahlreichen Problemen geführt. Dazu gehöhrt die folgende Tatsache, daß vier transnationale Konzerne 90% des Weltgetreidehandels kontrollieren. Die Abhängigkeit der Entwicklungsländer von nur wenigen exportierbaren Produkten, die zudem noch an schwankende Marktpreise gebunden sind; großzügiger marktorientierter - Anbau und nicht auf lokale Bedürfnisse angelegte Produktion und die steigende Isolation der Kleinbauern sind große Probleme in den Entwicklungsländern.

Die gegenwärtige Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer ist eine Bedrohung für die Nahrungssicherung.

7. Die Abhängigkeit von Nahrungsimporten führt zu zahlreichen Zahlungsproblemen.
Schwankende externe Marktpreise für Produkte aus Entwicklungsländern, die dadurch eine drastische Verminderung ihrer Importkapazitäten erfahren und dadurch in immer größere Zahlungsschwierigkeiten geraten, sowie größerer Energiekonsum durch Nahrungstransporte über große Entfernungen sind die Huptgründe.
Die Probleme der Abhängigkeit von Nahrungsimporten und Nahrungshilfslieferungen, gleichen aufgezwungenen politischen Maßnahmen und erzeugen Vulnerabilität wenn Liefermechanismen versagen, Entmutigung für lokale Produzenten aufgrund geringer Preise und unfairen Wettbewerb mit traditionellen lokalen Nahrungsmitteln und agressives Konsumverhalten.
Importierende Länder sind in Bezug auf Naturkatastrophen und politische Unruhen verletzlich und haben wenig Kontrolle über die Nahrungsmittelqualität, die bei Transporten über große Entfernungen erhöhte Zusätze an Chemikalien zur Konsevierung benötigen.
Prinzipien der Nahrungssicherung

Wir stellen fest, daß:

8. Nahrungssicherstellung ist ein grundsätzliches Menschenrecht.
Der Zugang zu sicheren, quantitativ hochwertigen Nahrungsmitteln muß für alle Menschen sichergestellt werden.
Das menschliche Grundrecht sich selbst ernähren zu können, muß für alle Menschen abgesichert werden.
Nahrungssicherstellung ist am ehesten gegeben, wenn Produktion, Transport und Verkauf von lokalen Lebensmitteln vorrang gegeben wird und Importe soweit als möglich verringert werden, jedoch in dem Bewußtsein, daß Nahrungsimporte eine Bereicherung der lokal vorhandenen Ressourcen sein können

9. Nahrungssicherstellung ist Bestandteil einer vitalen nachhaltigen Entwicklung. Die Bevölkerung
hat ein Recht auf Selbstversorgung. Nationale und internationale Rechte dürfen dies nicht umgehen.

10. Das Recht auf Nahrungssicherung beinhaltet nicht nur die materiellen Aspekte, wie Qualität und Quantität und den Zugriff zu Ressourcen, sondern auch die kulturellen Aspekte der Nahrungssicherung.
Nahrungsherstellung und Verbraucherverhalten reflektieren die kulturelle, politische, soziale und individuelle Verschiedenheit.
Ungesunde Verhaltensweisen sind abzulehnen, dies müssen die Gemeinschaften lokal, autonom und induviduell entscheiden.

11. Gerechte und demokratische Landbesitzverhältnisse, Gebrauch und Zugang, sind Voraussetzung für das Entstehen nachhaltiger Nahrungsversorgungssysteme und somit von Nahrungssicherung.

12. Das Aufzeigen der Prinzipien nachhaltiger Landwirtschaft und der Artenvielfalt beinhaltet eine gesunde Ressourcenverwaltung, die die Nahrungsversorgung kritisch betrachtet.

13. Die Stärkung von Bürgerinitiativen bei der Agrarreform und eine Zusammenarbeit mit anderen sozialen Bewegungen kann Nahrungssicherungsentscheidungen- und Strategien für eine nachhaltige Entwicklung schaffen.

14. Frauen haben oft eine entscheidende Rolle bei der Nahrungsproduktion und tragen die Verantwortung für die Lagerung von Lebensmitteln und Saatgut.
Sie sind die Trägerinnen der kulturellen Bande in den Prozessen der Nahrungssicherstellung, der gesundheitlichen Fürsorge und Einkommenssicherung der Familie und damit der Gesellschaft als Ganzen.

