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Vertrag zur Armut


1. Armut ist ein Mangelzustand, bei dem wesentliche grundlegende Bedürfnisse eines Menschen für ein würdevolles Leben und Entwicklung in physischer, mentaler und spiritueller Hinsicht fehlen und in den spezifischen Bedürfnissen, die sich aus Geschlecht, Alter, Fähigkeiten / Handycaps, kulturellen Werten und Ethik ergeben, unzureichend oder garnicht vorhanden sind.

2. In jedem Jahr sterben 13 Millionen Kinder an Krankheiten, welche die direkten Folgen von Hunger und damit letztlich von Armut sind.
In einer Welt des Überflusses ist das ethisch nicht tolerierbar.

3. Ungleiche Verteilung und Anhäufung von Reichtum und Verschwendung sind die Hauptursachen von Armut, die zur Zerstörung von Leben, zu Verfall und Zersetzung der zivilen Rechte der Völker (Bevölkerungen) und ihrer kulturellen Identitäten führen. Dadurch werden die Menschen Opfer sozialer, ökologischer und politischer Bevormundung.

4. Historisch gesehen hat die Konzentration von Wohlstand in den Händen weniger zum entstehen der Armut geführt. In den letzten Jahrhunderten führten koloniale Enteignungen zur Verarmung in der südlichen Hemisphäre und zum Wohlstand im Norden.
Die vorherrschende internationale Handelspolitik und strukturelle Anpassungsprogramme sowie auch Ausbeutungspraktiken von nationalen und transnationalen Unternehmen (Wirtschaftsgruppen) sind verantwortlich, für die zunehmende Armut im Süden wie im Norden. Auch undemokratische Handlungsweisen der nationalen Regierungen vergrößern die Armut und konzentrieren den Wohlstand in den Händen einiger Eliten.
Besonders im Süden führte dieser Prozeß zum Bruch mit traditionellen landwirtschaftlichen Systemen und zur Umstellung des Landes auf ökologisch untragbare Produktionen für den Export. Der Verlust der lokalen Nahrungsproduktion und der nationalen Ernährungsautonomie sind bislang die Hauptursache für Hunger und Hungertod.

5. Armut ist das Resultat des gegenwärtigen, auf Ausbeutung von Mensch und Natur begründeten Entwicklungsmodells. Soziale Ungleichheiten sind das Ergebnis ungleichen Zugangs zu natürlichen Ressourcen sowie vom Ausschluß der Bürger bei politischen Entscheidungsprozessen. Die Zentralisation der Macht natürliche Ressourcen und Reserven zu besitzen und sie zu kontrollieren, verursacht gleichermaßen Armut und Umweltzerstörung.

6. In einigen Teilen der Welt tragen Naturkatastrophen und Kriege zur Vergrößerung der Armut bei. Bevölkerungswachstum allein ist nicht die Ursache für Armut. Den Menschen müssen Mittel und Informationen für eine bewußte Geburtenkontrolle zur Verfügung gestellt werden. Zwangsmaßnahmen zur Geburtenkontrolle durchzuführen, mit dem Ziel Armut und Umweltzerstörung zu bekämpfen, ist unvertretbar.

7. Durch den "1991 Bericht der Vereinten Nationen über die menschliche Entwicklung" zeigte sich, und dies erkennen sogar die Regierungen an, daß Armut nicht aus Mangel an Ressourcen entsteht, sondern das Armut Mangel politischen Willens ist, sie zu beseitigen.
"Nicht die Armut, sondern die Armen werden beseitigt", ist die gegenwärtige Politik.
Als Hauptursachen für den Fortbestand der Armut werden die Verschuldung und der Militarismus aufgezeigt.

8. Es ist unwahrscheinlich, daß die UNCED (Weltgipfel für Umwelt und Entwicklung) die internationalen Ungleichheiten reduzieren wird. Selbst die Verwirklichung, der in der Agenda 21 aufgezeigten Wege, würden, nach Schätzungen der Weltbank zufolge, die Jahresdurchschnittseinkommen im Jahre 2030 in den Industrienationen bei 60.000$ und in Afrika bei 400$ liegen.

9. Für den Aufbau einer demokratischen Welt, die sich auf soziale Gerechtigkeit und einem ökologischem Gleichgewicht begründet, ist es notwendig, das Armut durch wirkliche Veränderungen in den Entwicklungsmodellen, den internationalen Beziehungen und lokalen politischen Strukturen, bewältigt wird.
Aktionsplan

Die Ursachen von Armut zu stoppen.

10. Wir verpflichten uns, Aufklärungskampagnen zu folgenden Hauptursachen von Armut durchzuführen und die Bevölkerung gegen diese zu aktivieren.

a. Der Netto-Ressourcenfluß aufgrund der zu zahlenden Schuldzinsen (Servicing) von den armen in die reichen Länder muß gestoppt werden,und die Schulden müssen annuliert werden.

b. Unfaire Handelsabkommen, die wohlhabende Nationen oder wohlhabende soziale Gruppen innerhalb eines Landes begünstigen, müssen abgeschafft werden.

c. Militärische Ausgaben sollten reduziert werden, um so die Umverteilung großer finanzieller Mittel für bessere Lebensbedingungen und ökologische Unversehrtheit zu ermöglichen.

d. Die Konzentration von materiellem Wohlstand sollte durch Gesetze oder durch Steuerauflagen für überflüssige Konsumgüter, nicht dauerhafte Rohstoffe oder direkt für Besitz, reduziert werden.

