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Vertrag zu alternativen Wirtschaftsmodellen


Präambel

1. In der heutigen Zeit ist unsere Erde durch eine gekoppelte Wirtschafts- und Umweltkrise gekennzeichnet.
Die Ursprünge dieser Krise liegen in dem einem Wirtschaftsmodell, das stärker an der Profitmaximierung, als am Wohlbefinden der menschlichen Gemeinschaft orientiert ist.
Dieses System verschwendet unmermeßliche Ressourcen, die begrenzten Vorräte dieses Planeten.
Dieses Entwicklungsmodell beruht größtenteils darauf, daß:

2. das Handelsmodell des Freien Marktes/Freien Handels eine Wirtschaftsform legitimiert, bei der unglaublicher Wohlstand in den Händen weniger liegt und eine weltweite Armut die Konditionen für unsere gesellschaftliche Humanität bestimmt.
Destruktive Konsequenzen wie Armut, menschliches Leid und Zerstörung von Kulturen und Landschaften, verbunden mit einer spirituellen Krise, sind die Folge;

3. die sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten in den nationalen Systemen, die einige Eliten in Nord und Süd stützen, vergrößern die Klassenunterschiede der Völker und Geschlechter.
In Zahlen heißt das: 80 % der Ressourcen der Erde werden von 20% der Menschen verbraucht und diese 20% verursachen die größten Umweltschäden. 1960 waren es 70,2%, 1989 bereits 82,7%;

4. die neoliberalen Kräfte wie z.B. die Bretton Woods Institutionen, teilweise die Weltbank, der IMF (Weltwährungsfound) GATT gebrauchen ihren Einfluß, um die transnationalen Unternehmen bei der Kontrolle über der Ressourcen der Erde, zu unterstützen und auszuweiten. Auch das Brundtland - Modell verhindert dies nicht;

5. die gegenwärtige Verbreitung der Ideologie des freien Marktes unterminiert die Kraft der Staaten Strategien zu entwickeln, die die natürlichen Ressourcen schützen, Menschlichkeit und transformierte soziale Beziehungen berücksichtigt und ökologischen Basisgemeinschaften erlaubt, variable Praktiken durchzuführen;

6. das vorherrschende patriarchalisch aufgebaute industrielle System vergrößert die Unterschiede von Motivation und Einkommen zwischen den Männern auf der einen und den Frauen und Kindern auf der anderen Seite.
Zum Beispiel wird Hausarbeit in der Ermittlung des Bruttosozialproduktes nicht berücksichtigt und die Statistiken zeigen große Unterschiede in der Entlohnung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit auf;

7. Wir die NROs und soziale Bewegungen haben diesen Vertrag aufgesetzt, um Alternativen zu dem bestehendem Wirtschaftsmodell zu definieren und zu etablieren; wir führen dafür die folgenden Prinzipien, politischen Verpflichtungen, Aktionspläne und Weiterführungsmechanismen an.
In diesem Tun erklären wir uns autonom von staatlichen Einflüssen und dem freien Markt.

Prinzipien

Unsere Vision von einem alternativen Wirtschaftsmodell beruht auf folgenden Prinzipien:

9. Grundlage, Fundament oder Basis für ein organisiertes Wirtschaftsleben ist die Versorgung der Gemeinschaft in den Bereichen Nahrung, Sanitäres, Bildung, Gesundheit und das sich erfreuen an kulturellem Gut. Der Gegensatz hierzu sind Profitmaximierung und die Produktion um ihrer selbst willen.
Wirtschaftliches Leben muß in einer solchen Weise organisiert sein, daß die Umgebung mehr geschützt wird, als daß sie zerstört wird, damit sie für zukünftige Generationen erhalten bleibt.

10. Eine Alternative zu dem bestehenden Modell, muß auf den Erkenntnissen traditioneller Gemeinschaften basieren, die Menschen motivieren und in der geschichtlichen und kulturellen Realität verankert sein.
11. Ein alternatives Wirtschaftsmodell muß in seinen Strukturen eine partizipatorische und gleiche Rolle für die Frauen beinhalten.