15. Ein volles Verständniss der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte landwirtschaftlicher Systeme sind die Vorraussetzung für umweltverträgliche und sozial gerechte Nahrungssicherstellung. Gut ausgebildete Hersteller und Verbraucher, die sich der Prinzipien der Nahrungssicherung und umweltverträglicher Landwirtschaft bewußt sind, haben eine wichtige Bedeutung.

16. Die Sicherstellung der Ernährung ist eine grundlegende und angemessene Zielsetzung der landwirtschaftlichen Politik und sollte von den Regierungen als Ziel ihrer politischen Programme angestrebt und verwirklicht werden.
Es besteht ein großer Unterschied zwischen landwirtschaftlichen Subsidien, die Überproduktion stimulieren und solche, die die lokale Selbstversorgung verbessern sollen.

17. Die geographische Entfernung zwischen Herstellern und Verbrauchern muß so gering wie möglich gehalten werden, um die Ernährungsbasis sicherzustellen. Eine enge Beziehung und gegenseitiges Verständniss zwischen Produzenten und Verbrauchern ist ebenso wichtig.

18. Besondere Beachtung muß den Bevölkerungsgruppen zuteil werden, die potentiell am ehesten durch Nahrungsmangel betroffen werden, dies sind vor allem Naturvölker, Flüchtlinge, aus ihrem Lebensraum verdrängte Menschen, Arbeitslose und Behinderte und andere Minderheiten.

19. Traditionelle landwirtschaftliche Völker verfügen oft über substanzielles Wissen über die Prinzipien der Nahrungssicherstellung, die in umweltverträglichen Produktionssystemen angewandt werden können.

20. Möglichkeiten für den Austausch von Informationen, Ideen, Ressourcen und Erfahrungen im Hinblick auf die Nahrungssicherstellung, können von großer Bedeutung für die Verbesserung der Fähigkeiten, der in diesem Bereich arbeitenden Menschen sein.

21. Es ist grundlegend für die Sicherstellung der Ernährung, daß Bauern und Farmer ein gerechtes Einkommen aus umweltverträglicher Landwirtschaft erhalten, dadurch, daß die ökologischen und sozialen Kosten in die Gesamtkostene landwirtschaftlich produzierter Nahrungsmittel einbezogen werden.

Aktionen

Wir verpflichten uns zu folgenden Aktionen:

22. Wir werden uns dafür einsetzen, daß Nahrungssicherstellung ein zentrales Ziel der landwirtschaftlichen Politik und der Nahrungssicherstellungsstrategien lokaler und nationaler Regierungen, institutionen und Behörden, der NROs und sozialen Bewegungen ist.

23. Förderung des innerregionalen Handels von Nahrungsprodukten in unverarbeiteter- und verarbeiteter Form, um auf diese Weise die Verschiedenheit der Nahrungen innerhalb der Länder zu vergrößern und die regionale Nahrungssicherstellung zu verbessern.

24. Wir werden innerhalb unserer Gemeinschaften für die Entwicklung von Mechanismen arbeiten, die die Entfernungen zwischen Produzenten und Verbrauchern soweit wie möglich reduzieren.

25. Wir werden in unseren Gemeinschaften darauf hin arbeiten, das die Viabilität (Durchführbarkeit- Konkurenzfähigkeit) von kleinen und familiären landwirtschaftlichen Betrieben, durch eine größere Produktvielfalt und umweltverträgliche Produktionsweisen stabilisiert wird.

26. Einrichtung von gemeinschaftlichen Lagerungen von Saatgut und Nahrungsmitteln.

27. Aktive Förderung demokratischer und gerechter Landbesitzformen und Pachtsysteme, einschließlich der gemeinschaftlichen (öffentlichen) Kontrolle über Landnutzung, Zugang und Besitz, sowie über Wassereserven und alle die Nahrung betreffenden Entscheidungen und Strategien.

