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III. Das Netz von Unterdrückung und Ungerechtigkeit


3.6. Für Gerechtigkeit und Menschenwürde kämpfen

III. Das Netz von Unterdrückung und Ungerechtigkeit

12. Die Verknüpfung zwischen verschiedenen Erscheinungsformen von Ungerechtigkeit und Unterdrückung wird immer deutlicher. Rassismus, Sexismus, Klassenherrschaft, die Nichtanerkennung der Rechte einzelner Völker, Unterdrückung der Kasten, sind alle miteinander verwoben wie in einem Spinnennetz. Einzeln oder zusammen sind sie die Ursachen vieler Ungerechtigkeiten, die viel Leid und Tod mit sich bringen. Dieses Netz wird durch Mittel der Unterdrückung gestützt und aufrechterhalten, die von der freundlich lächelnden Geste der Verweigerung bis zum gigantischen Militärapparat reichen.

13. Rassismus. Die globalen Ausmaße des Rassismus wurden auf der ÖRK-Konsultation "Kirchliche Antirassismusarbeit in den achtziger Jahren" von 1980 deutlich herausgestellt. Das gesetzlich gestützte Apartheid-System in Südafrika ist zwar die offenkundigste und scheußlichste Form des Rassismus, doch zeigt sich der Rassismus in allen Teilen der Welt. Gewalt, selbst Völkermord der einheimischen Gruppen, ist in vielen Teilen der Welt endemisch geworden.

13.1 Rassismus wird oft durch internationale Systeme verschärft, in denen wirtschaftliche und militärische Faktoren eine beherrschende Rolle spielen. Die Ansprüche der einheimischen Völker auf Grund und Boden werden oft im Namen der Entwicklung und der nationalen Sicherheit zurückgewiesen. In vielen Teilen Europas und in Nordamerika trägt die Immigrationspolitik und -praxis rassistische Züge. Aus Gründen der Rasse versagt die Bildungspolitik den Menschen die Gleichheit der Bildungs- und Berufschancen. In Südafrika werden Tausende von Menschen im Interesse der Aufrechterhaltung weißer Vorherrschaft ihrer Geburtsrechte beraubt, aus ihren Häusern verbannt und in sogenannte "Heimatländer" verbracht. Widerstand führt oft zu Verbannungen, willkürlichen Festnahmen, Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren und zuweilen zu mysteriösen Todesfällen in der Haft. Gegenwärtig diskutierte Verfassungsänderungen werden wohl zur Folge haben, daß die Vorherrschaft der Weißen gestärkt, die Schwarzen einander entfremdet, und von der Beteiligung an der Schaffung einer gemeinsamen, gerechten und friedlichen Gesellschaft ausgeschlossen werden.

13.2 Die Kirchen haben nicht nur zu einem tieferen Verständnis der Ursachen des zeitgenössischen Rassismus gefunden, sie haben auch erste mutige Schritte unternommen, um den Mächten des Rassismus auf nationaler und weltweiter Ebene entgegenzutreten. Das hat den Opfern russischer Unterdrückung neue Hoffnung in ihrem mutigen Widerstand gegen die gepanzerten Mächte des Rassismus gegeben. Während der Rassismus zunimmt, verstärken sich auch die Kämpfe der russisch Unterdrückten.

14. Sexismus. So wie jede Einstellung, Handlung oder Struktur, die Menschen aus Gründen der Rasse als minderwertig abstempelt, Rassismus ist, so bezeichnen wir alles, was Menschen aus Gründen des Geschlechts unterdrückt oder ausschließt, als Sexismus. Viele der unterschiedlichen Erscheinungsformen des Sexismus sind durch wirtschaftliche Faktoren bedingt, die Ausbeutung und Manipulation nach sich ziehen. Trotz der beträchtlichen Veränderungen in der traditionellen Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen haben Frauen in ihrem Kampf um Gleichberechtigung noch einen langen Weg vor sich. Das Phänomen des zunehmenden Sex-Tourismus, der von internationalen Touristikunternehmen organisiert wird und in erster Linie, wenn auch nicht ausschließlich, Frauen und Mädchen in einigen Ländern der Dritten Welt betrifft - ist eine beunruhigende Entwicklung. Daß bei diesem Geschäft Kinder mißbraucht werden, macht die Situation noch gravierender.

14.1 Gewalt gegen Frauen ist eine weitere verwerfliche Form des Sexismus. Vergewaltigung ist ein Beispiel solcher Gewalt; sie nutzt die körperliche Verletzlichkeit der Frauen aus und bringt den Herrschaftsanspruch einzelner Männer oder Gruppen von Männern zum Ausdruck. Frauen sind oft körperlicher Gewalt ausgesetzt, sie werden geschlagen und gedemütigt. Um dieser Gewaltanwendung zu begegnen, sind mehr Untersuchungen und Informationen über ihre Ursachen und Folgen notwendig.

14.2 Der schädliche Einfluß der Medien muß erkannt und muß so angegangen werden, daß die Medien zu einem positiven Instrument werden, daß stereotype Vorurteile und diskriminierende Haltungen gegenüber einer Rasse oder einem Geschlecht abgebaut werden.

14.3 Die ÖRK-Studie über die Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche, die seit Nairobi durchgeführt wurde und ihren Höhepunkt in der Sheffield-Konsultation 1981 erreichte, hat dazu beigetragen, die Ursachen der Unterdrückung der Frauen zu erkennen und diente dazu, Macht als Befähigung zur Macht zu verstehen. In dieser Hinsicht ist Macht keine endliche Größe, die sich verringert für eine Gruppe, wenn eine andere sie erringt. Macht kann vielmehr schrankenlos sein. Macht ist nicht als Macht übereinander zu verstehen. Sie läßt es zu, daß diejenigen, die unterdrückt werden, sich verteidigen und gleichberechtigte Partner im Kampf um Gerechtigkeit und Menschenwürde auf dem Weg zur Schaffung wahrer Gemeinschaft werden.

15. Viele Erscheinungsformen des Sexismus und des Rassismus beruhen auf Klassenherrschaft, die ihrerseits auf wirtschaftlicher Ausbeutung und dem Profitgedanken, auf kultureller Befangenheit, Kolonialismus und Neokolonialismus begründet ist.

16. Es ist traurige Wirklichkeit, daß Kirchen häufig Unterdrückung und Herrschaft unterstützen und dulden. Allzuoft ist das kirchliche Leben lediglich das Spiegelbild des sozialen Umfeldes, während die schwächsten Glieder der Gesellschaft - die Armen, die russisch Unterdrückten, die Frauen - von den Führungsstellen und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind.


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