12. Ein alternatives Wirtschaftsmodell orientiert sich mehr an der lokaler Selbstversorgung seiner Gemeinschaften, Regionen und Nationen ,als am freien Markt, dem Weltmarkt und der organisierten zentralen Produktion und Verteilung transnationaler Unternehmen.

13. Um sicherzustellen, daß die Wirtschaft ihre Ziele von den Verwendungsmöglichkeiten aus konstruiert, müssen die wichtigsten Entscheidungen, die die Menschen und ihre Gemeinschaften betreffen, auch an deren Bedürfnissen orientiert sein. Dies steht im Gegensatz zu den dominierenden, diskriminierenden internationalen Wirtschaftsbeziehungen, die von wenigen Zentralen aus die Perepherie beherrschen.

14. Eine der zentralen ethischen Grundlagen eines alternativen Wirtschaftssystems ist die gegenseitige Interdependenz aller Menschen untereinander und die Zwischenbeziehungen aller Menschen und Gemeinschaften und der materiellen unbeseelten Welt.
Diese Interdependenz erfordert ein System der Ressourcenteilung, das auf der autonomen Gleichheit partizipatorischer Demokratie beruht.
Als Mitglied der Erdengemeinschaft muß der Einzelne Verantwortung beim Verbrauch der Ressourcen übernehmen und innerhalb der vorhandenen natürlichen Grenzen bleiben, und sich von dem Nordstaatenmodell des übermäßigen Konsums distanzieren.

15. Menschliche und wirtschaftliche Entwicklung darf nicht länger vorrangig durch Produktionsstatistiken und dem Stand der technologische Forschung gemessen werden, als Indikatoren müssen vielmehr in starkem Maße individuelles und gemeinschaftliches Wohlbefinden berücksichtigt werden.
Diese veränderten Indikatoren orientieren sich an Gesundheit, Gleichstellung der Geschlechter und unbezahlter Familienarbeit, angeglichene Einkommen, Kinderfürsorge und der Maximierung des menschlichen Glücklichseins sowie einem Minimalverbrauch der natürlichen Ressourcen.

16. In einem alternativen Wirtschaftssystem wird der Staat aus seiner bloßen Chef- und Verteilerfunktion heraus, in Mechanismen umgewandelt, die die menschlichen Grundbedürfnisse fördern und schützen, und dadurch die Erweiterung der Selbstbestimmung in einer gemeinschaftlich orientierten Entwicklung, fördern und schützen.

Ethische Verpflichtungen

17. Auf die oben genannten Strategievisionen verpflichten wir, NROs und soziale Bewegungen, uns selbst:

a. uns zu besinnen und neu zu identifizieren, damit wir gemeinsam mit unseren Basisgemeinschaften, alternative gemeinschaftsbezogene Wirtschaftsmodelle aufzubauen und etablieren;

b. motivierende Mechanismen und Institutionen zu schaffen, um eine altenative Wirtschaftsordnung zu etablieren;

c. teilzunehmen am Aufbau einer von den Menschen getragenen Umwelt- und Entwicklungsbewegung, die von bio- regionalen Netzwerken auf eine globale Solidarität ausgerichtet ist.

Aktionsplan

18. Wir wollen gegen die undemokratischen Handlungsweisen der Bretton- Woods- Institutionen mobilisieren, damit die sogenannten Wirtschaftsstrukturveränderungsprogramme der transnationalen Unternehmen demokratischer werden. Dies schließt auch das Brundtlandmodell der nachhaltigen Entwicklung mit ein.

19. Wir werden daran arbeiten, daß die Auslandsschulden der Entwicklungsländer gestrichen werden und das die Mechanismen dieses ungerechten Systems, das die internationalen Verschuldungen vergrößert, abgeschaft wird.
20. Den Transfer von veralteten Technologien und Industriekomplexen und auch Landwirtschaftsexportprojekte die eine große Umwelt- oder soziale Belastung mit sich bringen, lehnen wir ab.

21. Wir werden unsere Regierungen unter Druck setzen, daß die GATT Beschlüsse in einem menschenwürdigen globalen Handelssystem revidiert werden, das lokale Selbstversorgung und gemeinschaftliche Unternehmungen fördert.