28. Wir werden uns bei nationalen und lokalen Behöhrden, bei intergovermentalen Organisationen und NROs dafür einsetzen, daß die Rolle der Frauen in den " Hauptstrom" der landwirtschaftlichen Entwicklung integriert wird und das andere landwirtschaftliche Aktivitäten Priorität bekommen. Die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Frauen müssen vergrößert werden, durch die Absicherung ihres Zugangs zu Ressourcen wie Land, Kredit, angemessene Technologie und Bildung.

29. Forderung infrastruktureller Einrichtungen wie Transporte, Lagerung, Kommunikationssysteme, Wasser und Energie, um so die Handlungsfähiigkeiten der Menschen zu vergrößern und um ihnen die volle Teilnahme an den wirtschaftlichen Aktivitäten ihrer Gemeinschaft zu ermöglichen und damit dem Ziel der Nahrungssicherstellung näherzukommen.

30. Traditionelles Wissen und Vorgehensweisen in Bezug auf umweltverträgliche Landwirtschaft, biologischer Vielfalt und Nahrungssicherungsstrategien und Techniken, z.B. gesponsorte Saat und Pflanzen, sollen aktiv gefördert werden und politische Strategien, die dieses Wissen und diese Praktiken schützen und stärken, müssen vorhanden sein.

31. Aufbau von Forschungsprogrammen, besonders auf die Betroffenen orientiert (* participant - oriented), um auf diese Weise erfolgreiche Strategien und Vorgehensweisen für die Sicherstellung der Nahrung zu bestimmen.
*das heißt: Auf die Beteiligung der Menschen hin orientiert, die möglicherweise durch die Forschung betroffen sind oder Auswirk- ungen durch diese zu erwarten haben. 32. Entwicklung von regionalen Ausbildungs- und Erziehungsprogrammen über die Prinzipien der Nahrungssicherstellung, umweltverträglicher Landwirtschaft und Ernährung, für Nahrungshersteller und Verbraucher, besonders vor Ort.

33. Aufbau regionaler und internationaler Mechanismen (z.B. Informationsnetze, Kooperative Zusammenschlüsse) zwischen den Bauernverbänden;
NROs, die sich für Umwelt und Entwicklung einsetzen, Verbraucherverbänden und anderen betroffenen Gruppen und Individuen, um diese und andere Aktionen im Bereich der Nahrungssicherung zu verwirklichen.

34. Identifizierung von Finanzierungsquellen für diese Aktionen und aktive Nachfrage nach diesen Finanzierungen.

35. Aktiver Einsatz dafür, daß finanzielle Hilfsprogramme der Nahrungssicherstellung absolute Priorität erhalten und dementsprechend ausreichende Ressourcen dafür zur Verfügung gestellt werden.

36. Unterstützung aller Bemühungen, mit den Problemen die durch den Klimawechsel entstehen, wie z.B: Verlust der biologischen Vielfalt, Biotechnologie, Abholzungen, Bodenverlust, Versteppung, Wüstenbildung, Mißbrauch chemischer Stoffe, Bevölkerungswachstum und Konsumverhalten, fertig zu werden.

37. Aktiver Einsatz dafür, daß die Nahrungssicherstellung ein zentrales Ziel der Handelspolitik, speziell der GATT - Verträge ist, einschließlich des Rechts der Länder und Regionen, ihre Importe so auszurichten, daß die Sicherstellug der Nahrung erreicht wird, solange dies an effektive Systeme gebunden ist, die Überproduktion und Exportdumping verbieten.

38. Unterstützung von Finanierungsprioritäten, die soweit wie möglich zu unabhängigen, umweltverträglichen Nahrungssicherungssystemen führen.

39. Forderungen an Regierungen und multilaterale Institutionen, die strukturelle Anpassungsstrategien betreiben, solchen Maßnahmen und Mechanismen ihre Unterstützung zu entziehen, die der Nahrungssicherstellung in den Entwicklungsländern eher hinderlich als fördernd sind.

40. Forderung das ein Konzept sicherstellt, das Bauern ein angemessenes Einkommen aus umweltverträglicher Landwirtschaft erhalten. Dies muß durch die Einbeziehung der gesamten sozialen- und ökologischen Kosten in die Preise aller landwirtschaftlichen Produkte, verwirklicht werden.


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