e. Die Grundrechte der Menschen sollten durch annehmbare Lebensbedingungen garantiert werden, die den Menschen ermöglichen, diese Rechte wahrzunehmen.

f. Nationale oder internationale Unternehmer die Wohlstand ankaufen, vergrößern das ungerechte Verteilen der Ressourcen. Boykotte können gegen solche Unternehmen eingesetzt werden.

g. Aufgezwungene strukturelle Anpassungsprogramme die dem Umweltschutz Ressourcen vorenthalten, müssen abgeschafft werden.

h. Verschwendung verschlimmert Armut und unangemessene Konsumverhalten verursachen Umweltschäden.

i. Weil Frauen von der Armut sehr stark betroffen sind, erfordert dies die Entwicklung von alternativen Wirtschaftsmodellen, die der Rolle der Frau als unbezahlte Arbeitskraft Rechnung tragen.

2.Stärkung der lokalen Gemeinschaften

Wir verpflichten uns in folgender Weise einzusetzen:

11. Zusammenarbeit mit bereits bestehenden gemeinschaftlichen Vereinigungen und ländlichen Organisationen und Schaffung von alternativen ländlichen Strukturen, die es den Gemeinschaften ermöglichen, die Verwaltung und Kontrolle, der sie betreffenden sozio - ökonomischen Prozesse und Umweltbelange selbst in die Hand zu nehmen. Das beinhaltet die Dezentralisation und Demokratisierung der sozialen und wirtschaftlichen Entscheidungen in Hinsicht auf die Sicherstellung des Zugangs aller Menschen zu Nahrung, Wohnung, Gesundheit, Bildung, abgesicherter Landbesitz und sanitäre Infrastruktur.

12. Unterstützung und Schaffung von lokal verwalteten Genossenschaftsbereichen zwecks Förderung der Nahrungsautonomie, so daß zivilen Gruppen wie z.B. Frauen, eingeborene Völker und kleinen Landwirten ermöglicht wird, ihre eigenen Ressourcen zu verwalten und der politischen und sozialen Realität der jeweiligen Länder entsprechende Programme zu entwickeln.

13. Jenen Teilen der Gesellschaft die am stärksten von Armut betroffenen sind, Gruppen wie z.B. Frauen, Kinder, eingeborene Völker und andere Randgruppen, muß aktive Beteiligung an Entscheidungen auf allen Ebenen, sowie Vielbeschäftigung, gleiche Eigentumsrechte und gesetzliche Garantien und Zugang zu Bildung und Information ermöglicht werden.

14. Anerkennung und Förderung von traditionellen, ökologischen umweltverträglichem Wissen. Förderung der lokalen Fähigkeiten zur Entwicklung von angemessener Technologie, die den Bedürfnissen der Bevölkerung und den lokalen Umweltbedingungen angepaßt ist. Einrichtung von lokalen Informations- datenbanken, um so den Zugang zu diesen neuen Technologien zu vereinfachen.

15. Schaffung von selbstständigen alternativen Gemeinschaften mit einer ökologisch dauerhaften und sozial gerechten Basis.

16. Einschluß von Erziehungsprogrammen in Schulpläne, die Wissen über die menschlichen Grundrechte vermitteln, damit dieses Wissen als legale Instrumente imKampf gegen Armut und Umweltzerstörung benutzt wird.

17. Gründung und Förderung von Kooperativen auf der Ebene von Basisgruppen, um auf diese Weise Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen und an der Verbesserung des Lebensstandarts zu arbeiten, um so den Gemeinschaften mehr Macht zu geben.

18. Bildung von Zusammenschlüssen der NROs und anderen sozialen Bewegungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu Armutsfragen, zwecks Austausch von Erfahrungen, Informationen und Ressourcen und für die Entwicklung gemeinsamer Strategien, Kampagnen und Handlungsweisen mit dem Ziel die Armut zu beenden.

19. Nutzung dieser Bündnisse, um die Struktur staatlicher Vorsorge politisch darauf auszurichten, alle Menschen mit den grundlegenden Elementen zu versorgen, damit sie in Würde leben können und damit Entscheidungsprozesse demokratisiert werden.

20. Aufbau örtlicher Kontrollsysteme für Qualitätsuntersuchungen von Trinkwasser, Nahrungsmitteln und anderen grundlegenden Elementen in ländlichen und städtischen Gebieten.

21. Medien müssen stärker genutzt werden, um die oben genannten Strategien und alternativen Lebensstile zu fördern, die zur Beseitigung der Armut beitragen.

22. Kritische Beaufsichtigung der Aktivitäten multinationaler Institutionen wie U.N., GATT, dem Weltwährungsfond und der Weltbank und die Verhinderung ihrer politischen Strategien, wenn sie gegen umweltverträgliche Lebensweisen verstoßen.

23. Die Institution eines weltweiten Netzwerkes von NRO und sozialen Bewegungen zu unterstützen, um die Kommunikation zwischen NRO und Gemeinschaften auf dauerhafter Grundlage zu vereinfachen. Ein Teil dieses Austausches sollte die Verbreitung von Erfolgsberichten sein.

24. Unterstützung sozialer Bewegungen und bevölkerungsnaher Gemeinschaften bei der Bildung von Kommittees, die die sozialen und ökologischen Interaktionen von Projekten auswerten und die Auswirkungen auf die Gemeinschaft beurteilen.


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