22. Wir werden für eine globale Reduzierung der Militärhaushalte mobil machen, für die Abschaffung des internationalen Waffenhandels und für eine Verwendung dieser Gelder für den Umweltschutz im Norden und im Süden.

23. Wir werden für die Einführung einer Kohlenstoffemissionssteuer arbeiten, wenn die Durchschnittsbelastung eine Tonne oder mehr pro Person und Jahr beträgt. Diese Steuer muß für die Umstellung auf saubere Technologien verwendet werden, die weltweit verbreitet werden sollen.

24. Wir werden für eine drastische Energieverbrauchs- und Konsumreduzierung mobil machen und uns für die Stützung lokaler und regionaler, durch Angemessenheit und Bescheidenheit geprägter Wirtschaften, einsetzen.

25. Wir werden an der Entwicklung neuer sozio-ökonomischer Beziehungen arbeiten, die nicht ausbeuterisch sind, den kooperativen internationalen Handel der Gemeinschaften unterstützen und die Umwelt wiederherstellen.

26. Wir werden Bündnisse schaffen, die die Solidarität unter den Arbeitern,für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne; der Beseitigung von ländlicher Armut durch die Schaffung von Trinkwasser und Sanitäranlagen; ländlichen Arbeitern Landreformen zugestanden werden, die Gleichstellung von Frauen politisch mitentscheiden können ermöglicht wird und für die Naturvölkern ein Leben ohne Angst vertrieben zu werden besteht.

27. Wir werden in unseren Gemeinschaften einen Entwicklungsfound einrichten, in dem die Menschen der Länder des Südens die zentrale Rolle einnehmen.

28. Wir werden für die Transparenz aller Informationen über Entwicklungsprojekte und Entscheidungsprozesse arbeiten, damit gerechte Technologien beurteilt und ausgewählt werden.

Weiterführende Mechanismen

29. Die NROs und sozialen Bewegungen sollen in einer dezentralen, horizontalen und demokratischen Weise auf allen Ebenen, lokal, regional, national und international organisiert sein, damit die Koordination ihrer Arbeit, sich im Kontext der Aktionen entwickelt.

30. Dadurch werden die alternativen Modelle auf allen Ebenen autonom und selbstbestimmend. Netzwerkstrukturen wie folgend beschrieben, sind bestimmend für die transformellen Inhalte und die Koordination mit anderen Vertragswerken und deren Netzwerken.

31. Damit der alternative Wirtschaftsmodellvertrag ein alternatives Entwicklungsmodell ist, ist es wichtig, daß dieser Vertrag eine zentrale Position in dem UNCED Folgeprozess einnimmt.

32. Der "Follow-Up"- Prozess muß ein offenes und wirksames Netzwerk ist, und:

a. Innovative Erfahrungen von alternativen Entwicklungsmodellen identifiziert und in Netzwerke und Netzwerke von Netzwerken integrieren;

b. Arbeitsgruppen zusammen bringen, die Erfahrungen experimentell ausarbeiten; c. die Arbeit interessierter Gruppen in internationalen regionalen und nationalen Foren sponsieren, um die Arbeit an dem alternativen Wirtschaftsmodellvertrag zu bestimmen und zu aktualisieren.

33. Damit die Notwendigkeit einer Vorrangstellung des alternativen Wirtschftsmodellvertragsprozesses auf der intervertraglichen Ebene hervorgehoben wird, müssen wir Mechanismen entwickeln, die diese Modelle in ihrem Anspruch auf die Vorrrangigkeit festlegen.
Deshalb schlagen wir als einen möglichen Mechanismus vor:

a. Jedes Vertragskommitee bestimmt, sechs Repräsentanten für jeweils eine UN-Region einen Representanten. Die Regionen sind die USA, Europa, Asien, Afrika, Lateinamerika, Australien und der pazifische Raum.

b. Dieses Gremium wählt aus seinen Mitgliedern ein internationales Koordinationskommittee, in der alle Regionen vertreten sind.

c. Eine parallel ineinandergreifende Netzwerkstruktur, wird auf allen Ebenen etabliert.

Wichtiger Zusatz und Bedingung:

Jegliche Änderungen der Vertragsausarbeitungsrichtlinien müssen auf dem Internationalen Forum der NRO und sozialen Bewegungen beschlossen werden.


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